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Hoheneck/Berlin, 20.04.2013/cw – Schlägt die letzte Stunde für einen der historischen Vereine ehemaliger Verfolgter der SED-DDR-Diktatur? Für die Mitgliederversammlung Anfang Mai 2013 liegen dem Verein mehrere Anträge auf Auflösung des Vereins vor. Diese sollen in einer zusätzlich anberaumten Mitgliederversammlung am 4. Mai diskutiert und abgestimmt werden, teilte der Vorstand in Berlin den Mitgliedern mit.

Eine Auflösung käme allerdings zur Unzeit, da aktuell über die Errichtung einer Begegnungs- und Gedenkstätte in der Immobilie der einstigen DDR-Frauenhaftanstalt lebhaft diskutiert und zwischen den Beteiligten (Eigentümer, Stadt Stollberg, Land Sachsen) verhandelt wird.

Irritationen: Der tote Freund war nie in Bautzen und lebt ... (S.163)

Irritationen: Der tote Freund war nie in Bautzen und lebt … (S.163)

Der „Frauenkreis der ehemaligen  Hoheneckerinnen“, seit 2011 eingetragener Verein, war auf Initiative der ersten Vorsitzenden Maria Stein bereits Ende der fünfziger Jahre zunächst als regelmäßiger Treff ehemals aus politischen  Gründen Verurteilter gegründet worden. Die ersten Mitglieder bestanden ausschließlich aus ehemaligen  SMT- Verurteilten. Das waren Frauen, die in der Nachkriegszeit durch Sowjetische Militär-Tribunale aus politische Gründen zu meist hohen Freiheitsstrafen oder gar zunächst zum Tode verurteilt worden waren. Später öffnete sich der Kreis auch den durch DDR-Gerichte verurteilten Frauen, was besonders der Nachfolgerin Maria Steins, der ursprünglich durch ein SMT zum Tode verurteilten Margot Jann zu verdanken war. Heute besteht die Mitgliedschaft überwiegend aus einstigen DDR-Verurteilten, da die SMTler aus Altersgründen immer weniger wurden.

Die Schicksale der Hoheneckerinnen waren einer breiten Öffentlichkeit besonders durch den Besuch des Bundespräsidenten im  Mai 2011 und der damit verbundenen medialen Aufmerksamkeit bekannt geworden. Im selben Jahr wurde zur besten Sendezeit am 9. November in der ARD der Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling, Ulrich Noethen und Tobias Oertel mit einer anschließenden Dokumentation ausgestrahlt. Ein Monat später legte der erste Förderverein eine umfassende Konzeption zur Schaffung einer Gedenkstätte vor. Im Sommer 2012 beschloss der Sächsische Landtag die Aufnahme von Hoheneck als förderungswürdig in das Sächsische Gedenkstättenstiftungsgesetz.

Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.40), die kannte ich schon aus der U-Haft." Wasserzelle im  Krankenhaus? Folter für "gute Führung" und angepasstes Verhalten?

Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle. Die kannte ich schon aus der U-Haft.“ … (S.40).
Wasserzelle im Krankenhaus? Folter für „gute Führung“ und angepasstes Verhalten?

Die aktuellen Auseinandersetzungen im Verein entzündeten sich an der kritischen Bewertung der Vorstandswahlen vom Mai 2012, als Inge Naumann, die Nachfolgerin Margot Janns, überraschend  abgewählt und durch Anita Goßler ersetzt wurde. Zusätzliche Belastungen entstanden jüngst durch irritierende harsche Vorwürfe gegen die amtierende Vorsitzende bezüglich ihrer ausgewiesenen Biografien über deren politische Verfolgungs- und Haftzeit in den fünfziger Jahren.

Kommentar:

Turbulenzen in einem Verein sind das eine. Etwas anderes ist der Antrag auf Auflösung eines Vereins, wie er jetzt der Mitgliederversammlung des Frauenkreises vorgelegt wurde. Abgesehen von den hohen Hürden ist die Auflösung dieses wichtigen Vereins die schlechteste Antwort auf geführte  Auseinandersetzungen.

Die meisten Frauen sind einst wegen ihrer politischen Überzeugungen in dem „dunklen Ort“ im Erzgebirge eingesperrt worden. Jetzt sollen sie wegen demokratischer Diskussionen im Verein den Frauenkreis auflösen, dessen vornehmste Aufgabe es seit Jahrzehnten war, an die Unterdrückung von Meinung und Freiheit in der Diktatur zu erinnern?

Auseinandersetzungen gibt es in vielen Vereinen, so seit Jahren in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS). Deswegen löst man aber einen  so wichtigen Verein  nicht auf. Auch die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) mußte in den vergangenen Jahren schwere Zeiten durchstehen. Die UOKG hat ihre Probleme in heftigen, manchmal an die Substanz gehenden Diskussionen gelöst. Dabei stand hin  und wieder auch eine Auflösung im Raum, die aber niemals ernsthaft zum  Antrag erhoben wurde. Das war, das ist gut so.

Sacharbeit: Zum Beispiel die quälende Frage von Ellen  Thiemann beantworten: "Wo sind die Toten von Hoheneck?"

Sacharbeit: Zum Beispiel nach einer Antwort auf die quälende Frage von Ellen Thiemann suchen…

Der Frauenkreis wäre gut beraten, wenn  er sich auf seinen Ursprung besinnen und die anstehenden Probleme offen, ehrlich und fair diskutieren und einer Lösung zuführen würde. Eine Auflösung kurz vor dem Ziel der Schaffung einer würdigen Gedenkstätte wäre der GAU. Es blieben die vor der Tür, die finsterste Jahre ihres Lebens in diesem Gemäuer zugebracht haben. Ein zweites Mal würde über deren Köpfe hinweg entschieden werden. Daran kann keiner ein Interesse haben, am wenigsten  die Frauen von Hoheneck.

Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.016                          Förderverein – Info                15. April 2013

Totgesagte leben länger

Ein „Toter“ von Bautzen lebt und wie die Aufarbeitungsindustrie reagiert

Von Tatjana Sterneberg und Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 15.04.2013 – Nach dem Fall der Mauer, verstärkt nach der offiziellen Wiedervereinigung der deutschen Teilstaaten im  Jahre 1990 wurden nicht nur diverse Vereine gegründet, die sich der Aufarbeitung der vorausgegangenen Diktatur und ihrer Opfer widmen wollten. Neben einem Dachverband dieser Vereine entstand schließlich sogar eine eigene Stiftung, die sich neben den bestehenden, meist parteinahen  Institutionen der Förderung von Aufarbeitungsprojekten verschrieb. Dieses Konglomerat unterschiedlichster Institutionen führte in den nachfolgenden Jahren zu meist lukrativen, zumindest aber sicheren Plattformen, um Bücher, Filme, Ausstellungen und anderes zu produzieren, ohne dass sich  z.B. Interessenten oder Mitarbeiter durch Lektorate quälen mussten. Kritische Zeitgenossen, meist einstige Opfer der Diktatur, sprechen heute sarkastisch von einer Aufarbeitungsindustrie.

Sie verkennen die Situation, wir sind für Sie da

Geht man zu den Wurzeln der Entstehungsgeschichte zurück, trifft man allerdings auf interessante Details. So hörte sich die Vorstellung der Arbeit einer wichtigen  Stütze dieser Industrie um die Jahrtausendwende durchaus interessant an. Auf die Frage von Opfervertretern, ob man dieses oder jenes Projekt zur Aufarbeitung umsetzen könne, hieß es: „Sie verkennen die Situation. Sie sind nicht für uns, sondern wir sind für Sie da. Sie äußern Ihre Wünsche, wir bemühen  uns um  die Umsetzung.“

Wenige Jahre später hörte sich dies (übrigens aus dem gleichen Mund) so an: „So geht das nicht, das ist nicht umsetzbar. Da müssen Sie sich etwas anderes einfallen lassen. Das geben unsere Förderungsbedingungen nicht her.“ etc. etc.

Natürlich führte diese Änderung ursprünglicher Ausrichtung längerfristig auch zu Verschiebungen in den Verhaltensweisen bei den Opfer-Vereinen, um die potentiellen Förderer günstig zu stimmen. Die Spielregeln der Aufarbeitungsindustrie funktionieren inzwischen nahezu reibungslos – auf nahezu allen Ebenen. So wird kritikwürdiges  Verhalten zunehmend nicht nach Inhalten, sondern danach beurteilt, ob diese Haltung von unbotmäßigen Opfervertretern oder angepassten Empfängern von Fördermitteln transportiert wird. Entsprechend wird „Empörung“ vorgetragen  oder einfach geschwiegen.

Um in der nun festgefügten Liga der AufarbeitungsIndustrie (AI) ebenfalls mitspielen zu können, verschoben sich auch bei manchen Zeitzeugen die Koordinaten der eigenen Vita. Stand bisher das tatsächliche Erleben  im Vordergrund, das für sich nicht nur schrecklich erschien, sondern vielfach grausam war, veränderte sich die Darstellung dieses Erlebens kontinuierlich in Richtung AI-Vermarktung.

Politisch Verfolgte verweigern sich

Da die AI inzwischen die Vermarktung zum Schwerpunkt machte, wurde zunehmend auf die Hinterfragung von Zeitzeugenberichten verzichtet. Je „eindrucksvoller“ diese waren, umso interessanter. Ließen sich diese „Erzähler“ doch wesentlich besser vermarkten, als pure „Wahrheitsfanatiker“, die nach wie vor glauben, die reale Wiedergaben ihrer Erlebnisse seien ausreichend. So ist es beispielsweise im 60. Jahr nach dem Volksaufstand vom 17. Juni nicht mehr vorrangig, die wenigen noch lebenden und tatsächlichen Teilnehmer am Aufstand zu befragen und einzubinden. Man beschränkt sich auf „Zeitzeugen“, für die bis vor wenigen Jahren der Aufstand keine Rolle spielte, weil sie einst neugierig waren und eher ängstlich am Straßenrand standen. In der von der AI vermittelten aktuellen Darstellung mutierte z.B. ein so „Geförderter“ zum staatsfeindlichen Steinewerfer auf Fahrzeuge der Sowjets, aus der jugendlichen Straßenrandfigur wurde so der aktive „Kämpfer vom 17. Juni.“

Dankenswerterweise  verweigert sich der Großteil der einst politisch Verfolgten diesem unseriösen Treiben. Sie ziehen sich allerdings zunehmend frustriert und enttäuscht zurück, treten sogar aus ihren angestammten Vereinen aus. So verbleiben auf der Bühne öffentlicher Wahrnehmung die „spannenden Geschichtenerzähler“,  die damit die AI am Leben halten. Um aber „im Geschäft“ bleiben zu können, vermeiden diese Spannungsdarsteller jegliche Kritik an ihren potentiellen Förderern und Geldgebern. So haben beide Seiten etwas von dieser freilich fragwürdigen Geschichtsvermittlung.

Hier alle Ungereimtheiten und nachweisbaren „Storys“ anzuführen, würde den Rahmen ebenso sprengen, wie – als Beispiel – die folgende Legende von Angelika Delitz* (*Name geändert) den Rahmen bisheriger „spannender Geschichten“ sprengt. Sie ist nichtsdestoweniger ein belegtes Beispiel für den mehr als sorglosen Umgang der in der AI wirkenden Kräfte mit den Berichten von „Zeitzeugen“.

Ein „in Bautzen Verstorbener“ lebt

Erst im letzten Jahr erschien ein Buch, in dem auch Angelika Delitz* in den Leser berührender Weise von ihrem schweren Schicksal erzählte. „Endlich wieder leben“ nach den Jahren der Demütigungen in Haftanstalten, die zu Recht auch als „der dunkle Ort“ bezeichnet wurden. Delitz* war zusammen mit ihrem Verlobten und dessen Freund 1953 in der DDR zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Nachdem sie im  Haftkrankenhaus unter „fürchterlichen Bedingungen“ das gemeinsame Kind geboren hatte, will sie 1954 im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck durch eine  Haftkameradin vom „Tod“ ihres Verlobten im Zuchthaus Bautzen II erfahren haben. Später, nach ihrer Entlassung aus der Haft, habe sie erforscht, dass der Verlobte noch „in Bautzen eingeäschert“ und die Urne an die Eltern „an der Ostsee“ versandt und dort beigesetzt worden sei.

Ein erschütterndes Schicksal, das uns schließlich veranlasste, uns auf die Spur ungeklärter Todesfälle in der politisch bedingten Haft in den einstigen Zuchthäusern der DDR zu begeben. Das Schicksal des Verlobten der Angelika Delitz* schien uns dafür prädestiniert.

Allerdings belegen jetzt aufgefundene Unterlagen, dass der „Verlobte“ niemals in Bautzen war und als zur höchsten Strafe Verurteilter (14 Jahre Haft) 1958, also vier Jahre nach seinem behaupteten Tod, begnadigt und aus der Strafanstalt Rummelsburg entlassen wurde. Totgesagte leben  länger, sagt man. Auch die Angabe, nie gewusst zu haben, wo ihr Verlobter seine Haft verbüßte, wird durch die Akten-Funde infrage gestellt. In einem Schreiben von 1954 an Angelika Delitz* wurde dieser offiziell auf Nachfrage mitgeteilt, ihr Verlobter sitze in der Haftanstalt Torgau ein.

Wer Angelika Delitz* am Radio zuhört, sie im Fernsehen sieht oder bewegt ihren  Ausführungen bei zahlreichen Auftritten der AI folgt, ist auch über deren „verzweifelte Suche“ nach ihrem Kind über das Rote Kreuz erschüttert. Erst nach „weiteren zehn  Jahren“ will sie endlich ihr Kind gefunden haben. Auch hier belegt die Forschung einen anderen Sachverhalt. In  einem DDR-Akten-Vermerk von 1957 ist zu lesen, das die Staats-Anwaltschaft Düsseldorf* (*Name der Stadt geändert) Angelika Delitz* „wegen Unterhaltsentzug“ suche. Ermittlungen wegen Unterhaltsentzug ohne Kenntnis über den Aufenthalt des minderjährigen Kindes?

Wasserzelle und Dunkelhaft für positives Verhalten?

Nach Angelika Delitz* wurde diese 1954 nach der Entbindung in die Frauenstrafanstalt Hoheneck überführt; dort habe sie nicht nur vom Tod ihres Verlobten  erfahren, sondern sei auch zur Strafe für ihre Weigerung, eine Adoption  für ihr Kind zu unterschreiben, in die dortige Wasserzelle und in Dunkelhaft gesperrt worden (Hier divergieren die Angaben in zwei Büchern durch Delitz* selbst). Auf die Zitierung des Berichtes über den unmenschlichen Wasserzellen-Aufenthalt wird hier verzichtet. Nicht verzichtet werden soll hier auf die Frage, wie Angelika Delitz 1954 nach Hoheneck und dort in die Wasserzelle und/oder anschließende Dunkelhaft gelangte, wenn  sie nach dem Haftkrankenhaus in Meusdorf (Entbindung) zunächst in die Haftanstalt nach Altenburg und von dort bis August 1955 in die StVA Görlitz verbracht worden war? Die angeführten Haftanstalten tauchen in keinem ihrer Berichte auf.

Und folterte man Gefangene durch Wasserzelle und Dunkelhaft, wenn gleichzeitig in den Akten die positive Haltung der Strafgefangenen Angelika Delitz* vermerkt und ihr täglicher Bezug des Zentralorgans der SED „Neues Deutschland“ und einer weiteren Zeitung lobend erwähnt wurde?

Auch die Erzählung über die Folter in der Stasi-U-Haft in Leipzig muss nach jetziger Aktenlage neu bewertet werden. Es findet sich kein  einziger Beleg über die Befassung der Stasi (amtlich: des Ministeriums für Staatssicherheit –MfS-) mit der Erzählerin oder ihren Mitangeklagten. Nach Leipzig gelangte sie erstmals vor dem angesetzten Verhandlungstermin, als die Verlegung aus einem Krankenhaus nach Leipzig Ende April 1953 (von der Justiz, nicht von der Stasi) angeordnet wurde. Und warum sollte man Angelika Delitz* mittels Wasserzelle und Dunkelhaft zu einem Geständnis bewegen, wenn  sie bereits in der ersten Vernehmung in der U-Haft (in ihrer Geburtstadt) geständig im Sinne der erhobenen Vorwürfe war? Jedenfalls lag vor der Verlegung nach Leipzig bereits die Anklageschrift vor, die Ermittlungen (der Staatsanwaltschaft) waren  also abgeschlossen.

Die Akten geben noch einiges mehr her, was mit den „Erzählungen“ der einstigen politischen Gefangenen nicht übereinstimmt.  Die Wiedergaben weiterer Details, die der Redaktion sämtlich vorliegen, würden auch hier den gegebenen Rahmen sprengen.

Konfrontation mit der Wahrheit abgewiesen

Was haben diese Erzählungen mit der AI, mit deren Aufgaben zu tun? Leider Einiges. Nachdem bereits im  letzten Jahr erste „Unwahrheiten“ bekannt geworden waren, publiziert in einem von der AI geförderten Buch, und andere Autorinnen eine Berichtigung verlangt hatten, verweigerte die fördernde Institution dafür die Zustimmung. Begründung: Delitz* erzähle seit Jahren unverändert die selbe Geschichte, daher müssen diese stimmen. Geht’s noch? Im Gegenteil. Nach Bekanntwerden der „Unrichtigkeiten“ wird Angelika Delitz* von AI-Einrichtungen in einem zuvor nie gekannten Ausmaß zu Vorträgen und Repräsentationen eingeladen. Es lässt sich konstatieren: Delitz* ist gut im  Geschäft. Auch für die unterschiedlichen, weil abweichenden Darstellungen über sie in verschiedenen Zeitzeugenportalen hat sich bis heute ebenfalls keine Einrichtung interessiert. Die Konfrontation mit der Wahrheit wird abgewiesen oder schlicht ignoriert. Weil sie den Vermarktungsintentionen der AI widerspricht?

So kann Angelika Delitz* als ehemalige BGL-Vorsitzende (BGL – Betriebsgewerkschaftsleitung) der „Bahnsicherheit“ und Mitglied in diversen politischen DDR-Verbänden weiterhin offiziell einen Opferverein  führen, im Vorstand eines Dachverbandes wirken und nach wie vor mit Unterstützung der AI mit leiser, fast zerbrechender Stimme von ihrem Schicksal erzählen. Schlimm wird dies erst durch die dramatisch erscheinenden Zufügungen, die man anderswo als Lügen  zu bezeichnen  pflegt.  Wäre sie nach ihrem erstenAufenthalt in der (alten) Bundesrepublik zwischen  1950 und 1951 (Tätigkeit in der Landwirtschaft und einem Haushalt) im Westen  geblieben, wären ihr nicht nur Urteil und Haft sondern auch die aktuellen Vorhalte erspart geblieben.

Wenigstens den Bundespräsidenten wagte sie nicht, doppelt zu belügen. Beim Besuch von  Christian Wulff in  Hoheneck im  Mai 2011 führte sie diesen in  die dortige einstige Wasserzelle, betonte aber, dort sei sie „im  Gegensatz zur U-Haft in  Leipzig“ nicht gewesen. Immerhin.

Welche Konsequenzen die beiden Buchverlage aus der Tatsache ziehen wollen, offensichtlich falsche Angaben verbreitet zu haben, war bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen. Auch eine AI-Institution steht wohl unausweichlich vor der Überprüfung der von ihr geförderten DVD-Dokumentation „Ein Tag zählt wie ein  Jahr“. Eingeweihte sprechen von einem publizistischen Desaster und verheerenden Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit von Zeitzeugen. Angelika Delitz* wollte trotz mehrerer Anfragen zu den jüngsten Forschungsergebnissen keine Stellungnahme abgeben.

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Neuwahlen: Jahrestreffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Anfang Mai in Stollberg

Hoheneck, 15.04.2013/cw –  Zu ihrem jährlichen Treffen kommen die Frauen von Hoheneck Anfang Mai in Stollberg und Zwönitz (Erzgebirge) zusammen. Auf der Mitgliederversammlung des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen e.V.“ wird u.a. ein neuer Vorstand gewählt und u.a. der aktuelle Stand in Sachen Gründung einer „Begegnungs- und Gedenkstätte in Hoheneck“ diskutiert. Laut Tagesordnung werden zu diesem Thema auch der Vorsitzende des (zweiten) Fördervereins Dietrich Hamann und der Vorsitzende der geplanten  Gedenkstätte „Kaßberg“ in Chemnitz und Leiter der dortigen  BStU-Außenstelle Dr. Clemens Heitmann referieren. Letzteres Referat ist nicht ohne Pikanterie, da sich die Gedenkstätte „Kaßberg“ aus Sicht von Beobachtern der Szenerie in eine bedauerliche Konkurrenzsituation zu Hoheneck manövriert hat. Eine erste, im Dezember 2011 vorgelegte Konzeption hatte noch eine Einbindung der jetzt auf den Weg gebrachten Chemnitzer Gedenkstätte in ein Gesamtkonzept für die ehemalige Frauenhaftanstalt vorgesehen.

Der amtierende Vorstand hatte dem zuständigen Registergericht Anfang des Monats mitgeteilt, den Rücktritt des Vorstandes und anschließende Neuwahlen in die Tagesordnung aufzunehmen. Damit wird nunmehr auf die anhaltende Kritik aus den Reihen  der Mitglieder reagiert, die sich letztlich sogar veranlasst sahen, einen Rechtsanwalt zu bemühen.

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Lesung „Wo sind die Toten von  Hoheneck?“ mit Autorin  Ellen Thiemann

Stollberg, 15.04.2013/cw – Zusätzlich zu dem jährlich wiederkehrenden Angebot von Zeitzeugengesprächen in einer örtlichen Schule durch den Verein wird die einstige Hoheneckerin und Buchautorin Ellen Thiemann am 4. Mai ihr neuestes Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ in den Veranstaltungsräumen der Stadt Stollberg „im dürer“ um  15:30 Uhr in einer Lesung vorstellen. Veranstalter: Frauenunion Erzgebirge und die Buchhandlung Lindner aus Stollberg.

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VOS: Vera Lengsfeld strebt demokratische Wahlen an

Berlin, 15.04.2013/cw – Die einstige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, jüngst durch den VOS-Bundesvorstand bestätigte Landesvorsitzende von Berlin-Brandenburg, strebt für den Sommer 2013 demokratische Wahlen an. Danach sollen alle Mitglieder des Landesverbandes einen neuen Landesvorstand wählen. Bisher hatten ausschließlich fünf Delegierte den Vorstand „gewählt“, was zu Irritationen geführt und auf zunehmende Kritik unter den Mitgliedern gestoßen war.

Strafbefehl für einstigen UOKG-Vize und Workutaner

Berlin, 15.04.2013/cw – Kurz nach seinem 84. Geburtstag erhielt der ehemalige Workutaner und langjährige UOKG-Vize Lothar Scholz per Einschreiben einen Strafbefehl über 900,00 Euro zugestellt. Vorwurf: Er soll die Leiterin der Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam Ines Reich bedroht haben. Der rüstige Veteran dazu: „Bereits zu meinem 19.Geburtstag war mir die Verurteilung eines Moskauer Gerichtes zu 15 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien „per Post“ übermittelt worden. An dieser Praxis der ´postalischen Verurteilung´ hat sich wohl nichts verändert.“

 

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.

Spenden: Sparkasse Erzgebirge, Konto: 725004037, BLZ: 870 540 00

© 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Schwerin04.2013-PlakatSchwerin, 9.04.2013/cw – Am Rande einer Podiumsdiskussion in Schwerin kann es zu einer denkwürdigen Begegnung Hohenecker Frauen mit Nobelpreisträger Günter Grass. Die ehemaligen Hoheneckerinnen, einst Insassinnen des berüchtigten  DDR-Frauenzuchthauses in Stollberg/Erzgebirge, waren in die Mecklenburgische Landeshauptstadt gereist, um anlässlich der Ausstellungseröffnung über die Frauen von Hoheneck die Veranstaltung der BStU-Außenstelle zu besuchen. Überraschend kamen trotz der parallel stattfindenden Lesung mit Günter Grass im benachbarten Staatstheater so viele Interessenten, dass zusätzliche Stühle in den überfüllten Veranstaltungssaal im Schweriner „Schleswig-Holstein-Haus“ herbeigeschafft werden mussten.

Günter Grass im Gespräch mit vier ehemaligen Frauen von  Hoheneck - Foto: LyrAg

Günter Grass im Gespräch mit vier ehemaligen Frauen von Hoheneck – Foto: LyrAg

Vor Beginn der angesetzten Podiumsdiskussion nutzten vier ehemalige Frauen von Hoheneck die Gelegenheit, sich dem im  Haus anwesenden Schriftsteller vorzustellen und an ihr Schicksal zu erinnern. Grass zeigte sich tief bewegt, hörte den Ausführungen aufmerksam zu und wünschte den Frauen für die Zukunft alles Gute.

In der anschließenden fast zweistündigen Podiumsdiskussion berichteten zwei Frauen dem atemlos zuhörenden Publikum über die erlittene DDR-Haft. Regina Labahn war von 1984 – 1986 inhaftiert. Man hatte den Eltern zuvor ihre drei Kinder weggenommen und diese in Heimen untergebracht. Labahn erzählte von den Qualen, die Eltern und Kinder zusätzlich durch die Zwangstrennung durchleiden mussten. Erst nach dem Mauerfall gelang es, die Familie wieder zusammenzuführen.  Die bewegten

Noch heute Schikanen alter Kader beim kampf um  ihr Grundstück auf Usedom ausgesetzt: Das Ehepaar Labahn nutzte die Gelegenheit, ihr Anliegen  im Ministerium vorzutragen. - Foto: LyrAg

Noch heute Schikanen alter Kader beim Kampf um ihr Grundstück auf Usedom ausgesetzt: Das Ehepaar Labahn nutzte die Gelegenheit, ihr Anliegen im Ministerium vorzutragen. – Foto: LyrAg

Schilderungen wurden trotz der Dramatik durch den unverkennbaren norddeutschen Dialekt der aus Usedom stammenden Frau und ihrem auch heute noch unüberhörbaren Humor für die Zuhörer erträglich vermittelt.

Tatjana Sterneberg, von 1974 – 1976 in Hoheneck, sprach von ihren  vergeblichen Bemühungen, zu ihrem Verlobten Antonio nach Westberlin zu ziehen. Sie hatte den bei Kempinski arbeitenden Italiener während ihrer Tätigkeit im Hotel Stadt Berlin (heute ParkInn am Alexanderplatz) kennengelernt und sich in  ihn verliebt. Als ihre Ausreiseanträge abgelehnt wurden, sann  sie auf Flucht, wurde von einem Kollegen verraten und schließlich ebenso wie Antonio verhaftet. Auf fast vier Jahre Haft für sie und fünf Jahre für Antonio lautete das folgende Urteil. Antonio starb 2006 an den mittelbaren  Folgen  der Haft. Sterneberg engagiert sich seither in der Beratung von Verfolgten und Forschungsprojekten in der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin der BStU Berlin, verstand es geschickt, das Gespräch durch eine sachorientierte und sehr menschliche Moderation durch die naheliegenden emotionalen Klippen zu steuern.

Auf dem Podium in Schwerin: Regina Labahn, Dagmar Hovestädt u. Tatjana Sterneberg (von li.). - Foto: LyrAg

Auf dem Podium in Schwerin: Regina Labahn, Dagmar Hovestädt u. Tatjana Sterneberg (von li.). – Foto: LyrAg

Unter den Zuhörern waren neben  Mitgliedern der örtlichen Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und dem Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen auch die UOKG vertreten.

Die von Dirk von Nayhauss (Fotos) und Maggie Riepl (Texte) gestaltete Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin „Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“ ist bis einschließlich 27. Mai in der BStU-Außenstelle in Görslow bei Schwerin während der üblichen Öffnungszeiten und an den Wochenenden zu sehen.

Auch Pfarrer un d Bürgerrechtler Heiko Lietz, hier im Gespräch mit T. Sterneberg, war unter den interessierten Zuhörern. - Foto: LyrAg

Auch Pfarrer und Bürgerrechtler Heiko Lietz, hier im Gespräch mit T. Sterneberg, war unter den interessierten Zuhörern. – Foto: LyrAg

V.i.S.d.P.:Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

Berlin, 12.04.2013/cw – In der neuesten Ausgabe des Hohenecker Boten, Erscheinungstermin  15.04.2013, befassen sich zwei Autoren mit neuesten Ergebnissen aus den Gerichtsakten der einstigen DDR:

Unter dem Titel: „Totgesagte leben länger – Ein „Toter“ von Bautzen lebt und wie die Aufarbeitungsindustrie reagiert“ berichtet der „Hohenecker Bote“ über den Umgang mit einer offenbaren Legende und deren unkritischer Vermarktung. Obwohl es bereits seit längerer Zeit ernstzunehmende Hinweise auf „Unrichtigkeiten“ in den Berichten einer Zeitzeugin gab, weigerten sich die für die Veröffentlichung Mitverantwortlichen, erforderliche Korrekturen vorzunehmen. Eine Begründung: Die Zeitzeugin habe seit Jahren immer das Selbe erzählt, damit sei der Wahrheitsgehalt belegt.

Angelika D.* (*Name geändert) hatte u.a. in diversen Auftritten und über Medien verbreitet, der seinerzeitige „Verlobte“ und Vater ihres Kindes sei in Bautzen gestorben; er sei noch in Bautzen eingeäschert und seine Urne an der Ostsee beigesetzt worden. Diese „schreckliche Nachricht“ sei ihr 1954 in  Hoheneck durch eine Mitgefangene übermittelt worden. Nun haben die Autoren eruiert, daß der „Tote von Bautzen“ vier Jahre nach dieser Mitteilung begnadigt und entlassen wurde. Er lebt heute im  Rheinland.

Auch der bisher medienwirksam verbreitete Aufenthalt der Delitz* in Wasserzellen (Leipzig und Hoheneck) sei nach dem Aktenstudium zumindest fragwürdig, schreiben die Autoren.

Weitere Beiträge:

 Neuwahlen: Jahrestreffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Anfang Mai in Stollberg

 Lesung „Wo sind die Toten von  Hoheneck?“ mit Autorin  Ellen Thiemann am 4.Mai

VOS: Vera Lengsfeld strebt demokratische Wahlen im  Landesverband an

Strafbefehl für einstigen UOKG-Vize und Workutianer Lothar Scholz

Ab 15.04.2013 unter www.17juni1953.de

Hinweis: Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt.

Rückfragen: 030-30207785

 

Berlin, 8.04.2013/cw – Einer, der Politik als Einsatz für den Menschen verstand, ist tot. Ottmar Schreiner starb am 6. April viel zu früh im Alter von 67 Jahren. Die Vereinigung 17. Juni teilt die Trauer und den Schmerz um einen großen Politiker der SPD. Zusammen mit anderen ehemaligen politischen Gefangenen erlebten wir Ottmar Schreiner zuletzt am 26.01.2012 in nahezu nächtlicher Sitzung im Deutschen Bundestag, als er sich gegen den Widerstand der Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP engagiert für Flüchtlinge, Häftlinge und Alt-Übersiedler aus der EX-DDR einsetzte, denen man ab Geburtsjahr 1937 die zustehende Altersrente nach den immer noch gesetzlich gültigen Tabellen des Fremdrentengesetzes zu 100% (FRG) versagt.

Ottmar Schreiner stieß auch in der eigenen Partei für sein kompromissloses sozialpolitisches Engagement oft auf Unverständnis. Gerüchte wollten nie verstummen, das DIE LINKE froh über seine Mitarbeit gewesen wäre. Schreiner war und blieb engagierter und überzeugter Sozialdemokrat und war einer der Wenigen im Politik-Spektrum, die Politik gegenüber den Wählern glaubwürdig erscheinen ließ. Die Hochachtung vor seinem glaubwürdigen Engagement kannte keine Partei-Grenzen. DANKE, Ottmar Schreiner!

Ottmar Schreiner (* 21. Februar 1946 in Merzig; † 6. April 2013)

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Margaret Thatcher (1925 – 2013)

London/Berlin, 8.04.2013/cw – Die Eiserne Lady ist tot. Margaret Thatcher starb heute im Alter von 87 Jahren. Sie war aus britischer Sicht eine große Politikerin, aus europäischer Sicht eine dominierende Figur im Polit-Geschehen zwischen  1979 und 1990. Wenn sich unsere Trauer über die menschliche Anteilnahme hinaus in  Grenzen hält, so liegt das sicher am Widerstand der Lady gegen die Wiedervereinigung der letzten beiden verbliebenen Teile Deutschlands. Aus britischer Sicht vielleicht konsequent, aber im  Jahre 1990 doch überholt und antiquiert. Darum an dieser Stelle unser DANKE an Helmut Kohl, der sich gegen die Eiserne Lady (und Mitterand) in diesem Punkt durchgesetzt hat.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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