Potsdam, 16.01.2016/cw – 25 Jahre nach der Wiedervereinigung wurde eine wichtige Erinnerungslücke an die Geschichte der DDR geschlossen: Vor der ehemaligen Stasi-Uni des Terrors in Potsdam-Golm wurde nun „endlich, endlich“, so BILD-Korrespondent Michael Sauerbier (http://www.bild.de/regional/berlin/stasi/potsdams-uni-erinnert-an-ihre-dunkle-geschichte-44171044.bild.html), eine Gedenktafel enthüllt. Unter Anderen hatte auch Verlag-Chefin Friede Springer für die Tafel gespendet. Die von dem Künstler Volker Bartsch geschaffene Bronzetafel wurde in Gegenwart zahlreicher ehemaliger Stasi-Opfer von Saskia Ludwig (MdL/CDU), dem Künstler, Friede Springer und Uni-Präsident Oliver Günther am vergangenen Freitag eingeweiht.

Die Titel für die Garde des Terrors sind bis heute gültig

Ursprünglich hatte der Ortsbeirat bereits 2014 (!) beschlossen, insgesamt fünf mehrsprachige Gedenktafeln vor Ort zu errichten, um die Studenten an die dunkle Vergangenheit dieses jetzigen Teils der Potsdamer Universität aufmerksam zu machen. Über Jahrzehnte hatte hier die Stasi ihre Kader in Terror gegen Andersdenkende, Verhör- und Foltermethoden ausgebildet. Darauf verweist nun der Tafel-Text: „Hier (…) wurden rund 30 000 Personen vor allem zur Überwachung und Bespitzelung der eigenen Bevölkerung aus- und weitergebildet.“ In dem unvergesslichen, mit einem Oscar prämierten von-Donnersmarck-Film „Das Leben der Anderen“ wurde auch die Methodik an dieser Stasi-Lehranstalt aufgezeigt.

Ungeklärt bleibt nach wie vor der Umgang mit den an dieser offensichtlichen „Schein“-Hochschule erworbenen „akademischen“ Titeln. Während sich die Medien und die Öffentlichkeit an den tatsächlichen oder vermeintlichen Plagiaten bisher hoch angesehener Politiker geradezu delektieren, bleibt die Diskussion um die merkwürdigen Titel von Golm unter der Decke. Der vielzitierte Grundlagenvertrag, in dem die Anerkennung dieser denkwürdigen akademischen Titel für die „Garde des Terrors“ festgeschrieben wurde, kann das Schweigen allein nicht begründen. Vielleicht braucht es erst wieder einen Aufstand der Anständigen, einer historisch interessierten Jugend wie 1968, um der Politik die eigentlichen Schulaufgaben aus der Vergangenheit buchstäblich aufzuzwingen.

Die 68er benötigten „nur“ 23 Jahre, um die Aufarbeitung durchzusetzen

Schade um, nein blamabel die vertane Zeit. Die 68er benötigten 23 Jahre, um das eingeschlafene Gewissen der Nation zu wecken (von den teilweise fragwürdigen Methoden soll hier angesichts der seinerzeit erzielten Ergebnisse keine Rede sein). Die DDR und mit ihr das „Schild und Schwert der Partei“, die Stasi, ist bereits vor 25 Jahren untergegangen. Es wäre ein überfälliger Schritt des Anstands, wenn die demografisch zwangsläufig immer weniger werdenden Opfer auch dieser Hochschule des Terrors noch erleben dürfte, dass eine erwachte und sich seiner demokratische Pflichten bewußte Gesellschaft zu dem Schritt entschließen würde, der seit 25 Jahren überfällig ist: Die Aberkennung der an dieser Schule des Terrors erworbenen akademischen Titel.

Hinweis: Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. sammelt ab sofort zu diesem Zweck Unterschriften. Wenn Sie auch dafür eintreten, dass diese in Potsdam-Golm erworbenen Titel aberkannt werden sollten, dann schreiben Sie uns (redaktion.hoheneck@gmail.com), wenden sich direkt an die Vereinigung 17. Juni oder werden selbst aktiv und sammeln Unterschriften für diese Forderung. Wir leiten diese gerne an den Bundestag weiter:
Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. und/oder Redaktion Hoheneck, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030/30207785 (1.063)

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