Neustadt a.d. Weinstraße, 25.04.2014/cw – Der Ayatollah aus Neustadt löst womöglich mit seinem neuerlichen WORT DES MONATS (Mai 2014) einen religiösen Taifun über dem Schloss Bellevue in Berlin aus. In der neuesten Ausgabe des Stadtmissionsbriefes wettert der von der Rheinland-Pfälzischen Evangelischen Landeskirche ordinierte Prediger gegen den Teufel, der als „Durcheinanderbringer“ die „göttliche Ordnung der Familie“, Mann und Frau „schon im Paradies“ voneinander entfremdete. Wagner konstatiert: „Vielweiberei (1Mo 4,19), Ehescheidung (Mt 19,6) und

Neues von der Weinstraße: Ein Prediger in Hohenschönahusen...

Neues von der Weinstraße: Vielweiberei in Bellevue?

Generationenkonflikte (Eph 6,1.4) unterminierten die göttliche Ordnung“ und sieht darin die Endzeit angedeutet, weil bereits in der Bibel als Vorläufer dafür „besondere Angriffe auf die Familie“ in den Raum gestellt werden.

Nun ist ja Wagner nicht allein mit seinen biblizistischen Auslegungen. Er selbst gibt in seinem Stadtmissionsbrief 300.000 Mitglieder in dem von ihm maßgeblich mit gesteuertem pietistisch ausgerichtetem Bibelbund an, der ein Bestandteil der Evangelischen Kirche sei. Aber der Prediger aus Neustadt ist nicht Irgendwer. Er bekleidet nebenher wichtige weltliche Ämter, ist seit Jahren Vorsitzender des Dachverbandes der Union der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), seit Anfang April Vorsitzender des größten und ältesten Verfolgtenverbandes VOS (auch wenn dies bislang nur auf der Homepage der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, nicht aber auf der Seite der UOKG nachzulesen ist), bekleidet Vorstandsämter in Gliederungen der Pfälzischen CDU und ist u.a. in den Leitungsgremien der bekannten Stiftungen Berliner Mauer und Gedenkstätte Hohenschönhausen vertreten. Das täte nichts zur Sache, so Wagner bisher, weil er beide Positionen stets zu trennen wisse. Wirklich?

Jedenfalls folgt der die Heiligkeit der Ehe verteidigende und die Vielweiberei anklagende forsche Prediger gerne Einladungen in das Allerheiligste unseres Staates und lässt sich dabei auch gerne mit dem Bundespräsidenten ablichten. Vielleicht sieht ja für den Prediger auch so die eigenwillige Trennung zwischen Kirche und Staat aus: Verbeugung vor dem Staatsoberhaupt, der trotz gültiger Ehe mit einer LG präsidiert und seiner vormaligen Freundin eine Position in nächster Umgebung verschafft und die Geißelung derartiger Zustände im fernen Neustadt a.d. Weinstraße? Jedenfalls kommen die jetzigen Äußerungen zu diesem Thema einem religiösen Taifun gleich, in dessen Windschatten der gegenwärtige Präsident und vormalige Pfarrer nicht gerade glücklich dastehen dürfte. Die Ermahnung der Landeskirche Wagners, sich in seinen Äußerungen zurückzuhalten, hat wohl nicht lange gefruchtet. Allerdings bezog sich diese Ermahnung auf die Diffamierung anderer Religionen, die Wagner, freilich auch hier religiös untermauert, mit Knecht Satans, Götzenkult u.a.m. betitelt hatte.

Termine des Predigers

Termine des Predigers

Seine Verteidigung der strikten Trennung zwischen religiösen und weltlichen Funktionen bekommt augenscheinlich immer mehr Risse. So bezeichnete er Opfer der SED-Diktatur während einer UOKG-Veranstaltung als „Knechte Satans“, weil diese sich zum einen nicht zum Glauben oder zum anderen nicht zu seinen Sünden bekenne. Jetzt liefert er einen neuen Hinweis auf die berechtigt erscheinende Kritik: In der jüngsten Ausgabe seines Missionsbriefes gibt er unter „Dienste und Termine von Prediger Rainer Wagner“ nicht nur seine religiösen Verpflichtungen, sondern auch gleich zweimal jeweils die „Sitzung des Stiftungsrates Hohenschönhausen in Berlin“ an (am 15. und 27. Mai).

Die als „poetische Form“ verbrämte eiskalte Abhandlung einer „schrecklichen Kindstötung im Mutterleib“, die Veröffentlichung des „Tagebuch eines ungeborenen Babys“ und der sich anschließende „Abschiedsbrief des abgetriebenen Kindes“, die „in poetischer aber wahrhaftiger Form die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib und den fiktiver Brief eines abgetrieben Mädchens an seine Mutter“ (Wagner) beschreiben, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Dieser steinherzige Umgang mit den Nöten von Menschen war es, der viele Hilfe suchende Menschen der Kirche entfremdet hat. Aber das ist eher ein innerkirchliches Thema, damit muß die Kirche selbst zu Rande kommen. Die offenbare Doppelzüngigkeit eines sich in den ausgeworfenen Netzen selbst verheddernden Predigers und Verbandsvorstandes einstiger Opfer intriganter und physischer Gewalt ist dagegen kein innerkirchliches Thema. Das geht uns alle an. Und es sollte spätestens jetzt den Präsidenten veranlassen, über weitere offiziöse Einladungen an diesen religiösen Fanatiker auf das Bellevue-Parkett nachzudenken. Es wäre auch eine späte Wiedergutmachung an den bei uns lebenden Juden (und Andersgläubigen), die bis heute ohne präsidiale Korrektur von dem aus dem Ruder laufenden Prediger als „Knechte Satans“ diffamiert werden dürfen.

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=3964410&pg=2

Siehe auch: http://www.geolitico.de/2013/09/30/joachim-gauck-ein-praesident-und-frauenversteher/   und

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=3964410&pg=2

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