Berlin, 21.04.2013/cw – Mehrere Nachrichtenagenturen und  -dienste melden heute, daß die Bundesregierung 60 Jahre nach dem Volksaufstand von 1953 die Akten der „Organisation Gehlen“, dem Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes (BND), zum Volksaufstand freigegeben habe. Sie beziehen sich übereinstimmend auf Meldunge des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL (http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/westdeutsche-geheimdienstakten-zu-ddr-aufstand-1953-freigegeben-a-895531.html).

Nach diesen ersten  Mitteilungen glaubte die Organisation Gehlen an einen von den Sowjets selbst inszenierten Putsch, der dann  außer Kontrolle geraten sei. Zwar habe die Organisation „mehrere hundert Agenten“ in der einstigen  DDR geführt, von diesen aber nur spärliche Informationen erhalten, da Westberlin während des Aufstandes abgeriegelt gewesen sei. Informationen seien aber überwiegend direkt in Westberlin übermittelt worden. So habe die Organisation Gehlen wohl eher spekuliert als über nachweisbare Informationen verfügt. Daher habe der Dienst „das Ausmaß der Rebellion unterschätzt“ und andererseits die „Zahl der Toten überschätzt.“

In einer ersten Reaktion teilte die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni 1953 mit, es handele sich hier nicht um „exclusive Neuigkeiten.“ Einstige Aufstandsführer hätten schon damals – nach dem Aufstand – die „Mär von einem Putsch westdeutscher Agenten“ in das Reich der Fabel verwiesen. Allerdings wurde bereits nach dem Aufstand unter ehemaligen Teilnehmern über eine „indirekte Auslösung oder Beförderung der Unruhen durch interessierte sowjetische Kreise“ spekuliert. So wurden Gerüchte kolportiert, ein hoher sowjetischer Vertreter habe sogar politische Oppositionelle im Zuchthaus Bautzen kontaktiert, um über eine Ablösung Ulbrichts, des damaligen SED-Chefs und DDR-Diktators zu eruieren.

Friedrich Schorn, einst Streikführer in den Leuna-Werken, berichtete seinerzeit gar über „Angebote einer Sowjet-Delegation“, in eine neue DDR-Regierung eintreten zu können. Vorraussetzung sei die Akzeptanz von mindestens fünf durch die Sowjets bestimmte Minister. Schorn habe dieses „Diktat“ abgelehnt und war kurz darauf nach Westberlin geflüchtet.

Der Sprecher des Vereins, der Friedrich Schorn noch selbst gekannt hat, verweist allerdings darauf, daß zwar Verhandlungen mit einem sowjetischen Kommandeur vor Ort verifiziert seien, wohl die einzige Ausnahme während des Aufstandes, hingegen bisher nicht die von Schorn kolportierten Angebote bezüglich eines DDR-Kabinetts. „Das bleibt im Raum und harrt der Aufklärung,“ so der Sprecher. Begrüßenswert sei allemal die Öffnung des Gehlen-Archivs. Spezifischer würden allerdings die offenbar vorhandenen Tagebücher des seinerzeitigen  Geheimdienstchefs der UdSSR, Lawrenti Beria, Auskunft geben können. Ein Historiker und nachfolgender General in der jetzt ukrainischen Armee habe Ende der neunziger Jahre bei einem  Gespräch in  München erklärt, er habe Zugang zu diesen Tagebüchern und werde dem Wunsch entsprechend speziell nach Einträgen  zum 17. Juni 1953 forschen. Nach dessen Ernennung zum General sei der Kontakt des jetzigen Vorsitzenden der Vereinigung zu dem Historiker allerdings abgebrochen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785

 

 

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