von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 17.01.2015/cw – Der Begründer und Leiter des legendären Omnibus-Chores, Hugo Jahns, hat uns am 9. Januar 2015 für immer verlassen. Jahns war Schwager unseres jahrzehntelangen Vorsitzenden Manfred Plöckinger und treues und überzeugtes Mitglied unseres Vereins.

Der Verstorbene wurde am 3.11.1931 geboren und mußte wie Viele seiner Generation Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus durchleiden. Wo andere sich unbeschwert der Jugendzeit widmen durften, erlebte diese Generation den fürchterlichen Zweiten Weltkrieg, in dem ihre Heimatstadt in Trümmer gelegt und die wie immer erhoffte Zukunft zunächst in eine Trostlosigkeit gebombt wurde. Vielleicht wandte sich der Heranwachsende nicht zuletzt deswegen der Musik zu.

Hugo Jahns 1931 - 2015

Hugo Jahns 1931 – 2015

1975 gründete Jahns im „Haus der Jungen Talente“ im damaligen Ost-Berlin den Omnibus-Chor. Schon bald wirkte der Chor unter seiner Leitung in vielen Vertonungen, Verfilmungen,  TV- und Rundfunk-Auftritten, so in dem Spielfilm „Zille und ick“ (DDR 1982/1983) mit. Noch heute sind einige Ausschnitte aus dieser Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und ihren Auftritten z.B. auf diversen Weihnachtsmärkten oder – nach der Wende – im Palais am Funkturm auf youtube zu sehen:

https://www.youtube.com/playlist?list=PL0E592DB3D91C2E2C

Allerdings geriet der Omnibus-Chor in ernste Existenz-Sorgen, nachdem er nach dem Zusammenbruch der DDR zunächst vom Kulturzentrum Podewil „adoptiert“ worden war. Die Berliner Zeitung schrieb am 6.12.1995, es „bahnt sich das erste Dilemma an. Stiefeltern haben gewöhnlich keine besonders gute Beziehung zu ihren Kindern.“ Dem Omnibus-Chor wurde ebenso gekündigt, wie dem im Podewil beheimateten Kinder-Ensemble Sadako. In der Wende-Zeit hatte der Senat den Ensembles die Arbeitsmöglichkeiten im Podewil zugesichert.
Hugo Jahns und seine Frau waren von dieser Entwicklung schwer enttäuscht. Trotz großer persönlicher Anstrengungen bedeutete dies letztlich das AUS für den als Lebenswerk empfundenen Chor.

Die traurige Nachricht ...

Die traurige Nachricht …

Zuvor, 1963, hatte der rastlose Dirigent und Musikfan den Paul-Robeson-Chor gegründet, der noch 2013 mit Jahns sein fünfzigjähriges Jubiläum feiern konnte. Der Namensgeber Paul Robeson war Opern- und Gospelsänger und galt in der DDR als ein Streiter für Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung, insbesondere für seine schwarzen Landsleute in den USA. Viele der einstigen Protagonisten trafen sich nach den Turbulenzen um die historischen Veränderungen in unserem Land erst 2006 wieder und gründeten schließlich, erneut unter der künstlerischen Leitung von Jahns „Die Gospel-Oldies Berlin“. Hugo Jahns sang sogar die Tenorstimme und schrieb die Arrangements für die Gruppe, die unter ihm unzählige vordere Plätze in zahlreichen Wettbewerben errang.
Dieses Engagement wäre ohne die stete und engagierte Unterstützung seiner Frau Bärbel Plöckinger nicht möglich gewesen, die sich um die kaufmännische und organisatorische Leitung der jeweiligen Chöre kümmerte.

Hugo Jahns hat uns vor wenigen Tagen verlassen. Er hinterließ seine Frau, den gemeinsamen Sohn Ulli und viele Freunde in Nah und Fern. Uns, der Vereinigung 17. Juni, wird er als liebenswerter und stets bescheiden auftretender Kamerad in Erinnerung bleiben. Wir trauern mit seiner Familie um einen unvergessenen Menschen, dem die Musik sein zuletzt nicht leichtes Leben dennoch leichter machte.

Die Beisetzung wird im  Familienkreis stattfinden, eine Gedenkveranstaltung soll folgen, teilte die Familie mit. (930)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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