Berlin, 3.06.2015/cw – Der Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden der UOKG „von allen politischen Ämtern“ hat wohl nicht nur bei Rainer Wagner postoperative Schmerzen ausgelöst. Auch die UOKG tut sich schwer mit dem vor sechs Wochen „aus gesundheitlichen Gründen“ erklärten Schritt zurück. Jedenfalls schob jetzt der Bundesvorstand am 1. Juni eine Erklärung nach, die mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt http://www.uokg.de/cms/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=30&Itemid=28.

Hatte Wagner unglückseligerweise seine gesundheitlichen Gründe relativiert und vorgebliche Pressionen gegen ihn dosiert ggüb. Presseagenturen angeführt, standen hinter diesen „Rücktrittsforderungen“ wenig später bereits „rechtsextreme Kreise.“ Hier konnte wohl einer mit dem eigenen Schritt (zurück) nicht Schritt halten und schien nun seine Entscheidung, die zunächst allgemein Respekt auslöste, zu bereuen.

Der wortstarke und als „Ayatollah von Neustadt“ bezeichnete evangelikale Prediger rang erkennbar plötzlich selbst um Worte. Ähnlich die UOKG (und auch die VOS). Beide Verbände begnügten sich zunächst mit einem Kurzzeiler, in dem man „Respekt und Verständnis“ äußerte, Punkt. Jetzt folgte (am 1. Juni) auf eineinhalb Seiten eine Erklärung des UOKG-Bundesvorstandes, in der kaum verhohlen Kritik an den Medien geübt wird, weil, zu „vermissen ist, dass diejenigen, die sich berechtigt fühlen, jetzt über Rainer Wagner zu richten, ganz offensichtlich die Zusammenhänge nicht kennen oder auch nicht wahrhaben wollen und über die notwendigen theologischen Kenntnisse nicht verfügen.

Kirchliche Agenturen ohne „theologische Kenntnisse“?

Wer immer diese Erklärung im Namen des Bundesvorstandes verfasst hat: Der oder die Autoren scheinen selbst wenig Ahnung von der Materie zu haben. Denn es waren vornehmlich die kirchlich ausgerichteten Nachrichtenagenturen idea und epd, die den Rücktritt und – was besonders wichtig erscheint – die von Wagner selbst nachgereichten Begründungen verbreiteten. Die übrigen Medien haben diese Verlautbarungen – wie allgemein üblich – lediglich übernommen. Und diesen kirchlichen Agenturen kann man ja nach Gusto einiges unterstellen, aber mangelnde Kenntnis?

Wagner hat den Dachverband offensichtlich verstört. Wie anders ist zu verstehen, wenn der Bundesvorstand einerseits einräumt, „Die evangelikale Haltung Rainer Wagners war dem Vorstand wie auch den Mitgliedsverbänden seit Jahren bekannt,“  zuvor aber feststellt, es handele sich um eine „bislang unbekannte Rede“?
Bei den Äußerungen,“ so der Vorstand, „die man Rainer Wagner anlastet, handelt es sich erkennbar um theologische und nicht um politische Aussagen.“ Wagner habe aufgrund der Entscheidungen nach „zwei Selbstanzeigen auf die Rechtmäßigkeit der durch die Staatsanwaltschaft ergangenen Entscheidungen … vertrauen“ dürfen.“ (Eine Anzeige war nach Kenntnis der Redaktion von einem jüdischen VOS-Mitglied in 2007 erstattet worden, die zweite Anzeige hatte Wagner nach Aufkommen neuerlicher Kritik selbst auf den Weg gebracht.)

Aussagen aus politischer Sicht nicht zu akzeptieren

Das mag ja alles sein. Die UOKG selbst hätte aber rechtzeitig auf die Unvereinbarkeit derartiger Äußerungen mit den politischen Mandaten Wagners hinweisen müssen. In der vorliegenden Erklärung stellt der Vorstand (nach dem Rücktritt!) selbst fest: „Was man Rainer Wagner vorwerfen kann ist, dass er als Vorsitzender eines politischen Vereins wie der UOKG damit rechnen musste, dass seine beanstandeten theologischen Aussagen einer politischen Bewertung und Deutung unterzogen werden und aus politischer Sicht nicht zu akzeptieren sind.“ Nichts anderes hatten die Kritiker vorgetragen. Und wenn der Bundesvorstand nun konstatiert, „Rainer Wagner hat inzwischen selbst eingeräumt, er würde sich in einer solchen Weise heute nicht wieder äußern“, warum hat man dann nicht verhindert, dass Wagner sogar gerichtlich gegen eine Erklärung vorgegangen ist, in der genau das postuliert wurde?

Die Kritiker waren offenbar doch nicht auf „infame Internetmobbing-Attacken“ ausgerichtet, wie der Vorstand recht dreist unterstellt. Der oder die Verfasser der vermeintlichen Erklärung von Rainer Wagner wollten offensichtlich einen gangbaren Weg aus der Theo-politischen Sackgasse finden, in die sich der Neustädter Prediger hineingepredigt hatte. Wagner wollte diesen Weg nicht gehen und scheiterte nun wohl selbst an dem bisher von außen behauptetem Widerspruch zwischen religiös motivierter Überzeugung und politischem Amt.

Wagners Rücktritt war unausweichlich und gut so. Weder er noch der Bundesvorstand sollten diesen richtigen Schritt relativieren, sondern nach vorne blicken und durch die Wahl eines kompetenten Nachfolgers dieses (auch durch die nachfolgenden Erklärungen) unrühmlich gewordene Kapitel schnell hinter sich lassen. Der Vorstand: „Die Angelegenheit (sollte) damit ihr Bewenden haben.“ Eben. (997)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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