Hans-Joachim Kögel starb im Kreise seiner Familie

*01.08.1921      †24.01.2013

Berlin/Heidelberg, 27.02.2013/cw – Es war eine schlimme Nachricht, trotz Anhäufung trauriger Depeschen. Wieder hat uns ein aktiver Teilnehmer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 verlassen. Der bislang rüstige 91jährige Hans-Joachim Kögel starb im Kreise seiner Familie wohlversorgt am  24. Januar. Noch im letzten Jahr hatte er uns signalisiert, aus Anlass des 60. Jahrestages nach Berlin kommen zu wollen. Es wäre eine bewegende Begegnung zwischen dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin, die in diesem Jahr die Rede auf dem Friedhof Seestraße halten wird, und dem  über neunzigjährigem Zeitzeugen des Aufstandes geworden.

Am 17.Juni 1953 beteiligte sich Kögel aktiv am Volksaufstand in der Weißenfelder Innenstadt und an der Befreiung von politischen Gefangenen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes durch sowjetische Truppen entging er nur knapp einer Verhaftung. Im Gefolge nahm er den nicht ungefährliche Kontakt zum Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen und dem Ostbüro der SPD auf und wurde schließlich am 20.09.1955 auf dem Weg zur Arbeit verhaftet („Roter Ochse“ in Halle).

Am 17. Januar 1956 holte den einstigen  Siebzehner, wie sich die Aufständischen noch heute bezeichnen, die Vergangenheit ein.  Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, wobei eine Teilnahme am Aufstand nur vermutet wurde, aber glücklicherweise nicht nachgewiesen werden konnte. Kögel empfindet das Urteil im Vergleich zu dem Schicksal seiner Kameraden vom 17. Juni noch heute als „glimpflich“ infolge der Tauwetterperiode nach dem Besuch Adenauers in Moskau. Während des Volksaufstandes in Ungarn rebellierte er mit anderen Haftkameraden und wurde als „potentieller Aufrührer“ zurück in die Haftanstalt Volkstedt verlegt.

Am 15.11.1957 wurde er wegen einer schweren Lebererkrankung vorzeitig entlassen und konnte zu seiner Familie mit zwei Töchtern zurückkehren. Wenige Monate zuvor war seine Frau aus der Tannenfelder Nervenheilanstalt entlassen worden. Sie hatte durch die Verhöre der Stasi einen Nervenzusammenbruch erlitten.

Der gelernte Bankkaufmann mußte sich als Bauhilfsarbeiter verdingen und flüchtete schließlich im  April 1958 nach West-Berlin. Nach der Übersiedlung nach Heidelberg war er bis zu seiner Pensionierung in der dortigen  Sparkasse tätig.

Seither studierte der rüstige Greis an der legendären Universität Heidelberg, seine jungen Kommilitonen  begegneten ihm ehrfurchtsvoll. Sein Studium hatte sich bis nach Japan herumgesprochen, auch als Zeitzeuge war Hans-Joachim Kögel ein gefragter Mann.

Ob seines eindrucksvollen Lebenslaufes und angesichts des bevorstehenden 60. Jahrestages des Volksaufstandes hatte ihn  die Vereinigung für die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Heidelberg vorgeschlagen. Der Tod verhinderte eine Realisierung wie auch die Begegnung mit der Führung unseres Staates an den Gräbern unserer Kameraden. Wir werden unserem Kameraden Hans-Joachim Kögel, der sich durch stete Hilfsbereitschaft und  gewährte Freundschaft auszeichnete und der ebenfalls langjähriges Mitglied der VOS war, ein ehrendes Andenken bewahren.

Siehe auch: https://17juni1953.wordpress.com/2012/06/17/ein-siebzehner-jahrgang-1921/

V.i.S.d.P.:  Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender, Berlin

Tel.: 030-30207785

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