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Berlin, 21.06.2016/cw – Auch in diesem Jahr hatten sich die Reihen der Zeitzeugen weiter gelichtet: zwei waren seit dem letzten Gedenktag verstorben, andere konnten aus Gesundheitsgründen diesmal nicht nach Berlin kommen oder an dem Staatsakt auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Bezirk Wedding teilnehmen.

Ungebührliches Sonnenbad? Was Besucher zunächst entsetzte, erwies sich als Notfall - Foto: LyrAg

Ungebührliches Sonnenbad? Was Besucher zunächst entsetzte, erwies sich als Notfall – Foto: LyrAg

Die freien Plätze in der Reihe der Veteranen, Zeitzeugen oder der Familienangehörigen nahmen zwei Teilnehmer am Volksaufstand ein, die trotz ihres hohen Alters (*1926 und 1934) den weiten Weg nach Berlin nicht gescheut hatten: Klaus Hobrack, aus Jena angereist, und Helmut Schlönvoigt, der jetzt in Heidenheim wohnt. Beide hatten zuvor die Vereinigung 17. Juni kontaktiert, nachdem sie im Bayerischen Rundfunk den TV-Beitrag über den 17. Juni gesehen hatten (8.Juni, 21:00 Uhr, wir berichteten) und waren der Einladung des Vorsitzenden gefolgt. Die Veteranen waren trotz strömenden Regens von dem Staatsakt tief beeindruckt. Sie hatten erstmals außerhalb der zehnjährigen Jubiläen an dieser Veranstaltung teilgenommen.

Die Glocken läuteten den Aufstand ein

Klaus Hobrack hatte als 18jähriger die Glocken in der zerstörten Stadtkirche von Jena geläutet, als die Arbeiter in der Stadt demonstrierten. Sein Bruder Siegfried beteiligte sich indes als 17jähriger am Streik der Zeiss-Arbeiter und war Zeuge, als die Arbeiter die SED-Zentrale im Stadtzentrum stürmten. Nachdem die Demonstrationen durch den Einsatz sowjetischer Panzer aufgelöst worden waren, trafen sich die beiden Brüder auf dem Weg nachhause und beschlossen spontan, an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Am Holzmarkt, dem Sitz der SED-Zentrale, stießen sie auf ihren Onkel Ede, der in der Kreisleitung der SED arbeitete. Ein heftiges Wortgefecht führte dazu, dass der eigene Onkel seine Neffen von sowjetische Soldaten verhaften ließ.

60. Jahrestag der Revolution in Ungarn - die Vereinigung 17.Juni drapierte aus diesem Anlass die Kränze Ungarns und der Ukraine vor das Mahnmal - Foto: LyrAg

2016 – 60. Jahrestag der Revolution in Ungarn – Die Vereinigung 17.Juni drapierte aus diesem Anlass die Kränze Ungarns und der Ukraine vor das Mahnmal auf dem Friedhof – Foto: LyrAg

Klaus wurde als bereits 18jähriger der Prozess gemacht. Das Urteil: Drei Jahre wegen Boykotthetze. Seine Haft verbüßte er im Arbeitslager der Stasi-Strafanstalt Hohenschönhausen in Berlin. Siegfried wurde als Jugendlicher von einem Jugendgericht in Gera zu 5 „freiwilligen“ Arbeitseinsätzen verurteilt. Die Strafe wäre vermutlich ohne den Einsatz seiner Arbeitskollege weit höher ausgefallen. Diese hatten eine Teilnahme am Prozess erzwungen und bei einer Verurteilung mit dem Austritt aus der FDJ gedroht. Siegfried floh nach der Verrichtung der auferlegten Arbeitseinsätze im Februar 1954 in den Westen und lebt heute in der Eifel. Sein Bruder Klaus wohnt wieder in Jena.

Er forderte als Erster die Freilassung politischer Gefangener*

Helmut Schlönvoigt drang im Alter von 27 Jahren als erster Demonstrant in die Stasi-Kreisdienststelle in der Humboldtstraße in Jena ein und forderte ultimativ die Freilassung dort vermuteter inhaftierter politischer Gefangener. Außerdem sicherte er einige Stasi-Akten, die teilweise in den Weste gelangten. Nach der Denunziation und seiner Verhaftung als „Rädelsführer“ hatte der junge Mann Glück: Das nach dem Aufstand völlig überlastete Bezirksgericht in Gera konnte aus diesem Grund seine Rolle bei der Erstürmung der Stasi-Kreisdienststelle nur am Rande beleuchten. So wurde Schlönvoigt „nur“ zu einem Jahr und vier Monate Zuchthaus wegen „Boykotthetze“ verurteilt. Nach seiner Freilassung gelang ihm die Flucht in den Westen.

Seit 7 Jahren ehrt die Vereinigung 17.Juni auch die Opfer des NS-Regimes am Steinplatz. UOKG und VOS, die sich zunächst beteiligten, stiegen zwztl. aus und beschränken sich auf die Ehrung der Opfer des Stalinismus am selben Ort - Foto: LyrAg

Seit 7 Jahren ehrt die Vereinigung 17.Juni auch die Opfer des NS-Regimes am Steinplatz. UOKG und VOS, die sich zunächst beteiligten, stiegen zwztl. aus und beschränken sich auf die Ehrung der Opfer des Stalinismus am selben Ort – Foto: LyrAg

Seither bemüht sich der heute Neunzigjährige, die Erinnerung an den 17. Juni besonders in Jena wachzuhalten. So nimmt er so oft wie möglich an entsprechenden Veranstaltungen des Geschichtsvereins in Jena teil und sucht dort im Anschluss regelmäßig das Ehrengrab seines Freundes Walter Scheler auf dem Nordfriedhof auf. Auf dem Rückweg nach Heidenheim fährt der rüstige Veteran über Weimar. Am ehemaligen Gerichtsgefängnis befindet sich seit 1996 eine bronzene Gedenktafel, die an den damals 26jährigen Jenaer Schlosser Alfred Diener erinnert. Diener war am 17. Juni verhaftet und am 18. Juni 1953 durch ein Kommando der sowjetischen Besatzungsmacht standrechtlich erschossen worden. Schlönvoigt legt an jedem 18. Juni dort in Erinnerung an Diener sieben gelbe Rosen nieder. „Ich werde dies so lange tun, wie ich nur kann,“ zitiert ihn am 18.Juni 2013 die OSTTHÜRINGER ZEITUNG. Auch in diesem Jahr führte sein Weg nach dem spontanen und vorher nicht eingeplanten Besuch in Berlin über Weimar.

Seit der Wiedervereinigung nimmt Schlönvoigt überdies an den Jubiläumsveranstaltungen an den Volksaufstand (alle zehn Jahre) zusammen mit Klaus Hobrack und anderen noch lebenden Teilnehmern in Berlin teil. Dort wurde er und seine Kameraden 2013 eigens von der Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen (1.127).

* Durch ein redaktionelles Versehen wurden in dem ersten Beitrag Daten aus dem Archiv vertauscht. Wir bitten, das bedauerliche Versehen zu entschuldigen. Die Redaktion

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, berlin, Tel.: 030-30207785

 

 

London/Berlin, 24.06.2016/cw – BREXIT – Großbritannien stimmt für den Austritt aus der Europäischen Union. Stimmt das? Ich denke nein. Großbritannien hatte immer gewisse Schwierigkeiten mit Europa, aber England war nie gegen Europa. Selbst Winston Churchill wandelte sich vom einstigen Commonwealth-Anhänger zum glühenden Europäer.

Die Brexit-Abstimmung ist wohl eher ein klares Votum gegen das undemokratische Brüssel, gegen das „neue Zentralkomitee“ in Europa, wie Einige nicht zu Unrecht sagen. Nicht Großbritannien muß sich besinnen, sondern Europa: Wollen wir so weitermachen, wie bisher?

Mit einem von Regierungen, nicht von der Bevölkerung bestimmten Kommissariat? Mit einem Parlament, dass lediglich abnicken darf, was anderswo entschieden wird? Mit einem Parlament, dass noch nicht einmal die „eigene“ Regierung bestimmen darf? Mit einem Kommissariat, dessen einzelne Mitglieder mehr verdienen, als die deutsche Bundeskanzlerin? Mit einem Parlament, dessen Mitglieder das horrende eigene Einkommen für wichtiger halten, als Europa umzusetzen?

Nach dem BREXIT muss es einen neuen Aufbruch in Europa geben. Gegen Brüssel (als Sitz des ZK), für Europa. Wir müssen Europa retten, die einst und noch immer große Idee, ein Europa der Vaterländer zu schaffen. Das muss wieder auf demokratischem Weg geschehen, wie in den fünfziger und sechziger Jahren, als noch Hunderttausende für Europa auf die Straße gingen und trennende Schlagbäume niederrissen. Sie hatten ein freies, von den Völkern bestimmtes Europa im Sinn, nicht ein Europa des Kapitals, der Abschaffung demokratischer Grundregeln, die Schaffung eines selbstherrlich über die Köpfe der Völker hinweg operierendes, als Zentralkomitee verstandenes Kommissariat in Brüssel.

BREXIT könnte einst als historisches Signal für einen neuen Aufbruch in Europa vermerkt werden. Es muss nicht als Niederlage für Großbritannien (und für Europa) verstanden werden. Jugend Europas, steh auf, kämpfe für eine gemeinsames demokratisches Europa, das diesen Namen verdient. Kämpft für Eure Zukunft, gegen den fast gelungenen Anschlag auf die Demokratie, für ein freies, von den Völkern bestimmtes Europa. Rettet Europa! Ihr könnt das. Ihr müsst nur wollen.(1.126).

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 0176-48061953

Titel

Nr.054 –Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 06. 2016

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Erich Loest zum 17. Juni 1953: „Geheimdienstler aus Westberlin schickten Kriminelle und Rowdys über die Grenze“

Berlin, 16./17.Juni 2016/cw – „Das war an diesem Vormittag nur zu ahnen: Da und dort in Westberlin hatten stimm- und zahlungskräftige Geheimdienstler um sich geschart, wer immer auf sie hören wollte. Arbeitslose und Kriminelle. Sie hatten jedem, der ihnen folgen wollte, nach der Rückkehr fünfzig Mark auf die Hand versprochen, und dann waren die Trupps über die Grenze gegangen zum freiheitlich motivierten Brennen und Plündern…“ (SZ, Nr.132, 11./12.06.1983).

Diese Beschreibung des 17. Juni 1953 stammte aus der Feder des am 12. September 2013 in Leipzig verstorbenen berühmten Schriftstellers Erich Loest. Zum 30.Jahrestag des Volksaufstandes verbreitete sich Loest in der renommierten Süddeutschen Zeitung im Stil des einstigen SED-Anhängers. Da lagen die vielen Jahre der Haft in Bautzen (Entlassung 1964) bereits hinter ihm, seit 1981 lebte das einstige Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, aus dem er 1979 austrat, in der einst gehassten Bundesrepublik, konnte sich also über tatsächliche Gegebenheiten um die Ereignisse im Juni 1953 umfassend informieren. Loest weiter:

Demonstrierende am Brandenburger Tor
Der spätere Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni, Manfred Plöckinger, als Demonstrant unter dem Brandenburger Tor (zweite Säule v. li. Mitte) – Foto. Archiv

Seitdem haben beide Seiten im geteilten Land ihr Bild vom 17. Juni festgeschrieben. Das da Panzerkanonen in die Menge gefeuert haben, wird nicht auszurotten sein, auch Biermanns Zeile, Panzer machten aus Menschen Menschenfleisch, klingt mir zu schrill… Es gab Tote an diesem Tag, und jeder war zuviel, aber Blutrunst sollte keiner in sein Bild malen. Dieter Borkowski hat beschrieben, wie ein Panzer in Berlin Unter den Linden einen Demonstranten zerquetschte, und Borkowski sah, wie sich das Turmluk hob, ein Kopf schob sich heraus, und Borkowski erkannte: Der da, der Mörder, war der spätere Marschall Gretschko…“

Der Westberliner Wolfgang Helle stand vor dem Kreuz

Einer der nicht nur von Loest beschriebenen Rowdys aus Westberlin war Wolfgang Helle. Der damals Neunzehnjährige hatte im Rundfunk von den Unruhen im Ostteil der Stadt gehört und war schon am 16. Juni über die Sektorengrenze nach Ostberlin geradelt, um sich zu informieren. „Beteiligt habe ich mich an keinen Aktionen, dafür hatte ich viel zu viel Angst. Aber als engagiertes Mitglied der „Jungen Europäischen Föderalisten“ (JEF) interessierte mich, was da in der geteilten Stadt vor sich ging,“ sagt der in die Jahre gekommene Zeitzeuge, der heute in Staaken lebt.

Wolfgang Helle 1953/1954 - Foto: Privat
Wolfgang Helle 1953/1954 – Foto: Privat

Unvergessen bleibt dem heute 82jährigen der 17. Juni, als er erschrocken und ratlos vor einem provisorisch errichteten Kreuz stand. Hier war zuvor ein Arbeiter von den Ketten eines russischen Panzers überrollt und getötet worden. Dieses Bild, Helle steht mit seinem Fahrrad vor dem Kreuz, von Guido Knopp in seinem Buch „DER AUFSTAND – 17. JUNI 1953“ auf Seite 164 veröffentlicht, wird Helle zeitlebens nicht vergessen. Es war für ihn „die blutige Seite des Aufstandes“. Von den „Westberliner Rowdys in Jeans und Lederjacken“ hat er später zwar gehört, kann aber darüber nur den Kopf schütteln: „Ich habe weder 50 Mark oder ein sonstiges Geld bekommen, noch habe ich blutrünstige Halbstarke bemerkt, die dazu noch im Westauftrag Unruhen geschürt oder sich daran beteiligt haben.“ Für den überzeugten Europäer ein „klares Produkt der Ost-Propaganda, die das Trauma des 17. Juni nie verwunden hat,“ sagt Helle heute.

Mit Wolfgang Helle hat einer der durch die Agenda des 17. Juni 1953 geisternden Westberliner Jugendlichen 63 Jahre nach dem Aufstand ein Gesicht bekommen. Ein Diskurs mit Erich Loest wäre höchst interessant gewesen. Dieser hat allerdings auf die Vorhaltungen der Vereinigung 17. Juni, die seinen eigentlich skandalösen Artikel aus der SZ in ihrer Festschrift zum 50.Jahrestag auszugsweise veröffentlicht hatte („Spurensuche – Helden der Menschlichkeit“, 2003) nicht reagiert. Er war vor der Veröffentlichung um eine Stellungnahme „aus heutiger Sicht“ gebeten worden. Loest hat die aufgeworfenen Fragen nie beantwortet…

Wolfgang Helle hat sein Fahrrad von 1953 noch. Er will es einem Museum für Zeitgeschichte zur Verfügung stellen. Natürlich mit dem Foto des Halbstarken aus Westberlin, der rat- und fassungslos vor dem spontan errichteten Denkkreuz eines Opfers des Aufstandes steht.

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Die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!

Berlin, 15.06.2016/cw – Reinhold Schramm, einstiger Mitarbeiter des MfS, gehört zu den Nachdenklichen seiner Zunft. Schön früher war er einstigen Opfern seiner einstigen Auftraggeber durch abweichende Thesen aufgefallen, die er zunächst aber lieber unter vier Augen präsentierte. Jetzt hat er sich öffentlich mit dem Thema 17. Juni 1953 auseinandergesetzt 😦http://www.scharf-links.de/52.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=56401&cHash=4d1789ed9d).

In einem Beitrag für die Kommunisten-Seite im Internet „scharf links“ nimmt der einstige MfS-Offizier zu einem Artikel Stellung, der im kommunistisch orientierten „RotFuchs“ erschienen ist: Warum in der Alt-BRD der 17. Juni gefeiert wurde und warum Bodo Ramelow daran anknüpft«, vgl. RF-Extra, Juni 2016“:

Wir Kommunisten lügen uns doch nichts in die eigene ideologische und weltanschauliche Tasche!“ schreibt Schramm und bezeichnet es als Fakt, dass seinerzeit „auch das werktätige Fußvolk mitgelaufen“ sei, „selbst wenn die Anführer 1953 alte und deren neue und junge Faschisten waren.“

Als Beweis, „das es der Minderheit von Kommunisten und Antifaschisten nach 1949, bis zum Ende der Existenz der DDR, nicht gelungen war, die alte Arbeiterklasse und die werktätige Jugend (-in ihrer großen Mehrheit-) zu gewinnen“ führt Schramm akribisch die Ergebnisse der Volkskammerwahl vom 18. März 1990 an. Der Autor schreibt bemerkenswert offen vom „- vorgeblichen- antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf“ und das es „schon weit aus mehr, als einen historischen Verweis auf den 17. Juni 1953, und auf revisionistische „Chruschtschowianer“, so wie Enver Hoxha zu Lebzeiten“ bedarf, als der Thematisierung von Kurt Gossweiler „Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“.

Es folgt die, wenn auch späte Einsicht: „Es gilt doch immer noch die historische Wahrheit: Nicht die einzelnen Persönlichkeiten, sondern die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!“ Dem ist unsererseits nichts hinzuzufügen.

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Manfred Schumann: Als Held gefeiert, als Provokateur entlassen

Leipzig/Berlin, 15. Juni 2016/cw – Am 26.06.1953 wurde er – wohl wegen seines jugendlichen Alters – aus der U-Haft entlassen

Verstoß ggeen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung - Foto: Archiv
Verstoß gegen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung – Foto: Archiv

und von der Belegschaft des VEB Bodenbearbeitungsgeräte in Leipzig zunächst als Held gefeiert: Manfred Schumann, geb. 9.06.1938, verstorben in Berlin † 27.03.2011. Eine Woche nach seinem 15. Geburtstag wurde der Lehrling Zeuge und Akteur des Aufstandes in Leipzig. Manfred Schumann beteiligte sich spontan an den Demonstrationen. Noch am 17. Juni war er verhaftet worden.

Am 22. August folgte der Euphorie die Ernüchterung: Manfred Schumann wurde fristlos entlassen. In der Begründung hieß es kurz und lapidar: „In der am 21.8.53 durchgeführten Belegschaftsversammlung beschloß diese einstimmig ihre fristlose Entlassung, da Sie durch Ihr Verhalten gegen die Grundsätze der antifaschistischen demokratischen Ordnung verstoßen haben, wie sie in der Verordnung über das Kündigungsrecht vom 7.6.1951 Paragraph 9a festgelegt ist.“ Unterzeichnet war das historische Dokument von der Betriebsgewerkschaftsleitung und der Kaderabteilung (1.125).

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Rita Süssmuth: Opfer erwarten Anerkennung und Würdigung

Berlin, 17.Juni 1992/cw – Rita Süssmuth, seinerzeitige Präsidentin des Bundestages, erinnerte am 17. Juni 1992 im Deutschen Bundestag an einen „Tag der Trauer über die vielen Menschen, die ihre Forderungen nach gerechten Arbeits- und Lebensbedingungen, ihr Verlangen nach Freiheit und Demokratie mit dem Leben oder mit langjähriger Haft bezahlt haben. … Den 17. Juni aus unserer Erinnerung schwinden zu lassen, hieße, die Opfer der kommunistische Zwangsherrschaft aus unserem Gedächtnis zu tilgen, die lange Reihe derer nämlich, die wegen ihrer Gesinnung und wegen ihres mutigen Eintretens für Recht und Freiheit verfolgt wurden. Sie erwarten von uns zu Recht, daß dieser Einsatz anerkannt und gewürdigt wird.“

Nachdem der Rechtsausschuss übereingekommen war, eine Ehrenerklärung für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft auszusprechen, verlas Süssmuth im Namen aller Fraktionen diese Erklärung (Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen):

„Der Deutsche Bundestag würdigt das schwere Schicksal der Opfer und ihrer Angehörigen, denen durch die kommunistische Gewaltherrschaft Unrecht zugefügt wurde.“ Diese Menschen „wurden ihrer Freiheit beraubt und unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. … Sie wurden gefoltert, gequält und getötet. Sie wurden in ihrem beruflichen Fortkommen behindert, schikaniert und diskriminiert. Sie wurden verschleppt. Sie wurden unter Missachtung elementarer Grundsätze der Menschlichkeit aus ihrer Heimat, von Haus und Hof und aus ihren Wohnungen vertrieben. Sie wurden an Eigentum und Vermögen geschädigt.

Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor allen Opfern kommunistischer Unrechtsmaßnahmen. Er bezeugt all jenen tiefen Respekt und Dank, die durch ihr persönliches Opfer dazu beigetragen haben, nach über 40 Jahren das geteilte Deutschland in Freiheit wieder zu einen.“

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Wir gedenken unserer 2015/2016 Verstorbenen:

Uwe Holzapfel, *8.03.1942  24.08.2015

Karl-Heinz Gebhardt * 08.1929  1.04.2016

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.125).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

Von Harald Beer, Hamburg*

Hamburg, 13.06.2016/HaBe – Ausstellung im Rathaus Harburg zum 17. Juni? Eröffnung heute 12.00 Uhr? Natürlich bin ich hingefahren, schaffte es allerdings erst mit einer knappen Stunde Verspätung. Die Info erreichte mich zu kurzfristig.

Vom Pförtner im Rathaus erfuhr ich, dass die Ausstellung pünktlich eröffnet wurde; im Klartext heißt es, dass um 12:00 Uhr so ca. 19 Tafeln im Treppenhaus zum Obergeschoss und im Flur aufgehängt wurden. Ein Empfang in irgendeiner Form fand nicht statt, einen Informationstisch gab es nicht, ein Mitarbeiter, der etwas zur Ausstellung sagen konnte, war nicht anwesend. Ich war offensichtlich der einzige Besucher. Kein Wunder, wer in Hamburg oder in Harburg wusste etwas von dieser Gedenk-Ausstellung?

Nach etwa 30 Minuten traf ich – ich war mit fotografieren beschäftigt – tatsächlich zwei junge Damen, die sich die Dokumente betrachteten. Ich fragte sie, wie sie von der Ausstellung erfahren hätten. Sie kämen vom Hamburger Abendblatt, sagten sie mir und wollten über die Eröffnung und den „Besucherandrang“ berichten. Es waren also keine Besucher oder gar „interessierte Bürger“. Schade.

Jetzt war ich einfach wütend. Keine Besucher, keine Eröffnungsansprache, nur aufgehängte Plakate. An diesem Eröffnungstag: nichts. Und das wird sich wohl auch in den nächsten Tagen kaum ändern. Es sei denn, das Hamburger Abendblatt hat meine scharfe Kritik registriert, würde diese veröffentlichen und damit vielleicht doch noch ein winziges Interesse wecken.

Verdient hätte es dieses Thema, der vergessene 17.Juni 1953, allemal. Mit einem scheinheiligen Brimborium allerdings weckt man bei der jungen Generation kein Interesse für ein Geschehen, auf das wir in Deutschland besonders stolz sein dürfen. War es doch der erste Aufstand im kommunistischen Machtbereich nach dem Zweiten Weltkrieg. Und ohne diese Erhebung von 1953 wären die Ereignisse in Polen und Ungarn (1956) und der CSSR (1968) kaum möglich gewesen. In Polen, in Ungarn, in der (früheren) CSSR weiß man das. Und in Deutschland? (1.124).

*Der Verfasser ist Buchautor in Hamburg und Mitglied der Vereinigug 17. Juni 1953 in Berlin.

V.i.S.d.P: Redaktion Hoheneck, Tel.: 030-30207785

© 2016 VEREINIGUNG (AK) 17.JUNI 1953 e.V.

© 2016 VEREINIGUNG (AK) 17.JUNI 1953 e.V.

Weitere Termine (Veranstaltungen):

TV-Sendungen zum Thema „17.Juni 1953“:

MDR, Dienstag, 14. Juni: 22:05 Uhr, „Was geschah am 17. Juni? Der Volksaufstand in der DDR“ – Wiederholung:

PHOENIX, Donnerstag, 16. Juni: 20:15 Uhr, „Was geschah am 17. Juni? Der Volksaufstand in der DDR“

PHOENIX, Donnerstag, 16. Juni: 21:00 Uhr, „Walter Ulbricht – Der Mann, mit dem niemand rechnete“

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Ausstellung im Rathaus Harburg DDR – Volksaufstand vom 17. Juni 1953

Hamburg/Berlin, 12.06.2016/cw – Vom 13. bis 24. Juni 2016 (montags bis donnerstags von 8:00 bis 16.00 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr) kann im Rathaus von Hamburg-Harburg die Ausstellung „DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur besichtigt werden.

Das Bezirksamt Harburg lädt öffentlich zur Ausstellungseröffnung ins Rathaus Harburg ein:

Montag, 13. Juni 2016, 12:00 Uhr, Bezirksamt Harburg, Rathausfoyer, Harburger Rathausplatz 1, 21073   Hamburg

In der Ausstellung werden weithin unbekannte Bilder aus allen Regionen der DDR sowie Ausstellungstexte des renommierten Historikers und Publizisten Dr. Stefan Wolle gezeigt. Die Veranstalter wenden sich insbesondere an alle Lehrerinnen und Lehrer der Harburger Schulen. Sie sind eingeladen, die Ausstellung mit ihren Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Unterrichts zu besuchen, um dem Vergessen vorzubeugen.

Aufgrund eines Antrags der CDU-Fraktion vom Sommer 2015 wird die Ausstellung künftig in jedem Jahr im zeitlichen Umfeld des 17. Juni präsentiert werden. Weitere Informationen zur Ausstellung im Internet unter „DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953„.

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Duisburg – Der 17. Juni im Rathaus: Erinnerung an die „Kleinarbeit“

Duisburg, 12.Juni2016/cw – Duisburg. Die Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ führt seit 2003 jährlich im Rathaus der Stadt Duisburg eine Veranstaltung zum Gedenken an die Freiheits- und Arbeiterbewegungen Osteuropas durch. In diesem Jahr wird erstmals die Opposition in der späten DDR der 1980er Jahre gewürdigt.

Am Freitag, 17. Juni, wird in einer Gemeinschaftsveranstaltung mit der Volkshochschule um 17:30 Uhr im Rathaus (Burgplatz) wird die zeitgeschichtliche Entwicklung in den letzten zehn Jahren der DDR durch den Zeitgeschichtler Christoph Wunnicke (Berlin) zur vorgetragen. Im Anschluss wird die Zeitzeugin Dr. Maria Nooke (Stiftung Berliner Mauer, Berlin) im Gespräch mit Stefan Braun (Duisburg) aus ihren Erfahrungen in der Bürgerrechtsbewegung berichten. Die anschließende Diskussionsrunde wird von Dr. Günther Neumann moderiert.

Bei den bisherigen Gedenkveranstaltungen standen die großen Versuche der Änderung – der Aufstand in der DDR vom 17. Juni 1953, der ungarische Volksaufstand vom Sommer 1956 (der sich in diesem Jahr zum 60. mal jährt) und die Bewegungen von 1956 (Polen), 1968 (CSSR) und 1979 (Polen) im Mittelpunkt.

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„Die verstörte Realität – Filme des bulgarischen Geheimdienstes“

 Berlin, 12.06.2016/cw – Die Bundesstiftung AUFARBEITUNG lädt zu einer interessanten Veranstaltung am 14.Juni um 13:00 Uhr (bis ca. 15:00 Uhr) in ihren Veranstaltungssaal in der Kronenstraße 5, Berlin-Mitte, ein.

Vor vier Jahren (2012) stieß die bulgarische  Journalistin Diana Ivanova bei Recherchen erstmals auf Filme des ehemaligen Geheimdienstes. Unter diesen Filmen, die vom Innenministerium Bulgariens für die eigenen Zwecke produziert  wurden, finden sich Spielfilme, Dokumentationen, Beobachtungen und Verhöre.

In diesem Jahr nimmt Diana Ivanova am internationalen Austauschprogramm „Memory Work“ der Bundesstiftung Aufarbeitung  teil. Aus diesem Anlass wird das Filmmaterial aus dem Fundus des einstigen bulgarischen Geheimdienstes gezeigt, der die Möglichkeit bietet, „eine einmalige Einsicht in die Filme der bulgarischen Staatsicherheit zu gewinnen,“ wie die Stiftung in ihrer Einladung vermerkt. Zusammen mit Claus Löser stellt Diana Ivanova kritische Fragen aus der heutigen Sicht des Beobachters.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Alle Filme mit deutschen Untertiteln.

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 Volksaufstand 1953: Film von Freya Klier

Otterndorf/Niedersachsen, 12.Juni 2016/cw – Die Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt am 17. Juni 2016 um 19:30 Uhr in der „Stadtscheune“ den Film von Freya Klier: „Wir wollen freie Mensche sein“ über den Volksaufstand am 17. Juni 1953.

Die Bürgerrechtlerin, Dokumentarfilmerin und Schriftstellerin schildert in ihrem Film besonders die damaligen Ereignisse in Leipzig , die u.a. zum Tod des 15jährigen Paul Ochsenbauer, dem jüngsten Opfer des Volksaufstandes, führten.

Es wird um verbindliche Anmaldung gebeten: Kulturbüro der Stadt Otterndorf, Tel.: 04751-919102 oder kultur@otterndorf.de ; eine weitere Anmeldung bei der KAS ist damit nicht erforderlich.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.123)

 

 

 

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