Blumen für die Gefallenen - Foto: LyrAg

Blumen für die Gefallenen – Foto: LyrAg

Berlin, 9.Mai 2015/cw – Am einstigen sowjetischen Monument im Treptower Park wurden seit seinem Bestehen vor nahezu 70 Jahren unzählige Aufmärsche zelebriert. Aber während früher, sowohl zu Zeiten des sowjetischen Satrapen DDR wie auch danach das steife Partei- und militärische Zeremoniell im Vordergrund stand, erlebten die tausenden Besucher im Treptower Park zum 70. Jahrestag des Sieges über Hitlers Staatswesen ein wahres Volksfest. Russen, Ukrainer, andere Nationalitäten und – zahlenmäßig ortgemäß überlegen – Deutsche besuchten einträchtig das Memorial und legten wahre Berge von Blumen nieder.

Mitglieder der VOS, UOKG, Vereinig. 17. Juni, Haimkinder u. Gedenkst. Hohenschönhausen demonstrierten mit originellen Plakaten gegen das

Mitglieder der VOS, UOKG, Vereinig. 17. Juni, Heimkinder u. Gedenkst. Hohenschönhausen demonstrierten mit originellen Plakaten gegen das „Vergessen der Opfer nach 1945“ – Foto: LyrAg

Im Gegensatz zu früheren Events am von Stalin geprägten Gigantismus des heroischen Gedenkens an die Rote Armee und den von ihr geführten Vaterländischen Krieg konnten wohl in dieser festgestellten Offenheit erstmals an diesem Ort die unterschiedlichsten Wertungen der seinerzeitige Ereignisse und deren Bezug zu heutigen aktuellen Bezügen diskutiert werden: Ewiggestrige, Liberale, Kommunisten, Putin-Versteher und Putin-Kritiker, Christen und Atheisten, Linke und Rechte, kamen tatsächlich ins Gespräch, diskutierten leidenschaftlich, oft polemisch und schlugen sich dabei nicht gegenseitig verbal die Köpfe ein.

Erinnerung an den Widerstand:

Mahnung an einen aktuellen Widerspruch: SED-Verfolgte legten zwanzig „Weiße Rosen“ vor der Tafel nieder, auf der u.a die Befreiung der Krim von den „Hitlerfaschistischen Schurken“ manifestiert wurde: 1941 –  2014 . Aus der Geschichte nichts gelernt? – Foto: LyrAg

Selbst die vermutete Auseinandersetzung zwischen alten SED- und Stasi-Kadern und deren einstigen Opfern blieb aus. Man kam zwar eher weniger ins Gespräch, ging sich aber ohne bemerkenswerte Konflikte aus dem Weg. Selbst die sonst gewohnten verbalen Schimpfworte unterblieben weitestgehend.
Der Treptower Park im Jahr 2015 und im Jahr 70 nach dem fürchterlichsten Krieg der Menschheit: Ein Ort der Begegnung, der Gespräche, der Diskussionen und des Zuhörens. Ein einstiges sowjetisches Ehrenmal als Triumph der Demokratie. Wer hätte sich das jemals in dieser Form denken, gar erdenken können? So gesehen wären die Millionen Toten, die hier auch beweint wurden, nicht gänzlich umsonst gestorben. Ihr Tod schien hier im Jahr 2015 zumindest einen posthumen Sinn zu bekommen. (983)

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