Von Frank Auer

Berlin, 25.07.2013/fa – Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat ein Verbot von Symbolen und Organisationen, die an das Unrechtsregime der damaligen DDR erinnern, abgelehnt. Die BZ und andere Tageszeitungen haben dieser Tage darüber berichtet. Die Ablehnung wird damit begründet, dass man das Unrechtsystem der DDR nicht mit den Gräueltaten der NS-Diktatur gleichsetzen kann. Dabei lassen sich diese Diktaturen sehr wohl vergleichen. Denn auch in dieser Diktatur ist gefoltert, unterdrückt, getötet und gedemütigt worden.

Vor dem Denkmal an die NS-Opfer der Roma und Sinti am Berliner Reichstag: Unerträgliche Provokation - Wie lange noch? - Foto: LyrAg 24.07.2012

Vor dem Denkmal an die NS-Opfer der Roma und Sinti und unweit der Mauerkreuze am Berliner Reichstag: Unerträgliche Provokation – Wie lange noch? – Foto: LyrAg – 24.07.2012

Unschuldige Menschen sind in den Zuchthäusern von Hoheneck, Cottbus, Bautzen und anderswo eingesperrt worden. Nur weil diese eine andere Meinung hatten oder die damalige DDR verlassen wollten, um freie Menschen zu sein. In den o. g. Zuchthäusern wurden die Häftlinge mit Schlafentzug, Psychopharmaka, Medikamentenmissbrauch und Nahrungsentzug gefoltert. Sie mussten Zwangsarbeit verrichten und sind in Nass- und Dunkelzellen gesperrt worden. Müttern hat man die Kinder weggenommen und der Staat hat diese zwangsadoptiert.

Diese Opfer leiden heute noch an den seelischen Folgen ihrer unmenschlichen und qualvollen zu Unrecht erlittenen Haft. Das Zuschaustellen von DDR-Symbolen, wie z. B. DDR-Fahnen und NVA-Uniformen, teilweise auch mit Waffen, lösen immer wieder schmerzhafte seelische Wunden aus.  Jetzt ziehen diese Verharmloser bereits provokativ vor Mahnmalen der NS-Diktatur auf (siehe Foto).

Meine Frage: Hat Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sich einmal die Zeit  genommen, sich umfangreich über die Gräueltaten des SED-Regimes zu informieren? Wahrscheinlich nein. Frau Leutheusser-Schnarrenberger, ich empfehle ihnen hier einmal drei Bücher: „Stell dich mit den Schergen gut„; „Der Feind an meiner Seite“ sowie „Wo sind die Toten von Hoheneck?„. Wer diese drei Bücher von Ellen Thiemann gelesen hat, weiß fast alles über das menschenverachtende Regime der damaligen Zeit.

Gerade als Bundesministerin sollte man sich erst einmal umfassend mit einer Thematik beschäftigen, bevor man sich dazu äußert. Denn für die Opfer sind diese Äußerungen, wie das Zeigen von DDR-Symbolen in der Öfentlichkeit, eine tägliche Provokation.

Ich bedaure zutiefst, dass  die zweite deutsche Diktatur nach wie vor verharmlost wird. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass diese Position und Haltung endlich überdacht wird. Auch von der Bundesjustizministerin.

V.i.S.d.P.: Frank Auer; Redaktion: Vereinigung (AK) 17 Juni 1953 e.V., Tel.:030-30207785