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Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.019                          Förderverein – Info                15. Juli 2013

Aufruf Hohenecker Frauen:

Zukunft bedarf der Erinnerung – Rettet das Vermächtnis

Stollberg/Berlin, 15.07.2013/ts – Wie berichtet, wurde unter rechtlich fragwürdigen  Umständen auf einer umstrittenen „Außerordentlichen Versammlung“ des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ am 4. Mai ein Beschluss über die Auflösung des Vereins gefasst, der noch 2011 zu seinem 20jährigen Bestehen den Bundespräsidenten auf Hoheneck begrüßen durfte. Während die Satzung im § 12 eindeutig eine Mehrheit von 75 Prozent für einen Auflösungsbeschluss vorschreibt, stimmten der Auflösung lediglich 17 der anwesenden 20 Mitglieder zu, davon allein 7 Mitglieder des zuvor gewählten neuen Vorstandes.

Die Wiege des Vereins - Ehem. Gaststätte "Hoheneck" von Maria Stein in Lützelbach - Foto: LyrAg

Die Wiege des Vereins – Ehem. Gaststätte „Hoheneck“ von Maria Stein in Lützelbach – Foto: LyrAg

Inzwischen sind sich die Initiatoren der Auflösung ihrer Sache wohl nicht mehr sicher, denn neun Wochen  nach den durchgeführten drei Versammlungen lagen dem zuständigen  Registergericht bis auf die Anmeldung der neuen Vorstandsvertretung weder Protokolle noch Beschlüsse der Versammlung vor. Der noch vom  alten Vorstand bemühte Rechtsanwalt übermittelte dem Gericht allerdings seine Bedenken, ob der Auflösungsbeschluss satzungskonform sei.

Nun haben zwölf Frauen aus dem Verein der ehemaligen  Hoheneckerinnen die Initiative ergriffen und sowohl gegen den Auflösungsbeschluss wie gegen die Wahl des neuen Vorstandes Rechtsmittel eingelegt. In einem Aufruf an ihre Haftkameradinnen heißt es u.a.: „Es geht hier nicht allein um  rechtliche Auseinandersetzungen. Es geht um  das Vermächtnis der 2002 verstorbenen Vereinsgründerin Maria Stein und ihrer verdienten Nachfolgerin Margot Jann, das vor dem Zugriff sachfremd agierender Personen gerettet werden“ müsse. Man empfinde es in diesem Sinn als „kontraproduktiv, wenn sich jetzt Frauen um die Auflösung bemühten, die bereits „aktiv gegen den Antrag auf Eintragung des Vereins beim Registergericht gegen den Willen des seinerzeitigen  Vorstandes“ votiert hätten. Das würden Schreiben u.a. von Constanze H., Sylvia O. und Ute St. in den Registerakten belegen. Mit der Eintragung sollte immerhin die Rechtsfähigkeit des Vereins hergestellt werden, um  an der sich abzeichnenden Gestaltung einer Gedenkstätte im ehem. Frauenzuchthaus mitwirken zu können.

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein - Foto: LyrAg

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein (Mitte)               Foto: LyrAg

Nicht jene, die gegen die Rechtsfähigkeit und jetzt für die Auflösung votiert haben, vertreten die Interessen des Vereins sondern „jene Frauen, die gegen das Vergessen antreten und das Vermächtnis der andauernden Erinnerung an die Leiden von nahezu 10.000 politisch verfolgter Frauen auf Hoheneck wach halten wollen,“ heißt es in dem Aufruf. „Die Zukunft bedarf der Erinnerung,“ schreiben die Frauen und appellieren an die einstigen Haftkameradinnen, sich der „gemeinsamen Verantwortung für unseren Verein“ zu stellen.

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Weiter Klärungsbedarf in Sachen der Anita G.

Berlin-Hohenschönhausen/Hoheneck, 15.07.2013/cw – In Sachen der vom Hohenecker Boten aufgedeckten „Unstimmigkeiten“ in der Vita der einstigen  Hoheneckerin Anita G. besteht weiter Klärungsbedarf. Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hatte auf Anfrage signalisiert, Einblick in die dortigen  Unterlagen zu gewähren, sofern „ein Einverständnis der Betroffenen (Anita G.)“ vorliege. Trotz mehrfacher Bitten wurde dieses Einverständnis nicht erteilt. Die Gedenkstätte war in den Fokus der Aufklärung über die fragliche Vita gekommen, weil die mit der Erfassung von Zeitzeugenberichten befasste Historikerin und vormalige Direktorin Mechthild Günther auf  der Mitgliederversammlung der ehemaligen  Hoheneckerinnen zu den Veröffentlichungen des HB  geäußert hatte, sie kenne die Unterlagen „seit zehn  Jahren.“ Damit hatte Günther missverständlich den Eindruck vermittelt, sie habe gegen die Darstellungen der Anita G. im Gegensatz zu den diskutierten Veröffentlichungen im HB  „keine Bedenken.“ Auf Nachfrage der Redaktion  stellte die Historikerin inzwischen klar:

 Mir sind in diesem Rahmen seit mehreren Jahren auch einige archivische Unterlagen zur Haftgeschichte von Frau G…  bekannt geworden. Allerdings handelt es sich dabei offensichtlich nicht um die unten angeführten  „fraglichen Unterlagen“, die wohl  eine Grundlage  für Ihre Veröffentlichung waren. Nach meiner Kenntnis wurden – unabhängig von der Sammlung der Gedenkstätte –  von mehreren Autoren bisher ausschließlich persönliche Erinnerungsberichte von Frau G…  publiziert.  

Anita G., die in Zwönitz mitsamt des ganzen bisherigen Vorstandes ihren Rücktritt erklärt hatte, schweigt sich allerdings weiter aus. Dabei wäre eine Mitwirkung an der Aufklärung über die tatsächlichen  Abläufe  um ihre damalige Verhaftung und Verurteilung für alle Beteiligten hilfreich. Weniger hilfreich erscheint die fragwürdige Schützenhilfe aus der UOKG, deren Vorstandsmitglied Anita G. nach wie vor ist. Der UOKG-Vorsitzende und in die Kritik geratene Prediger Rainer Wagner bedauerte die der Lüge Bezichtigte als „alte Kameradin Anita G.“, während er den Autor der Veröffentlichung wegen dessen „Verfehlungen“, die dieser „nicht bereue“ freimütig und in der „Pflicht seines kirchlichen Amtes“ als „Knecht Satans“ bezeichnete. Dieser sei „in menschlich unerträglicher Weise gegen andere“ vorgegangen. Zu den behaupteten Lügen und der teilweisen Veröffentlichung aus einer Hakenkreuz-Broschüre (,HB vom 15.06.2013) die in den Unterlagen der Anita G. gefunden wurde, äußerte sich Wagner hingegen  nicht; auch eine Hinterfragung erschien dem theokratisch ausgerichteten Vorsitzenden der UOKG nicht notwendig.

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Aus den Verbänden:

Der UOKG-Vorsitzende Rainer Wagner hat in einer Presseerklärung des Verbandes vom 7. Juli angekündigt, nur im Falle einer notwendigen Förderung des Verbandes erneut für das Amt des „Bundesvorsitzenden“ am 3. November anzutreten: „Wir benötigen die konkrete Aussicht auf institutionelle Förderung. Ansonsten wird die Stimme der Opfer bedeutungsloser werden.“ Es wäre „verantwortungslos, die Aufgaben des Bundesvorsitzenden in der bisherigen Form weiterzuführen.“                                                        <<<>>>

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Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung mussten wir an dieser Stelle einige Sätze aus dem Artikel herausnehmen. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.09.2013

und nachmalige Gründer eines „DDR-Opfer-Hilfe“-Vereins und eines „BSV- Landesverband Sachsen“ will am 16. Juli als „studentischer Aktivist in der Oppositionsbewegung von 1989/90“ auf einem Podium der ehrwürdigen Katholischen Universität Eichstätt bei Ingolstadt in Bayern auftreten.

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.             © 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Sandmann, lieber Sandmann …

Eichstätt/Berlin, 13.07.2013/vos – Der Sandmann kam jeden Abend in die Kinderstuben im weiland geteilten Deutschland, um den lieben Kleinen nach einer kindgerechten Erzählung endlich Sand in die Augen zu streuen, um die kleinen Racker zum Schlafen zu bringen.

Kennen Sie Hochstapler Felix Krull? Lesenswert.

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Der Sandmann war so beliebt, daß er gleich zweimal erfunden wurde, um dem bösen Klassenfeind nicht den Einbruch in die erwünschten Vorstellungsbilder der Kinderstube zu ermöglichen. Da passt durchaus eine Veranstaltungsankündigung „Zwischen Sandmännchen und Stasi“, denn die zweitgenannte Institution wachte bekanntermaßen als Schutzschild und Schwert der Partei auch über die richtige ideologische Dosierung von Informationen oder einschläfernden Sandkörnern.
Die Katholische Universität Eichstätt möchte also am 16. Juli, von 19:15 – 21:15 Uhr, unter vorgenannter Themenstellung untersuchen „Was bleibt, was darf nicht, was soll von der DDR bleiben?“ Eine durchaus interessante und verdienstvolle Themenwahl einer katholischen Fakultät im glücklichen Bayern, einem Land, das bis auf seine Grenzen zu Thüringen im Bewusstsein der Mehrzahl seiner Bevölkerung weit ab von den Bedrängnissen der DDR-Bevölkerung in glücklicher Zufriedenheit leben durfte.

Mit dem verdienten UOKG-Veteranen und ehemaligen politischen Häftling Hans-Peter Schudt hat sich die Universität auch einen prädestinierten Zeitzeugen auf das beabsichtigte Podium geladen. Auch Dr. Marcus Ventzke und Sabine Lindau mögen als ehemalige DDR-Bürger durch ihre Erinnerungen an den TV-Sandmann und vielleicht auch an die Sandmänner der Partei ihren Podiumsplatz zu Recht einnehmen.
Ein weiterer Podiums-Teilnehmer hingegen dürfte Fragen aufwerfen.

Allein mit seiner angegebenen Qualifikation als „studentischer Aktivist in der Oppositionsbewegung 1989/90“ scheint er nicht nur dem Veranstalter thematisch durchaus angemessen Sand in die Augen streuen zu wollen. Anders jedenfalls lässt sich die in der Tat dubiose Rolle des ebenfalls für das Podium der angesehenen Universität ausersehenen Ronald Lässig nicht umschreiben. Lässig war in der Umbruchzeit nicht Student, …

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Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung mussten wir an dieser Stelle einige Sätze aus dem Artikel herausnehmen. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.09.2013

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Zuvor war er durch Wahl-Manipulationen bei seiner ersten Wahl zum VOS-Vize unangenehm aufgefallen und hatte die Generalversammlung der „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ dreist angelogen, als er versicherte, alle Prozesse gegen den Sender MDR wegen seiner Kündigung „gewonnen“ zu haben. Ein halbes Jahr vor dieser Versicherung war ihm das letztinstanzliche Urteil des BAG zugestellt worden, nachdem die Kündigung durch den Öffentlich-Rechtlichen Sender für rechtens erklärt worden war.

Sicherung der Kompetenz? Dubioser Lässig-Verein in Sachsen.

Sicherung der Kompetenz? Dubioser Lässig-Verein in Sachsen.

Ronald Lässig hatte nach MDR-Vorwürfen im Wahlkampf 2004 seinem SPD-Landesvorsitzenden durch die Fälschung einer Nachricht schaden wollen, die Sand-Streu-Aktion war aber vorzeitig aufgeflogen. Auch späterhin versuchte der „reporter“ (unter diesem Rubrum schreibt er unter anderem auf der Seite der Bundes-SPD im Internet), mit vorgeblichen Tatsachen zu reüssieren. So ließ er sich von dem Chefredakteur eines Privatsenders ein Gefälligkeitspapier ausstellen, mittels dessen er von seinem Vorgänger in der VOS 12.000 Euro entgangenen Honorars einklagen wollte. Dumm nur, was sich später herausstellte: Der einstige Chefredakteur war früher Kollege von Lässig im MDR und von diesem Sender ebenfalls wegen Fälschung einer Nachricht gefeuert und später sogar strafrechtlich verurteilt worden. Mittlerweile betreiben Beide als Vorstände den nach dem VOS-Fiasko 2012 gegründeten Verein „DDR-Opfer-Hilfe“, um vermutlich auf diesem Weg Gelder zu akquirieren, die ihnen anderswo versagt bleiben. Der Verein gibt als Büro-Adresse ein mittleres Hochhaus in Berlin an und berät, mangels eines existenten Büros nachfragende Bürger (nach telefonischer Absprache) eben in der Eingangshalle des Komplexes.

Alles das hinderte die Schauspielerin und weiteren Podiumsgast auf der Eichstätter Bühne, Ellen Rappus-Eichberg, nicht, ihren guten Namen für den Vorstand des Vereins missbrauchen zu lassen. Rappus-Eichberg war bis 1988 durch Engagements im Fernsehen und auf den Bühnen der DDR gut im Geschäft. Wie viele andere auch entdeckte sie in der Umbruchzeit ihr Herz für die „Opposition“ und wollte ausreisen. Nach einer Schamfrist, während der ihr weitere Engagements durch die DDR-Klomentatur verweigert wurden, durfte sie die DDR verlassen. Rappus-Eichberg ist also nicht einzig, die im Nachhinein eine Opferrolle beklagt, aber wenigstens soviel Anstand hat, für das Podium den Begriff „Opfer“ in Anführung zu setzen (oder setzen zu lassen).

Vertretung der Opfer …            Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung mussten wir an dieser Stelle den an dieser Stelle eingesetzten Ausdruck von der Homepage der SLM aus dem Artikel herausnehmen. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.09.2013

Ein weiterer „neuer“ Verein wurde von Lässig & Co. unter dem Namen „BSV, Landesverband Sachsen“ gegründet. Die angegebene Adresse in Dresden stellt sich ebenso vor Ort als fragwürdig heraus. Auch hier gibt es keinen Hinweis, der auf den Sitz eines Vereins hindeutet; auch Mietern ist dieser Verein auf Befragen „völlig unbekannt“. Ob auch dieser Verein der Finanzakquirierung oder der Sicherstellung von Lässigs Ehren-Job in der Grundsatzabteilung der SLM (Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien) dienen soll, ist nicht bekannt. Lässig vertritt dort (nach seinem Ausscheiden aus der VOS) die „Opfer des Nationalsozialismus und des Kommunismus“.

Offenbar hat Ronald Lässig die Thematik, die den Sandmann unbeabsichtigt in den Mittelpunkt der Veranstaltung rückte, gründlich missverstanden. Der Vorsitzende der dubiosen „DDR-Opfer-Hilfe“ will wohl weniger aufklären, als den Anwesenden und der Öffentlichkeit weiterhin Sand in die Augen zu streuen. Der einstige „Mitarbeiter der TAGESSCHAU“ (lässige Angaben gegenüber der VOS) betreibt in diesem Sinn seit einiger Zeit recht umtriebig zahlreiche Blogs unter griffigen Namen wie „MDR TV“, MDR Nachrichten“ etc. Dort gibt er u.a. Artikel wieder, die er zuvor auch in sogen. „Bürgerzeitungen“, natürlich unter Verwendung fremder Namen platziert hat. Die „Quellen-Angaben“ sollen die Seriosität der übermittelten Artikel belegen. Wenn man diese oder jene Quelle anklickt: Fehlanzeige.

Man ist halt geübt im Sand-In-die-Augen-Streuen. Und damit passt man dann wieder lässig auf ein Podium, dass sich mit „Sandmann & Co.“ befasst. „Sandmann, lieber Sandmann…“. So dann lieber doch nicht.

Volker Otto Senneberg

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 13.07.2013/cw – Die Vereinigung 17. Juni (1953 e.V.) begrüßte in einer Erklärung von heute die Absicht von Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, mit einer Gesetzesinitiative die Einweisung möglicher oder vorgeblicher Straftäter in die Psychiatrie einzuschränken und stärker kontrollieren zu lassen. Nach Medienberichten  von heute, u.a. Süddeutsche Zeitung, Seite 1, will die FDP-Politikerin mit der angestrebten Reform die Unterbringung in der Psychiatrie generell auf „gravierende Fälle“ beschränken, die überdies regelmäßig überprüft werden sollen.

Der in Berlin ansässige DDR-Opferverband, der neben ehemals aus politischen Gründen verurteilten ehemaligen Haft-Opfern auch Psychiatrie-Opfer der zweiten Diktatur berät, hält angesichts der aktuellen Diskussion um den Fall des Gustl Mollath in Bayern eine Reform für überfällig. Angesichts der historischen Vergangenheit mit zwei brutalen Diktaturen sei der Rechtsstaat gefordert, jeden Anschein einer gleich gelagerten Verfolgungspraxis zu vermeiden. Der Verein appellierte an die im Bundestag vertretenen Parteien, die „begrüßenswerte Initiative“ der Justizministerin unabhängig vom „gegenwärtigen  Wahlkampfgetöse“ aktiv und konstruktiv zu unterstützen: „Das Leiden der Psychiatrie-Opfer durch ungerechtfertigte amtliche Beschlüsse oder gar Urteile darf nicht durch die Hintertür der Gleichgültigkeit in einem demokratischen Rechtsstaat seine indirekte Fortsetzung finden,“ stellt der Verein fest.

Aus gegebenem Anlass erinnert der Verein an die geplante Demo für Gustl Mollath in Nürnberg am 27. Juli ab 14:00 Uhr und bezeichnet diese Kundgebung als „gute Möglichkeit für alle Demokraten, Position zu beziehen und damit auch die jüngste Initiative von Leutheusser-Schnarrenberger aktiv zu unterstützen.“

V.i.S.d.P.: Vorstand Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Politisch Verfolgte als „Knechte Satans“ diffamiert

Berlin, 7.07.2013/cw – Alles hat er aufgeboten, um dem schlimmen Verdacht zu widersprechen, religionsfeindliche, gar antisemitische Äußerungen formuliert zu haben.

Als Leiter der Stadtmission in Neustadt an der Weinstraße hatte er im  dortigen „Stadtmissionsbrief“ schwadroniert, „Juden, Heiden und Nichtchristen“ sind „Knechte Satans“. Dem Islam warf er vor, einen  erfundenen Allah zu verehren und in Mohammed einen  falschen Propheten  zu haben. Auch Buddhisten und Hindus bekamen den religiösen Bannstrahl des „Ayatollahs aus Neustadt“, wie er seither auch schon benannt wird, zu spüren.

Rainer Wagner ist aber nicht nur Leiter der Stadtmission, sondern auch Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Diese ehrenamtliche Funktion verträgt sich wohl schlecht mit den religiösen Eifererfloskeln. Und so verteidigte sich der durch die Kirche Rheinland ordinierte Prädikant im  Wesentlichen damit, dass seine Äußerungen ausschließlich theologisch begründet gewesen seien und darum nichts mit seiner durchaus politischen Funktion als UOKG-Vorsitzender zu tun  hätten. Sogar eine im Übrigen gefahrlose Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde bemüht, um seine umstrittenen Äußerungen rechtlich abzusichern. Denn  die Staatsanwaltschaft Frankenthal hatte bereits vor Jahren in dieser Sache „Religionsfreiheit“ attestiert und eine strafrechtliche Würdigung abgelehnt. Nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ folgten auch die UOKG-Verbände ihrem Vorsitzenden und sprachen  ihm das Vertrauen aus.

Auch Tatjana Sterneberg ein Knecht Satans

Am vergangenen Wochenende verließ Wagner wohl diese eisern verteidigte Linie und ging zwei ehemalige politische Häftlinge in einer Pause der von der Stiftung Aufarbeitung geförderten UOKG-Veranstaltung frontal an. Ausgerechnet im einstigen  Zentrum der Stasi erklärte er der bekannten ehemaligen Hoheneckerin Tatjana Sterneberg, auch sie sei ein „Knecht Satans“, weil sie sich nicht bekehren ließe. Dem Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni attestierte er, ebenfalls ein „Knecht Satans“ zu sein, weil dieser nicht bereue. Wagner bestätigte auf Befragen mehrfach dieses Urteil und erwiderte auf die Frage, ob diese Äußerung zitiert werden dürfe: „Sie können das gerne zitieren, aber nur im Zusammenhang, sonst müsste ich Sie als Lügner bezeichnen.“ Der Zusammenhang:

Nach einem Vortrag des Psychotherapeuten und Liedermachers Karl-Heinz Bomberg hatte Tatjana Sterneberg die anschließende Pause genutzt, um Wagner auf die Bibelstellen anzusprechen, die er als Beleg für seine kritisierten Äußerungen über die „Knechte Satans“ angegeben hatte. Sterneberg meinte, diese Stellen würden mit „keinem Satz“ seine hetzerischen Äußerungen untermauern.

Rainer Wagner entgegnete, die zitierten Verse würden sehr wohl Aussagen über die Erbsünde, der wir alle unterliegen, machen. In  diesem Sinne sei auch sie, Tatjana Sterneberg, „ein Knecht Satans“. Es sei seine Pflicht als Seelsorger, ihr diese Wahrheit so ungeschminkt und offen zu sagen.  Auf die Frage nach der Begründung führte Wagner aus, Sterneberg ließe sich nicht bekehren. Nachdem er den entfernt sitzenden Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni „einen  Lügner“ genannt hatte, stellte ihn  der einstige Bautzen-Häftling zur Rede und fragte Wagner direkt, ob er ihn, Holzapfel, auch als „Knecht Satans“ bezeichnen würde. Der Neustädter Ayatollah antwortete mehrfach bejahend, auch Holzapfel sei „ein  Knecht Satans“, weil er nicht bereue, ohne diese Feststellung näher zu begründen. Holzapfel, der sich erschrocken zeigte über diese „Diffamierung“ durch einen  „Seelsorger“, fragte, warum er, Wagner, niemals seine „theologischen Thesen“, wie vor der Veröffentlichung erbeten, erläutert hätte. Möglicherweise wären dadurch Debatten im Internet vermieden worden. Wagner: „Ich schreibe nicht in  Ihrem Forum.“

Joachim Gauck: Wagner trifft staatspolitische Entscheidungen

Der UOKG-Chef hatte zuvor der staunenden Versammlung am Sonntagvormittag berichtet, kein Geringerer als der Bundespräsident selbst habe jüngst auf einem „Staatsakt“ für Zeitzeugen des 17. Juni im Schloss Bellevue, zu dem er auch eingeladen war, zu seiner Überraschung gesagt, der UOKG-Vorsitzende treffe sogar „Staatspolitische Entscheidungen.“ Wagner habe ihm (Gauck) im Vorfeld seiner (zweiten) Kandidatur einen Brief geschrieben und ihn dringend gebeten, für das Amt zu kandidieren. Dieser Brief habe schließlich den Ausschlag für seine, Gaucks, Entscheidung gegeben, sich einer erneuten Kandidatur zu stellen.

Wagner führte aus, wie sehr ihn  diese „öffentlichen Äußerungen“ bewegt hätten. Bewiesen diese doch auch, wie sehr die UOKG an Bedeutung gewonnen hätte, nachdem der Verband vor Jahren praktisch „am Boden gelegen“ und „kurz vor der Auflösung“ gestanden habe.

Ob der Bundespräsident, den Wagner als „Bruder“ bezeichnete, über dessen quasi zweite Funktion  als Ayatollah von Neustadt informiert war, ließ Wagner (natürlich) offen. Dass er möglicherweise den Bundespräsidenten durch die dargestellte Nähe zum Staatsoberhaupt mit seinen Thesen in Schwierigkeiten bringen könnte, scheint den theokratischen  Fanatiker von der Weinstraße wenig zu berühren. Die ausbleibende öffentliche Kritik an diesen Äußerungen und seine jüngste (erneute) Einladung in den Präsidentensitz scheint ihn darin zu bestärken, das einem überzeugten  Ayatollah alles möglich ist, selbst die religiös begründete Diffamierung anderer Religionen, einschließlich der Juden.

Der Ordnung halber sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Wagner einkömmliche Reisen in das Land Abrahams nach Israel organisiert und durchführt und selbst in seinen Äußerungen keine Diffamierung, sondern eine theokratisch begründete Einstufung von Nicht-Christen in die Erbsünde sieht. Warum er diese harschen, von ihm theologisch begründeten Äußerungen nunmehr auch in Versammlungen der UOKG trägt, bleibt bislang sein Geheimnis. Das wiederum erscheint „den Knechten  Satans“ erklärungsbedürftig.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

von  

Man kann ihm nicht vorwerfen, nicht wenigstens alles versucht zu haben. Im Interview mit der „Zeit“ (4. Juli 2013) hat SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück jetzt auch den Verständnis-Ossi gegeben. Zum Beispiel für SED-Mitglieder. Im Grunde, meint Steinbrück, waren Genossen eine Art DDR-Folklore, so ein echtes Stück Gemütlichkeit Ost: „Das geschah oft mit einer gewissen Selbstverständlichkeit, und zwar derselben, mit der man in Bayern in die CSU eintrat oder im Ruhrgebiet in die SPD.“

Sah das vom Westen aus tatsächlich so aus? Hattet ihr von den Aussichtsplattformen an der Mauer diesen Eindruck vom Funktionieren des SED-Regimes? Waren all die Aufmärsche und Paraden in euren Augen ein ausgelassenes Schuhplattler-Äquivalent mit Fahnen, Fackeln und Fanfaren?

Nun gibt es auch für Interview-Situationen wie diese eine goldene Regel von Dieter Nuhr, die im Zweifelsfalle noch immer weitergeholfen hat: „Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal sie Fresse halten!“ Aber Lila-Laune-Peer, weiß eben auch, wie das so war, damals im Osten. Wie bei der CSU. Nur ohne Lederhosen. Es sind Situationen wie diese, in denen man gern Gernot Hassknecht wäre, Steinbrück gegenüber stehen möchte und den Mundgeruch von Shrek haben: „JA HAT DIR DENN EINER INS GEHIRN GESCH…..!“

Hast Du, bestbestallter Vortragsreisender, eigentlich jemals einem Parteisekretär gegenüber gestanden?! Einem Mental-Zwerg in Polyamid-Anzug mit dem SED-Bonbon am Revers, der dir mit einem dummen Spruch in der Beurteilung oder einer klitzekleinen Weitermeldung das Leben ruinieren konnte? „Diskutiert destruktiv, steht nicht auf dem Standpunkt der Arbeiterklasse…“

Nein, hast Du nicht, also rede auch nicht so einen Klugscheiß daher, den Dir irgendwer mal erzählt hat, der ehedem Bestzeiten im Mitlaufen bei der Bezirksspartakiade in Dessau errungen hat! In die SED gingen die 125%igen, Ideologen, Hetzer und Vordenken-Lasser. Und es gingen mindestens ebenso oft jene hinein, die einfach Angst hatten um ihre Familie, um ihren Job, Angst aufzufliegen mit ihrem geheimen Abkotzen über den Lauer- und Bekenntnisstaat. Nein, lieber Peer, das war nicht witzig, kein fröhliches Brauchtum im Politbüro-Stadl. Keine lässliche Vereinsmeierei, sondern die Indienstnahme der Gedankenlosen und die Erniedrigung der Ängstlichen. Systemparteien war vor 1945 nicht komisch, und sie waren es nach 1945 nicht.

Muss man dem Spitzenkandidaten der Sozialdemokratie 23 Jahre nach dem Ende der DDR ernsthaft erklären: Dass man aus der CSU noch immer ohne Schaden austreten konnte? Dass sich gar die Freien Wähler von den Christsozialen abgespalten haben und die CSU zu freien Wahlen antritt, theoretisch sogar abwählbar ist (wenn man nicht gerade Christian Ude aufstellt)?! Diese SED-Leute, haben nach 1945 Deine Genossen drangsaliert, Peer, und verhöhnen Euch bis heute, wenn sie es „Elemente von Zwang“ bei der Zwangsvereinigung zur SED nennen. Wer gedankenlos in die SED eintrat, wurde vom System inhaliert, missbraucht, zu einem Rädchen, das andere zermahlte. Wer für die SED „geworben“ wurde und sich aus Vorsicht und wegen des Drucks nicht entziehen wollte/konnte, war kein zechender Bajuwar oder büttenredender Karnevals-Sozi, sondern ein Umstands-Arrangeur, dessen Würde damals durchaus antastbar, formbar war.

Wenn es denn partout der Ossi-Peer sein muss, der sein Wählerstimmen-Schleppnetz über Neufünfland zieht, dann sag‘ es in Herrgottsnamen doch grad heraus: „Es war nicht alles schlecht!“. Trainiere Dir das Sächseln von Katja Kipping an und preise das „positives Erbe der DDR“ wie im „Zeit“-Interview, dass so viele Frauen im Osten arbeiteten. Ebenso gelte das für die bessere Kinderbetreuung. Es war eine schöne Zeit in der Produktion mit der Betriebs-Kita, wo wir schon „Kleine weiße Friedehhheeenstaube“ und den „Kleinen Trompeter“ (dieses „lustige Rotgardistenblut“!) singen konnten, bevor wir noch richtige Jungpioniere waren.

Und Deine Kompetenz-Schattenministerin Manuela Schwesig, die den rhetorischen Charme einer Grundorganisationsleiterin (GOL) nie so ganz wegbekommen hat, will ja auch wieder dahin zurück. Das Leitbild ist die vollbeschäftigte Frau, hat sie kürzlich verkündet. Wir brauchen sowieso viel mehr Leitbilder. Wie gut, dass rund um das „Haus des Lehrers“ in Berlin noch die Mosaike vom SED-Maler Walter Womacka erhalten geblieben sind, und auch am Bundesministerium der Finanzen gibt es noch diesen Wandfries mit den jungen, optimistischen Werktätigerinnen, die in eine lichte Zukunft marschieren. Mit uns zieht die neue Zeit. Lieber Peer, wir danken deer.

Wir danken der Redaktion „Die Achse des Guten“ für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mach_doch_rueber_wenn_es_so_schoen_war

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