Brüssel/Berlin – im August 2016 – In einer weltoffenen, modernen Demokratie, wie Europa und Deutschland sie sich in Jahrhunderten erkämpft haben auf der Grundlage der Ideen von Gleichheit und Freiheit der Individuen, des ungeteilten Respekts gegenüber der Würde des Menschen und der Geschlechter voreinander, darf es keine Sonderrechte für konservative Religionsauslegungen und keine besonderen Kleidungszwänge für muslimische Frauen geben, die in der Öffentlichkeit weder ihr Haar noch ihr Gesicht, noch ihre Körperformen zeigen dürfen.

So, wie überall nackt herumzulaufen in Deutschland und Europa verboten ist, weil es unserem Sittengesetz widerspricht, sollten auch die eher tribalistisch denn religiös herleitbare Burka und der Niqab in Deutschland, ähnlich wie in Frankreich, Belgien oder im schweizerischen Tessin, verboten werden. Für ein solches Verbot sprechen sich die UnterzeichnerInnen aus unterschiedlichen religiösen, politischen und ethnischen Herkünften gemeinschaftlich in dieser Erklärung aus.

Zugleich unterstreichen wir:

Das Zusammenleben verschiedener Religionen in Deutschland und Europa kann nur gelingen unter den dominanten säkularen Regeln der Demokratie und der Frauengleichberechtigung sowie der Handlungsfreiheit des Individuums einschließlich jener, die Religion zu wechseln, ohne Religion zu leben und der Freiheit, die grundlegenden religiösen Schriften frauen- und demokratiefreundlich auszulegen. Islamische Verbände, die diese Grundlagen des Zusammenlebens der Religionen in Deutschland nicht aktiv und verbindlich unterstützen, können keine Gleichstellung mit jenen Religionen beanspruchen, die sich den Erfordernissen einer freiheitlichen und säkularen Grundordnung untergeordnet haben.

Unser Grundgesetz wollte nie Fundamentalismus, Engstirnigkeit und Rückwärtsgewandtheit in den Religionen fördern, im Gegenteil. Was den Umgang der Geschlechter und die Kleidungssitten betrifft, so darf die Bekenntnisfreiheit nicht für den Zwang missbraucht werden, wie im 7. Jahrhundert leben, denken und sich kleiden zu müssen, zugleich aber und im Widerspruch dazu die einer aufgeklärt-rationalen Denkweise geschuldeten Technologien des Internet und des Smart Phones, des Flugzeuges, der modernen Medizin ganz selbstverständlich für sich beanspruchen. Die Propagierung einer vormodernen, patriarchalen, frauen- und sozialfeindlich-separatistischen Ideologie, für die die weibliche Vollverschleierung steht, darf überdies nicht durch die Errungenschaften des modernen Sozialstaats großzügig belohnt und gefördert werden. Es darf aber auch nicht vergessen werden: Der Druck zur Vollverschleierung geht vielfach nicht nur von Männern, sondern auch von davon überzeugten Frauen aus. Die Vollverschleierung greift letztlich alle Frauen der Gesellschaft in ihrer Würde an und wirbt für einen extremen, frauenfeindlichen Islam. Sie ist der „Kampfanzug des Islamismus“ (Saïda Keller-Messahli, Schweizer „Forum für einen fortschrittlichen Islam“).

Solange Millionen Frauen mit brutaler Gewalt unter die Verschleierung gezwungen werden in Asien, im Nahen Osten und in Afrika, stellt das „freiwillige“ Tragen der Burka in Europa ausserdem eine Ent-Solidarsierung mit den Opfern des Islamismus-Islam und eine Unterstützung seiner gewalttätigen Vertreter dar, die angesichts der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 inakzeptabel ist.

Die liberalen, friedfertigen, demokratiefreundlichen Musliminnen und Muslime, die sich in Deutschland integrieren wollen, aber auch die moderne Industrie- und Dienstleistungs-gesellschaft mit ihrem Sozialstaat fordern wir auf, Kleider-, Sex-, Familien- und Stammesregeln nicht am Wahabismus oder an ihren Herkunftsländern zu orientieren und zu tolerieren, sondern entschlossen zurückzuweisen und hier im Europa des 21. Jahrhunderts mit seiner unaufgebbaren, unverhandelbaren Demokratie- und Frauengleichberechtigungs-geschichte anzukommen.

ErstunterzeichnerInnen:

Eva Quistorp, MdEP a.D. (GRÜNE), Frauen für Frieden, Theologin, Autorin
Paul Nellen, Dipl.-Pol., Autor und Journalist (GRÜNE)
Doro Meuren, Dipl.-Soziologin (GRÜNE)
Samuel Schirmbeck, Journalist und Autor, ehem. ARD-Algerienkorrespondent
Jaklin Chatschadorian, Rechtsanwältin, Stellv. Vors. des Integrationsrates Köln, (CDU)
Nasrin Amirsedghi, Dozentin für „Deutsch als Fremdsprache & als Zweitsprache
Prof. Helke Sander,Filmemacherin, Autorin
Halina Bendkowski, Agentin für Geschlechterdemokratie
Cora Stephan, Autorin
Vera Lengsfeld, MdB a.D., Autorin (CDU)
Christa Zehrtner, Theologin, Germanistin, Dipl.-Psych., Schulpsychologierätin
Monika Maron, Autorin
Rahima Valena, frauenpolit. Sprecherin der Grünen Stadtratsfraktion, Göttingen
Dr. Dr. med. Rahim Schmidt, MdL a. D., Rheinland-Pfalz (CDU)
Margreet Krikowski, Projektmanagerin,  Berlin
Stefan Krikowski, Pädagoge,  Berlin
Prof. Dr. Bassam Tibi, Professor Emeritus for International Relations, Göttingen
Gerold Hildebrand, Dipl.-Soziologe, Berlin
Chris Werner, Künstlerin
Christiane Rittner, Künstlerin
Monique A. Klinkenberg, M.A., Deutschlehrerin für Ausländer
Nikolaus Becker, Fotograf/Videomacher
Prof. Dn. Luise F. Pusch,Sprachwissenschaftlerin
Ali Yildiz, Assessor iuris,  Christlich-Alevitischer Freundeskreises der CDU,  Vorstandsmitglied der CDU Berlin Wedding

Wir freuen uns über weitere Unterschriften aus dem vielfältigen Deutschland!

Kontakt: Eva Quistorp <eva@berlin-declaration.org> / Paul Nellen <pnellen@yahoo.de

Anmerkung: Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. und die Redaktion Hoheneck schließen sich vorstehender Petition an. Berlin, 20.08.2016 gez.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender