Von Martin Mitchell*

Berlin, 17.02.2015/mm – Ab 12. März (unbedingt vormerken) läuft in den Kinos ein Film über die damalige Heimerziehung in der (alten) BRD an: „Von jetzt an kein Zurück“. Der Drehbuchautor und Regisseur Christian Frosch (49): „Der Film thematisiert die geschlossene Heimerziehung in der BRD. Er entstand auf der Basis von Gesprächen mit Opfern und Tätern. Konkret werden die Zustände im berüchtigten Heim der Diakonie “Freistatt” und in einem katholischen Mädchenheim der sog. „Barmherzigen Schwestern“ exemplarisch gezeigt. Der Film beginnt im Jahr 1967 und endet 1977.“

Von jetzt an kein Zurück 2015_Zum Inhalt: „Ruby und Martin sind jung und proben den Aufstand. Der Preis, den sie dafür bezahlen, ist hoch: Schulverweis, elterliche Gewalt und schließlich die Heimeinweisung. Doch sie sind bereit, den Kampf für ihre Liebe aufzunehmen.
Die BRD im Jahr 1967: Die Schüler Martin (Anton Spieker) und Ruby (Victoria Schulz) verlieben sich Hals über Kopf. Beide wollen aus den starren Gesellschaftsstrukturen ausbrechen und ihren Idealen folgen. Martins Wunsch ist es, Schriftsteller zu werden und mit seinen Texten die Welt zu verändern, während Ruby – eigentlich Rosemarie – leidenschaftlich gerne singt. Die beiden treffen sich heimlich, denn für Rubys streng katholischen Vater (Ben Becker) verkörpert Martin alles, was seiner Tochter an Schlechtem widerfahren könnte. Das Paar beschließt, die Provinz hinter sich zu lassen und nach Berlin durchzubrennen. Der Traum scheitert aber bald an der Realität. Ruby wird in ein Kloster gesteckt und Martin muss in ein Erziehungsheim.
Jahre später scheinen die Erfahrungen das Paar gebrochen zu haben. Martin musste einige Zeit im Gefängnis zubringen und hat sich in einen selbstzerstörerischen und zur Gewalt neigenden Mann entwickelt. Ruby hat es zwar geschafft eine mehr oder weniger erfolgreiche Sängerin zu werden, der schöne Schein trügt aber, da sie immer wieder auf Alkohol und Pillen zurückgreift. Martin und Ruby verbindet noch immer eine starke – wenngeich unmögliche – Liebe und kurz vor einem Auftritt wird Ruby von ihrer Vergangenheit eingeholt.

In einer Mail an mich schrieb Christian Frosch zur Vorgeschichte: „Der erste Anstoß zu dem Film war, dass ich vor 7 Jahren jemanden kennen lernte, der Opfer dieser “Erziehung” wurde und ich darauf hin unbedingt wollte, dass dieser dunkle Teil der Geschichte mit einem Spielfilm gewürdigt wird. Es ging mir in dem Film nicht nur um die Rekonstruktion der äußeren Tatsachen, sondern auch darum, zu zeigen, was für (innere) Konsequenzen und Traumata die Folge sind. Ferner wollten wir den gängigen Bildern der 60er Jahre, die durch Pop, Revolte und Sexuelle Revolution dominiert werden, etwas entgegen halten. Das Bewusstsein über Geschichte wird ja wesentlich auch durch Bilder aus Filmen geprägt. Unser Film will die Ereignisse im Bewusstsein halten und Diskussionen und Kontroversen auslösen.
„VON JETZT AN KEIN ZURÜCK“ ist auch das Portrait einer Zeit in der Bundesrepublik, in der die Gegensätze aufeinander prallten. Um William Faulkner zu zitieren: „Die Geschichte ist nicht tot. Sie ist nicht einmal vergangen.“ (Ende Mail-Zitat).

Da die Macher solcher Filme nicht über die Mittel für eine große PR- Maschinerie verfügen ist es wichtig, dass der Film sich über diejenigen verbreitet, denen dieses Thema am Herzen liegt (ehemalige Betroffene). Denn es gibt nach wie vor durchaus mächtige Gegner, die kein Interesse daran haben, dass das Thema in der Öffentlichkeit bleibt.

Der Film ist bereits für zahlreiche Preise nominiert: vorausgewählt für den Deutschen Filmpreis, Seymour Cassel Award für Victoria Schulz, Lola at the Berlinale, Eröffnungsfilm Int, Filmfestival Oldenburg, Festivals u.a. Int. Filmfestival Mannheim/Heidelberg, Diagonale (Graz). Der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=DVWduLYcbBM

Kamera: Frank Amann – mit Victoria Schulz, Anton Spieker, Ben Becker, Erni Mangold, Walfried Schmitt, Markus Hering, Thorsten Merten, Cora Frost.
Buch und Regie: CHRISTIAN FROSCH; Produzent: Jost Hering (Jost Hering Filme);
Co- Produzenten: Viktoria Salcher, Mathias Forberg (Prisma Film, Wien) mit Unterstützung von Cine+ und weltfilm, gefördert vom BKM, DFFF, der Nordmedia, der Filmförderung Hamburg/SWH, der Niederösterreichischen Filmförderung, sowie des ÖFI – in Coproduktion mit PRISMA Film, Wien und Cine+.

Der Film war im Rahmen der  Vornominierungen auf der Berlinale am 10.02.2015 im Zoopalast Berlin zu sehen. (947)

Siehe auch: http://www.vonjetztan-film.de/

* Der Autor ist selbst ehemaliges Heimkind und hat sich durch seine engagierte Aufarbeitung zu diesem Thema in der Szene einen Namen gemacht. Er lebt heute in Australien.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.,: 030-30207785

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