Berlin/Halle/Mainz, 24.01.2015/cw – Erneut müssen wir den Heimgang eines Patrioten beklagen, der in Halle am 17. Juni 1953 Geschichte geschrieben hat. Erst heute erfuhren wir durch eine Mitteilung des Vereins „Zeitgeschichte(n) e.V. in Halle, dass Hans-Georg Isermeyer bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag (* 15.1.1928 in Nordhausen + 26.12.2014 in Mainz)  verstorben ist. Der mutige Student von 1953 wurde 86 Jahre alt. Der studierte Agrarier war Autor zahlreicher Fachbücher. Der Verstorbene wurde bereits am 7. Januar in Mainz-Finthen beigesetzt. Wir werden den Kameraden in ehrenvoller Erinnerung behalten.

Nachstehend geben wir den Nachruf des Vereins „Zeitgeschichte(n) e.V.“ wieder:

„Er rief am 17. Juni 1953 in Halle zur Teilnahme an der Großkundgebung auf

Hans-Georg Isermeyer gehörte zu den Studenten der landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die am 17. Juni 1953 von der Lautsprecheranlage des Verkehrspostens am Reileck aus die Bürger aufforderten, durch Teilnahme an einer Kundgebung auf dem Hallmarkt ihre Solidarität mit den Aufständischen in der Stadt zum Ausdruck zu bringen. An der abendlichen Kundgebung nahmen dann circa 60 000 Hallenserinnen und Hallenser teil. Der Tag wurde zu einem Volksaufstand!

„Verbrecher und Faschisten“

Bereits am nächsten Tag wurden (nach der Denunziation durch einen Kommilitonen) drei dieser Studenten von der Staatssicherheit verhaftet. Am 31. August 1953 standen sie vor Gericht, wo sie von den Anklägern als „Verbrecher und Faschisten“ bezeichnet wurden. Mit einem Flugblatt der Zentralen Parteileitung der SED der MLU wurde die öffentliche Verunglimpfung der Studenten fortgeführt.
Hans-Georg Isermeyer wurde zu 2 ½ Jahren Gefängnis und 5 Jahren Sühnemaßnahmen (Verluste der bürgerlichen Rechte) verurteilt. Dem zum Trotz setzten sich vor, während und nach dem Prozess Professoren der medizinischen und landwirtschaftlichen Fakultät in mutiger Weise für die Studenten ein. Beispielhaft sei auf das Protokoll der Senatssitzung der MLU vom 9.9.1953 hingewiesen. Der Dekan der landwirtschaftlichen Fakultät, Prof. Hoffmann, begann seinen Vortrag mit den Worten: „Ich bin von meiner Fakultät beauftragt, das Augenmerk des Senats auf die außerordentlich harten Urteile, die über drei Studenten im Zusammenhang mit dem 17. Juni gefällt worden sind, zu richten.“

Verantwortung für die Kinder des Kameraden

Nach voller Strafverbüßung unter schlimmen Bedingungen gelang Hans-Georg Isermeyer 1956, gemeinsam mit seiner Mutter, die Flucht über Westberlin in die Bundesrepublik. In Stuttgart-Hohenheim konnte er, wie auch die mit ihm verurteilten Studenten Harry Schuster und Herbert Priew, sein Landwirtschaftsstudium beenden. Bis zu seiner Pensionierung war er Leiter des Referats Landtechnik im Landwirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz.
Als Harry Schuster, der mit ihm verurteilte Kamerad, kurz nach dem Tod seiner Ehefrau verstarb, übernahm Hans-Georg Isermeyer die Verantwortung für die vier verwaisten Kinder des Freundes und wieder zeigte sich sein großes Verantwortungsgefühl, das sein ganzes Leben geprägt hat.“ (932)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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