Berlin, 23.04.2015/cw – UOKG-Chef Rainer Wagner hat mit sofortiger Wirkung den Rücktritt von allen Ämtern erklärt. In einem am 22.04. an den Vorstand übermittelten und heute durch eine Presseerklärung bekannt gewordenem Schreiben erklärt der seit 2006 amtierende Chef des Dachverbandes UOKG:

Aus gesundheitlichen Gründen erkläre ich hiermit meinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Bundesvorsitzenden der UOKG. Da meine politische Autorität vom Amt des UOKG-Bundesvorsitzenden her kommt, lege ich gleichzeitig auch alle weiteren politischen Funktionen in Verbänden und Gremien nieder.

Wagner begründete diesen Schritt mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen, die ihm eine Fortführung seiner Tätigkeit nicht mehr möglich mache:

Aufgrund meiner politischen Haft in der DDR leide ich unter mancherlei gesundheitlichen Einschränkungen, die mich in meiner Tätigkeit für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft beeinträchtigen. Ich musste feststellen, dass weder eine Teilrente (seit Herbst 2014) noch eine wahrgenommene Rehabilitationskur eine Verbesserung gebracht haben.“

Der Rücktritt vom 22.04.2015

Der Rücktritt vom 22.04.2015

Politische Weggefährten und Beobachter zeigten sich allenfalls vom Zeitpunkt überrascht, denn Wagner sah sich seit geraumer Zeit wegen seiner allerdings theologisch begründeten Äußerungen, in denen er Juden „als Knechte Satans“, Allah als „Lügner und Erfindung“ bezeichnete und wegen Diffamierungen von Buddhisten und anderer Religionen scharfer Kritik ausgesetzt.
Dem bisherigen UOKG-Vorsitzenden war insbesondere eine nicht vertretbare Vermischung zwischen seinen theologischen und politischen Positionen vorgeworfen worden. Seine Äußerungen zum Thema Juden und Muslimen ständen im Widerspruch zum Postulat des Dachverbandes, der „sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik verpflichtet“ fühle. Daher hätten „Politischer Extremismus, Rassismus und Antisemitismus jeglicher Ausprägung in der UOKG keinen Platz.“

Wagner hatte aus selbst für Wohlgesonnene unerklärlichen Gründen jeglichen Brückenbau abgelehnt und war jüngst sogar gerichtlich gegen eine nach seinen Angaben nicht von ihm verfasste Erklärung vorgegangen, die seine radikalen Äußerungen relativierten und laut der er zukünftig mehr Sensibilität in seiner Verantwortung als Vertreter von politisch Verfolgten walten lassen wolle.

Nicht nur der Dachverband steht nun vor großen Problemen. Auch der älteste und bislang größte Verfolgtenverband, die seit 1950 existente Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) verliert mit dem Rücktritt seinen erst seit April 2014 amtierenden Vorsitzenden. Entgegen seinen Ankündigungen hatte sich

Die  VOS bedauert den Rücktritt, hat aber Verständnis... Hugo Diederich, Ansprechpartner

Die VOS bedauert den Rücktritt, hat aber Verständnis…
Hugo Diederich, Ansprechpartner

Wagner auch hier nicht gegen alte Strukturen durchsetzen wollen oder können.

Kommentar:

Man soll Toten oder von Ämtern Zurückgetretenen nicht Steine nachwerfen. Ein Rücktritt ist schließlich immer auch ein Stück Übernahme von Verantwortung. Dennoch reißt jeder Rücktritt Lücken. Zwei Verbände suchen einen neuen Vorsitzenden, zwei Verbände waren – wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen – auch durch den Zurückgetretenen in eine Schieflage geraten. Alle, die es nicht wagten, den Mund aufzumachen, ihren Vorsitzenden nicht kritisieren wollten und die angehäuften Probleme lieber aussitzen wollten, stehen jetzt im Regen. Sie haben jetzt eine Chance, diese Versäumnisse aufzuholen und sich aktiv an der Findung guter Nachfolger zu beteiligen. Weiter so! reicht nicht mehr. Wenn die einstigen politischen Widerstachler die einstigen Grundsätze wieder ernst nehmen wollen, dann müssen sie sich zu Wort melden und ihren Anspruch auf Mitgestaltung deutlich anmelden.
Tun sie das nicht, werden die Kämpfer von einst als Fußnoten in den Geschichtsbüchern verschwinden, werden andere über ihre Köpfe hinweg noch immer ausstehende Entscheidungen zu Rehabilitation, Rentenfragen und Wiedergutmachung treffen. Rainer Wagner hat sich fraglos einige Meriten erworben. Sein größter Verdienst war sein Rücktritt zur rechten Zeit. Wir, die in den Verbänden Verantwortung tragen, sollten die Gunst der Stunde für einen Neuanfang nutzen. Ein runder Tisch mit den Verantwortlichen aus allen Vereinen und Verbänden ist überfällig. Vergangenheit bewältigen ist gut, Zukunft gestalten aber ebenso notwendig. (975)

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