Titel HB 2014Nr.042 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 06. 2015

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17. Juni 1953 – Verdrängte Revolution: Lippenbekenntnisse und Realität anno 2015

Berlin, 15.06.2015/cw – In zwei Tagen werden wieder landauf/landab Reden gehalten und Bekenntnisse in das Volk getragen. Die Rede ist vom ersten Aufstand im kommunistischen Machtbereich nach 1945, der ausgerechnet in jenem Land stattfand, dem man geschichtlich den Mut zum Widerstand gegen die Obrigkeit abgesprochen hatte: Das Deutsche Volk buckelt nach oben und tritt allenfalls nach unten.

Am 17. Juni 1953 stand dieses Volk im sowjetisch besetzten Sektor, der 1949 den hehren Namen Deutsche Demokratische Republik (DDR) erhalten hatte, gegen die eigene Obrigkeit auf. Die Diktatur des Proletariats schlug gegen ihr Proletariat zurück. Und da man selbst nicht über ausreichende Mittel verfügte, ersuchte man den Oberaufseher, den wahren Machthaber zur Hilfe, der mit dem Einsatz von Panzern und der Verhängung des Kriegsrechtes den Aufstand im Keim erstickte. Allerdings nur vorübergehend, denn die Lunte war gelegt. Es folgten die Aufstände in Posen (Polen), Ungarn und der CSSR, schließlich die erfolgreiche Etablierung der Solidarność in Polen, die das Ende der kommunistischen Herrschaft in Europa einläutete und mit dem Fall der Mauer vollendete.

Zum 60. Jahrstag war auch Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel auf dem Staatsakt verteten - Foto: LyrAg

Zum 60. Jahrstag war auch Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel auf dem Staatsakt vertreten – Foto: LyrAg

Seither wurden im westlichen Teil Deutschlands Lobeshymnen auf die mutigen Kämpfer der Freiheit gehalten. Ein einstiger Kommunist, Herbert Wehner, setzte dann sogar den „Tag der Deutschen Einheit“ als Erinnerungs- und Gedenktag an den Juni-Aufstand durch. Das hielt einige Zeit, bis durch den Bau der Mauer eine neue Realitäts-Politik an Boden gewann. Zunehmend störte der Gedenktag das eingeleitete Tete-a-tete mit dem Regime in Ost-Berlin, im Sprachgebrauch der Frühzeit vor und nach dem Aufstand schlicht mit „Pankow“ apostrophiert.
Wenige Jahre nach dem Bau der Mauer verzichtetet man auf die gewohnten öffentlichen Kundgebungen vor dem Schöneberger Rathaus und bemühte dafür die Ausrede, es sei kein Interesse mehr in der Öffentlichkeit (sprich: im Volke) vorhanden. Es dauerte nicht lange, das Unentwegte, die an diesem Tag weiterhin demonstrativ an den Aufstand und die Sehnsucht nach der Einheit Deutschlands erinnern wollten, in der öffentlichen Wahrnehmung zu Extremisten, Rechtsextremisten und schließlich zu Neo-Nazis mutierten bzw. als solche transportiert wurden.

Das alles schien „Schnee von Gestern“, als an jenem 9. November 1989 die verhasste Berliner Mauer fiel. Plötzlich hatten die „Ewiggestrigen“, die dieses nun verwirklichte Ziel nie aufgegeben hatten, wieder Konjunktur. Einstige Aufstandsteilnehmer, inzwischen hochbetagt, erhielten im Deutschen Bundestag das Bundesverdienstkreuz, Kränze des Bundespräsidenten und der Bundesregierung wurden nun wie selbstverständlich am einzigen originären Mahnmal in Deutschland, am 1953 von Aufständischen errichteten und über die Jahrzehnte von der Politik vergessenen Holzkreuz in Berlin-Zehlendorf abgelegt. Ende gut, alles gut, hätte man meinen können. Dem war, dem ist nicht so.

Das Problem „17. Juni“ elegant entsorgt

Denn die Kräfte, die nie aufgehört hatten, den 17. Juni 1953 als einen Putsch westlicher Agenten darzustellen und denen der Impetus dieses Freiheits- und Einheitsrufes stets ein Dorn im Auge war, setzten sich schließlich durch. Mit der Ausrufung eines Gedenktages „nach Aktenlage“, dem 3. Oktober, an dem formal die einstige DDR der Bundesrepublik Deutschland beitrat, wurde der „Tag der Deutschen Einheit“ auf ein wichtiges, aber eben nur Kommata der deutschen Geschichte verschoben, der erinnerungsträchtige und immer noch aufwühlende einstige Feiertag zum Vermerk im Kalender abgestuft (wo er inzwischen auch nicht mehr aufgeführt wird). Das Problem „17.Juni 1953“ war elegant entsorgt worden.

Einmal im Jahr Kränze und Blumen für die Opfer des Aufstandes - Foto: LyrAg

Einmal im Jahr Kränze und Blumen für die Opfer des Aufstandes – Foto: LyrAg

Freilich findet seither immer noch jährlich ein Staatsakt auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Arbeiterbezirk Wedding statt. Auch in der Provinz außerhalb Berlins erinnern sich Kommunalpolitiker auf Druck vor Ort aktiver Zeitzeugen an markanten Stellen des einstigen Geschehens vor Gedenktafeln und Mahnkreuzen. Und unbezweifelt werden an diesen Orten auch Bekenntnisse abgelegt: Unvergessen! Leuchtendes Beispiel für Zivilcourage! Mutige Absage an die Diktatur! Und da die Öffentlichkeit dieses Ereignis ohnehin kaum noch wahrnimmt, lässt sich die deutsche Realität anno 2015 wunderbar hinter diesen Schmuck-Reden verbergen.

Unterstellt, die Bekenntnisse zum Aufstand gegen die DDR-Diktatur wären hier und da ernst gemeint, wieso gibt es dann noch unzählige Straßen in Deutschland, die nach den Apologeten und führenden Funktionären dieser Diktatur benannt wurden? So gibt es noch zur Zeit allein 68 Wilhelm-Pieck-Straßen und unzählige Ernst-Thälmann-Straßen, um nur die beiden kommunistischen Führer zu erwähnen. Die Lenin-Straßen, die der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft oder auch Straßen nach Mauermördern, wie in dem Berlin-nahen Strausberg, sollen hier, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, nur angefügt werden.

Das sei doch alles Geschichte und Personen der Zeitgeschichte gehörten zum Straßenbild? Wie bitte? Hat man nicht zu Recht die vielen Adolf-Hitler-Plätze und –Straßen, auch zum Beispiel die Horst-Wessel-Straßen abgeschafft? Und warum führen bestimmte Politiker noch heute ihre kommunalen Kämpfe gegen die Straßenbenennungen – wieder zum Beispiel – gegen Paul von Hindenburg, dem einstigen Reichspräsidenten? War das keine Person der Zeitgeschichte? Ich könnte hier weitere unbegreifliche Beispiele des Kampfes gegen preußische Historiker oder einstige Offiziere, die vor rund hundert Jahren in Südafrika gekämpft haben, denen posthum unmenschliches Verhalten vorgeworfen und damit das Recht, weiterhin deren Namen auf Straßenschildern zu sehen, abgesprochen wird.

Durch Gesetz Benennung nach Förderern der Diktatur verbieten

Wir sollten wieder ehrlicher werden, sollten unsere Bekenntnisse wieder überzeugender mit der Realität synchronisieren. Wenn wir das Bekenntnis zur Demokratie, zu den Werten des Aufstandes von 1953 wirklich ernst nehmen und mit überzeugenden Inhalten füllen wollen, dann sollten wir, dann müssen wir die unsäglichen, nach einstigen kommunistischen Ikonen benannten Straßennamen schnellstens abändern. Das könnte auch durch die Vorschaltung eines Bundesgesetzes geschehen, nach dem die Benennung öffentlicher Straßen, Plätzen und Gebäuden nach Förderern der Unmenschlichkeit, jedweder Diktaturen oder sonstiger Verbrechen in Deutschland untersagt wird.

Es gibt nur ein Argument gegen die Wiedereinführung eines Feiertages „17. Juni 1953“, die Vereinigung 17. Juni hat dies bereits im Dezember 1989 postuliert:

Der 9. November wird als (einziger) „Nationaler Gedenktag“ in Form eines arbeitsfreien Tages benannt. An diesem Tag kumulierte in der Tat Deutsche Geschichte: 1848 wurde der Demokrat Robert Blum in Wien hingerichtet; 1918 wurde die Republik (gleich zweimal) ausgerufen; 1923 wurde der (erste) Hitler-Putsch erfolgreich bekämpft; 1938 erfolgte durch die berüchtigte „Reichskristallnacht“ (Reichspogromnacht) die Eröffnung des beispiellosen Vernichtungsfeldzuges gegen die Juden; 1989 fiel die Mauer und damit die gewaltsame Nachkriegsordnung in Europa durch eine friedliche Revolution in sich zusammen.

Es gibt einiges zu tun, um Wort und Tat wieder in Einklang zu bringen, die Glaubwürdigkeit der Politik zu erneuern und damit unserer Demokratie zum 25. Jahrestag der Einheit neuen Respekt zu verleihen.

(Der Autor ist seit 1963 Mitglied der Vereinigung 17. Juni und seit 2002 deren Vorsitzender.)

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Wichtige Beiträge und Daten zum 17. Juni 2015

http://www.berliner-woche.de/zehlendorf/politik/gedenken-an-den-17-juni-1953-d79161.html

http://www.berlinonline.de/nachrichten/friedrichshain/62-jahrestag-des-aufstandes-vom-17-juni-1953-64759

http://www.meetingpoint-brandenburg.de/neuigkeiten/artikel/17289-Erinnern_an_den_Volksaufstand#

http://www.bz-berlin.de/berlin/17-juni-1953-dieser-tag-kostete-ihn-drei-jahre-seines-lebens

http://www.regio-news.de/ka/news-feed/93-regio-news-rastatt/137653-badische-heimat-vortrag-ueber-den-volksaufstand-in-der-ddr.html

http://www.jenatv.de/mediathek/28644/20_Geburtstag_der_Geschichtswerkstatt_Jena_am_17_Juni_2015.html

http://www.echo-online.de/region/darmstadt/wissenschaftsstadt/Fraunhofer-Institut-feiert-25-Austausch-Jubilaeum;art2693,6299685

http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Wenn-schon-denn-schon-CDU-schlaegt-fuer-Thueringen-drei-weitere-Gedenktage-vor-833330616

http://www.freiepresse.de/LOKALES/ZWICKAU/WERDAU/Pressefreiheit-kein-Traum-artikel9220339.php

http://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.kandern-kandern-die-zweite-heimat.60dcfbe5-e665-4492-878c-0782566dec1b.html

http://www.mz-web.de/halle-saalekreis/verfassungsschutzbericht-saalekreis-ist-schwerpunkt-rechter-gewalt,20640778,30866068.html#plx1530561286

Die Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V. lädt ein:

16.Juni, 11:00 Uhr: Ehrung Mauergedenkkreuze am Reichstag, Friedrich-Ebert-Straße
16.Juni, 12:30 Uhr: Ehrung Denkmal 17. Juni, Weberwiese, Karl-Marx-Allee
16.Juni, 14:00 Uhr: Ehrung in Strausberg, Hennickendorfer Chaussee, Barnim-Kaserne

Seit 7 Jahren auf  Initiative der Vereinigung 17.Juni in das Gedenken einbezogen: Die Opfer der NS-Tyrranei, hier Gedenkstein am Steinplatz -  Foto: LyrAg

Seit 7 Jahren auf Initiative der Vereinigung 17.Juni in das Gedenken einbezogen: Die Opfer der NS-Tyrranei, hier Gedenkstein am Steinplatz – Foto: LyrAg

16.Juni, 16:00 Uhr: Stilles Gedenken, Steinplatz (Hardenbergstr.) am Denkmal für die Opfer des Stalinismus und am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

16.Juni, 18:00 Uhr: Traditionelles Gedenken am einzigen originären Denkmal des 17. Juni in Deutschland (Holzkreuz) in Berlin-Zehlendorf, Potsdamer Chaussee

17.Juni, 09:45 Uhr: Ehrung vor dem Bundesfinanzministerium „Platz des Volksaufstandes von 1953“, Leipziger/Ecke Wilhelmstraße, mit dem Regierenden Bürgermeister
17.Juni, 11:00 Uhr: Staatsakt Bundesregierung, Berliner Senat, Vereinigung 17. Juni, Friedhof Seestraße (93), Berlin-Wedding. S.E., der Botschafter der Ukraine, hat seine Teilnahme zugesagt.

12:00 Uhr: Anschl. Gedenken an die Verstorbenen der Vereinigung

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Gerüchte … Rücktritt vom Rücktritt?

Berlin, 15.06.2015/cw – Nachdem der „aus gesundheitlichen Gründen“ zurückgetretene Vorsitzende der VOS, Rainer Wagner, auf der Vorstandssitzung der VOS am 4.06. in Berlin gesichtet wurde, werden Gerüchte kolportiert, wonach Wagner einen Rücktritt vom Rücktritt nicht ausschließt. Die VOS steckt in einer personellen Klemme für eine Wagner-Nachfolge, weil bisher einzig der umstrittene Geschäftsführer und Wagner-vormalige Bundesvorsitzende Hugo Diederich für den Vorsitz zur Verfügung zu stehen scheint…

Rückzug vom Rückzug?

Stollberg, 15.06.2015/cw – In ähnlichen Kalamitäten steckt offenbar der Förderverein Gedenkstätte Hoheneck. Zunächst kursierte in der brodelnden Stollberger Gerüchteküche ein erneuter Rückzug des gerade (wieder) zum Vorsitzenden des Vereins gewählten Dietrich Hamann. Jetzt meldete die örtliche Stollberger Zeitung, Hamann wolle es wissen und die heftig kritisierte jüngste Wahl des Vorstandes durch das Registergericht „überprüfen“ lassen. Freilich soll nach diesen Vorstellungen die Wahl eher sanktioniert als überprüft werden: Durch die beantragte Eintragung in das Vereinsregister. Gleichwohl, nach Rücktritt sieht das nicht aus.

Wagner-Zögling Nachfolger Wagners?

Berlin, 15.06.2015/cw – In der UOKG spielt offenbar ein Rücktritt vom Rücktritt keine Rolle. Wagner gilt als überwunden, eine Rückkehr scheint ausgeschlossen. Auch wenn die einstige recht nuancierte Wagner-Kritikerin und UOKG-Beschäftigte Kathrin B. über facebook für ihren einstigen Protege in die allerdings anrüchige, weil einstige SED-Opfer diffamierende Bresche springt: „Ein Nazi“ habe Wagner vertrieben, titelte die UOKG-Kämpferin und übernahm damit einen verleumderischen Beitrag eines anderen Wagnerianers aus der pietistischen Szene. Nach einem energischen Hinweis auf die dadurch provozierte mögliche Post durch einen Rechtsanwalt löschte die Henne(-Preisträgerin) der UOKG den übernommenen Artikel auf ihrer Seite, ließ aber weitere Diffamierungen der zuvor diskriminierten SED-Opfer durch Kommentatoren zu. Ob sich diese Umgangsart gegenüber ausgewiesenen Diktatur-Opfern mit den Usancen des Dachverbandes vereinbaren lassen, muß wohl u.a. der künftige Vorsitzende im Benehmen mit dem Vorstand klären.

Als Nachfolger soll – bisher allerdings nur aus der Gerüchteküche – der Wagnerianer und Theologe Dr. Christian Sachse im Gespräch sein. Sachse profitierte von der Themen-Aneignung Wagners in Sachen IKEA. Der Möbelhauskonzern stellte dem Dachverband eine sechsstellige Summe für Forschungsarbeiten über die Haftzwangsarbeit zur Verfügung und Sachse konnte sich mittels dieser Finanzierung als Forscher profilieren. Seine Studie zum Thema fand entsprechende Beachtung.
Neben Sachse ist zwar auch ein weiterer Akademiker in Sicht, der ausgewiesene Vorstandsbevollmächtigte der UOKG, Dr. Wolfgang-Christian Fuchs, seit letztem Herbst auch Präsident der INTERASSO, dem Zusammenschluss von Verfolgtenverbänden aus dem ehemaligen Osteuropa. Beobachter räumen dem sachkundigen und zurückhaltend-bescheiden auftretenden Experten aus der Ministerialbürokratie des Bundes dennoch wenig Chancen für die Vorsitz-Wahl ein. Zwar stände der UOKG dessen ausgewiesene Sachkunde gut zu Gesicht, sein Handicap wäre allerdings seine Tätigkeit in verantwortlichen Positionen des Sicherheitsapparates. Einstigen Opfern einer Geheimpolizei sei wohl der Vorsitz durch einen ausgewiesenen Sicherheitsexperten an der Verbandsspitze wenig vermittelbar. So läuft ggw. wohl alles auf einen erneuten Theologen als UOKG-Vorsitzenden zu – wenn die Gerüchte sich zu einer Gewissheit verdichten.

Der jüngst versandten Tagesordnung zur nächsten Mitgliederversammlung im Juni ist allerdings keine Wahl zum Vorstand zu entnehmen. Auf Nachfrage hieß es lediglich, dieses Thema werde zum TOP „Bericht aus dem Vorstand“ abgehandelt. Nach baldigen Wahlen sieht das nicht aus …

Zieht sich Ulrike Poppe vorzeitig zurück?

Potsdam, 15.06.2015/cw – In gewöhnlich gut informierten Kreisen in Potsdam  kursiert die angebliche Absicht der ersten Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der Dikatatur-Folgen Ulrike Poppe, ihr Amt vorzeitig aufzugeben. Ob dieser Rückzug mit der in letzter Zeit oft harsch vorgetragenen Kritik an Poppes Tätigkeiten in der DDR im Zusammenhang steht, könne nur vermutet, aber nicht bestätigt werden, so Insider.

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Urteil zu Lasten von Kerstin K. rechtskräftig

Berlin, 15.06.2015/cw – Kein Gerücht sondern bestätigte Tatsache: Die einstige UOKG-Mitarbeiterin Kerstin K. hat nach deutlichem Hinweis durch das Kammergericht ihre Berufung gegen ein Urteil des Landgerichtes Berlin zurückgezogen. Damit ist das Urteil rechtskräftig, in dem u.a. festgestellt wurde, dass die einstige UOKG-Aktivistin an der UOKG vorbei Spenden vereinnahmt und nicht abgeführt hat. Kerstin K. hatte u.a. auch gegen die Redaktion Hoheneck eine Unterlassung beantragt, nach der uns u.a. untersagt werden sollte zu behaupten, einer UOKG-Mitarbeiterin sei nach Aufkommen von entsprechenden Vorwürfen „der Stuhl vor die Tür gesetzt“ worden.
Der Ex-Vorsitzende Rainer Wagner hatte trotz „prophylaktischer Anzeige“ (so Wagner) bis zuletzt zu der Ex-Mitarbeiterin gehalten. Für dieser Unterstützung hatte sich Kerstin K. über facebook ausdrücklich und überschwänglich unter Beifügung eines gemeinsamen Fotos, das Monate nach der UOKG-Anzeige entstanden war, bedankt. Eine andere UOKG-Mitarbeiterin, die zunächst engagiert an der Aufdeckung der umstrittenen Spendenpraxis beteiligt war, versucht sich hingegen jetzt in Wiedergutmachung. Auf ihrer facebook-Seite wirbt diese für das angekündigte Buch der Kerstin K. über deren Erlebnisse in Torgau.

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Ausstellungs-Eröffnung am 17. Juni:                         DER DUNKLE ORT jetzt in Marienborn

Berlin/Marienborn, 15.06.2015/cw – Die von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin maßgeblich finanzierte und von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl konzipierte Ausstellung nach dem gleichnamigen Buch DER DUNKLE ORT wird ab Juni in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn (ehemaliger Kontrollpunkt der DDR Richtung Helmstedt/Hannover) gezeigt.

Ausstellung nach dem gkleichnamigen Buch konzipiert

Ausstellung nach dem gleichnamigen Buch konzipiert

Vorgestellt werden die Schicksale von 25 Frauen, die zwischen 1950 und 1989 aus politischen Gründen im berüchtigten DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck inhaftiert worden waren. Die Eröffnung findet am 17. Juni um 18:00 Uhr in Anwesenheit von Protagonistinnen der Ausstellung statt.

Unwillen unter den beteiligte Frauen löste allerdings die Ankündigung der Gedenkstätte zu dieser Veranstaltung aus, nachdem Mechthild Günther, einstige Archivarin der Gedenkstätte Hohenschönhausen, die (Teil-)Moderation übernimmt. Günther sei zwar auch kurze Zeit in Hoheneck gewesen, habe aber eine unrühmliche, weil treibende Rolle bei der Auflösung des Vereins „Frauenkreis der ehemalige Hoheneckerinnen“ gespielt. Der Beschluß war jüngst durch eine Entscheidung des Amtsgerichtes Michelstadt aufgehoben worden (noch nicht rechtskräftig). Ferner sei die Rolle Günthers im derzeitigen aktuellen Disput um den Förderverein in Stollberg undurchsichtig. Diese habe ehemaligen Hoheneckerinnen, die eine Überprüfung der Mitglieder und des Vorstandes auf eine ehemalige Stasi-Tätigkeit beantragt hätten, lautstark die „Anwendung von Stasimethoden“ vorgeworfen. Die Kritikerinnen von Günther hätten für diese Stellungnahme gegen eine Überprüfung keinerlei Verständnis.

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Tatjana Sterneberg: Offener Brief an Mechthild Günther

Berlin/Stollberg, 15.06.2015/ts – In einem Offenen Brief hat sich die ehemalige Hoheneckerin und einstige Vorsitzende des ersten Fördervereins „Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck“, Tatjana Sterneberg, im April an Mechthild Günther gewandt. Das Schreiben ging in Kopie an die Mitglieder des Vorstandes des von Dietrich Hamann geleiteten Vereins. Bis zum Redaktionsschluss (14.Juni) lag der Autorin keine Antwort vor, daher veröffentlicht die Mitarbeiterin unserer Redaktion folgend ihr Schreiben:

Sehr geehrte Frau Mechthild Günther,

Sie sind als „Zeitzeugin“ in den erweiterten Vorstand des Fördervereins Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck e.V. gewählt worden. Wie ist es Ihnen möglich, nach glücklicherweise kurzer Zeit in Hoheneck (Zugang?) und zeitnaher Entlassung in die Bundesrepublik (Amnestie) als „Zeitzeugin“ zum DDR-Frauengefängnis im Förderverein aufzutreten? (Quelle: Homepage Förderverein Stollberg …)

Tatjana Sterneberg hatte 2011 den Bundespräsidenten Christian Wulff  für einen Besuch in Hoheneck gewonnen, hier vor der einstigen Wasserzelle in Hoheneck  - Foto LyrAg

Tatjana Sterneberg hatte 2011 den Bundespräsidenten Christian Wulff für einen Besuch in Hoheneck gewonnen, hier vor der einstigen Wasserzelle in Hoheneck – Foto LyrAg

Vielleicht möchten Sie als ehemalige Mitarbeiterin der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Zeitzeugenbüro, zukünftig ein Archiv in Hoheneck aufbauen, was vor Ihrem beruflichen Hintergrund zu begrüßen wäre. Aber wie steht es mit der Handhabung historischer Archivalien, explizit zur zurückgetretenen Vorsitzenden des Frauenkreises, Anita Goßler, zu der Sie erst erklärten, Ihnen liegen alle historischen Dokumente im Zeitzeugenbüro (HSH) vor und letztlich einräumen mussten, dass dies nicht der Fall ist?

Diese Ihre Unkenntnis zu besagten Dokumenten nahmen Sie in der letzten MV des Frauenkreises 2013 und derzeit erneut zur Argumentation her, Frau Goßler werde/wurde mit den Forschungsergebnissen „schamlos diskriminiert“.
Richtig ist, dass Frau Goßler selbst aufgrund dieser Ergebnisse zurücktrat. Versuche, über diese Forschungsergebnisse Gespräche zu führen, scheiterten.
Wäre hier nicht aus Erfahrung der Historikerin mehr Sorgfalt angezeigt? Ist es nicht „für einen Verein abträglich, extrem polarisierende Zeitzeugen ins Blickfeld zu stellen“?
Diese gebotene Sorgfalt vermisse ich leider auch bei einigen Ihrer Äußerungen. Erst kürzlich erklärten Sie, dass der 1991 gegründete Verein Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen 2013 aufgelöst wurde, erklären dann , der Frauenkreis befinde sich in einem Klageverfahren.
Richtig ist: Es erfolgte weder eine ordentliche Einladung zu den MVs, noch eine ordentliche Vereinsauflösung.

Bei einer von der zurückgetretenen Vorsitzenden, Anita Goßler selbst angegebenen Mitgliederzahl (104) haben letztlich 16 Mitglieder für die Auflösung gestimmt. Das ist ein Anteil von gerade 15% der Mitglieder. Eine Mehrheit, wie von Frau Helber, letzte Stellvertreterin des Frauenkreises, beim AG Michelstadt vorgetragen, war hier nicht zu erkennen.

Zur Erinnerung:
Unter seinerzeitiger Leitung (Goßler, Schönherz) wurden d r e i zeitversetzte, ständig veränderte Einladungen zu den MVs versandt, obwohl es ein gut v i e r monatiges Zeitfenster gab, die jährliche MV satzungsgemäß und ordentlich vorzubereiten. Einen zuvor im Oktober 2012 ergangenen Beschluß des AG Darmstadt, dass der gesamte Vorstand neu zu wählen ist, hatte der Vorstand (siehe zuvor) auf der zu diesem Zweck einberufenen außerordentlichen MV im Oktober 2012 schlichtweg ignoriert.

Wider Ihrem eigenen Wissen und Ihrer maßgeblichen Beteiligung an der Auflösung des Frauenkreises (Warum eigentlich?) , geben Sie hier n. m. M. Tatsachen nicht richtig, unvollständig wieder oder lassen Fakten einfach weg. Dies vermittelt auch einem Entscheidungsträger einen verzerrten Sachverhalt. Sie erklärten zeitnah, der Auflösungsbeschluss sei u.a. das Ergebnis undemokratischer Vorstandsarbeit der vorherigen Vorsitzenden, Frau Naumann.
Die Auflösung des Frauenkreises begründeten Sie letztlich mit „Altersgründen“, verschweigen zugleich, dass zahlreiche, jüngere Mitglieder in Würdigung des jahrelangen Engagements gerade unserer älteren Kameradinnen (Maria Stein, Margot Jann u.a.) den Verein fortführen wollen. Wie glaubwürdig ist das und Cui bono?

Am 11. Mai 2015 hat das AG Michelstadt in Ihrer Anwesenheit ein Urteil in der Sache gefällt:
Die Beschlüsse der MV vom 3. und 4. Mai 2013 – einschließlich des Auflösungsbeschlusses, wurden aufgehoben. Soviel zum tatsächlichen Verlauf und Sachstand, die erheblich zu Ihren bisherigen Darstellungen divergieren. Historisch korrekt?

Mit der erfolgreichen Klage ehemaliger Hoheneckerinnen wurde dem Frauenkreis seine Autonomie und damit sein Mitbestimmungsrecht an der Gestaltung der zukünftigen Gedenkstätte in Hoheneck gesichert.

Zeitzeuginnen / ehemalige Häftlinge stellen Sie vor dem Hintergrund der Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte als „extrem polarisierend“ und als „Protagonisten einer Spaltung“ hin. Meine Frage wäre: „Gibt dies I h n en nicht zu denken? Zugespitzt lautete die Frage: Was soll damit erreicht werden?“ Cui bono?

Sie sehen, auch ich habe einige Fragen.

Z.B. (ergänzend): Warum sperren ausgerechnet Sie sich, selbst ehemalige Hoheneckerin, gegen einen Unbedenklichkeitsnachweis hinsichtlich DDR-MfS Zu-/Mitarbeit bzgl. Vorstandsmitglieder / Mitglieder des FördV ?

Mit freundlichen Grüßen

Tatjana Sterneberg“

Zur Person:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tatjana_Sterneberg
http://www.zeitzeugenbuero.de/index.php?id=detail&zzp=163

In eigener Sache:

Mit diesem Hohenecker Boten hat die Redaktion ihren  1.000 Beitrag in das Netz gestellt. Anlass für uns, allen Mitstreitern und Unterstützern, die Co-Autoren eingeschlossen, für die engagierte, gleichwohl kritische Begleitung unserer Arbeit zu danken. Dieser Dank gilt auch den unzähligen treuen Lesern, die mit ihren Zuschriften unsere Arbeit bereichern.

Redaktion Hoheneck

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