Ein nicht ganz ernster Kommentar

Berlin, 19.08.2013/cw – Potzblitz! Sechs Wochen vor der Wahl zündet ein  Flaggschiff des Springer-Konzerns eine Bombe: Der Kanzlerkandidat der SPD ein möglicher Stasi-IM?

Seit dem Frühjahr forschten wackere Journalisten für ihre WELT in Unterlagen der BStU, suchten nach verwertbaren Belegen und fanden – fast nichts.  Jedenfalls mussten sie kleinlaut einräumen, dass selbst die Stasi-Unterlagenbehörde den unglückselig gestarteten Kanzlerkandidaten der hundertundfünfzig Jahre alten SPD  n i c h t  als kompromittiert im Sinne einer Zuträgerschaft für die einst gefürchtete Stasi einstuft.

Umsonst Schweiß und Fleiß investiert? Das kann ein seriöser Verlag nicht hinnehmen. Also wird die Sensation portioniert, ein „IM-Vorlauf“ verbreitet, der eigentlich nach entsprechender Schwangerschaft von neun Monaten entweder erfolgreich zur Geburt, sprich Verpflichtung führt, oder als Fehlgeburt ins Archiv wandert. Da bleibt dann eigentlich nicht viel übrig, als eine Randnotiz, die zumal im  Wahlkampf unterzugehen  droht, denn  diesen aufmischt. Aber war da nicht? Richtig. Ganze neun  Jahre statt der üblichen neun Monate wurde der „Vorlauf“ in  immer höhere Etagen der Mielke-Organisation gehoben. Da mußte also doch etwas gewesen sein?

Kleiner Ausschnitt: Schlagzeilen über "Nelke"

Kleiner Ausschnitt: Schlagzeilen über „Nelke“

Im Ergebnis bleibt zu fragen, ob ein großer Zeitungskonzern noch immer nicht der Versuchung widerstehen kann, sich auf denkwürdige Art in einen laufenden Wahlkampf einzumischen? Eigentlich wäre das unter seinem neu definiertem anspruchsvollen Niveau. Was aber bewegt seriöse Journalisten dann, einen drögen Wahlkampf aufmotzen zu wollen?

Vielleicht ist ja Peer Steinbrück gar nicht der Zielpunkt, sondern nur Mittel zum Zweck? Könnte es nicht sein, dass sich eifrige Parteisoldaten durch derartige Vorlauf-Berichte über ihren Genossen Kanzlerkandidat derart provoziert fühlen, dass sie ihrerseits in den Akten einer gewissen ehemaligen FDJ-Sekretärin zu wühlen beginnen? Da soll ja in den „Schubladen“ schon einiges angesammelt worden sein. Vielleicht finden sie ja auch nichts Greifbares, als solche Merkwürdigkeiten, wie ein Foto, welches die einstige FDJ-Akteuse im Kreis der Überwacher des Dissidenten Havemann zeigen soll? Das ist zwar schon länger bekannt, aber bisher nicht ebenso breit thematisiert worden, wie jetzt die Akte von „Nelke“ bzw. Peer Steinbrück.  Vielleicht geht ja dann auch die einstige Sekretärin in eine vergleichbare Offensive und stellt ihre bisher wenig bekannten Unterlagen ins Internet?

Das würde dann den Wahlkampf womöglich doch noch ein wenig aufmöbeln und den fleißigen Redakteuren aus dem bekannten WELT-Verlag doch noch die Genugtuung verschaffen, nicht ganz umsonst geforscht zu haben.

(In der „Vermittlung“ von Aufträgen an andere Rechercheure kann man ja schließlich auf solide Erfahrungen der Verlags-Kollegen  von BILD bauen, siehe Christian Wulff. Und hinterher die Hände in Unschuld waschen.)

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Aktualisierung 25.08.2013:

Peer Steinbrück hat seine Stasi-Akte veröffentlicht unter

http://peer-steinbrueck.de/aktuelles/107842/stasi-akte-stb.html     und

http://peer-steinbrueck.de/scalableImageBlob/107844/data/stasi-akte-stb-data.pdf

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