Berlin, 17.08.2013/cw – Die Vereinigung 17. Juni in Berlin hat an den qualvollen Tod von Peter Fechter vor 51 Jahren erinnert. Der achtzehnjährige Maurergeselle hatte in den frühen  Nachmittagsstunden des 17. August nahe des alliierten Grenzübergangs Checkpoint Charlie auf der einen und des direkt an der Mauer erbauten Axel-Springer-Verlages auf der anderen Seite versucht, die Mauer zu überwinden. Vor der letzten  Barriere, der Mauer, war er von Kugeln aus den Maschinenpistolen von drei DDR-Grenzern tödlich getroffen worden. Nahezu eine Stunde verblutete der junge Mann buchstäblich unter den Augen  der Weltöffentlichkeit hinter der Mauer liegend, ehe er von DDR-Grenzposten geborgen wurde und schließlich im Krankenhaus gegen 17:00 Uhr seinen Verletzungen erlag. Fechters laute und dann erstickenden Hilfeschreie schockten die Menschen beidseits der Mauer. Weder von DDR-Seite noch durch die wenig entfernten  US-Soldaten wurde Fechter Hilfe zuteil. Zuvor hatten Westberliner Polizeibeamte eher hilflos und verzweifelt versucht, dem Verblutenden Verbandspäckchen zuzuwerfen.

Herbert Ernst filmte das Sterben von  Peter Fechter - Foto: Lahrmann/Archiv: Ralf Gründer

Herbert Ernst filmte das Sterben von Peter Fechter – Foto: Lahrmann/Archiv: Ralf Gründer

Der selbständige Kameramann Herbert Ernst war zufällig zur selben Zeit vor Ort und konnte so den dramatischen Ablauf des Sterbens von Peter Fechter an der Berliner Mauer in bewegenden Bildern festhalten. Sein kurzer Film ging um die ganze Welt und wurde eines der meistgezeigten Dokumente über die Brutalität des „Antifaschistische Schutzwalls“, als den die DDR ihr menschenverachtendes Bauwerk bezeichnete.

Die Vereinigung 17. Juni verglich in  ihrer heutigen  Erklärung zum Jahrestag den Tod Peter Fechters mit der symbolischen Bedeutung, das seinerzeit das Tagebuch der Anne Frank als Synonym für das grauenhafte System der NS-Zeit bis in die heutige Zeit habe.  Auch Peter Fechter sei „nur“ einer von unzähligen ermordeten Menschen an der Mauer und dem Eisernen Vorhang gewesen. Sein erschütternd dokumentierter Tod habe aber vor aller Welt die Grausamkeit des unmenschlichen Mauersystems deutlich gemacht: „Wenn einst viele Namen vergessen sein  werden, so wird der Name Peter Fechters wie der von Anne Frank  immer in bewegender Erinnerung bleiben und uns mahnen, eine Wiederholung niemals mehr zuzulassen.“

Im Gegensatz zu Anne Frank bleibe Fechter aber die „sichtbare öffentliche Anerkennung“ nach wie vor verwehrt.

Unterschriftenaktion zum 50. Jahrestag am Checkpoint Charlie, bisher ohne Ergebnis - Foto: LyrAg

Unterschriftenaktion zum 50. Jahrestag am Checkpoint Charlie, bisher ohne Ergebnis – Foto: LyrAg

  51 Jahre nach seinem Tod streiten sich Politiker über Formalien, die bisher eine Umbenennung der Zimmerstraße zwischen Checkpoint Charlie und Axel-Springer-Verlag verhindern. Was im Fall des Anarcho-Führers Rudi Dutschke trotz Vorhandenseins einer bereits nach ihm benannten Straße mit der Umbenennung eines Teils der legendären Kochstraße möglich war, wird der Symbolfigur der Berliner Mauer bis heute verwehrt. Der Versuch der Bezirks-CDU, das kleine Areal um die Gedenksäule in „Peter-Fechter-Platz“ umzubenennen, wirkt da eher als armseliges Feigenblatt für fehlende Empathie der verantwortlichen Politiker, denn  als würdige Erinnerung an ein  Fanal. Auch „die Ablehnung eines Ehrengrabes der Stadt Berlin für Fechter unter Angabe formalistischer Begründungen stellt sich als beschämendes Beispiel des Umgangs mit herausragenden geschichtlichen Ereignissen in unserer Stadt dar,“ stellt der DDR-Opferverein fest. Die alljährliche Zelebrierung von Kranzniederlegungen am Sterbeort Fechters könne das Versagen der Politik, ein  würdiges Gedenken zu ermöglichen, nicht verschleiern.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17 Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785