Münster/Güstrow, 11.11.2015/cw – Die Onlineseite „Kirchensite.de“ des Bistums Münster erinnert an den Besuch des gestern verstorbenen Helmut Schmidt (96) am 13. Dezember 1981 im Güstrower Dom. Der Besuch des Bundeskanzlers in Begleitung von Erich Honecker versetzt die DDR-Sicherheit in Alarmstimmung: „Keinesfalls sollen sich die 1970er-Ereignisse von Erfurt wiederholen, als DDR-Bürger Kanzler Willy Brandt zujubelten.“ Der Ausnahmezustand in Güstrow hat die Verdrängung der 30.000 Bewohner aus der Innenstadt zur Folge. In gewohnter Manier werden Statisten aus dem Sicherheitsbereich angekarrt, „spielen 30.000 Sicherheitskräfte Bewohner.“

Im April 2013 trafen ehemalige Hoheneckerinnen den Pfarrer und Bürgerrechtler Heiko Lietz auf einer Veranstaltung in Schwerin, hier (li.)Gespräch mit T. Sterneberg, - Foto: LyrAg

Im April 2013 trafen ehemalige Hoheneckerinnen den Pfarrer und Bürgerrechtler Heiko Lietz (li.) auf einer Veranstaltung in Schwerin, hier Gespräch mit T. Sterneberg, – Foto: LyrAg

Hausarrest für Gauck-Freund Heiko Lietz

Einer darf auf keinen Fall in Erscheinung treten, wird deswegen unter Hausarrest gestellt: der Pfarrer und Bürgerrechtler Heiko Lietz, theologischer Kollege und Freund des späteren Behördenchefs der Stasi-Unterlagen und Bundespräsidenten Joachim Gauck. Bischof Heinrich Rathke zeigte Solidarität, setzte gegen den Willen der Stasi, die einen Eklat verhindern will, eine Stunde vor Schmidts Eintreffen einen demonstrativen Besuch bei Lietz durch.

Danach heißt der Bischof die hohen Besucher im Mecklenburger Platt willkommen: „Kamt man rin, fäult juch woll!“ („Kommt rein, fühlt euch geborgen!“). „Schmidt lächelt, Honecker bleibt verklemmt ernst,“ beschreibt Kirchensite.de die angespannte Situation.

Während Schmidt in einer Kirchenbank dem Wunsch-Choral „Vom Himmel hoch“ lauscht, nutzt der Bischof die Gelegenheit, Honecker „unter vier Augen“ einige unangenehme Probleme der Kirche nahe zu bringen: „Zur Militarisierung, zur Lage der Jugend – keine „gute Mär“.

Welches Ergebnis diese durchaus mutige Intervention im Schatten des Schmidt-Besuches hatte, darüber schweigt sich der Erinnerungs-Autor aus. Auch wer den Hausarrest für Heiko Lietz veranlasste, wäre durchaus von historischem Interesse. Das Kapitel „DDR“ hat auch 25 Jahre nach dem staatlichen Exitus noch viele weiße Seiten… (1.059)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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