Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 3.01.2015/cw – „Auf alle Fälle bin ich als Mensch von Herrn Wagner sehr enttäuscht und besonders schlimm empfinde ich es deshalb, weil er Religionslehrer und Prediger ist. Er lügt, er manipuliert und er verheizt seit Wochen unseren …* besonders stark und uns ebenso.“(* Name redaktionell entfernt). „Das ganze Vertrauensverhältnis gegenüber Herrn Wagner ist bei der ganzen Belegschaft zerstört und ich kann nur sagen, dass der Gedanke zur Kündigung nicht nur in mir vorhanden ist, sondern in der kompletten Beratungsstelle.“

Diese scharfe Kritik am UOKG-Vorsitzenden Rainer Wagner kommt von Goldene-Henne-Preisträgerin Katrin B. Die UOKG-Beraterin wandte sich bereits vor geraumer Zeit in einer Mail, die uns vorliegt, an einige Vorstandsmitglieder, um sich offenbar ihren Frust gegenüber dem omnipotenten Vereinsfunktionär von der Seele zu schreiben.

Katrin B. ist durch die im Herbst erfolgte Auszeichnung mit der GOLDENEN HENNE einem breiteren Publikum bekannt geworden und ist seit einigen Jahren im Dachverband als Beraterin tätig. Nach dem Debakel um eine Kollegin, von der sich die UOKG aufgrund massiver Vorwürfe im Frühjahr 2014 getrennt hatte, war Katrin B. gewissermaßen zum Aushängeschild für die Arbeit des Dachverbandes geworden.

Maulkorb, Strafanzeige und reger Kontakt

Katrin B. wirft Wagner u.a. vor, er verhänge gegen die Mitarbeiter „einen Maulkorb“ in Sachen der vormaligen Angestellten und würde andererseits rege mit deren Anwaltskanzlei kommunizieren und zu der mit Vorwürfen konfrontierten Kerstin K. selbst einen regelmäßigen Kontakt unterhalten: „Wieso übergeht Herr Wagner den kompletten Vorstand, obwohl eindeutige Beschlüsse erfolgt waren? Warum steht er so zu Frau K.?“ Nach den der Redaktion vorliegenden Unterlagen wurde durch die UOKG Strafanzeige gegen Kerstin K. erstattet, die Wagner allerdings auf der jüngsten UOKG-Mitgliederversammlung im November 2014 als „eher prophylaktisch“ bezeichnet hatte. Wagner hatte dem Anwalt der Angezeigten überdies kürzlich eine eidesstattliche Versicherung zugunsten von Kerstin K. übermittelt. Auch die demonstrative Ablichtung mit der einstigen Angestellten nach Bekanntwerden der Auseinandersetzung hatte in der UOKG Unmut ausgelöst.
Wagner hatte die Arbeit der Kerstin K. zunächst durchaus kritisch gesehen: „Der Aktenschrank von Frau K. muß spätestens Anfang kommender Woche geöffnet werden,“ schrieb Wagner am 30.01.2014 an seine Vorstandskollegen, „anders können wir den Betroffenen nicht helfen. Ich gehe auch davon aus, dass die Akten UOKG-Akten und nicht K…-Akten sind.“ Außerdem, so der UOKG-Chef, müsste der Leiter der zuständigen Heimberatungsstelle „über die Hintergründe“ informiert werden, „spätestens in 10 Tagen. Ihm muß klar sein, dass Frau K. in dem Fall nicht in unserem Auftrag arbeitet und wir für nichts haften.“

Am Ende ihrer Mail resümiert Katrin B. später bitter: „All das geht körperlich und psychisch nicht spurlos an uns Beratern vorbei. Vielleicht liegt es an der Ungerechtigkeit, seiner diktatorischen Art und an den seit Monaten andauernden Lügenkonstrukt durch Herrn Wagner. Ich weiß nicht wie lange wir das noch mit ihm als Chef durchhalten. … Als Arbeitnehmer wären wir mit solch schädigenden Vorfällen schon längst gekündigt worden.

Auch in der VOS häufen sich die Probleme

Rainer Wagner musste und muss sich nicht nur in der UOKG heftiger Kritik erwehren. Auch in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), deren Vorsitzender der Prediger aus Neustadt seit April 2014 ebenfalls ist, werden mittlerweile heftige Vorwürfe laut. So soll Wagner die Gründung eigener VOS-Vereine auf Landesebene gebilligt haben, um damit eine mögliche Insolvenz des ältesten Verfolgtenverbandes zu verhindern. Er folgte damit einem Vorschlag seines Amtsvorgängers und jetzigen Stellvertreters, der mit dieser jetzt umgesetzten Idee die Gelder des Verbandes vor „möglichen Zugriffen“ retten wollte.
Der Verband sieht sich Nachzahlungsforderungen von über 100.000 Euro an vorenthaltenen Sozialabgaben gegenüber, für die der Wagner-Vorgänger hauptsächlich verantwortlich gemacht wird. Ein Ermittlungsverfahren gegen Hugo D. war erst kürzlich nach Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Nun wird von Kritikern in der VOS von dem Versuch einer möglichen (und strafbewehrten) Insolvenzverschleppung gesprochen. Mittlerweile hat die VOS gegen die Rückzahlungsforderungen Klage eingereicht.

Erneuter Verstoß gegen Wahlrecht?

Aber auch anderweitig scheinen die Hoffnungen auf eine Beruhigung der Auseinandersetzungen in der VOS durch die Wahl Wagners zu verfliegen. Per 31.12.2014 waren zwei Stellvertreter Wagners von ihren Posten zurückgetreten, ohne dass die Mitglieder darüber informiert wurden. Auch die jetzt ausgeschriebenen Nachwahlen zum Vorstand wurden den Mitgliedern nicht mitgeteilt. Der Vermerk der wählenden Delegierten mit Namen und Anschrift auf den versandten und eigentlich geheimen Abstimmungszetteln hatte ebenfalls Proteste ausgelöst. Darüber hinaus soll Wagner-Vorgänger Hugo D. seinen Rücktritt lediglich für den Fall der Finanzierung einer Beratungsstelle durch den Landesbeauftragten (Martin Gutzeit) avisiert haben. Gutzeit hatte signalisiert, eine Finanzierung nur dann zu übernehmen, wenn der Berater keine Vorstandsfunktionen ausübe. Ein Problem könnte sich dadurch ergeben, das Hugo D. Vorsitzender des Landesverbandes Berlin bleibt, also weiterhin Vorstandsfunktionen ausübt.

Der mittlerweile in der VOS umstrittene vormalige Bundesvorsitzende, Schatzmeister und noch amtierende ZDF-Fernsehrat hat neben seiner ZDF-Apanage ebenfalls seit vielen Jahren ein weiteres Einkommen als Geschäftsführer des Bundesverbandes. Rainer Wagner hatte noch im April 2014 die „bezahlte Stellung eines Geschäftsführers mit der eines Vorstandsmitgliedes“ für unvereinbar erklärt und von Hugo D. eine entsprechende Entscheidung „zwischen den beiden Funktionen“ verlangt. Seither sind acht Monate vergangen.
Der Prediger, der die ihm von einer Staatsanwaltschaft attestierte Religionsfreiheit für exzessive Ausfälle gegen Juden, Moslems, Buddhisten, Hindus und Homosexuelle nutzt, stößt in seinen inzwischen angehäuften Funktionen nicht nur bei Mitgliedern der VOS oder Mitarbeitern in der UOKG auf Kritik. (915)

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com , Berlin

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