Berlin, 4.07.2013/cw – Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) befasst sich auf ihrer Versammlung am kommenden Wochenende in Berlin (6.-7.07.) mit „Gesundheitlichen Folgen politischer Repression – Aktuelle Entwicklungen und Erfahrungsberichte“. Eröffnet wird die Thematik durch einen  Vortrag von  Rechtsanwalt Thomas Lerche am Samstag, 6.07., 13:00 Uhr: „Ein Überblick zur neuen Klassifikation DSM-V der Posttraumatischen Belastungsstörung und eigene Erfahrungen aus aktuellen Fällen“. Fortgesetzt wird das Thema am Sonntag, 7.07., ca. 11:00 Uhr mit einem  Vortrag des Psychotherapeuten und Liedermachers Dr. Karl-Heinz Bomberg: „Unsichtbare Wunden – Traumatisierungen durch politische Verfolgung in der SBZ/DDR“.

Die Veranstaltung wird durch die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert und wird in der Gedenkstätte Normannenstraße (Stasi-Museum), Ruschestr. 103, 10365 Berlin im Raum 418 (BStU-Projektwerkstatt) durchgeführt. Die Veranstaltungen sind öffentlich. Die dazwischen durchgeführte Mitgliederversammlung der UOKG ist nichtöffentlich, eine Teilnahme nur für Mitglieder der UOKG möglich.

Aufwandsentschädigung für Vorsitzenden

Der Mitgliederversammlung der UOKG liegt ein Tagesordnungspunkt vor, der eine „Diskussion und Abstimmung über eine Aufwandsentschädigung für den UOKG-Vorsitzenden“ vorsieht. Wie verlautet, macht der derzeitige Vorsitzende Rainer Wagner aufgrund der Entfernung zwischen seinem Wohnsitz und dem Sitz der UOKG erhöhte Aufwendungen für die Verbandsarbeit geltend. Bereits anlässlich des 20. Bestehens des Verbandes hatte Wagner im Roten  Rathaus in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters eine Finanzierung seiner Arbeit angemahnt, da die UOKG mit „nahezu 25 Beschäftigten“ das Ausmaß eines „mittleren Betriebes“ angenommen hätte, der „so nicht mehr ehrenamtlich zu führen“ sei. Wagner setzt sich damit deutlich von seinen Vorgängern ab, die in dieser Funktion  sämtlich ehrenamtlich tätig waren.

Wieweit die Mitgliederversammlung dem Begehren folgen  wird, kann angesichts der nach wie vor als knapp bezeichneten Kassenlage des Verbandes nicht vorausgesehen  werden. Wagner selbst hatte noch 2011 nach einem vorliegenden Gesprächsprotokoll formuliert: „Die UOKG wird ohnehin kurz gehalten und quasi ausgehungert. Das könne man bloß nicht so in der Öffentlichkeit sagen. Wir haben keine Mittel…“.

Andererseits verfügt Wagner unter den Mitgliedern über einen großen Rückhalt. „Wenn die Mehrheit dem Vorsitzenden sogar umstrittene Äußerungen gegenüber Juden, dem Islam und anderen Religionen nachsieht, wird diese Mehrheit dem Wunsch Wagners wohl entsprechen und auch hier über seine Widersprüchlichkeiten großzügig hinwegsehen,“ sagte ein Mitglied der UOKG, das namentlich nicht genannt werden wollte.

In der Tat sollten die umstrittenen Äußerungen  des UOKG-Vorsitzenden nach Meinung von Kennern der Szene „wesentlich tiefer gehängt“ werden. So habe der pietistisch ausgerichtete Prediger in der Verbandszeitschrift Stacheldraht (Nr.2/2012, „Was brauchen wir, was braucht unser Land? Zur Wahl des neuen Bundespräsidenten“, S.2) zur Überraschung seiner Freunde zum Thema des verheirateten Joachim Gauck in Bezug auf dessen Lebensgefährtin formuliert: „Auch stört sich der eine oder andere an seiner persönlichen Lebensgestaltung. Moralapostel haben sich bereits zu Wort gemeldet.“ Wer sich derart flexibel zeige, dem sollte nicht jede Äußerung aus seinem hauptberuflichen religiösen Bereich vorgehalten werden.

Verbände ohne nachvollziehbare Verbandsaktivitäten

Womöglich wird ein weiterer Tagesordnungspunkt (6) die Gemüter der UOKG-Mitglieder weit mehr erhitzen, als die beantragte Aufwandsentschädigung. Es geht um die „Mitgliedschaft und Stimmrecht von Verbänden ohne nachvollziehbare Verbandsaktivitäten“. Schon der Ausgangspunkt dieses TOP ist im Vorfeld umstritten. Während einige Mitglieder einen „Maulkorb“ für allzu kritische Mitglieder durch die „wohl beabsichtigte“ Entziehung des Stimmrechtes befürchten, sehen andere Mitglieder den Diskussionspunkt rationaler. Es könne ja durchaus sein, daß die bisherige Praxis der „Mitgliedervermehrung“ durch leichtfertige, weil ungeprüfte Aufnahme in den Verband bei den Aufsichtsbehörden auf Kritik gestoßen sei und man daher „von oben“ eine Überprüfung verlange.

So waren kritische Anmerkungen von Vereinsmitgliedern stets ignoriert oder gar „hämisch“ zurückgewiesen worden, wie Frieda E. (Name geändert) bitter anmerkt. Sie habe in einem konkreten Fall bereits 2009 den Vorstand auf mögliche „unvereinbare Machenschaften“ eines Mitgliedes hingewiesen. Da ein UOKG-Vorstandsmitglied selbst Vereinsmitglied in dem fraglichen Verein gewesen sei, habe man diese im Übrigen  immer wieder vorgetragene Kritik „brüsk“ abgewehrt. Im Gegenteil habe man diesen Vereinsvorsitzenden trotz der bekannten Vorwürfe demonstrativ zum Sprecher der UOKG in Niedersachsen ernannt. Jetzt sei dieses Mitglied nach Offenlegung offensichtlich veruntreuter Fördergelder aus der UOKG verschwunden, seine Förderer im Vorstand würden sich aber einer Aufklärung dieser „Kungelei“ entziehen. Auch hier wird wieder der Vorsitzende Wagner zitiert: „Die UOKG mischt sich grundsätzlich nicht in Angelegenheiten von Mitgliedsverbänden ein.“  Punkt. Flexibel eben…

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