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Berlin, 21.03.2015/cw – Streng geheim, nicht öffentlich, kommen von den Parteien benannte Experten zu ebenfalls geheimen Sitzungsterminen im Deutschen Bundestag zusammen, um nichtöffentlich über die Zukunft der BStU zu beraten. Jedenfalls wurden Anfragen nach Terminen oder Inhalten der vom Deutschen Bundestag eingesetzten „Experten-Kommission zur Zukunft der Stasi-Unterlagenbehörde“ unter Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit negativ beschieden. In der Runde sitzt u.a. auch der von der CDU benannte Vorsitzende der UOKG und VOS, der extreme Religionspädagoge Rainer Wagner aus Neustadt an der Weinstraße. Von Protesten gegen die geheimen Sitzungen durch den Vertreter der Opfer-Verbände ist bislang nichts bekannt, was allerdings eben an der Geheimhaltung liegen könnte.

Vorsitzender der Kommission ist der weithin geachtete und anerkannte ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, der CDU-Politiker Prof. Wolfgang Böhmer. Wer aber nun von der Kommission eine vorurteilsfreie Bestandsaufnahme und ein daraus resultierendes Urteil erwartet, sieht sich möglicherweise schon im Vorfeld getäuscht. Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung äußerte sich Böhmer bereits in dem Sinne, „dass die Behörde kein Dauerzustand sein könne.“ Der Polit-Profi begründete diese Vorab-Beurteilung und betont: „„Sie (die Behörde) muss nicht länger existieren, als die Staatssicherheit selbst existiert hat.“

Einsetzungsantrag und Aufgaben - Ausriss http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/019/1801957.pdf

Einsetzungsantrag und Aufgaben – Ausriss
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/019/1801957.pdf

Trotzdem sei diese ungewöhnliche vorzeitige Stellungnahme durch den Vorsitzenden einer Kommission, die vorgeblich erst über die Zukunft dieser Behörde beraten soll, ein Indiz für den möglichen Ausgang der Beratungen, stellte die Vereinigung 17. Juni in Berlin zu den Äußerungen Böhmers fest:

„Wenn sich schon der Vorsitzende zu einem relativ frühen Zeitpunkt in eine bestimmte Richtung äußert, dann kann man die Richtung des zu erwartenden Ergebnisses bereits erkennen.“ Möglicherweise habe man hier einen Bock zum Gärtner gemacht, indem man einen vermutlichen Gegner der BStU „zum Richtungs-Koordinator“ ernannt habe. Dass Böhmer in dem ausgewiesenen BStU-Gegner, dem Theologen und Beirats-Vorsitzenden der Stasiunterlagenbehörde Prof. Dr. Richard Schröder einen weiteren bekennenden Gegner dieser Einrichtung hat, dürfte jene Politiker beflügeln, die die Jahn-Behörde eher heute als morgen in das Bundesarchiv integrieren wollen, meint der Verein. Es stelle sich allerdings die berechtigte Frage, warum man ein „sicher nicht billiges Gremium“ gründe bzw. einberufe, wenn „die zu erwartenden Ergebnisse bereits jetzt an die Wand geworfen werden.“

Verein 17. Juni fordert Öffentlichkeit

Der nach dem Volksaufstand von 1953 gegründete Verein fordert in diesem Zusammenhang die „Öffentlichkeit der Sitzungen“ der Experten-Kommission und zumindest den Zugang für „ausgewiesene Opfer und Verfolgte durch die Staatssicherheit.“ Selbst das oft als „ROT“ gescholtene Land Brandenburg habe in beispielhafter Weise die Sitzungen der sogen. Enquete-Kommission, die sich mit der Aufarbeitung der Diktatur-Folgen befasst habe, öffentlich durchgeführt. Zahlreiche Betroffene hätten diese Sitzungen aufmerksam verfolgt. Auch durch die Anwesenheit der Medien sei eine permanente Öffentlichkeit hergestellt worden.

„Dass ausgerechnet der Deutsche Bundestag in dieser wichtigen und die Öffentlichkeit nach wie vor interessierenden Frage eine Geheimhaltung beschließt, ist 25 Jahre nach dem erfreulichen Ende der Diktatur und deren Geheimhaltungsritualen nicht nachvollziehbar,“ heißt es in einer heute verbreiteten Erklärung des Vorstandes. (957)

  V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Vorstand, Berlin – Tel.: 030-30207785

Fragen an den Verleger Ulrich Hopp

Berlin, 18.03.2015/cw – Acht- bis zehntausend Frauen mussten in den Jahren der DDR ihre langjährigen Haftstrafen aus politischen Gründen im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck verbüßen. In dem lesens- und sehenswerten Band „Der Dunkle Ort“ werden 25 dieser Schicksale portraitiert. Eine gleichnamige Ausstellung wurde durch die Heinrich-Böll-Stiftung Berlin konzipiert und kann bei dieser angefordert werden. Anlässlich der zweiten und erweiterten Auflage (siehe Hohenecker Bote, Nr.039 vom 15.03.2015) stellten wir dem Verleger Ulrich Hopp einige Fragen.

Falsche Aussagen nicht korrigiert...

Proteste gegen falsche Aussagen …

Hohenecker Bote: Herr Hopp, Ihr Verlag hat sich in vielfacher Weise um die Aufarbeitung historischer Abläufe durch unzählige Editionen verdient gemacht. Mit der Auflage des Buches zur gleichnamigen Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung haben Sie sich offensichtlich einigen Ärger in Form von zahlreichen Widersprüchen durch ehemalige Hoheneckerinnen eingehandelt. Bereuen Sie als Verleger diese Edition?

Ulrich Hopp: Nein. Die Auseinandersetzung unter den im Buch Porträtierten begann erst einige Monate nach Erscheinen. Bis zu den Auseinandersetzungen des Vereins der ehemaligen Hoheneckerinnen war nicht nur alles friedlich, im Gegenteil – alle beteiligten Frauen waren begeistert und haben bei öffentlichen Auftritten rund ums Buch dies auch zum Ausdruck gebracht.

HB: Die Schreiben an Sie oder den bebra-Verlag sind ja nicht ganz ohne Wirkung geblieben. So haben Sie für ein Nachwort den renommierten Psychologieprofessor und führenden Psychotraumatologen Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker gewinnen können. Maercker beschreibt ja eindrucksvoll und durchaus nachvollziehbar die Gründe für sogen. Erinnerungslücken oder auch Erinnerungs-Verschiebungen im Gedächtnis von Zeitzeugen und deren Ursachen. Wäre es für den unbefangenen Leser nicht hilfreich gewesen, an einem Beispiel aus Ihrem Buch konkret aufzuzeigen, worum es dabei geht?

Wie Sie wissen, haben wir uns ernsthaft mit Vorwürfen zu einem Text am Buch auseinandergesetzt. Doch letztendlich gab und gibt es keine eindeutigen Beweise für eine vorsätzliche Falschdarstellung. Man muss auch wissen, dass es sich hierbei nicht um eine wissenschaftliche Darstellung, sondern um einen Band mit persönlichen, sehr emotionalen Berichten handelt. Da steht es uns als Verlag nicht zu über das Faktische des Erlebens einzelner zu urteilen. Deshalb war uns auch der Beitrag von Professor Maercker so wichtig, der darauf abzielt, dass getätigte Aussagen von Zeitzeuginnen nicht nur der historischen Wahrheit verpflichtet sind, sondern auch der unbewussten Bewältigung ihres Traumas.
Hätten wir nun direkt auf einen Beitrag hingewiesen, hätten wir uns zum Teil einer Auseinandersetzung gemacht, die wir ablehnen. Ablehnen aus den vorgenannten Gründen.

HB: Sie haben dem Vorwort in der zweiten Auflage einen Absatz vorgefügt: „Zur Entstehung dieses Buches.“ Darin heißt es u.a., das die vorliegende Dokumentation keinen “Anspruch eines Geschichtsbuches erhebt, sondern ein Buch voller Geschichten, wie sie von Frauen erinnert werden, die die Schrecken der Haft in Hoheneck zu unterschiedlichen Zeiten durchleiden mussten.“ Der Autor dieser Anmerkung – oder der Verlag – stellt auf die unterschiedlichen Wahrnehmung der Frauen ab. Ist das nicht eine Verharmlosung offensichtlicher Lügen? Wenn eine Frau nach eigenem Bekenntnis vor dem Bundespräsidenten bei dessen Besuch in Hoheneck bekundet, sie habe nicht in dieser Wasserzelle einsitzen müssen und in Ihrem Buch weiterhin verbreitet wird, sie habe in Hoheneck in dieser Wasserzelle eingesessen, ist das wissenschaftlich begründet oder korrekt, diese Lüge so stehen zu lassen? Entwertet das nicht die Beiträge der anderen 24 Frauen?

Wie gesagt, wir gehen nicht von einer vorsätzlichen Falschdarstellung der Beiträge in diesem Buch aus. Insofern verbietet sich uns der Begriff der Lüge, der aus meiner Sicht diffamierend ist. Alle Beiträge stehen im Buch für sich und sind als persönliche Erinnerungen der jeweiligen Zeitzeugin gekennzeichnet und nehmen keinen Bezug aufeinander. Daran hat sich auch in der Neuauflage nichts geändert und ich wüsste kein schlüssiges Argument – auch kein juristisches – das dem entgegensteht.

HB: Immerhin haben neun von 25 ehemaligen Hoheneckerinnen die in diesem hochinteressanten und empfehlenswerten Buch über ihre Schicksale in dem berüchtigten Frauenzuchthaus berichten, Sie in einem Schreiben vom 23.April 2013, also bereits vor zwei Jahren aufgefordert, falsche Darstellungen einer Zeitzeugin zu korrigieren. Ihnen wurden auch entsprechende Dokumente vorgelegt. Sie hatten seinerzeit eine gewissenhafte Prüfung zugesagt. Jetzt stehen diese nachweisbaren Unrichtigkeiten unverändert in der Neuauflage. Warum?

Durch Wiederholungen werden Argumenten weder richtiger noch gewichtiger. Ich habe dazu bereits in meinen bisherigen Ausführungen dazu schon Stellung bezogen.

HB: Die zitierten neun Frauen, eine zehnte Protagonistin hatte wohl auch Vorbehalte angemeldet, hatten Ihnen bzw. dem Verlag vorsorglich das Einverständnis für den Vertrieb von deren Lebensgeschichten entzogen, falls diese Korrekturen nicht vorgenommen werden würden. Nun sind diese Korrekturen ausgeblieben, aus welchen Gründen auch immer. Befürchten Sie jetzt rechtliche Probleme? Anders gefragt, wäre es – zumal für einen wissenschaftlichen Verlag – nicht einfacher gewesen, die zweifelsfreien Falschinformationen zu Kanzeln, also herauszunehmen?

Wie gesagt, ich teile Ihre Meinung der vorsätzlichen Falschaussage nicht. Sicherlich wäre es einfacher, wenn man allen Schwierigkeiten die sich ankündigen, aus dem Wege gehen würde. Doch wenn Sie sich die Lebensläufe der fünfundzwanzig Protagonistinnen im Buch anschauen, sind sie auch nicht immer den leichtesten Weg gegangen. Ich habe Hochachtung vor dem Erlebten der Frauen aus Hoheneck und ich hatte das Glück, nie in eine solche Lage gebracht worden zu sein. Insofern steht es m. E. niemandem zu, die individuelle Verarbeitung eines solchen Traumas zu be- oder gar zu verurteilen.

HB: Herr Hopp, wir bedanken uns für die offenen Antworten. (956)

Die Fragen stellte Carl-Wolfgang Holzapfel.

Dirk von Nayhauß, Maggie Riepl, DER DUNKLE ORT (2., akt. Auflage) 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck – Mit einem Nachwort von Andreas Maercker – 148 S., 110 z. T. farb. Abb., Pb. – ISBN 978-3-95410-049-1 – März 2015 – sofort lieferbar – 19,95 €
http://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/655–der-dunkle-ort-2-akt-auflage.html

© 2015 Hohenecker Bote, Berlin, Tel.: 030-30207785

Titel HB 2014Nr.039 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 03. 2015

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„DER DUNKLE ORT“ nach Neuauflage erneut im Scheinwerferlicht: Korrekturen unerwünscht?

Berlin/cw – Der bebra-Verlag in Berlin hat vor wenigen Tagen die zweite erweiterte Auflage der aufwühlenden Edition DER DUNKLE ORT von 2012 vorgestellt. Der mit eindrucksvollen Portrait-Fotos des bekannten Fotografen Dirk von Nayhauß und Texten von Maggie Riepl versehene Bildband stellt 25 Frauen vor, die neben weiteren acht- bis zehntausend Frauen zu Zeiten der DDR aus politischen Gründen auf der einstigen Burg Hoheneck, dem berüchtigten Frauenzuchthaus im Erzgebirge inhaftiert waren. Das Buch entstand als Dokumentation zur gleichnamigen Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung, die seit 2012 in ganz Deutschland ausgestellt wird und so nachgefragt ist, das eine lange Warteliste für Vormerkungen bei der Böll-Stiftung geführt wird. https://17juni1953.wordpress.com/2012/03/01/der-dunkle-ort-eindrucksvolle-portraits-hohenecker-frauen/

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.42),

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle… (S.42),

Nicht verschwiegen werden sollten die zahlreichen Proteste, die den Verlag besonders von Protagonistinnen nach dem Erscheinen des Bandes erreicht haben. Die Empörung richtete sich gegen Darstellungen einer mittlerweile umstrittenen ehemaligen Hoheneckerin, die neben anderen Behauptungen auch den Aufenthalt in der seinerzeitigen Wasserzelle in Hoheneck beschreibt, obwohl sie dies wenige Monate zuvor gegenüber dem in Hoheneck zu Besuch weilenden Bundespräsidenten nachdrücklich bestritten hatte.
Die Proteste an den Verlag sind nicht ganz ohne Wirkung geblieben. So hat der Verlag für ein Nachwort den renommierten Psychologieprofessor und führenden Psychotraumatologen Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker gewinnen können. Maercker beschreibt eindrucksvoll und durchaus nachvollziehbar die Gründe für sogen. Erinnerungslücken oder auch Erinnerungs-Verschiebungen im Gedächtnis von Zeitzeugen und deren Ursachen. Allerdings wäre es für den unbefangenen Leser hilfreich gewesen, zumindest an einem konkreten Beispiel wie dem vorgenannten die Thesen des Professors zu verdeutlichen.

Ein Buch „voller Geschichten“?

Auch ein dem (bisherigen) Vorwort vorangestellter eigener Absatz: „Zur Entstehung dieses Buches“ bleibt leider ohne Bezug zu den vorgetragenen Bedenken durch immerhin fast der Hälfte der in dem Band portraitierten 25 Frauen. In dem Beitrag heißt es u.a., das die vorliegende Dokumentation keinen “Anspruch eines Geschichtsbuches erhebt, sondern ein Buch voller Geschichten, wie sie von Frauen erinnert werden, die die Schrecken der Haft in Hoheneck zu unterschiedlichen Zeiten durchleiden mussten.“ Der Autor dieser Anmerkung – oder der Verlag – stellt hier auf die unterschiedlichen Wahrnehmung der Frauen, nicht aber auf die konkreten Vorhalte ab. Dies kommt bedauerlicherweise eher einer Verharmlosung offensichtlicher Lügen gleich. Das ist weder wissenschaftlich noch korrekt. Hier wurde eine Chance vertan, den wissenschaftlichen Anspruch eines Verlages durch eine offensive Auseinandersetzung mit ernstzunehmenden, weil dokumentarisch untermauerten Vorwürfen zu belegen, die freilich erst nach der ersten Auflage bekannt wurden.

Die zehn ehemaligen Hoheneckerinnen hatten dem Verlag gegenüber vorsorglich ihr Einverständnis zur weiteren Verbreitung ihrer Schicksale untersagt, falls man in einer weiteren Auflage deren Kritik nicht berücksichtigen würde. Durch den fehlenden Bezug zu dieser Kritik gelangen die durchaus lesenswerten Einfügungen in der jetzt vorliegenden zweiten Auflage etwas deplaziert an den Leser. Schlimmstenfalls werden alle Beiträge durch den mangelnden und schließlich auslösenden Bezug zu den Einwendungen in ein fatal wirkendendes diffuses Licht gestellt: Vorsicht, die hier vorgestellten Berichte sind subjektiv und müssen nicht mit den geschichtlichen Wahrheiten übereinstimmen. Eine wenn auch sicherlich nicht beabsichtigte Verallgemeinerung, die den übrigen eindrucksvollen 24 Berichten ehemaliger Hoheneckerinnen nicht gerecht wird.

Bis auf diese Einschränkungen ist der Band Jedwedem empfohlen, der sich mit der jüngsten Vergangenheit im einst geteilten Deutschland ernsthaft auseinandersetzen möchte.

Dirk von Nayhauß, Maggie Riepl, DER DUNKLE ORT (2., akt. Auflage)25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck – Mit einem Nachwort von Andreas Maercker – 148 S., 110 z. T. farb. Abb., Pb. – ISBN 978-3-95410-049-1 – März 2015 – sofort lieferbar – 19,95 €
http://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/655–der-dunkle-ort-2-akt-auflage.html

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Israel versagt Evangelikalen staatliche Anerkennung

Vancouver/Wetzlar/Berlin/cw – Unter vorgenannter Überschrift verbreitete die Evangelische Nachrichtenagentur idea am 7. März eine Äußerung des ehemaligen Generalsekretärs der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), des Kanadiers Geoff Tunnicliffe in Vancouver.
Tunnicliffe beklagte, daß die Evangelikalen zwar „die beste Freunde Israels“ seien, aber diese „Freundschaft einseitig ist.“ Danach kritisierte der Generalsekretär a.D. in der Internetzeitung „Christian Post“, dass die Evangelikalen in Israel zwar Religionsfreiheit genössen, diesen „aber manche Rechte immer noch versagt werden“, ihre Gemeinden seien immer noch nicht staatlich anerkannt. Die Evangelikalen würden wie „drittklassige Bürger“ behandelt.
Tunnicliffe, der sein Amt als Generalsekretär zum 31.12.2014 beendet hatte und jetzt als strategischer Berater der Christlichen Medien-Korporation International tätig ist, betonte, dass sich Evangelikale „für das Wohlergehen des Staates Israel“ einsetzen sollten. Dies werde aber durch den Staat Israel durch seine drittklassige Behandlung der Evangelikalen konterkariert.
Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/89893.html

Vielleicht liegen die Ursachen für diese Konflikte aber nicht nur in der religiösen Ausrichtung des Staates Israel, sondern auch in den oft eigenwilligen um nicht zu sagen provozierenden Bekenntnissen der Evangelikalen. Kann man die Freundschaft zu Israel postulieren und gleichzeitig (auch) Juden als Knechte Satans bezeichnen, wie dies z.B. der Orts-Vorsitzende der Evangelikalen Allianz in Neustadt a.d. Weinstraße tut?

"Bist du auch ein  Knecht Satans?" Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter (v.li.). - Satirischer Kommentar: LyrAg

„Bist du auch ein Knecht Satans?“
Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter
(v.li.). – Satirische Einfügung: LyrAg

Zwar hat Michael Diener, Präses des den Evangelikalen zugerechneten Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, in einer Mail die durch diese Äußerungen entstandenen Verletzungen ausdrücklich bedauert und sein Bemühen betont, „auf Ebene der Verbände und Dachverbände durch Schulungen und Dienstgespräche derartige eventuelle Fehlentwicklungen zu korrigieren“, tatsächlich aber haben sich die Evangelikalen bis heute nicht öffentlich zu den umstrittenen Verlautbarungen aus Neustadt geäußert.

BILD: Die Akte Judenhass

In Deutschland selbst tut man sich ebenfalls schwer im Umgang mit zwiespältigen Äußerungen. Mit einer Ausnahme: Können Äußerungen einer rechtsextremen Seite zugeordnet werden, heult die Republik unisono auf. Sind Äußerungen antisemitisch oder Hass-durchtränkt, kommen diese aber aus einer „demokratischen“ Ecke, werden diese zwar nicht zwangsläufig toleriert, aber nach Gusto übergangen oder totgeschwiegen. Dies ist – beispielsweise – an zwei Vorgängen festzumachen: Die BILD (Berlin) hatte am 6.März geschlagzeilt: „Die Akte Judenhass – 192 antisemitische Übergriffe im Jahr 2014“, sich dabei aber ausschließlich auf die Zitierung tätlicher Übergriffe beschränkt. Das verbale antisemitische Äußerungen geeignet sind, diese tätlichen Übergriffe zu befördern oder erst gar in Gang setzen (Weimar lässt grüßen), konnte oder wollte Deutschlands größtes Boulevardblatt nicht thematisieren. Dabei v verdienten die Hass-verbreitenden Ergüsse eines nicht unbedeutenden Verbandsfunktionärs in diesem Zusammenhang durchaus Beachtung.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Vielleicht aber lässt sich auch BILD (hin und wieder) von öffentlichen Vorgaben beeinflussen? Jedenfalls hat der DEUTSCHE BUNDESTAG offensichtlich keine Schwierigkeiten damit, auf seiner Internetseite unter dem amtlichen Bundesadler die Personalie des Ayatollah aus Neustadt zu veröffentlichen, der nicht nur Juden als Knechte Satans bezeichnet, sondern rundum auch den Islam als Religion verleumdet (Der erfundene Götze Allah ist ein Lügner und Mörder) und in diesem Atemzug auch gleich gegen andere Religionen oder religiösen Überzeugungen (Buddhisten und Hindus) die Keule schwingt. Wie wäre es mit dieser Schlagzeile:

SKANDAL: DEUTSCHER BUNDESTAG STELLT RELIGÖSEN FANATIKER AUF INTERNETSEITE
Quelle: http://www.bundestag.de/bundestag/gremien18/bstu/lebenslauf_wagner/356500

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages - Ein falsches Signal.

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages – Ein falsches Signal.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Vielfach und leider auch durch die Justiz werden derartige Ausfälle immer noch mit der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit bemäntelt, daher könne man dagegen nicht vorgehen. Wer aber die Verfassung gegen ihren eigenen Geist (Art.1: Die Würde des Menschen ist unantastbar) ins Feld führt, muß sich nicht wundern, wenn diese Republik eines Tages wieder im Ungeist und im permanenten Verfassungsverstoß aufwacht. Solange tatsächliche oder auch selbsternannte Theologen ihre Thesen in religiösen Räumlichkeiten von sich geben, mag der Artikel von der Religionsfreiheit greifen – auch wenn er diverse Aussagen dadurch nicht richtiger oder unangreifbarer macht. Wenn aber ein solcher Theologe auch als öffentlich tätiger Polit-Repräsentant und in dieser Funktion mit Orden ausgezeichnet als Gast des Staatsoberhauptes auftritt, in staatlichen Stiftungen Ämter bekleidet und – auch das noch – jetzt auf der Internetseite des Deutschen Bundestages aufgeführt wird, sollten die Grenzen der Zumutbarkeit erreicht sein. Das ist nicht mehr Tolerierung der Religionsfreiheit, das ist staatlich subventionierte Hetze gegen Juden, den Islam und andere Religionen. Siebzig Jahre nach dem 8. Mai 1945 eine nicht zu verantwortende negative Symbolik. In Neustadt wurde im Internet dazu aufgerufen „Schweine durch die (örtliche) Moschee zu treiben.“ Der Ayatollah, der den Bau dieser Moschee „in nächster Umgebung von Neustadt“ zuvor kritisierte, hat auch diesen Aufrufen bisher nicht widersprochen.

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Tragödie Heimkind oder Versöhnung im Tod

Berlin/cw – Käthe B. hat eigentlich ein Drehbuch-Reifes Leben geführt, auch wenn sie dies naturgemäß anders empfunden haben dürfte. Als sie im Juli 1943 geboren wurde, lagen noch fast zwei Jahre Krieg vor dem jungen Leben. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozia-listischen Staates geriet das junge Mädchen in das Getriebe des nunmehr zerrissenen Vaterlandes. Ihre Mutter, im Ostteil von Berlin wohnend, schloss sich der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) an. Der attraktiven Frau soll es gelungen sein, den aufstrebenden und späteren Geheimdienstchef Markus Wolf zeitweise an sich zu binden. Jedenfalls erkannte Käthe B. später – nach der Wiedervereinigung – auf diversen Fotos Markus Wolf als den smarten Mann wieder, der häufig bei ihrer Mutter zu Gast war. Als die Mutter schwanger wurde, wurde diese Bindung offenbar problematisch. Bei der Entbindung 1957 in Buch verstarb die siebenunddreißigjährige Mutter und das Baby überraschend und auf bis heute ungeklärte Weise.

Die zehnjährige Käthe B. mit ihrer Mutter - Archiv LyrAg

Die elfjährige Käthe B. mit ihrer Mutter – Archiv LyrAg

Wolf: „Ach sie schon wieder!“

Käthe B. nahm nach der Wiedervereinigung Kontakt zu Markus Wolf auf, der sie aber regelmäßig abwimmelte: „Ach, sie schon wieder!“ Die beim Tod ihrer Mutter dreizehnjährige Halbweise wohnte zunächst bei Bekannten der Mutter, kam schließlich bis zu ihrer Volljährigkeit in ein Heim. Der Vater war in den Westen geflohen, nach dem Bau der Mauer brachen auch diese immer losen Verbindungen ab.
Käthe B. versuchte sich in einigen beruflichen Stationen, scheiterte aber letztlich immer wieder an ihrer gebrochenen Lebenslinie. Bereits im Ostteil der Stadt mußte sich die junge Frau juristisch mit uneinbringlichen Forderungen aus Geschäften oder Mietverhältnissen auseinandersetzen. Auch der mehrmalige Versuch, eine Familie zu gründen, scheiterte. Ihr blieben aus zwei Verbindungen zwar zwei Söhne, diese mußte sie aber letztendlich allein aufziehen und dabei permanent um die Zahlungsverpflichtungen der Väter kämpfen.

Nach der sogen. Wende verließ Käthe B. den Ostteil der Stadt, zog nach Zehlendorf. Aufmerksam und hoch motiviert verfolgte sie die Auseinandersetzungen um die Nachwehen der Ereignisse um den Mauerfall. Sie wurde zum Beispiel Dauergast in der Gedenkbibliothek des Kommunismus im Nicolaiviertel und beteiligte sich mit einer für ihre Gesprächspartner oft verblüffenden Sachkenntnis an den Diskursen um die Lehren aus dem Debakel des Kommunismus. Ihre Anstrengungen, Licht in das Dunkel um den Tod ihrer Mutter zu bringen, der sie nie losgelassen hatte, waren aber ebenso vergeblich wie das Aufspüren möglicher Konten, die von einem amerikanischen Geheimdienst für ihre Mutter angelegt worden waren.

Heimkinderfonds übernimmt die Bestattungskosten

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt - Archiv LyrAg

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt – Archiv LyrAg

Zuletzt war dieses Stöbern in der Vergangenheit wohl psychisch zu belastend. Das gelegentliche Glas Rotwein wurde irgendwann zur Flasche, zu vielen Flaschen. 2011 wurde Käthe B. hilflos aufgefunden und in ein Seniorenheim eingewiesen. Das erwies sich letztlich als Glücksfall.
Freunde machten sie dort ausfindig, kümmerten sich um sie. Die regelmäßigen Besuche von Außen, die zunehmenden Kontakte im Seniorenheim selbst ließen Käthe B. aufleben, auch wenn die tiefe, in Jahren der Einsamkeit entstandene Traurigkeit nicht mehr aus ihrem Gesicht wich. Am Morgen des 24.02. wurde Käthe B. tot in ihrem Bett aufgefunden.

Die Bemühungen um die Auffindung der Söhne, die sie so gerne noch einmal gesehen hätte, waren vergeblich. Ihre zaghafte Freude auf beantragte Mittel aus dem Heimkinder-Fonds war vergeblich. Aber wenigstens übernimmt der Fonds die Beerdigungskosten. So bleibt Käthe B. die letzte Demütigung am Ende ihres Lebens erspart. Ihre Urne wird nach einer von Freunden und ehemaligen Heimkindern organisierten Trauerfeier in einem Urnen-Wahlgrab in Berlin-Wannsee beigesetzt. Ein schlichter Grabstein wird zumindest eine Zeit lang die Erinnerung an ein bewegtes Leben wach halten. Letztlich eine Versöhnung im Tod.

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Deutsche Einheit: Bundesländer legen Förderprogramme auf

Wiesbaden/Dresen/cw – Zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit haben einige Bundesländer spezifische Förderprogramme aufgelegt. So fördert Hessen  seit Beginn diesen Jahres ein besonderes Zeitzeugenprogramm für die Schulen im Land. Ehemalige politische Häftlinge aus der DDR können im Rahmen dieses Programms von den Schulen zu Referaten eingeladen werden. Auch ehemalige Hoheneckerinnen wie Tatjana Sterneberg haben bereits an diversen Schulen in Hessen beachtete Vorträge gehalten oder werden im Laufe des Jahres dort auftreten. Die entstehenden Kosten werden ausnahmslos durch die Hessische Staatskanzlei getragen und belasten so die einzelnen Schuletats nicht. Anfragen sind ausschließlich zu richten an die Hessische Staatskanzlei, Herrn Dr. Jehn, Alexander.Jehn@stk.hessen.de .

Auch der Freistaat Sachsen hat für das Jubiläumsjahr Mittel in Höhe von 800.000 Euro im Haushaltsentwurf für 2015 bereitgestellt. Vorbehaltlich der ausstehenden Genehmigung durch den Landtag können von „Vereinen, Verbänden, Kommunen, Religionsgemeinschaften und Privatpersonen, die sich mit dem Demokratisierungs- und Einigungsprozess in Sachsen vor 25 Jahren auseinandersetzen“ bis zum 31. März 2015 Fördermittel beantragt werden.
Nach der Ausschreibung soll es Ziel der Förderung sein, „besonders die Menschen, die die Ereignisse im Jahr 1990 nicht erlebten, zu erreichen. Es sollen Projekte unterstützt werden, die politische Beteiligung und bürgerschaftliche Aktivitäten hervorrufen oder verstärken.“ Bereits 2014 konnte der Freistaat 51 verschiedene Projekte zum Thema „25 Jahre friedliche Revolution“ fördern.

Anträge: http://amt24.sachsen.de/ZFinder/verfahren.do?action=showdetail&islandesimpressum=false&modul=VB&id=835869!0

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Neuwahlen im Förderverein Gedenkstätte Stollberg

Stollberg/ts – Der im Nachgang zum 2011 gegründeten Förderverein „Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck“ auf Betreiben von Siegfried Reiprich gegründete „Förderverein Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck e.V.“ hat für den kommenden Monat Neuwahlen zum Vorstand angesetzt. Der bisherige Vorsitzende Dietrich Hamann hatte im letzten Jahr überraschend sein Amt „aus gesundheitlichen Gründen“ zur Verfügung gestellt. Seither wurden die Vereinsgeschäfte kommissarisch durch den Stellvertreter Jens Franz geführt.

Beobachter sehen den Neuwahlen interessiert entgegen, da aus Stollberger gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, dass Dietrich Hamann erneut seinen Hut in den Ring werfen will. Ob Jens Franz seinerseits für den Vorsitz kandidiert, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Franz´ ausgleichende und ruhige Führung war allgemein auf Anerkennung und Zustimmung gestoßen. Im Schatten der angelaufenen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die letztendlich auch einer geplanten und im Prinzip bereits genehmigten Gedenkstätte zugute kommen sollen, sind die Entscheidungen im Förderverein von Bedeutung, da der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen als Vertretung der einst aus politischen Gründen inhaftierten Frauen seit geraumer Zeit keine eigenen Vorstellungen einbringen kann. Der Verein soll nach dem Willen des bisherigen Vorstandes aufgelöst werden. Gegen die Auflösung haben Mitglieder Klage eingereicht, über die frühestens am 11. Mai vor dem AG Michelstadt entschieden werden soll.

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um  u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten - Foto: LyrAg

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten –
Foto: LyrAg

Der mögliche künftige und bis zu seinem Rücktritt Vorsitzende des Fördervereins hatte als Optiker über Jahre die Gefangenen auf der einstigen Burg über der Kreisstadt mit Lesehilfen versorgt. Hamann hatte diese Tätigkeit nach eigenen Angaben zusehends als Belastung angesehen, weil hin und wieder Gefangene direkt in seinen Laden transportiert worden waren und daher einen Kollegen gebeten, diese Arbeit zu übernehmen. In welcher Form die auch auf der Burg präsente Staatssicherheit diesen Wechsel tolerierte, ist bisher nicht bekannt. Der Optiker brachte es nach der Wende bis zum Vizepräsidenten des Zentralverbandes der Augenoptiker (bis 2002).

Anlässlich der Wahlen muß sich die Mitgliederversammlung womöglich mit der Satzung und den Aufnahmebestimmungen befassen. In der Satzung ist zweifelsfrei unter § 3, Abs.5 bestimmt: „Der Verein kann eine persönliche Erklärung verlangen aus der hervorgeht, dass der Antragsteller nicht Mitglied einer nazistischen Organisation war und nicht stasibelastet ist.“
Im Aufnahmeantrag heißt es hingegen: „Alle mit * gekennzeichneten Fragen sind keine Pflichtangaben und beruhen auf Freiwilligkeit.“ Allerdings ist nur ein Passus mit dem * gekennzeichnet: „ Früher tätig als IM, Mitarbeiter oder ähnlich für die Stasi JA / NEIN; Zuträger oder Aktiver des NS-Regimes JA / NEIN“. Abgesehen davon, dass ein Zuträger des NS-Regimes heute verantwortlich mindestens neunzig Jahre sein müsste, um diese Frage bejahen zu können, ist die ausgewiesene Freiwilligkeit für die Angabe einer wie immer gearteten Stasi-Tätigkeit den einstigen Opfern politischer Verfolgung wie der Öffentlichkeit kaum vermittelbar. Mitglieder einstiger verbrecherischer Organisationen haben in einem Förderverein für eine Gedenkstätte an die Verbrechen der DDR nun gar nichts zu suchen. Eine Freiwilligkeit, nach Gusto eine solche Betätigung zu verschweigen oder anzugeben, scheidet in diesem Fall auch satzungsgemäß eindeutig aus.

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Entwürfe: Zentrales Mahnmal für Opfer des Kommunismus

Berlin/cw – In der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Berlin werden ab 25. März Entwürfe von Studenten der TU Darmstadt für ein zentrales Mahnmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt (25.03. – 14.04.2015, KAS, Tiergartenstr.35, 10785 Berlin). Zur Eröffnung findet eine Diskussion um die Entwürfe und das Vorhaben statt, Begrüßung durch Stephan Hilsberg. Die Moderation übernimmt Robert Ide, DER TAGESSPIEGEL.
Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hatte bereits 2008 eine Initiative Mahnmal mit dem Ziel gegründet, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls (2009) oder der Wiedervereinigung (2010) ein derartiges Mahnmal zu errichten. Nachdem die Bemühungen nicht voran kamen, nahm sich die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Anliegens an und finanzierte entsprechende Projekte.
Die Veranstaltung ist öffentlich, um Anmeldung an die KAS bis zum 22.März wird gebeten:
Tel. 030-55779620 – Fax: 55779340 – Mail: michels@uokg.de

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Wir gratulieren zum Geburtstag :

Uwe Holzapfel, 8. März, Berlin.
Tatjana Sterneberg, 14. März, Berlin
Günter Schulz, 20. März, Weil der Stadt
Prof. h.c. Horst R. Übelacker 26. März Linz/Austria

Geburtstage, die an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen, bitte jeweils bis zum 10. eines Monats  an redaktion.hoheneck@gmail.com melden.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
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Redaktionelles Vorwort

Über Wolfgang Schnur wurden in letzter Zeit erneut viele Zeilen geschrieben, auch in diesem Forum. Anlass war die Schnur-Biografie von Alexander Kobylinski, der wie der Autor seinerzeit ebenfalls Mandant des heftig umstrittenen einstigen DDR-Anwaltes war. Dr. Wolfgang Mayer möchte dem verbreiteten Bild eigene und weniger bekannte Sichtweisen zufügen. Dem promovierten Politologen und diplomierten Lehrer geht es dabei um ein Stück Gerechtigkeit auch Schnur gegenüber. Die Zwischenüberschriften wurden von der Redaktion eingefügt.

SCHNUR WAR KEIN LINKER

Von Dr. Wolfgang Mayer*

Der Rechtsanwalt Wolfgang SCHNUR war auch mein bzw. unser Rechtsanwalt. Seltsam ist, daß er 1988 im Fall „Dänische Botschaft“ verhältnismäßig sauber gearbeitet hat und am Ende des Gerichtsprozesses betr. Botschaftsbesetzung am 12. Oktober 1988 sogar Freispruch für mich forderte, während der HONECKER-Beauftragte, Rechtsanwalt Wolfgang VOGEL, für seine Mandanten – die übrigen sechs männlichen Botschaftsbesetzer – mit Bestrafungen durch das Stadtgericht Berlin-Lichtenberg sofort einverstanden war. Es handelte sich um zweijährige Haftstrafen, die aufgrund des internationalen Medienveröffentlichungen in Bewährungsstrafen umgewandelt wurden. In den relevanten Stasiakten finden sich keine Hinweise darauf, daß SCHNUR seine dem Gericht (Jürgen WETZENSTEIN-OLLENSCHLÄGER) vorgetragene lautstarke Forderung mit dem MfS abgesprochen hatte bzw. hätte.

In den letzten Jahren der DDR spielten etliche Rechtsanwälte in Sachen Ausreise eine wichtige, allerdings negative Rolle: Wolfgang SCHNUR (IM „Torsten“[1], „Dr. Ralf Schirmer“), Lothar de MAIZIÈRE (IM „Czerni“) und Gregor GYSI (IM „Gregor“, „Notar“). Um eine bestimmte Bedeutung zu erlangen, war ihre MfS-Mitarbeit zumindest aus ihrer Sicht unabdingbar gewesen. Meist vertraten sie Bürgerrechtler, Wehrdienstverweigerer oder politisch verfolgte Christen. Den größten Anteil allerdings machten die Ausreisewilligen unter ihnen aus.

„Ich werde diesen Rechtsbruch nicht dulden“

Als einer der wenigen verlor Wolfgang SCHNUR nach der Wende seine Zulassung als Rechtsanwalt. In SCHÄDLICHs Buch „Aktenkundig“ beklagt sich Vera LENGSFELD (damals WOLLENBERGER) darüber, daß er ihr während der Untersuchungshaft nichts über die Proteste der „Tausenden Menschen in zuletzt mehr als 30 Orten der DDR“, die um ihre Freilassung „gekämpft“ hätten, mitgeteilt hatte: „Der Rechtsanwalt, der sich jeden Abend von den Versammelten als Held feiern ließ und Lügenberichte über die Gefangenen verbreitete, tat alles, um uns unsere Lage so aussichtslos wie nur möglich darzustellen. Ich glaubte ihm, denn ich hielt ihn damals für meinen Freund. Er schien mich vor Gericht mutig und kompromisslos verteidigt zu haben. Als das Urteil verlesen worden war – sechs Monate wegen versuchter Zusammenrottung -, rief er: „Ich werde diesen Rechtsbruch nicht dulden.“[2]

Wie LENGSFELD lassen auch Ralf HIRSCH und Bärbel BOHLEY kein gutes Haar an dem DDR-Juristen, der über 20 Jahre lang für den Staatssicherheitsdienst spitzelte. HIRSCH: „Mein Anwalt SCHNUR malte mir meine Zukunft nur in den finstersten Farben aus, zehn Jahre Knast oder Ausreise.“[3] Wiederholt wies BOHLEY auf die zersetzende Rolle des für die evangelische Kirche tätigen Anwalts hin, der sie – ebenfalls während der Ostberliner Untersuchungshaft 1988 – vertrat und nichts von den Solidaritätsaktionen ihrer Mitstreiter berichtet, draußen jedoch Zweifel an der Standhaftigkeit seiner Mandantin gehegt hatte.

Der Theaterregisseurin Freya KLIER sowie Liedermacher Stephan KRAWCZYK gelang es nicht nur, SCHNURs Zusammenarbeit mit dem MfS nachzuweisen, sondern ihn aufgrund dessen Verrats per Gerichtsurteil bestrafen zu lassen. SCHNUR hatte dem MfS u. a. verraten, „daß seine beiden Mandanten Verbindung zum Westfernsehen unterhielten und Freya KLIER ein Manuskript mit deutlicher Kritik an den Verhältnissen in der DDR auf dem Dachboden ihres Hauses versteckt habe“.[4]

Schnur hatte wie Vogel zwei Gesicher

Ähnlich wie der HONECKER-Beauftragte für humanitäre Angelegenheiten, Wolfgang VOGEL, zeigte auch Rechtsanwalt Wolfgang SCHNUR zwei Gesichter: Das eines väterlichen Freundes und das eines eiskalten Verräters. Den „geistigen Inspirator“ [5] der dänischen Botschaftsbesetzung und dessen Ehefrau vertrat er, obwohl sich vier Seiten Material im Aktenbestand der Gauck-Behörde wiederfanden, die SCHNUR dem MfS zugeleitet hatte, weitestgehend korrekt. Daß SCHNUR mutig (oder übermütig?) Freispruch für seinen Mandanten [6] forderte mag daran gelegen haben, daß er die 18 Botschaftsbesetzer, die aus der südlichen DDR-Provinzstadt Ilmenau stammten, als (vermeintlich) unpolitisch einstufte und somit das in der Psyche des Kirchenanwalts vorhandene und überdurchschnittlich ausgeprägte Neidsyndrom [7] keine bzw. nur in geringem Maße Wirkung zu zeigen vermochte.

Eine mögliche Begründung für das wechselhafte Verhalten SCHNURs könnte auch darin begründet sein, daß sich zahlreiche DDR-Ausreiseantragsteller wie Konservative gefühlt und bewegt haben. Dies wusste der Rechtsanwalt, der sich des Öfteren die Zeit nahm, sich auch und gerade mit uns zu befassen. Erschienen meine Frau und/oder ich im Jungmännerwerk an der Ostberliner Sophienkirche, ließ er die übrigen Mandanten im überfüllten Wartezimmer sitzen; sogar die Bausoldaten.
Oder anders: Nach meiner Wahrnehmung hat er insbesondere die Linken unter seinen Mandanten – darunter die berühmten DDR-Bürgerrechtler – ans Messer geliefert, während er Leute wie uns verschonte. Der Schluss, zumindest heimlich mit uns sympathisiert zu haben, liegt nahe.

Nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes galt der Rechtsanwalt, der längst nicht mehr bloß das Mandat für die Bürgerrechtler beanspruchte, als einer der bedeutendsten politischen Hoffnungsträger. Als Spitzenkandidat des konservativen Bündnisses „Allianz für Deutschland“ [8] präsentierte er sich bereits als zukünftiger Ministerpräsident, bis er unmittelbar danach – am 14.3.1990 – als Inoffizieller MfS-Mitarbeiter entlarvt wurde.

Kein LINKER wie Böhme oder de Maiziére

Im Gegensatz zu Typen wie BÖHME (IM „Maximilian“, IM „Paul Bonkarz“), de MAIZIERE etc. war Wolfgang SCHNUR tatsächlich kein Linker, was seine kurze, aber steile politische Karriere unmittelbar nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes offenkundig werden ließ und vor allem Stasi-Offizieren – de facto seinen ehemaligen Vorgesetzten – die Sache des IM-Outings, also des Verrats im März 1990 erheblich erleichterte.

1993 verlor Wolfgang SCHNUR schließlich seine Zulassung als Rechtsanwalt wegen „Mandantenverrats“ und „Unwürdigkeit“. Wenig später mußte er sogar den Offenbarungseid leisten. Wegen „Konkursverschleppung“ ereilte ihn diesbezüglich eine Geldstrafe über 3.000 DM. Am 15.3.1996 verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen politischer Verdächtigung gem. § 241a StGB in zwei Fällen zu einer einjährigen Bewährungsstrafe. Danach lebte er einige Zeit als „freier Unternehmensberater“ [9] zurückgezogen in einer mit zwei Millionen D-Mark verschuldeten Köpenicker Villa [10], die ehemals einem von ihm vertretenen Übersiedler [11] gehörte. Laut Aussage seines Führungsoffiziers, MfS-Oberst Joachim WIEGAND, hatte SCHNUR hierfür ein zinsloses „persönliches Darlehen in Höhe von 240.000 Mark der DDR“ [12] aus dem „Kollektenfonds“ der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg erhalten.

Wie wichtig Wolfgang SCHNUR dem Ministerium für Staatssicherheit gewesen ist, beweist die Tatsache, daß über ihn sogar eine Schein-Akte [13] angelegt worden ist. „Da haben wir die Leute auf eigene Faust geschützt, besonders weil wir sahen, aus denen wird noch was“, begründete WIEGAND, der sich immer mal wieder über „amtinterne Quasselei“ [14] geärgert habe, die MfS-interne Sicherheitsmaßnahme. (954)

Erläuterungen / Quellen:

1 ] auch: IM „Thorsten“
2] WOLLENBERGER, Vera; Eine zweite Vergewaltigung; in: SCHÄDLICH,    Hans Joachim
(Hrsg.); Aktenkundig; Rowohlt Verlag Berlin, 1992
3] HIRSCH, Ralf; in: Der Spiegel, Nr. 13/2000 v. 27.3.2000
4] Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs Nr. 69/96 vom 27.11.1996 – „Verurteilung des früheren DDR-Rechtsanwalts Wolfgang SCHNUR rechtskräftig“. Der 3. Strafsenat des BGH verwarf die Revision SCHNURs gegen das Urteil vom 15.3.1996
5] SCHNURs Einlassung im Gerichtsprozeß am 12.10.1988 in Berlin-Lichtenberg
6] Autor dieses Artikels
7] SCHNUR „bewunderte Menschen mit Rückgrat, … Menschen eben, die sich trauten, eine Meinung zu haben und nicht mehr als die eine. Er wollte … dazugehören …“ (BRINKBÄUMER, Klaus; in: Der Spiegel, Nr. 13/2000 v. 27.3.2000 – Der Untertan, Ausgabe Ost                                                                                                                                     8] CDU – DSU – DA
9] SCHNUR, Wolfgang; in: MDR-Sendung „Fakt“ vom 13.3.2000
10] 2.500 Quadratmeter Grundstück samt Villa im Berliner „Hessenwinkel“, Hubertusstr.
11] DIETRICH, Horst
12] BRINKBÄUMER, Klaus; in: Der Spiegel, Nr. 13/2000 v. 27.3.2000 – Der Untertan, Ausgabe Ost
13] Seit 1984 bearbeitete die MfS-BV Rostock den Rechtsanwalt im ZOV „Heuchler“, um nach innen und außen den Eindruck zu erwecken, SCHNUR sei eine „feindlich-negative“ Person.
14] Der Spiegel, Nr. 8/1992, S. 32
Vgl. hierzu „Flucht und Ausreise“, Tykve 2002, Seite 421ff.
* Der Autor (*1950 in Langenwetzendorf, Kreis Greiz) ist Diplom-Lehrer, promovierter Politologe, Publizist und DDR-Dissident. Er betreibt u.a. das vielbeachtete Internet-Forum „Flucht und Ausreise“

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