Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 29.11.2014/cw – Nach sieben Jahren Abwesenheit ist die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) von der Mitgliederversammlung der UOKG mit 16:7:2 Stimmen wieder in den Dachverband aufgenommen worden.
Zuvor hatte eine heftige, weitgehend aber sachliche Debatte die Entscheidung befördert. Die Gegner einer sofortigen Aufnahme befürchteten für die UOKG eine „ungute Ausweitung der Auseinandersetzungen in der VOS“ auf den Dachverband. Die Befürworter appellierten an die notwendige Einheit der Diktatur-Verfolgten und forderten eine rasche Beendigung der Auseinandersetzungen.

Vor wenigen Monaten war die Aufnahme der VOS „bis zur Klärung offener Fragen“ vertagt worden. Nachdem der Ko-Vorsitzende beider Verbände, Rainer Wagner, seinen Rücktritt für den Fall einer Ablehnung angekündigt hatte, weil er in diesem Fall „seine Reputation als Vorsitzender beschädigt“ sähe und Versammlungsleiter Lange einen Brief des Ehrenvorsitzenden Horst Schüler verlesen hatte, neigte sich die zunächst keineswegs positive Stimmung zugunsten einer Aufnahme. Schüler (90), der sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigt hatte, war nach einer heftigen Auseinandersetzung um die VOS vor sieben Jahren vom UOKG-Vorsitz zurückgetreten. Ihm war es nicht gelungen, einen Ausschluss des ältesten und seinerzeit größten Verfolgtenverbandes zu verhindern. Jetzt appellierte der einstige Workutaner und hochangesehene Veteran an die Mitglieder, die alten Querelen zu überwinden und wieder zur Geschlossenheit zu finden.

Der Dachverband strotzt vor Selbstbewusstsein

Die Begründung zur VOS-Aufnahme war vorgezogen worden, weil Wagner aus familiären Gründen vorzeitig abreisen mußte. Zuvor hatte der UOKG-Vorsitzende in seinem Rechenschaftsbericht nicht ohne Stolz den Dachverband in ungewohnt goldenes Licht getaucht: „Die UOKG ist 2014 besser aufgestellt, als je zuvor.“ Dies beziehe sich auch auf die personelle Aufstellung mit derzeit 15 Beschäftigten, die alle „hervorragende Arbeit“ leisten würden.
„Während wir früher den anderen nachlaufen mussten, reißen sich jetzt die Institutionen um den Dachverband,“ führte Wagner aus. Medien und Institutionen sehen zunehmend in der UOKG „die Vertretung der Verfolgten“. Zweifellos habe das Projekt Häftlingszwangsarbeit für diesen Schub gesorgt. Dieses Thema sei Dank der UOKG in der Öffentlichkeit breit diskutiert worden, wofür Wagner besonders Dr. Christian Sachse dankte, der hier „eine großartige Arbeit geliefert“ habe.
Der UOKG-VOS-Chef ging auf weitere intensive Bemühungen des Dachverbandes ein. Man habe nach IKEA und der Bahn auch Gespräche mit anderen Firmen aufgenommen, um diese für das Thema Zwangsarbeit zu sensibilisieren. Hier sei man auf einem guten Weg und könne 2015 einen runden Tisch veranstalten, an dem die diversen Firmen sich zu ihrer Verantwortung äußern könnten.

Bahn-Chef entschuldigt sich für Beteiligung der Bahn

Bahn-Chef Rüdiger Grube: "Wir entschuldige uns!" Foto: LyrAg

Bahn-Chef Rüdiger Grube: „Wir entschuldigen uns!“
Foto: LyrAg

Besonders begrüßte Rainer Wagner die „offene und uneingeschränkte Entschuldigung“ von Bahn-Chef Rüdiger Grube gegenüber den Opfern der DDR-Diktatur. Grube hatte auf einer eigenen Veranstaltung „Haftzwangsarbeit für die Reichsbahn der DDR – Geschichte und Verantwortung“, die zuvor ebenfalls auf dem  Gelände der einstigen Stasi-Zentrale stattfand, die uneingeschränkte Verantwortung der Bahn für ihre Beteiligung an der Haftzwangsarbeit betont. Die Bahn wolle „bis Ende 2015“ ihren Bericht über die Beteiligung der Reichsbahn an diesem Unrecht vorlegen und bis dahin über mögliche Konsequenzen nachdenken. Gegenwärtig werde auch eine Ausstellung vorbereitet, die die Öffentlichkeit über das Geschehen aufklären wolle. Flankiert wurde Rüdiger Grube von Frau Dr. Susanne Kill, die im Bereich Bahn-Vorstand die Forschungsarbeiten koordiniert.

Vom Bundestag waren für die CDU Kai Wegner und für die SPD Daniela Kolbe erschienen. Beide Abgeordneten erläuterten in kurzen Beiträgen die Bereitschaft ihrer Parteien, die Aufarbeitung zu intensivieren und für eine bessere Entschädigung der Verfolgten und Opfer einzutreten. In der Diskussion wurde diese Bereitschaft bezweifelt, da die Politik „25 Jahre Zeit gehabt hätte, entsprechende Regelungen durchzusetzen.“ (899)

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