Berlin, 16.12.2016/cw – Laut Medienberichten hat jetzt ein ehemaliger politischer Gefangener Strafanzeige gegen den jüngst ernannten und wegen seiner einstigen hauptamtlichen Stasitätigkeit in die Kritik geratenen Staatssekretär Andrej Holm (46) erstattet. Hugo Diederich (62), Beisitzer im Vorstand der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und Bundesgeschäftsführer begründet sein Anzeige gegenüber der B.Z. so:

„Holm hat sich durch falsche Angaben im Lebenslauf seinen Job bei der Humboldt-Uni erschlichen und hätte deshalb auch nie zum Staatssekretär ernannt werden dürfen.“

Diederich steht nicht allein. Auch der frühere Chef des Berliner Beamtenbundes Joachim Jetschmann (72) sieht einen „Anfangsverdacht“ wegen Falschbeurkundung: „Falsche Angaben im Lebenslauf, erst recht wenn damit die hauptamtliche Tätigkeit bei der Stasi vertuscht werden sollte, sind schwerwiegende Einstellungs- und Ernennungshemmnisse“ (B.Z.).

Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert inzwischen eine Sondersitzung des Hauptausschusses, um die Personalie Holm zu debattieren.

Die Vereinigung 17. Juni in Berlin begrüßt den Antrag der CDU. Es gäbe zur Zeit keine nachhaltigen Kenntnisse, die eine juristische Entscheidung erforderlich machten: „Diese skandalöse Personalie muß politisch entschieden werden,“ sagte Vorstandssprecher Carl-Wolfgang Holzapfel (72), der selbst 1966 in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, heute in Berlin. Der klarste Weg sei der freiwillige Rücktritt von Holm, um Schaden von Berlin und den schweren und vermeidbaren Affront der SED-DDR-Opfer abzuwenden. „Sollte er dazu nicht in der Lage sein, ist der Regierende Bürgermeister gefordert, von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen und den Stasi-belasteten Staatssekretär zu entlassen.“

Kommentar:

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, sagt der Volksmund. Wenn nun ausgerechnet ein Mann Anzeige wegen „Täuschung“ erstattet, der selbst in den vergangenen drei Jahren einigen Ermittlungsverfahren ausgesetzt war, weil er als Bundesvorsitzender, Geschäftsführer, Schatzmeister und Auftragnehmer (der VOS in Personalunion) „pflichtwidrig (die Rentenversicherung Bund) über sozialversicherungsrechtlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis gelassen“ habe, hat das ein „Geschmäckle“. Auch dessen bislang ungeklärte und selbst bisher nur im kleinen Kreis eingeräumte Tätigkeit als Leiter einer sogen. „Stasi-Sparkasse“ ist im Zusammenhang mit der Anzeige des Funktionärs und ausgewiesenen Dipl.-Kaufmanns und Finanzmaklers hinterfragungswürdig. Auf diese Weise wird eine Anzeige zum Bumerang gegen die eigene Klientel, die es schon geraume Zeit versäumt, ihren Vertretern mit gleicher Energie auf die Finger zu schauen. Jedenfalls sieht Glaubwürdigkeit anders aus.

Berliner ZeitungAbstimmung:  Soll Andrej Holm zurücktreten?                                                                                                                                                      http://www.berliner-zeitung.de/berlin/abstimmung-soll-andrej-holm-zuruecktreten-oder-nicht–25312130

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