Berlin/Stollberg, 4.06.2015/cw – Über zwei Jahrzehnte trafen sie sich alljährlich in Stollberg im Erzgebirge: Die ehemaligen Frauen von Hoheneck gedachten dort ihrer bitteren Jahre im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus, erinnerten an „die Toten von Hoheneck“ (so auch der Titel des letzten Buches von Ellen Thiemann) mit Kranzniederlegungen am Gedenkstein vor den Toren der Haftanstalt und führten als Zeitzeugen Besucher durch die einstigen Verliese des Grauens.

Auch die Mitgliederversammlungen des von Maria Stein nach der Wende gegründeten Vereins fanden relgelmäßig am Rande der Treffen statt. Vor zwei Jahren kam es allerdings zu einem Eklat. Nachdem der 2012 gewählte Vorstand nach einer Entscheidung des Registergerichtes Darmstadt erneut gewählt werden mußte, ließen sich einige Frauen offenbar nur in den Vorstand wählen, um nach ihrer Wahl über den Antrag auf Auflösung des Vereins abstimmen zu lassen. Dafür stimmten im Mai 2013 von 104 ausgewiesenen Mitgliedern gerade 17 Frauen, darunter der komplette gerade gewählte Vorstand.

Engagierte Frauen, die den Verein fortgeführt wissen wollten, klagten unter Führung von Regina Labahn deswegen erfolgreich gegen den Verein. Am 11. Mai d.J. hob das Amtsgericht Michelstadt (Hessen) den Auflösungsbeschluss wie die Wahlen zum Vorstand auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Tatjana Sterneberg 2013 am Grab der Vereinsgründerin Maria Stein in Lützelbach -                    Foto: LyrAg

Tatjana Sterneberg 2014 am Grab der Vereinsgründerin Maria Stein in Lützelbach/Hessen – Foto: LyrAg

Petition für „Maria-Stein-Platz“

Jetzt treffen sich vom 5. – 7.Juni in Hoheneck die Klägerinnen und weitere Frauen, die die Klage unterstützt haben sowie Freunde des Vereins, um nach dem erfolgreichen Urteilsspruch über die Zukunft ihrer Gemeinschaft zu beraten. In die Beratungen sollen auch die Zukunfstperspektiven für eine künftige Gedenkstätte einbezogen und – soweit möglich – Gespräche mit dem örtlichen Förderverein über mögliche und von den ehemaligen politischen Gefangenen erwünschte Kooperationen geführt werden.

Am Samstag wird um 10:00 Uhr der Toten am örtlichen Gedenkstein gedacht. Danach bieten die Frauen Führungen durch die einstige Haftanstalt an. Gleichzeitig sollen Unterschriften für eine Petiton an den Stadtrat von Stollberg gesammelt werden. Die Frauen von Hoheneck wollen die Stadt bewegen, den Platz vor dem einstigen Gefängnis nach Maria Stein zu benennen, jener Frau, die schon lange vor der Vereinsgründung die Bande zwischen den ehemaligen Insassinnen auf der Burg genüpft und diese zu regelmäßigen Treffen an ihren Heimatort Lützelbach eingeladen hatte. „Wir verdanken der einstigen Kameradin Maria Stein den Zusammenhalt der Schicksalsgenossinnen und die erst dadurch geschaffene Möglichkeit,  dass die Leidenszeiten der fast 10.000 Frauen an dieser Stelle nicht vergessen wurden und werden,“ erklärte Tatjana Sterneberg aus Berlin gegenüber der Redaktion zu dem Anliegen. (998)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785