von Vera Lengsfeld

Berlin, 13.08.2016/vl – Heute ist der Jahrestag des Mauerbaus. Vom 13. August 1961 an trennte eine tödliche Grenze die beiden deutschen Teilstaaten. Tödlich nicht für die „Faschisten“, die vom „Antifaschistischen Schutzwall“ abgehalten werden sollten, in der DDR ihr Vernichtungswerk zu tun, sondern tödlich für die Menschen, die den sozialistischen Staat verlassen wollten. Als der damalige Partei- und Staatschef Honecker im Januar 1989 verkündete, dass die Mauer noch 100 Jahre stehen würde, gab es keinen hörbaren Widerspruch.

Bekanntlich kam es anders. Das Volk der DDR brachte das Monstrum zum Einsturz. Wie sich schnell herausstellte, war das auch das Ende der DDR, die ohne Schusswaffengebrauch gegen ihre eigenen Bürger nicht bestehen konnte. Das schmerzt die ehemaligen Machthaber noch heute. Unterstützt von Steuergeldern der verhassten „imperialistischen BRD“ kämpfen sie um die Deutungshoheit über die Geschichte.

Die Vereinigung 17.Juni1953 hielten den DDR-Aktionisten Fotos des am 17.08.1962  ermordeten Peter Fechter entgegen - Foto: LyrAg

Mitglieder der Vereinigung 17.Juni1953 hielten den DDR-Aktionisten Fotos des am 17.08.1962 ermordeten Peter Fechter entgegen – Foto: LyrAg

So auch heute wieder. Am Brandenburger Tor findet eine Gedenkfeier statt, die an die Mauertoten erinnern soll. Ausgerichtet wird sie von der Gedenkstätte im ehemaligen Stasigefängnis Hohenschönhausen und der UOKG, einem Dachverband der Vereine der ehemaligen politischen Gefangenen der DDR. Eröffnen wird die Veranstaltung der ehemalige politische Häftling und heutige Politiker Dieter Dombrowski, reden wird unter anderen Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen. Den Abschluss bilden Erlebnisberichte ehemaliger Häftlinge, die wegen des Vergehens der „Republikflucht“ zum Teil jahrelang inhaftiert waren.

Wiederbelebte DDR-Propaganda: „Schuld am Mauerbau war die BRD“

Dagegen macht ein Verein „Unentdecktes Land e.V. “ Front.  Er hat zu einer Demonstration anlässlich des „55. Jahrestages der Sicherung der Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik“ auf dem Pariser Platz aufgerufen. In dem Aufruf heißt es, die Grenze sei gebaut worden, um die Freiheit der „jetzt herrschenden Kriegstreiber und Verelender“ zu beschneiden. Mit einem Großtransparent will der Verein „gegen die Verhöhnung der Opfer des Mauerfalls und gegen die deutschen Kriege und Kriegstreiber“ protestieren. In einem ergänzenden Text zur Aktion wird behauptet: „Schuld am Mauerbau war die BRD.“

Der Verein wurde angeblich von drei „unbescholtenen Bürgern“ gegründet, die eine Aktion zum 25. Jahrestag des Mauerfalls auf dem Alexanderplatz planten und durchführten. Interessant ist, dass man die Namen dieser „unbescholtenen Bürger“ nirgends findet. Die Website des Vereins gibt keinerlei Informationen, wer seine Gründer und Aktivisten sind. Bei Veranstaltungen tritt als einer der Sprecher dieses Vereins Johannes Oehme auf, Sohn des Chefs des Eulenspiegel-Verlages Matthias Oehme. Vater und Sohn haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Andenken der DDR vor der Verschmutzung durch  „Imperialisten“ zu bewahren. Johannes ist der Herausgeber eines Buches „Neues vom Hauptfeind – Zur Entwicklung des deutschen Imperialismus nach 1945“. Darin wird die antiimperialistische Propaganda der DDR wieder belebt. Erstaunlich, wie ein junger Mann sich unkritisch zum willigen Wasserträger der Ewiggestrigen macht.

Man muss nicht lange suchen, um die Hintermänner von „Unentdecktes Land“ zu finden. In einer Eröffnungsrede zur „Alternativen Einheitsfeier“ 2015 des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.V. bedankt sich dessen Präsident Dr. Werner nicht nur bei den Geldgebern, der Linken und der Rosa Luxemburg-Stiftung (Steuergelder!), sondern verkündet auch, dass der Verein „Unentdecktes Land“ ihr Anliegen auf die Straße tragen würde.

Was ist ihr Anliegen? „Verteidigung der Wahrheit über die DDR gegen den imperialistischen Einheitsstaat“. Das „politische und kulturelle Erbe der DDR“ soll fortleben. Nach dem ersten gescheiterten Versuch „eine gerechte und kritische Welt zu gestalten“ soll im zweiten Versuch endgültig „die sozialistische Zukunft der Völker“ erkämpft werden.

Für die politischen Gefangenen der DDR, deren Leben vom ersten sozialistischen Großversuch schwer beschädigt und teilweise zerstört wurde, ist der Auftritt von „Unentdecktes Land“ am heutigen Tag vor dem Brandenburger Tor eine besonders unerträgliche Provokation. Es wäre interessant zu wissen, ob die Kahane-Stiftung die Aktion unterstützt als ein Projekt im Kampf gegen Rechts. Schließlich sind der Verein und die hinter ihm stehenden Verbände ehemaliger DDR-Machthaber ja astreine „Antifaschisten“.

Der Text erschien zuerst auf meinem Blog „Freedom is not free

http://www.achgut.com/artikel/ein_unheimliches_echo_am_heutigen_tag_des_mauerbaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

55 Jahre Mauerbau Provokante Mauer-Thesen n Opferverb55 Jahre Mauerbau Provokante Mauer zu verlassen.“
– „Handeln Sie jetzt aus eigener Initiative, oder hat sich der Veranstalter beschwert?“
– „Der Veranstalter hat sich beschwert…“

Der Mann, den die Polizistin bittet, sich zu entfernen, ist Karl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender der „Vereinigung 17. Juni 1953“. Er hält ein Schwarz-Weiß-Foto hoch, auf dem ein toter Mann hinter einem Stacheldraht zu sehen ist.

„Das ist ein Foto von der Ermordung Peter Fechters, der am 17. August 1962 an der Mauer nahe dem Checkpoint Charlie erschossen wurde und verblutet ist. Und wir gehen spontan mit diesem Foto hierher zu der Demo, weil wir kritisieren, dass hier behauptet wird: Die Mauer ist gefallen, nur damit wieder Kriege geführt werden. Und das ist eine Unverschämtheit angesichts der vielen Toten an der Mauer. Dagegen wehren wir uns.“

Holzapfel und einige andere, die ähnliche Fotos mitgebracht haben, protestieren am Brandenburger Tor gegen eine Kundgebung des Vereins „Unentdecktes Land„. Die These, die Holzapfel unverschämt findet, steht auf einem etwa 50 Meter langen Transparent, das die Mitglieder des Vereins im Halbkreis hochhalten. Darauf steht: „Diese Grenze wurde aufgehoben, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen.“ Der Sprecher des Vereins, Ringo Ehlert, nennt die Kundgebung eine „antimilitaristische Aktion“. Deutschland sei seit dem Mauerfall wieder eine Kriegsnation. Dagegen richte sich diese Kundgebung. Das bedeute aber nicht, dass sich sein Verein die Mauer zurück wünsche, so Ehlert: „Die DDR wollte diese Mauer nicht. Es war eine Notlösung. Die DDR wollte ja eine Lösung haben, ein einheitliches, demokratisches, entmilitarisiertes Deutschland. Diese Notlösung musste ja sein, weil der Westen praktisch mit einer separaten Währungsunion und mit massiven Sabotageakten, auch mit massivem Abzug von Arbeitskräften den Staat DDR dazu gebracht hat, dass er ausblutet. Und er musste aus ökonomischen Gründen diese Mauer errichten.“

Zynische Worte in den Ohren der Protestierenden, die nur hundert Meter weiter der Menschen gedenken, die bei ihrem Fluchtversuch an der Mauer erschossen wurden. Unmittelbar vor dem Brandenburger Tor stehen zwei graue Kastenwagen der Stasi. Darin wurden Gefangene transportiert. Heute am Jahrestag des Mauerbaus stehen sie hier zur Besichtigung.

Dombrowksi: „Das macht mich traurig“

Mehrere Opfervereine erinnern an den 13. August 1961 und die Folgen der deutschen Teilung. Der Vorsitzende der „Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft“ und Vizepräsident des Brandenburgischen Landtags, Dieter Dombrowski, kann es nicht fassen, dass 27 Jahre nach dem Fall der Mauer einige immer noch die DDR-Diktatur verteidigen: „Das macht mich nicht wütend, das macht mich traurig, dass es Menschen gibt, die auch heute das Schießen auf Menschen als deren eigenes Verschulden letztendlich karikieren und nicht die Schuld sehen bei dem Staat, der die Menschen daran gehindert hat, ihre bürgerlichen Rechte wahrzunehmen und zum Beispiel zu reisen.“

Dombrowski erinnert nicht nur an die Toten an der Mauer. Er setzt sich auch für eine Entschädigung und Rehabilitation von Opfern des DDR-Regimes ein. So gebe es nach wie vor Nachteile bei der Rente. Auch solle sich der Staat nicht nur auf das Gedenken beschränken, sagt Dombrowski. „Gedenken ist wichtig, aber es müssen auch die berechtigten Belange von Opfern nicht als unerfüllbar hingenommen werden, sondern man muss sich damit beschäftigen. Die Politik ist im Moment dazu nicht bereit. Nehmen wir das Thema Zwangsarbeit zum Beispiel; hier ist null Bereitschaft bei der Politik, sich damit zu beschäftigen, das Thema Zwangsarbeit auch sei es ideell oder materiell abzugelten.“

In Berlin wurde heute mit zahlreichen Veranstaltungen an den Beginn des Mauerbaus vor 55 Jahren erinnert. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller legte an der Gedenkstätte Bernauer Straße in Erinnerung an die 138 Opfer der Mauer einen Kranz nieder:

„Der 13. August ist für viele Berlinerinnen und Berliner, für viele Deutsche doch nach wie vor sehr wichtig, an diesen schlimmen Einschnitt in unserem Zusammenleben auch zu erinnern und deutlich zu machen, was da passiert ist. Auch deutlich zu machen, dass es gelungen ist, diese Teilung zu überwinden und das Ganze natürlich auch jenseits des persönlichen, des privaten Schicksals vielleicht auch politisch einzuordnen.“

http://www.deutschlandfunk.de/55-jahre-mauerbau-provokante-mauer-thesen-empoeren.1783.de.html?dram:article_id=363036

 

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