Hoheneck, 26.03.2013/cw – Die Große Kreisstadt Stollberg im  Erzgebirge hat auf ihrer letzten Stadtratssitzung Mitte März den aktuellen Haushalt mit großer Mehrheit verabschiedet. Darin enthalten: Eine Million Euro für die Anfangssanierung des einstigen DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck. Oberbürgermeister Schmidt, der sich besonders seit dem Besuch des Bundespräsidenten im Mai 2011 beachtenswert für eine Begegnungs- und Gedenkstätte engagiert, führte aus, dass die Sanierung „noch in diesem Jahr begonnen“ werden müsse. Das Dach des Südflügels sei so beschädigt, dass dieser Gebäudeteil den nächsten Winter nicht überstehen würde. Andererseits sei ein  Abriss undenkbar, allein der Denkmalschutz würde hier nicht mitmachen. Marcel Schmidt kündigte an, im Jahr 2015 eine weitere Million  seitens der Stadt für den gen. Zweck in den Haushalt einplanen zu wollen. Unabdingbar sei aber die Beteiligung des Landes und des Bundes. Eine Förderung in der Größenordnung von neunzig Prozent sei notwendig, um das ganze Projekt nicht zu gefährden, betonte der OB. Bisher lägen außer Absichtserklärungen keine verbindlichen Zusagen vor, demnächst würden aber entsprechende Gespräche in Dresden geführt.

Kritik an Förderung für einen Privatbesitz

Allerdings wurde im Stadtrat auch heftige Kritik an der Förderung des Privatbesitzes mit öffentlichen Steuergeldern geübt. Ein Stadtrat stellte die Frage, wieweit sich der jetzige Eigentümer an der Sanierung beteilige. Dieser habe erst vor Kurzem eine sicher nicht billige Villa gekauft. Marcel Schmidt erläuterte, die Stadt wolle mit dem Eigentümer einen Pachtvertrag über 25 Jahre abschließen, um das Konzept auf eine feste Grundlage zu stellen. Allerdings müsse die jetzt angestrebte Sanierung „für die nächsten vierzig bis fünfzig Jahre“ Bestand haben. Schmidt bestätigte die Verfolgung der bereits bekannten Konzeption, nach der die Ausstellung „Phänomenia“ im Nordflügel unverändert geplant sei. Die Gedenkstätte solle im Westflügel ihr Domizil erhalten, der Zellentraktes im Südflügel solle für eine ständige Besichtigung freigegeben werden.

Frauenkreis lehnt Übernahme einer Trägerschaft ab

Auch wenn aktuell über eine mögliche Trägerschaft der Gedenkstätte nicht debattiert wurde, zeichnet sich im  Vorfeld eine mögliche Beauftragung des (zweiten) Fördervereins „Schloss Hoheneck“ in Stollberg ab, nach dem der amtierende Vorstand des Frauenkreises der ehemaligen  Hoheneckerinnen einer möglichen  Trägerschaft eine deutliche Absage erteilt hatte. Die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg fasst die heftige Kritik unter den Mitgliedern zusammen: „Dieser Vorrats-Beschluss ist völlig unverständlich, zumal er an den Mitgliedern vorbei und offensichtlich impulsiv gefasst wurde. Damit sind die ehemaligen Frauen von Hoheneck vom eigenen Vorstand aus der Beteiligung an einer Begegnungs- und Gedenkstätte herauskatapultiert worden. Und dies ohne Not oder Druck im Vorfeld wichtiger Entscheidungen.“ Die Vorsitzende des (ersten) Fördervereins BuG Hoheneck e.V., stellte nach Rückfragen verwundert fest, das „selbst Mitglieder im Vorstand keine verbindliche Auskunft“ über einen derartigen Beschluss geben konnten, der gleichwohl den Mitgliedern in einem Anschreiben übermittelt worden sei. Selbst die Bundesregierung habe in ihrem Bericht zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur vom 16.01.2013 (Drucksache 17/12115, 17. Wahlperiode) noch die Mitwirkung des Frauenkreises an einer Gesamtkonzeption betont.

Pachtvertrag über 99 Jahre gefordert

Sterneberg bedauerte außerdem die jetzt in Rede stehende relativ kurze Laufzeit eines Pachtvertrages. Der Eigentümer hatte noch 2011 gegenüber Sterneberg einen üblichen Pachtvertrag über neunundneunzig Jahre ins Gespräch gebracht, „Das wäre angesichts der anvisierten öffentlichen Förderung durch Steuergelder auch angebracht,“ betonte die engagierte einstige Hoheneckerin.

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