Bremen, 7.02.2015/cw – Auch Tage nach dem Protest von rund 70 Pfarrern vor dem St.-Petri-Dom gegen die als „Hass-Predigt“ klassifizierte Ansprache ihres Kollegen Olaf Latzel vom 18. Januar in St. Martini kommen die Protestanten in der als liberal geltenden Handelsstadt im Norden Deutschlands nicht zur Ruhe. Bundesweit berichten Medien über Latzels Philippika, die neben diversen Bezeichnungen auch als Pegida-Predigt tituliert wird.

Für den morgigen Sonntag steht die St.-Martini-Kirche während des Gottesdienstes praktisch unter Polizeischutz. Olaf Latzel hatte im Vorfeld eine Erklärung zu seiner umstrittene Predigt angekündigt. Die Sicherheitsbehörden rechnen mit „lebhaften Protesten.“
Wir geben nachfolgend einige Stimmen zu der lebhaften Diskussion wieder. Am Ende dieses Beitrag kann der LINK zum Wortlaut der umstrittenen Predigt angeklickt werden. (942)

Pastor Bernd Klingbeil-Jahr: „Das ist klassischer Fundamentalismus. Wer Bibeltexte als Schlagwaffe missbraucht, sollte sich nicht bibeltreu nennen. Es geht uns nicht nur um den Ton, sondern um eine Geisteshaltung, und die greifen wir an. Es ist sehr problematisch und kreuzgefährlich, wenn eine Minderheit in Bremer Gemeinden missionarisch meine, dass Menschen anderer Religionen zu Christen werden müssen, weil sie sonst nicht den allein selig machenden Weg zu Jesus Christus finden würden.“
Islambeauftragten Wolfgang Reinbold: „Niemand will die Religionen vermischen und eine Art Superreligion konstruieren. Die entscheidende Frage ist, ob wir den Dialog mit Muslimen suchen oder ihn ablehnen und statt dessen Polemiken von uns geben wollen.“

Jeanette Querfurt, Politik-Beauftragte der Kirche: „Hier wird Hass gepredigt.“
Renke Brahms, oberster Repräsentant der Kirche und Schriftführer: „Das ist geistige Brandstiftung“. Das sei geeignet, „Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerber Vorschub zu leisten.“

Pastor Bernd Kuschnerus, Stellvertreter von Brahms: „Ich bin sehr erschüttert und traurig, dass sich jemand so im Ton vergreift.“
Jens Böhrnsen, Bremens Bürgermeister (SPD): „Damit (in der Predigt) wird zum Religionskampf aufgerufen und nicht zu dem, was wir brauchen für den sozialen Frieden in unserer Stadt, nämlich den Dialog der Religionen und der Kulturen.“

Jochen Grabler, leitende Redakteur von Radio Bremen: „Das erfordert einen Aufstand gegen Hassprediger wie Latzel, die keinen Platz mehr in der Bremischen Evangelischen Kirche haben.“

Matthias Güldner, Grünen-Fraktionsvorsitzender: „Latzel ist einer, der mit dem Zündholz am Pulverfass hantiert.“

Pastor Johannes Müller, BEK-Vertreter: „Das ist eine gemeindeinterne Angelegenheit, in die ich mich nicht einmischen kann. Latzels Predigt habe ich mir angehört. Ich hätte sie nicht gehalten.“

Pastor Ulrich Rüß, Vorsitzender der „Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen“: „Wir brauchen heute mehr eindeutige Christuspredigten, auch auf die Gefahr hin, beschimpft, abgestempelt und verleumdet zu werden, zu allen Zeiten ist das Zeugnis Christi auf Ablehnung und Widerspruch gestoßen. Aber ohne dieses gäbe es weder die hiesige Kultur noch Rechtsprechung. Niemand braucht jene Heuchler und Verräter am eigenen Glauben, die da buntblöd grinsend auf der Treppe des Bremers Domes standen, bereit einen der ihren zu opfern, für die Lüge vom friedlichen Zusammenleben mit dem Islam, am aller wenigsten die vom Islam und seinen Mörderbanden weltweit vertriebenen, verfolgten, gefolterten und abgeschlachteten Christen. Aber sie brauchen mutige, tapfere Kirchenvertreter wie Pastor Olaf Latzel.“

Olaf Latzel: „Ich werde mich auch in der Zukunft nicht wegducken. Ich habe eine Aufgabe gegenüber meinem Herrn und Heiland Jesus Christus. Vor ihm muss ich mich rechtfertigen. Wenn du als Christ keine Angriffe bekommst, stimmt etwas mit deinem Christsein nicht.“

taz, Berlin: „Seither tobt die Debatte, und auf evangelikalen Diskussionsforen wie idea.de ist Latzel jetzt der King. Erste Jesus-Vergleiche wurden schon gepostet.“

Peter Voith, Weser-Kurier: „Gespräch mit Pastor Latzel, Presseerklärung mit der Vokabel Entschuldigung schreiben – und Ruhe ist? Womöglich haben die obersten Vertreter der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) das gehofft. Doch weder der fundamentalistische St.-Martini-Pastor auf der einen, noch die auf Dialog und Toleranz bedachten Pastoren auf der anderen Seite werden Ruhe geben. Kompromisse finden? In diesem Grundsatz-Streit ist das ein Ding der Unmöglichkeit.
Was also tun? Egal was – aber bitte nicht herumeiern mit halbgaren bis geheuchelten Entschuldigungen. Entweder die BEK steht zu ihrer Verfassung, die den jeweiligen Gemeinden eine Selbstbestimmung in Glaubens-, Gewissens- und Lehrfragen einräumt, wie sie im Verbund der evangelischen Kirchen deutschlandweit einmalig ist.
Dann muss sie – abgesehen von strafrechtlich relevanten Positionen – auch die Ansichten eines Olaf Latzel in Fragen zur Stellung der Frau in der Kirche, in Fragen der nicht vorhandenen Toleranz gegenüber Andersgläubigen oder auch Homosexuellen ertragen. Oder aber: Die BEK erkennt an, dass die St.-Martini-Gemeinde mit ihrem Verständnis von Christentum nichts zu tun hat. Dann muss sie bereit sein, ihre Verfassung infrage zu stellen und die Autonomie der einzelnen Gemeinden zu opfern. Und mit ihr die von St.-Martini. (Kommentar „Klare Ansage, 4.02.2015).

http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Klare-Ansage-_arid,1049638.html

Die Predigt: http://www.nwzonline.de/bremen/an-gideon-die-reinigung-von-den-fremden-goettern-lernen_a_23,0,1652672252.html

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Advertisements