Berlin, 22.03.2014/cw – Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni traute seinen Augen nicht, als er in  der Karl-Marx-Allee, der ehemaligen Stalin-Allee, auf eine ungeheuerliche Diffamierung stieß. In dem durch seine historische Dauer-Ausstellung bekannten Cafe „Sibylle“ bemerkte er ein unter dem Rubrum  „Kunst“ ausgestelltes Bildnis, das den weltbekannten Historiker und Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, mit unverkennbarem Hitlergruß und kommunistischer Kampffaust abbildet. Wer auf den ersten Blick glaubt, hier auf eine eigenwillige Interpretation der Fragestellung nach einer berechtigten oder unberechtigten Gleichstellung von Diktaturen zu stoßen, wird durch den beigefügten Text eines Besseren belehrt. Das einstige berüchtigte zentrale Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit, in dem der Vereinsvorsitzende selbst 1965/66 für neun Monate in  Einzelhaft eingesperrt war, wird in unerträglicher, weil verhöhnender Form als „Gedenkstätte eines ehemaligen Haftkrankenhauses“ beschrieben.

IKONE des Antikommunisten? - Foto: LyrAg

IKONE des Antikommunisten?
– Foto: LyrAg

Epigone des Antikommunismus, totaler und rechthaberischer Theoretiker

Unter dem Titel: „Totaler Theoretiker“ heißt in der Bildbeschreibung u.a.:

Das Bild thematisiert die umstrittene „Totalitarismustheorie“, nach der in Wesen und Wirkung alle totalitären politischen Systeme gleich sind. Diese von seriösen Historikern lange widerlegte Theorie wird in Deutschland nur noch von den Epigonen des Antikommunismus als Propaganda verwendet. Das „Gesicht“ dieser noch tief im Kalten Krieg verwurzelten Gruppe ist Hubertus Knabe, der als Direktor die Gedenkstätte eines ehemaligen Haftkrankenhauses der Staatssicherheit der DDR mit unwissenschaftlichen Mitteln zur politischen Einflussnahme missbraucht.“

Und: „Der goldene Heiligenschein verweist auf die rechthaberische Selbstgewissheit der „totalen Theoretiker“.

Die Handstickerei, „Applikationen auf Keilrahmen 2011“ mit den Maßen „120 x 30 cm, 45 x 30 cm, 25 x 30 cm“ zeigt „in Anlehnung an Mattheuers „Jahrhundertschritt“ eine Figur, welche mit dem rechten Arm den Hitlergruß, mit dem linken Arm den Gruß des Rotfrontkampferbundes ausführt.“

Als Kunst verbrämter Hass auf die Diktatur-Opfer: Gesicht von Hubertus Knabe - Foto: LyrAg

Als Kunst verbrämter Hass auf die Diktatur-Opfer: Gesicht von Hubertus Knabe
– Foto: LyrAg

Der 17.Juni-Vorsitzende ist empört: „Das Bild an sich  – mit dem unverkennbaren und freimütig eingeräumten Gesicht von Hubertus Knabe – ist bereits eine Zumutung, die auch als Kunst an nachvollziehbare Grenzen stößt. Die angefügte „Erklärung“ des „Kunstwerkes“ aber überschreite die Zumutbarkeit und ist nicht von der uns heiligen Meinungsfreiheit gedeckt.“ Hier werde ein  anerkannter Historiker und um die Gedenkstättenkultur verdienter Mensch in „unverschämter Weise und unter Verwendung eindeutiger kommunistischer Injurien diffamiert und öffentlich verächtlich gemacht,“ stellt der Verfolgtenverband aus Berlin in einer heute verbreiteten Erklärung fest. Darüber hinaus sei die Zusammenstellung der Ausstellung in dem Cafe eine bösartige Beleidigung des ausgewiesenen Demokraten Knabe. Dieser werde vor Ort in einen Kontext mit dem NS-Propagandaminister Josef Goebbels, dem einstigen RAF-Anwalt und heutigen  NS-Propagandisten Horst Mahler, der der rechtsextremen NSU zugehörigen Beate Zschäpe und dem libyschen Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi gestellt: „Das ist keine Kunst, das ist Volksverhetzung in Reinkultur und die in der DDR-Diktatur praktizierte Erziehung zum  Hass auf Andersdenkende!“ zitiert der Verein seinen Vorsitzenden.

Tiefgang der einst gepflegten Kultur im führenden Bankhaus

Im Gegensatz zu Knabe künstlerisch verarbeitet: Josef Goebbels Foto: LyrAg

Im Gegensatz zu Knabe künstlerisch verarbeitet:
Josef Goebbels
Foto: LyrAg

Die Hubertus Knabe diffamierende Ausstellung „Konfliktstoff“ des 1975 in „Karl-Marx-Stadt“ (Chemnitz) geborenen Jan Bejšovec soll ab April auch in einer Filiale der Deutschen Bank gezeigt werden. Die Vereinigung 17. Juni fordert die Bank auf, „zumindest die diskriminierende und beleidigende Sequenz über Hubertus Knabe nicht in die geplante Schau zu übernehmen.“ Ohnehin entspräche die Übernahme einer eindeutig kommunistisch geprägten  Ausstellung ausgerechnet durch die Deutsche Bank „einem Tiefgang der einst gepflegten Kultur in dem führenden Bankhaus.“ Der Vereinsvorsitzende ist gelernter Bankkaufmann und hat als Abteilungsleiter für eine große Bank selbst Ausstellungen organisiert.

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Siehe auch „B.Z. am Sonntag„:  http://www.bz-berlin.de/bezirk/friedrichshain/politischer-streit-um-kreuzigungs-kunst-article1819180.html

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