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Magdeburg/Berlin, 2.01.2013/cw – Ein Urgestein der VOS (Vereinigung der Opfer des Stalinismus) ist tot. Zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag starb Wolfgang Stiehl überraschend und ohne jede Vorwarnung an einem  Herzinfarkt. Stiehl hinterlässt eine kranke Frau, aber keine  Kinder.

In der VOS wurde Stiehl als „Mann im  Hintergrund“ bekannt. Er wirkte von seinem Naturell her lieber im Verborgenen, statt auf der Rampe zu stehen, wie es ein  Freund formulierte. Andererseits genoß er es durchaus, als „Graue Eminenz“ Anerkennung zu finden.

Der Verstorbene war wegen  seiner konsequenten Unterstützung bisheriger Vorstände des Verfolgtenverbandes nicht unumstritten. Seine kompromisslose Haltung gegenüber Kritikern, die bis hin zu anonymen Briefattacken führten, bedauerten viele Kameraden, die sich eher ein  Engagement gegen Missstände in dem Verband gewünscht hätten. Stiehl glaubte wohl bis zu seinem plötzlichen Tod an die Durchsetzungskraft bedingungsloser Treue gegenüber den jeweiligen Vereinsführungen, die den Verein an die Grenzen  des Zusammenbruchs geführt haben.

Den meisten Kameraden wird er als streitbarer Autor des Vereinsorgans „Freiheitsglocke“ und als der „Mann mit der Kamera“ in Erinnerung bleiben. Über viele Jahre hatte Stiehl die Abläufe der Generalversammlungen der VOS in Bild und Ton festgehalten und so teilweise beeindruckende Dokumentationen hinterlassen. Bekannt wurden zuletzt die Aufzeichnungen der Generalversammlung vom April 2010, als ein einstiger stellvertretender Bundesvorsitzender seine Kameraden offen und bar jeder Hemmung lässig belog, um seine  Wahl zu sichern. Die Aufzeichnung eines geschlossenen Rücktritts des Bundesvorstandes, der sich zuvor zu seiner Verantwortung für den desolaten Zustand des ältesten Verfolgtenverbandes Deutschlands bekannt hätte, blieb dem leidenschaftlichen Kameraden-Filmer verwehrt. Vielleicht hätte er aber in diesem Moment seine Kamera ausgeschaltet. Den Tod „seines Vereins“ hätte er wohl nicht verkraftet. Nun  hat ihn der Tod eingeholt, gnädig, schnell und ohne mühevollen Kampf um die letzten  Atemzüge.

Das Mitgefühl gilt seiner Witwe, die mit ihrer langjährigen Krankheit nun noch einsamer sein wird.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Von Martin Sachse

Zitat: “Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.” (Theodor W. Adorno)

Berlin, 1.Januar 2014/ms – Laut einer Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen sehen 72 Prozent der Bundesbürger die Aussichten für 2014 positiv und sind zuversichtlich. Diejenigen, die es nicht verlernt haben, strukturiert und unabhängig zu denken, könnten daran Zweifel haben.  Doch haben es die Demagogen in Politik, Wirtschaft und Medien immer wieder vermocht, das Volk auch in Zeiten großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme bei Laune zu halten. Wie immens die Rolle der Psychologie dabei ist, zeigt die derzeitige Entwicklung zwischen gefühlter “Wohligkeit” einerseits und der Realität andererseits. Gerade die deutsche Geschichte hält hier nicht nachahmenswerte Beispiele parat. Das Bildungsbürgertum hat sich über lange Zeiträume gegen diesen Trend gestemmt, wobei ethische Werte eine wichtige Rolle spielten. Dieser Zusammenhang scheint sich, wie das Bildungsbürgertum selbst, aufzulösen. Ein Konglomerat aus Parallelgesellschaften mit geringer Interaktion ersetzt zunehmend die einstige bürgerliche Werteordnung. Mit fatalen Folgen, auch wenn es wie die Studie belegt, die meisten Menschen nicht wahrhaben wollen oder einfach nicht verstehen. Eine dumpfe Masse, bei der das Gefasel von einer freiheitlichen Ordnung immer noch fruchtet, ist kontrollierbarer als Menschen in einer durch inneren Zusammenhalt geprägten Gesellschaft. Das Ende der Scheinfreiheit ist durch die Enthüllungen von Edward Snowden gerade im Jahr 2013 belegt worden, auch wenn die Gravuren der Gesellschaft durch die Bespitzelung offenbar nicht von sehr vielen ernst genommen werden.

Was den westlichen Demokratien (sofern es noch welche sind) wirklich fehlt, ist eine gesellschaftliche Vision, die unabhängig vom Vorteilsdenken ein lebenswertes und zukunftsfähiges Gesellschaftskonzept entwickelt. Davon werden wir 2014 weiter als je zuvor entfernt sein. Die Euphorie kommt immer vor dem Fall – dafür steht die Geschichte. Böse Zungen könnten unterstellen, dass die Auflösung nationaler, kultureller, politischer und ethischer Zusammenhänge im Zuge der sog. Globalisierung gewollt ist, weil jede Form von freiem Verstand, innerem Zusammenhalt und damit verbundenem Widerstand das System gefährden könnte. Schon möglich, aber die Ausweglosigkeit der derzeitigen Strategie ist bereits vorprogrammiert.

Den Nachdenklichen sei eine glückliche Hand für die richtigen Entscheidungen im Jahr 2014 zu wünschen. 

http://text030.wordpress.com/2013/12/28/die-deutschen-gehen-mit-zuversicht-ins-jahr-2014/

V.i.S.d.P.: Martin Sachse, Berlin – c/o Verein (AK) 17.Juni 1953 e.V.

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