Berlin, 27.09.2014/mm – Heute wollte ich meine Termine im Monat November einordnen.
Die Einladungen liegen vor mir auf dem Tisch oder sie stehen auf dem Monitor des Computers, bunt und schwarz-weiß. Mehr als um alle anderen Themen handelt es sich um Veranstaltungen zum Thema Asyl und Asylanten in Deutschland und in Europa.
Mehr als 200.000 neue Asylsuchende werden im Jahr 2015 in Deutschland leben. 200.000 Menschen, das ist ungefähr die Zahl der Einwohner einer Mittelstadt in Deutschland wie Mainz oder Kassel.

Was ist los in der Welt?

Sie kommen aus Syrien, Irak, Libyen und Iran und aus anderen Ländern. Was ist los in der Welt, dass die Menschen ihr Hab und Gut, Familie und Freunde, Kultur und Heimatland verlassen, um in der Welt einen sicheren Ort zu finden? Unter ihnen gibt es auch politische Asylanten, die gegen Diktatoren in ihren Ländern Widerstand geleistet haben oder politische Gefangene waren.
Wir müssen an dem Thema arbeiten: Warum sind so viele Menschen auf der Flucht, so viele, dass das Mittelmeer jetzt zum Totenmeer geworden ist? Tausende Menschen haben dort anstatt eines sicheren Landes den sicheren Tod gefunden. Was sollen die Länder in Europa machen? Was sollen die Bewohner Europas tun? Wie kann man erreichen, dass es in der Welt weniger Flüchtlinge gibt?

Die westlichen Länder haben die Diktatoren unterstützt

Man soll das Thema einmal nicht Themenfremd bearbeiten. Da die westlichen Länder die Diktatoren immer unterstützt oder doch nichts gegen sie unternommen haben, werden voraussichtlich weitere Millionen Menschen aus diesen Ländern fliehen. Dort schießen auch die Terrororganisationen wie Pilze aus dem Boden. Wir nehmen Syrien und Irak als Beispiele für Länder mit sehr hohen Flüchtlingszahlen.

1. Beispiel: Syrien. 10 Millionen Menschen auf der Flucht

Am Anfang der Revolution gegen Baschar al-Assad kämpfte die Freie Armee gegen den Diktator. Damals traten Terrororganisationen wie IS und Nasser noch nicht in Erscheinung. Als die UNO und USA das Regime dort wegen seines Einsatzes von Giftgas gegen die Bevölkerung hätte bestrafen sollen, hat man nichts unternommen. Die Hoffnung ist geplatzt, die hoffnungslos gewordenen Menschen haben Sympathie für radikale Organisationen gezeigt, weil sie sie vermeintlich besser im Kampf gegen den Diktator unterstützen konnten. Die Terrororganisationen haben die Zahl ihrer Kämpfer vielfach vergrößern können. Auch ISIS wurde so immer größer, und dann steckten die Menschen zwischen zwei Fronten: Assad und ISIS. Es blieb ihnen nichts als die Flucht, sie flohen zu Hunderttausenden, bald sind es Millionen.

2. Beispiel: Irak

Nuri al-Maleki, lange Premierminister des Irak von Mullahs’ Gnaden, hat sehr lange Zeit die Sunniten unterdrückt und ermordet. Er hat auch Schiiten, die gegen ihn und den Einfluss der iranischen Mullahs im Irak waren, systematisch getötet. Er hat mehrere Angriffe auf iranische Oppositionelle im Camp Ashraf und Camp Liberty veranlasst, mit mehr als 130 Toten und 1300 Schwerverletzten. In allen diesen Jahren hat der Westen ihn unterstützt. Man hat sein Terrorregime als demokratisch bezeichnet! Was waren die Folgen dieses Handelns der Regierung Maliki? Auch hier befinden sich Millionen Menschen auf der Flucht. ISIS konnte viele von ihnen einfach auf seine Seite bringen. Die Stärke von ISIS ist die Schwäche der westlichen Politik gegenüber den Diktatoren.

Wirksame Waffen gegen den Terrorismus

Die Flut der Flüchtlinge kann aufgehalten werden. Wenn man sich auf die Seite der Demokratie stellt und nicht auf die Seite der Diktatoren, dann wäre es verrückt, zu flüchten. Das sind auch wirksame Waffen gegen Fundamentalismus und Terrororganisationen: Demokratie und Menschenrechte. Es ist leider die Zeit gekommen, nicht mehr Themenfremd zu denken und zu handeln. ISIS, Nasser, die 9. Badr-Division im Irak, die iranische Qods-Miliz, Al-Qaeda usw. sind nicht mehr ein fernes Thema. Die Flut der Flüchtlinge und 200.000 Ayslsuchende im Jahr 2015 allein in Deutschland beweisen das.

V.i.S.d.P.: Mohammad Moshiri*, Berlin,

http://www.diezeitbruecke.de/artikel/1566-fluechtlinge.html

* Der Autor ist Dichter, Exil-Iraner und lebt in Berlin. Sein Credo: „Religion darf nicht als ein Instrument ausgenutzt werden, um die unmenschlichen Handlungen zu rechtfertigen. Künstler in einer Zeit der Diktatur haben eine sehr große Pflicht. Sie sollen mit Ihrer Kunst die Diktatur bekämpfen und sich an die Seite der Freiheit stellen.“