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Berlin, 26./29.05.2015/cw – Am 2.06.2015, um 21:00 (-21:45) Uhr sendet der rbb erstmals den Film „Meine Oderberger Straße“, http://mediathek.rbb-online.de/tv/Dokumentation-und-Reportage/Meine-Oderberger-Stra%C3%9Fe/rbb-Fernsehen/Video?documentId=28649626&topRessort=radio&bcastId=3822114 ,  eine Gemeinschaftsproduktion des Duos Freya und Nadja Klier (Mutter und Tochter).

Auch der  Tunnelbau von 1963 wurde thematisiert: Freya u. Nadja Klier im Gespr. mit einem Fluchthelfer - Foto: LyrAg

Auch der Tunnelbau von 1963 wurde thematisiert:
Freya u. Nadja Klier (von li.) im Gespr. mit einem der Tunnelbauer  (re.) – Foto: LyrAg

Am 26.Mai wurde der Filmstreifen in der Gedenkstätte „Berliner Mauer“ an der Bernauer Straße uraufgeführt. Das Interesse überraschte sowohl die Filmemacherinnen wie den Veranstalter, so die stv. Direktorin der Stiftung Berliner Mauer, Dr. Maria Nooke, in ihrer Begrüßung; der Veranstaltungsraum war überfüllt. Der Co-Produzent rbb schaltete zudem life in die laufende Sendung von „Zuhause in Berlin-Brandenburg“ (zibb) (bis 3.06.2015 im Internet unter http://www.rbb-online.de/doku/m-n/meine-oderberger-strasse-.html).

Vom Güterbhf. (West) sendete der 20jährige C.W.Holzapfel 1964 auch in die Oderberger Straße: Hier spricht Studio Freies Deutschland - Sender am Stacheldraht - Archiv: cwh

Vom Güterbhf. (West) sendete der 20jährige C.W.Holzapfel 1964 auch in die Oderberger Straße:
Hier spricht Studio Freies Deutschland – Sender am Stacheldraht – Archiv: cwh

Die Autorinnen gingen auf Spurensuche in einer Straße, schildern sensibel in beeindruckender Weise die leidvollen aber auch erinnerungsfreudigen Geschichten dieser Straße im Zentrum Berlins, deren Höhen und Tiefen. Dabei verzichten die beiden Frauen auf den erhobenen Zeigefinger, auf die sonst bei diesem Sujet beliebte Belehrung über vermeintliche oder tatsächliche Versäumnisse durch die jeweilig politisch Verantwortlichen. Sie erzählen fast liebevoll aus Jahrzehnten der Historie der Oderberger Straße, die ihnen selbst über zehn Jahre bis zur erzwungenen Ausreise zum Kiez, zur Heimat geworden war.

Seit 1961 durch Mauer und Stacheldraht getrennt, gelingt es Nadja Klier als unaufgeregte, stellenweise durchaus in die Straße verliebte Moderatorin (diese Metapher erscheint in diesem Fall angebracht) gerade über diese Mauer zu springen, eine Brücke zwischen der in West-Berlin an dieser Stelle errichteten Aussichtsplattform und der abgeriegelten Straße im Osten der Stadt herzustellen. Ihre Mutter Freya, bekannte einstige Bürgerrechtlerin und Regisseurin, fasst die Symbiose zwischen einfühlsamer Beschreibung und Bild durch eine unaufdringliche Regie. Die Aussichtsplattform, über Jahrzehnte ein wichtiger Kommunikations- und Sichtbogen zwischen beiden Stadtteilen an dieser Stelle, wurde übrigens zunächst einzig für die (West-Berliner) Polizei errichtet. Erst nach einem engagierten Artikel durch den Autor dieser Zeilen im „7-Uhr-Blatt“, einer sonntäglich erscheinenden Wochenzeitung, wurde die Plattform thematisiert und schließlich für die unzähligen Besucher in der Bernauer Straße öffentlich zugänglich gemacht.

Nach dem "7-Uhr-Blatt" griff auch die Berliner Morgenpost das Thema auf. Im Hintergrund die Mauerschrift von C.W.Holzapfel: "Trotz Mauer ein Volk" - Archiv: cwh

Nach dem „7-Uhr-Blatt“ griff auch die Berliner Morgenpost das Thema auf. Im Hintergrund die Mauerschrift von C.W.Holzapfel: „Diese Schande muss weg“ – Archiv: cwh

Das familiäre Film-Duo lässt auch zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen, die zumindest zeitweise ihr Lebensschicksal mit dieser Straße verbanden oder durchlebten: Fluchthelfer, Künstler, mutige Outsider oder einfach jahrzehntelange Bewohner dieser Straße.

Fazit: Ein bemerkenswerter Film, der 45 Minuten lang fesselt, Geschichte durch den Bezug zu dort lebenden Menschen lebendig werden lässt und neugierig macht auf diese Straße im Herzen des seit nunmehr 25 Jahren wiedervereinigten Berlin. Unbedingt „in die Röhre“, heute: „auf den Schirm“ schauen. (994)

Freya Klier und Nadja Klier. „Meine Oderberger Straße“ (2015), RBB, gefördert von der Bundesstiftung Aufarbeitung.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Rainer Wagners „Rechtsextreme Kreise“

Berlin, 26.05.2015/cw – In den letzten Jahren ist er eingebürgert, wurde zur begrifflichen Selbstverständlichkeit: der Rechtsextremismus. Doch dieser Begriff ist zur inflationären Waffe geworden, um politische Gegner und – schlimmer noch – vermeintliche Gegner zu diffamieren oder gar zu erschlagen. Der Begriff ist omnipräsent, wird von den Medien gerne als Lückenfüller hergenommen und gilt bei Politikern als Ersatzbegriff bei fehlender Bemühung eigenen Denkens. Da fällt es dann nicht mehr auf, dass inzwischen  Personen, die sich tatsächlich umstrittener Formulierungen bedienen, die zweifelsfrei politisch rechts, im Detail vielleicht sogar mit dem Zusatz „extrem“ eingeordnet werden können, dieser zur politischen Keule mutierten Verbalinjurie bedienen, um von sich selbst oder der berechtigten Kritik an eigenen Äußerungen abzulenken. Sogar ungeliebte Medien wurden als „rechtsextrem“ eingestuft, weil vom Verfassungsschutz beobachtet. So hatte die rechtsorientierte Wochenzeitung Junge Freiheit erst nach einem jahrelangen Prozess 2005 eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes erwirkt (Az.1 BvR 1072/01), dass die Erwähnung der Jungen Freiheit als rechtsextreme Publikation im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen eine unzulässige Einschränkung der Pressefreiheit darstellt.

Noch im Januar hatte dieehemalige Hoheneckerin Tatjaan Sterneberg engagierten Protest wider das Schweigen gegen Äußerungen Wagners in der einstigen Stasi-Zentrale vorgertagen - Foto: LyrAg

Noch im Januar hatte die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg engagierten Protest wider das Schweigen gegen Äußerungen Wagners, hier in der einstigen Stasi-Zentrale in Berlin, vorgetragen – Foto: LyrAg

Als exemplarisches Beispiel für diese inflationäre Handhabung eines Begriffs kann  auch Rainer Wagner angeführt werden. Um nicht Verwechslungen zu provozieren, das Internet weist mehrere Personen gleichen Namens aus:
Es handelt sich hier um den wegen seiner extremen Äußerungen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften 2007 erstmals durch das jüdische VOS-Mitglied Knut Fischer (verstorben) als „Ayatollah von Neustadt“ bezeichneten evangelikalen Prediger der Stadtmission Neustadt, laut Homepage noch Ortsvorsitzender der evangelikalen Allianz, Ex-Vorsitzenden des Dachverbandes der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Ex-Vorsitzenden der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und diverser anderer Institutionen bis hin zum Ex-Mitglied der Expertenkommission des Deutschen Bundestages zur Zukunft der BStU.

„Von rechtsextremistischen Kreisen zum Rücktritt gedrängt“

Der Prediger hatte im vergangenen Monat aus der massiven Kritik an seinen Äußerungen die Konsequenzen gezogen und war von „allen politischen Ämtern“ aus „gesundheitlichen Gründen“ zurückgetreten. Das hatte auch den Kritikern Respekt abgenötigt. Doch Rainer Wagner wäre wohl nicht dieser Rainer Wagner, wenn er nicht nachlegen würde. Gegenüber vornehmlich kirchlichen Nachrichtenagenturen (idea und epd) relativierte er seinen gesundheitlich bedingten Rücktritt und räumte ein, „Konkret habe ihn der frühere stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der SED-Verfolgten, Carl-Wolfgang Holzapfel (Berlin), zum Rücktritt gedrängt.“ (idea, 3.05.2015). Holzapfel hatte bereits seit längerer Zeit die „Unvereinbarkeit dieser religiös begründeten Äußerungen“ mit den politischen Mandaten Wagners betont.
Hatten Wagner wohlgesinnte Kreise bereits diese Relativierung seines Rücktritts bedauert und als unglücklich empfunden, legte der auf seine Prediger-Funktion reduzierte Wagner nach. In einer von epd verbreiteten Erklärung sprach der Ex-Funktionär jetzt „von einer Kampagne von rechtsextremistischen Kreisen gegen ihn, die der UOKG schaden wollten.“ (22.05.2015/epd: http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-ost/schwerpunktartikel/ex-opferverband-chef-stolpert-%C3%BCber-anti-islamische-).

Dabei blendete der sich auch als „Theologe“ und „Pfarrer“ ausgebende und von der Pfälzischen Kirche 1999 ordinierte „Prädikant“ aus, dass er selbst seit Jahrzehnten Kreisen oder Vereinen angehört, die selbst von sachlich argumentierenden Kirchenleuten als „nationalistisch“ oder gar „rechts“ eingestuft werden.

Integrer Vorgänger in der UOKG: Horst Schüler (2014) - Foto: Archiv

Integrer Vorgänger in der UOKG: Horst Schüler (2014) – Foto: Archiv

Mit NPD-Funktionären im rechts-orientierten Kirchenverein

So heißt es in einer 2002 verlegten Dissertation von Stefan von Hoyningen-Huene „Religiosität bei rechtsextrem orientierten Jugendlichen“ u.a.: „Die „Evangelische Notgemeinschaft in Deutschland“ (ENiD) vertritt eine reaktionäre Ideologie, zu der Antifeminismus, Antikommunismus und der Kampf für die Verschärfung des § 218 zählen. Die Kirche ist nach Auffassung der ENiD „nicht befugt, zu den vielfältigen und oft komplizierten politischen Problemen Stellung zu nehmen und den Politkern ins Handwerk zu pfuschen“ Zu den Gründern der Notgemeinschaft „gehörte der Theologe Walter Künneth, der eine Geschichtstheologie vertrat und bereits 1933 die „rassische Gleichgültigkeit“ der Kirche beklagte. Er ist Namensgeber des ENiD- Instituts.“ Und: „Vorstandsmitglied (Stand 2002) „der ENiD ist zur Zeit der Berliner Politologe Klaus Motschmann, Mitbegründer des Förderkreis Gerhard Kaindl“ aus dem Umkreis der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“, … und 1989 für die Republikaner im Berliner Abgeordnetenhaus.

Zu dieser Notgemeinschaft gehörten aber auch führende NPD-Funktionäre, Zitat Hoyningen-Huene: „Andere Gründungsmitglieder kamen aus dem Umfeld der NPD, wie der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Ernst Anrich und Werner Petermann, der bei den BTW 1969 auf Platz 1 der niedersächsischen NPD-Liste kandidierte.

Quelle:
https://books.google.de/books?id=mXhk9tTGA2QC&pg=PA274&lpg=PA274&dq=Religi%C3%B6sit%C3%A4t+bei+rechtsextrem+orientierten+Jugendlichen&source=bl&ots=2Kcmh-TI7R&sig=mWowecXrmxgIGblTXPKnBnU_EfM&hl=de&sa=X&ei=6fJiVb3NGcOTsgG6-oDQBg&ved=0CCIQ6AEwAA#v=onepage&q=Religi%C3%B6sit%C3%A4t%20bei%20rechtsextrem%20orientierten%20Jugendlichen&f=false

Hetze gegen Homosexuelle - Aber gerne mit Klaus Wowereit im Bild  - Ist das gut so? - Foto: LyrAg

Hetze gegen Homosexuelle – aber gerne mit Klaus Wowereit im Bild
– Ist das gut so? – Foto: LyrAg

Rainer Wagner aus Neustadt a.d. Weinstraße war von 1986 bis 1999 Obmann dieser Notgemeinschaft (ENiD – siehe WIKIPEDIA Rainer Wagner) und wird in der am 30. September 1966 in Stuttgart gegründeten Notgemeinschaft unter „Bekannte Mitglieder“ nach wie vor aufgeführt: „Rainer Wagner, Vorsitzender der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“ (UOKG), Träger des Bundesverdienst-kreuzes am Bande, Vorstandsmitglied im Bibelbund“ (Stand: 254.05.2015).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Notgemeinschaft_in_Deutschland#Im_Vorstand_ab_2005

Der Bibelbund wurde 1894 in Pommern als christlicher Verein gegründet und setzt sich für die „Stärkung des Vertrauens in die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“ und gegen die Bibelkritik und die von ihr geprägte „moderne Theologie“ ein. (Quelle: WIKIPEDIA)

Rechter Wortkünstler ein Opfer von Rechts?

Wer sich also selbst in „rechten Kreisen“ bewegt, sollte sich nun nicht als Opfer „rechtsextremer Kreise,“ die zumal „der UOKG schaden“ wollten, gerieren. Vielmehr ist die Annahme erlaubt, dass Wagner der UOKG großen Schaden zugefügt hat, weil die UOKG selbst bzw. deren Mitglieder bislang nichts von diesen artikularen Bekenntnissen und rechten Mitgliedschaften ihres langjährigen Vorsitzenden ahnten oder wussten. Sie hätten ihn so wohl kaum nach dem „Putsch von Salzgitter“ gegen Wagner-Vorgänger Schüler zum Vorsitzenden des Dachverbandes gekürt. Zumal Horst Schüler, Opfer der ersten und zweiten deutschen Diktatur und langjähriger Redakteur beim Hamburger Abendblatt keinen Zweifel gegenüber allen Formen von Extremismus aus eigener leidvoller Erfahrung zulässt. Selbst die UOKG erklärt zu ihrem Fundament u.a.: „Die UOKG fühlt sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik verpflichtet. Politischer Extremismus, Rassismus und Antisemitismus jeglicher Ausprägung haben in der UOKG keinen Platz.“ (http://www.uokg.de/cms/)

Natürlich hat der Dachverband jetzt das Problem, diese Wagnersche Hinterlassenschaft abzuarbeiten und die entstandenen Trümmer des demolierten Vertrauens zu beseitigen. War es doch Wagner immer wieder gelungen, mit pathetischen Appellen die Glaubwürdigkeit von Kritikern zu untergraben. Dass der Religionspädagoge dabei auch zu Mitteln der Unwahrheit griff, was so gar nicht seinen sonstigen Bekenntnissen entsprach, wurde erst jetzt durch die bereits zitierte epd-Meldung vom 22.Mai d.J. bekannt. Wagner hatte der Darstellung von Kritikern widersprochen, als diese 2012 über eine kirchliche Abmahnung wegen dessen umstrittener Äußerungen berichteten. Es handele sich lediglich um ein Schreiben, das „eine Sekretärin abgefasst“  und das der zuständige Kircherat „ohne den Brief zu lesen“ unterzeichnet hätte. (https://17juni1953.wordpress.com/2013/01/31/danke-rainer/)

Androhung von Konsequenzen – Aberkennung der Ordination?

Lothar Scholz (Mitte), vormaliger stv. UOKG-Vorsitzender, gehört zu den frühen unbeugsamen Kritikern Rainer Wagners, hier 2008 mit  Ministerin Prof. Johanna Wanka (re.) und der Historikerin Ines Reich (Gedenkstätte Leistikowstr.) - Foto: LyrAg

Lothar Scholz (Mitte), vormaliger stv. UOKG-Vorsitzender, gehört zu den frühen unbeugsamen Kritikern Rainer Wagners, hier 2008 mit Ministerin Prof. Johanna Wanka (re.) und der Historikerin Ines Reich (Gedenkstätte Leistikowstr.) – Foto: LyrAg

Jetzt berichtet epd: „Dem Evangelischen Gemeinschaftsverband Pfalz sind die Aussagen aus dem Jahr 2006 bekannt. Der Verband habe Wagner bereits vor Jahren deutlich gemacht, dass solche Äußerungen nicht akzeptiert werden könnten, sagte der Vorsitzende des Gemeinschaftsverbandes, der Winterbacher Pfarrer Tilo Brach, dem epd. In einem Gespräch sei Wagner darüber hinaus erklärt worden, dass im Wiederholungsfalle dienstliche Konse-quenzen gezogen würden. Dies könne bis zur Aberkennung der Ordination gehen. Wagner ist seit 1999 ordinierter Prädikant der pfälzischen Landeskirche.“

Es hat also den Anschein, als hätte der Neustädter Prädikant kraft seiner Worte auch die UOKG seit Jahren an der Nase herumgeführt, deren Mitglieder mittels Diffamierungen seiner Kritiker eingelullt. Hier und da mögen allerdings auch Sympathien für die „klaren und mutigen Worte“ des Vorsitzenden vorhanden sein, wie sich Äußerungen ggüb. unserer Redaktion interpretieren lassen.

Nun bedient sich Rainer Wagner, wissend um deren Zugkraft, wenn alle anderen Argumente ausgereizt sind, ebenfalls der inflationären rechtsextremen Keule gegen allzu berechtigte Kritik. Vielleicht löst dieser aktuelle Fall ein Nachdenken darüber aus, wie man den berechtigten, weil unbedingt erforderlichen Kampf gegen jeglichen, also linken und rechten Extremismus (NSU etc.) durch mehr Glaubwürdigkeit befördern kann. Die inflationäre Verschwendung von Begriffen führt zum wohl nicht beabsichtigten Gegenteil. Die propagierte Waffe stumpft ab und führt vermutlich langfristig zu einer Gefährdung der Abwehr durch eine freilich gefährliche Gleichgültigkeit (Gähn-Effekt).

Es hat schon glaubwürdigere und respektablere Rücktritte „aus gesundheitlichen Gründen“ gegeben. Aus Sicht der Verfolgten und Opfer der zweiten Diktatur: Schade! (993)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin/Mönchengladbach/Köln, 24.05.2015/cw – Wir haben lange gezögert, ob wir die Pfingst-Ruhe mit nachstehendem Artikel „stören“ sollen. Schließlich haben wir auch andere Beiträge aus diesem Grund zurückgestellt. Aber wenn Pfingsten nach christlicher Vorstellung und Überlieferung etwas mit der Ausschüttung des Heiligen Geistes zu tun hat, dann müssen wir uns auch damit befassen, dass in Verantwortung stehende Menschen oftmals von diesem Geist buchstäblich verlassen worden sind. Anders lässt sich hier der Umgang mit bzw. die Ablehnung einer zutiefst menschlichen Entscheidung nicht kommentieren. Am Geld jedenfalls kann es nicht liegen, denn die fragliche Stiftung und der hinter ihr stehende Staat würden bei einer positiven Entscheidung im Sinne des verstorbenen Antragstellers noch einige tausend Euro einsparen.
Dass es – Gott sei Dank – in der Stiftung Heimkinderfonds auch Menschen gibt, die sich ihrer Verantwortung durchaus und im tiefsten Sinn ihres Auftrages bewußt sind, hat die menschliche Entscheidung im Fall einer Beisetzung in Berlin gezeigt (siehe: https://17juni1953.wordpress.com/2015/04/26/kathe-b-abschied-von-einem-unbekannten-schicksal/ ).

Redaktion Hoheneck (992)

Nun wohl amtlich: Die bloße Annahme, jemand möchte würdig bestattet werden, ist bloß eine unglaubhafte Unterstellung.

Von Dierk Schaefer

Der Amtsschimmel wiehert: Erst hat er sich mit der Bearbeitung eines Antrages[1] viel Zeit gelassen, obwohl er wusste: der Antragsteller ist alt und angeschlagen. Er wusste auch, dass die Leistung nur an den Lebenden ausgezahlt wird. Es wäre doch taktlos gewesen, den Antragsteller auf die Möglichkeit seines Ablebens vor der Zahlung hinzuweisen. Das wäre geradezu pietätlos.

Der Antragsteller kam gar nicht auf den Gedanken, dass die Laufzeit für die Bearbeitung seines Antrags dermaßen lange dauern würde, dass er, der Antragsteller, vor der Erledigung des Antrags erledigt sein könnte. So dachte er auch nicht daran, schriftlich festhalten zu lassen, dass er im Falle seines Todes mit dem ihm zustehenden Geld immerhin eine würdige Bestattung finanziert haben wolle. Nun hat er vorzeitig „ins Gras gebissen“, und der Amtsschimmel wiehert angesichts des hilflosen Konkurrenten um das Gras und wartet geduldig darauf, dass irgendwann Gras über die Sache gewachsen ist. Das war hier im Blog schon ein Thema[2]. Doch nun ist es wohl amtlich. Der Amtsschimmel schreibt verständnisvoll:

Gern erläutere ich Ihnen die Gründe … : Voraussetzung … ist, dass die/der Betroffene[3] diesen Wunsch selbst im Beratungsgespräch mit der Anlauf- und Beratungsstelle geäußert hat und dabei deutlich geworden ist, dass es ihr/ihm um die Würde der eigenen Person geht – nicht etwa um die finanzielle Entlastung der Erben, denn dies wäre wiederum eine Leistung an Dritte, die nicht gewährt werden kann.“

Im vorliegenden Fall hat der Betroffene bedauerlicherweise im Beratungsgespräch nicht geäußert, dass er ein würdiges Begräbnis wünscht. „… Ich bedaure, Ihnen keine andere Auskunft erteilen zu können, und hoffe, Ihnen mit diesen Informationen dennoch weitergeholfen zu haben.«[4] Worin die Hilfe dieser verlogenen Suada bestehen soll, wüsste ich gern.

Wir merken, dass die Verfasserin vor Mitgefühl förmlich zerfließt. Sie hätte bestimmt gern geholfen.[5] Aber die Verhältnisse, die sind nicht so. Nicht so, wie sie sie darstellt.

Ohne Beiträge: Zwangsarbeit in Heimen und Anstalten

Der Verstorbene –
· hat keine Erben, die sich an dem ihm nur persönlich zugedachten und schon bewilligten Geld bereichern könnten. Allenfalls das Sozialamt könnte profitieren.
· hat sicherlich nicht gewollt, ein Armenbegräbnis zu bekommen, wer will das schon. [6] Den Willen nach einer normal-anständigen Beerdigung dürfte und könnte man auch von Amtswegen unterstellen, ohne dass ein Rechnungshof dem Amtsschimmel die Hufe abschlägt.
· so bezeugen die, die sich (im Gegensatz zum Amtsschimmel mit seinem Futtersack in seinen letzten Tagen um ihn gekümmert haben, er, der Verstorbene, habe ein christlich-katholisches normales Begräbnis gewünscht.[7]

Während der Amtsschimmel noch wiehert, sammeln die ehemaligen Heimkinder[8], um die 800 Euro von der Stadt für Einäscherung und Urnenbestattung aufzustocken[9]. Ohne Bezahlung, ehrenamtlich[10] lösen sie den ärmlichen Haushalt des Verstorbenen auf. Dabei hätten ihm 11.000 Euro Rentenausgleichszahlung zugestanden, für von ihm verrichtete Zwangsarbeit in Anstalten, Einrichtungen und Heimen, die es tunlichst unterlassen haben, den Pflichtanteil an die Deutsche Rentenversicherung abzuführen.

Was soll man dazu sagen? Es fällt schwer, zu diesem unwürdigen Verhalten des Lenkungsausschusses[11] und seiner Vollzugskräfte die eigene Würde zu bewahren. So also mit Goethe: Heinrich, mir graut vor dir.
Wer alles Heini heißt, sehen Sie hier: Mailwechsel zum Armenbegräbnis (siehe unter Quelle).

Anmerkungen:

[1] Nicht nur eines Antrages. Es sind viele, doch hier geht es um einen konkreten Fall.
[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/05/13/theologischerseits-nur-zu-begrusen-die-burokratie-erinnert-ausdrucklich-den-tod-zu-bedenken-gegen-unterschrift/
[3] Immerhin ist man gendermäßig modern. Es handelt sich hier aber um einen eindeutig männlichen Verstorbenen. Ach, sollen sich die Adressaten doch das passende aussuchen.
[4] Zitat aus beigefügtem PDF
[5] Vielleicht gab es auch eine Metamorphose zum Krokodil, so dass Tränen fließen konnten.
[6] Ja, ich weiß, auch Mozart landete im Armengrab, doch das war wohl nicht sein Traum.
[7] Ich frage mich, bei wem der Kollege, der die Trauerfeier leitet, sich die Informationen über den Verstorbenen holt, über den er reden soll, frage mich auch, ob er nur unverbindlich-fromm salbadert oder angemessen-ehrlich auf das Leben des Verstorbenen eingeht und Ross und Reiter nennt, die das Leben so missgestaltet haben, wie es der Fall ist. Bei Ross und Reiter könnte er auch auf den Amtsschimmel kommen. Wird er aber wohl nicht machen. Wie ist der Auftrag: „Ihr seid das Salz der Erde …“
[8] Ausgerechnet die ehemaligen Heimkinder, die damals entwürdigt, misshandelt und ausgebeutet wurden, dann am Runden Tisch betrogen und nun immer noch hinzulernen. Sie haben auch heute noch keine Rechte und werden bevormundet und immer noch unwürdig behandelt. Zynisch gesagt: Ihr Leben weist Kontinuität auf.
[9] Ich täte das ja nicht, um die Schande der Ämter öffentlich zu machen.
[10] Wir sind ja ohnehin dabei, das Versagen der Ämter ehrenamtlich aufzufangen.
[11] Da sitzen allerdings Personen drin, die am Runden Tisch die Interessen der ehemalige Heimkinder nicht vertreten haben, doch hinterher Fachvorträge hielten darüber, was dort nicht gut gelaufen war.

Quelle:
https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/05/20/nun-wohl-amtlich-die-blose-annahme-jemand-mochte-wurdig-bestattet-werden-ist-blos-eine-unglaubhafte-unterstellung/

V.i.S.d.P.: Dierk Schaefer und Redaktion Hoheneck (Vorwort und Zwischenüberschrift) Tel.: 030-30207785

Köln/Berlin, 23.05.2015/cw – Die bekannte Buchautorin und einstige Ressortleiterin beim Kölner Express feiert heute in ihrem Feriendomizil Geburtstag. Aus diesem Anlass senden wir gerne an die einstige Hoheneckerin von dieser Stelle aus unsere herzlichsten Geburtstagswünsche :-)))))))))

Bleib gesund, liebe Ellen und uns noch lange erhalten. Denn wir brauchen mehr denn je mutige Menschen, wie Dich. Du hast wahre Kärrnerarbeit geleistet, besonders für die Frauen von Hoheneck. Deine Bücher sind zu Standardwerken über dieses schreckliche Kapitel politischer Verfolgung in der zweiten Diktatur geworden. Das werden Dir die einst politisch Verfolgten niemals vergessen.

Daher zu Deinem Geburtstag besonders liebe Grüße aus dem fernen Berlin und der übrigen Republik!

Redaktion Hoheneck, Berlin

Hamburg/Berlin, 21.05.2015/cw – Der NDR hat in einer Pressemitteilung von Gestern auf einen möglichen Justizskandal aufmerksam gemacht. Es geht um die Ermittlungen gegen den Oppositionsführer im Deutschen Bundestag, Gregor Gysi (LINKE) wegen einer diesem vorgehaltenen falschen eidesstattlichen Versicherung. Der LINKE-Politiker hatte diese Versicherung am 18. Januar 2011 unterschrieben und dem Hamburger Landgericht vorgelegt. Gysi wehrt sich gegen eine Dokumentation des NDR, die unter dem Titel „Die Akte Gysi“ in der ARD ausgestrahlt wurde und in der die Frage, ob Gysi als „IM Notar“ und/oder „IM Gregor“ an die Staatssicherheit berichtet hat, behandelt wurde. In der eidesstattlichen Versicherung hatte Gysi formuliert: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt über Mandanten oder sonst jemanden wissentlich und willentlich an die Staatssicherheit berichtet.

Diese Bandbreite einer Formulierungskunst wird inzwischen auch von anderen einstigen DDR-Bürgern in Gerichtsverfahren eingeführt. So hatte Ronald Lässig, einstiger VOS-Vize und Pressesprecher des Verbandes, in einem Verfahren vor dem Landgericht Berlin ebenfalls eidesstattlich versichert: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt bewusst in irgendeiner Form für das Ministerium der Staatssicherheit der DDR gearbeitet. …“.

Staatsanwalt brüskiert Generalstaatsanwalt

Ein pensionierter Richter hatte gegen Gysi Strafanzeige erstattet, weil der Verdacht bestehe, daß die eidesstattliche Versicherung nicht der Wahrheit entspreche. Die einstige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld hatte sich dem in Gang gesetzten Verfahren durch eine eigene Anzeige angeschlossen. Seiher schleppt sich das eingeleitete Ermittlungsverfahren durch die Windungen der Ermittlungsbehörden, obwohl der zügige Abschluss bereits mehrfach angekündigt worden war. Nach Recherchen des NDR, des WDR und der Süddeutschen Zeitung soll der Behördenleiter der Hamburger Generalstaatsanwalt Lutz von Selle die Weisung erteilt haben, Anklage gegen Gysi zu erheben. Diesem würde bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren drohen. Der Bundestag hatte für die seit jetzt zweieinhalb Jahren andauernden Ermittlungen eigens die Immunität des MdB aufgehoben.

Der mit den Ermittlungen befasste Staatsanwalt sieht nach der NDR-Mitteilung hingegen „keinen hinreichenden Tatverdacht“ und lehnt daher eine Anklageerhebung ab. Wegen dieser Weigerung liegt dem Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) seit mittlerweile zwei Wochen dessen Beschwerde vor. Der Senator muß jetzt über eine mögliche Rechtwidrigkeit der Weisung aus der Generalstaatsanwaltschaft entscheiden. Die Sprecherin der Justizbehörde, Marion Klabunde, bestätigte den Eingang „der Beschwerde eines Beamten gegen eine Weisung, die er für nicht rechtmäßig hält.“

Gregor Gysi, der sich seit mehr als 20 Jahren gegen Beschuldigungen wehrt, an die Staatssicherheit der DDR berichtet zu haben, kann dem Ausgang des Verfahrens wohl eher gelassen entgegen sehen. Belegt doch der offene Konflikt in der Hamburger Justizbehörde, daß auch 26 Jahre nach dem Fall der Mauer und 25 Jahre nach der Selbstauflösung der DDR offenbar noch immer keine verbindlichen Maßstäbe für die Verfolgung möglicher Straftaten in der Diktatur des Proletariats existieren. (990)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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