Berlin, 25.04.2013/cw – Die kürzlich nach einer Zwangsräumung verstorbene Rosemarie Fliess wird am kommenden Freitag, den 26. April, 11:00 Uhr auf dem Jerusalem-Friedhof (Mehringdamm 21, 10961 Berlin) beerdigt.

Erste Trauergäste: Debatten um den Tod Foto:LyrAg

Erste Trauergäste (von ca. 600): Debatten um den Tod
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Wie das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ heute mitteilte, habe man sich zusammen mit dem gesetzlichen einstigen Betreuer der Verstorbenen auf eine angemessene Beisetzung geeinigt. Die Initiative ruft dazu auf, an der Beerdigung teilzunehmen: „Im Anschluss an die Beerdigung findet auf dem Blücherplatz ein Picknick im Gedenken an Rosemarie Fliess statt. Dort wollen wir gemeinsam essen und uns austauschen. Bringt Essen und Blumen mit!“ heißt es dazu in einem Aufruf.
Die bereits in der DDR nach einem Fluchtversuch und einer vorausgegangenen Zwangsräumung zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesene Fliess  hatte angekündigt, im Falle einer nunmehr im Westen durchgeführten Zwangsräumung nicht weiterleben zu können. Zwei Ärzte hatten zuvor vergeblich attestiert, dass Fliess nicht umzugsfähig sei. Offensichtlich hat die Räumung die einstige DDR-Verfolgte endgültig zerbrochen. Gericht, Vermieter, Polizei und Sozialamt hatten die Räumung vorangetrieben, ohne sich ernsthaft darum zu kümmern, welche Folgen diese Zwangsräumung für eine  durch die DDR-Verfolgung bereits Traumatisierte haben würde. Rosemarie Fliess starb kurz nach der Räumung ihrer Wohnung in Reinickendorf.

Hätten Blumen zu Lebzeiten die Tragödie verhindert? Foto. LyrAg

Hätten Blumen zu Lebzeiten die Tragödie verhindert?
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Die Vereinigung 17. Juni 1953 wies anlässlich dieses tragischen Todesfalls darauf hin, dass die Psychiatrie-Opfer der SED-DDR-Diktatur nach wie vor um ihre Anerkennung kämpfen müssten. Hätte der Gesetzgeber bereits eine entsprechende Anerkennung dieser Verfolgtengruppe gesetzlich geregelt und entsprechende Hilfsmaßnahmen bestimmt, könnte Rosemarie Fliess nach Auffassung der Verfolgten-Organisation heute noch leben. So aber sei auch sie ein Opfer staatlicher Ignoranz gegenüber diesem tragischen Teil deutscher Geschichte geworden. Die Verstorbene war mehrere Jahre durch Tatjana Sterneberg, Vorstandsmitglied des Vereins, betreut worden.

Der Verein warnte allerdings in einer Erklärung davor, den Tod der Rosemarie Fliess zu instrumentalisieren: „Eine parteipolitische Ausnutzung dieser Tragödie hätte ebenso nicht im Interesse dieser verzweifelten Frau gelegen, noch würde dies im Interesse der anderen noch nicht respektierten Opfer staatlichen Psychiatrie-Missbrauchs liegen.“

Siehe auch:

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/rosemarie-fliess–sie-ging-einen-eigenen-weg–,10809148,22596846.html

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/beisetzung-rosemarie–wir-werden-dich-nicht-vergessen-,7169128,22597094.html

Video von der Beisetzung:

http://www.youtube.com/watch?v=PHTFWvtsAz4

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785