You are currently browsing the daily archive for 15. Mai 2013.

Berlin, 15.05.2013/cw – Zur besten Sendezeit, heute, 20:15 Uhr, kein Krimi. Schlimmer: Lebenswirklichkeit. Im Sender 3SAT wird die Dokumentation „Killing Nazis“ gezeigt.

Wussten die Verantwortlichen bei der Planung des Sendeplatzes um den NSU-Mord-Prozess in München, die gespenstische, beängstigende Nähe zur Gewalt aus „eigenen Gnaden“, jenseits von Recht und Gesetz?

Alfred Müller, Jahrgang 1921, wächst in Wien auf. Jude, ja, aber nicht gläubig. Er ist in  der SPÖ engagiert, singt begeistert kommunistische Lieder. Dann kommen die Nationalsozialisten auch nach Österreich – Anschluss an das Deutsche Reich. Alfred Müller durchlebt den Abtransport der Eltern. In den Tod, wie er später erfährt. 1939 schließlich gelingt ihm die Flucht nach Palästina: „Weg zu kommen war alles.“

1942 wird eine Sabotage-Truppe rekrutiert. Im Karmel-Gebirge ist das Ausbildungslager, werden 40 – 50 junge Juden auf ihren Einsatz „hinter den deutschen  Linien“ vorbereitet. Sie müssen Verhaltensweisen und Lieder der Mörder ihres Volkes einstudieren, um nicht aufzufallen. Zynik pur. Der Kommandant ist ein  Kommunist aus Deutschland. Schließlich soll eine jüdische Brigade an die Front in Italien, um die Engländer zu unterstützen.

Bis dahin eine aufregende, dramatische Kriegsgeschichte. Dann kommt wieder ein Schnitt:

„6. Kapitel – Rache.“ Man zuckt unwillkürlich zusammen.

Alfred Müller, jetzt Chaim Miller: „Rache muss man ausüben.“

Der Krieg ist aus. Man hat Verbindung zu Partisanen in Jugoslawien. Die kennen Täter aus dem NS-Verbrechens-Syndikat. Miller und seine Kameraden, inzwischen in ein Geheimkommando integriert, spüren SS-Männer auf. Sie tragen englische Uniformen, fordern die vermutlichen SS-Täter auf, mitzukommen. Rund zwanzig Minuten dauert die „Gerichtsverhandlung“, dann  werden die „Verurteilten“ per Kopfschuss getötet. Chaim Miller: „Ich selbst habe acht bis zehn erschossen.“ Zuvor hat man die Delinquenten aufgefordert: „Bitte, fang an zu graben.“ Wenn  die Grube ausgehoben  war: „Stell dich da rein.“ Dann  fiel ein Schuss…

Gab es Beweise? Miller: „Wir haben keine Zeugen gehabt.“ Die Täter hätten ja meist auf alle Fragen  mit JA geantwortet, hätten ihre Schuld eingeräumt.

Und wie hat Miller vollstreckt? „Zwischen den Augen – das war ganz einfach.“ Und: „Wenn wir fertig waren, sind wir nach Hause gefahren.“ Und: „Wir haben das beschlossen, da haben wir das gemacht.“ Und: „Bereut haben wir, dass wir das nicht mehr weiter gemacht haben.“

Später, in einer Schule, sein  Bericht als Zeitzeuge, der er fraglos ist:

„Ich bereue nichts.“

Und: „Ich glaube nicht an Gott.“

Wahrscheinlich kann man nur mit diesem Erleben, diesem selbst-schuldig werden, nur leben, wenn man nicht an Gott glaubt.

Als Zuschauer ist man bedrückt, erschüttert. Wagt, schon gar nicht als Deutscher, Vorwürfe zu erheben, Schuld zu verteilen. Es könnte zu sehr nach Verlagerung, nach Verschiebung der Verantwortung auf die Überlebenden eines hingemordeten Volkes aussehen. Aber muss man das alles trotzdem akzeptieren?

Während die Tochter von Chaim Miller ihren Vater bewundert, sagt die Enkeltochter: „Rache ist heute nicht angebracht. Sie ist niemals angebracht.“ Das war mutig. Das ist vielleicht auch die Brücke, über die wir aufeinander zugehen können. Fast siebzig Jahre nach den fürchterlichsten, weil industriell geplanten, in ihrer herzlosen Kälte bis in unser JETZT eine permanente Erinnerungs-Eiszeit auslösenden Morden.

Und Chaim Miller, unser einstiger Alfred Müller? Er lacht in die Kamera, singt deutsche Lieder, die Beklemmung auslösen: „Es zittern die morschen Knochen“ und „Die Straßen frei“. Aber auch: „Sah ein Knabe ein Röslein stehen“. Vielleicht kann man nur zwischen diesen Extremen seiner Erinnerung Herr werden. Der Erinnerung an die ermordeten Eltern, der Erinnerung an die Zeit, als man sich zur Rache berufen fühlte, jenseits von Recht und Gesetz. Wer will das ernsthaft beurteilen oder gar verurteilen? Zumal als Deutscher…

http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/169261/index.html

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Offener Brief an die Bundeskanzlerin

von Anita Kutschkau*)

Berlin, 15.05.2013

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mit großer Bestürzung habe ich am 10.05 2013 in der BZ von dem Aufmarsch der ewig Gestrigen gelesen. In voller Uniformierung der ehemaligen NVA  marschierte das rote Gelumpe in Treptow entlang. Das kann nicht wahr sein, dass diese Leute weiterhin ihre „Spielchen“ spielen können. Das ist eine Demütigung all derer, die in den Zuchthäusern wegen ihrer Meinung und ihrem Freiheitsdrang gesessen haben.

Demütigungen und Überwachung waren Tag und Nacht gang und gäbe.

Wir waren der Willkür des Wachpersonals total ausgeliefert. Das sich diese  „ Roten Socken“ weiterhin so verhalten  können ist nur möglich, weil Ihre Regierung es versäumt hat, dies gesetzlich zu unterbinden. Um solch ein Gesetz zu erlassen ist es wohl von Nöten, sich ein eigenes Bild von den Zuchthäusern, in denen politische Häftlinge über eine lange Zeit ihr Dasein fristen mussten, zu besichtigen.

Das berüchtigte Frauenzuchthaus Hoheneck öffnet Ihnen vielleicht die Augen, und  Sie kommen zu dem Entschluss, ein Gesetz zu erlassen, das diesem Treiben ein Ende setzt. Wir ehemaligen politischen Häftlinge danken heute schon dafür.

Auch müsste es verboten sein dass überall die Utensilien der ehemaligen DDR  zum Verkauf angeboten werden. Die gehören vernichtet. Auch dürfte es nicht mehr möglich sein, dass sich junge Leute in ehemaliger NVA

Anita Kutschkau inmitten von hem. Frauen von Hoheneck während der Buchmesse in Leipzig (Erste Reihe Mitte) -  Foto: LyrAg

Anita Kutschkau inmitten ehem. Frauen von Hoheneck 2013 während der Buchmesse in Leipzig (Dritte Reihe Mitte) – Foto: LyrAg

–Uniform vor dem Brandenburger Tor präsentieren. Die ausländischen Gäste werden in den Glauben versetzt, dass die ehemalige DDR ein Rechtsstaat war.

In der Hoffnung, dass Ihnen diese Zeilen zu denken geben grüßt  Sie

Hochachtungsvoll

Anita Kutschkau“

*) Die Autorin ist ehemalige Hoheneckerin. Obwohl schwanger, wurde sie am 23.09.1966 wegen  versuchter Republikflucht zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Von April 1967 bis August d.J. war sie im Frauenzuchthaus Hoheneck, ehe sie freigekauft wurde und nach Gießen ausreisen konnte.
V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207778          
                

Berlin, 14.05.2013/cw – Das Evangelische Nachrichtenportal idea berichtet über Vermutungen, daß der einstige Evangelische Bischof  Albrecht Schönherr möglicherweise ein IM der Stasi gewesen sein könnte. Noch brisanter erscheint eine von idea zitierte Veröffentlichung in der letzten WELTamSONNTAG, nach der Horst Kasner, der verstorbene Vater von Angela Merkel (der „rote Kasner“)  „auf Geheiß der Stasi“ (des Ministeriums für Staatssicherheit) einen Antrag auf der Provinzialsynode der Landeskirche Berlin-Brandenburg am 12. Januar 1967 eingebracht haben soll, Schönherr als Bischofsverwalter einzusetzen. Das erste Leben d.A.M._NEWDie im Springer-Verlag verlegte Zeitung beruft sich dabei auf das seit gestern im Verkauf stehende Buch „DAS ERSTE LEBEN DER ANGELA M.“ (Piper, 336 Seiten, 19,99 €). Die Stasi wollte Schönherr durchsetzen, schreiben die Autoren.

Gegenüber idea wollte der Sprecher für die Berlin-Brandenburgische Kirche, Volker Jastrzembski den Verlauf der Berufung so nicht bestätigen. Schönherr sei bereits im  Vorfeld der genannten Synode durch die Kirchenleitung zum Bischofsverwalter bestellt worden.

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17.Juni 1953 e.V., Berlin, Tel:. 030-30207785

Mai 2013
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Blog Stats

  • 755.700 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 129 anderen Followern an