Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

        Nr.014                          Förderverein – Info                15. Februar  2013

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Erinnerung:

Vor 63 Jahren von  Sachsenhausen nach Hoheneck

Hoheneck, 15.02.2013/ts – Vor 63 Jahren, am 17. Februar 1950, endete für viele von Sowjetischen Militärtribunalen (SMT) verurteilte Frauen nicht das Grauen in den von den Sowjets als Speziallager fortgeführten einstigen  NS-KZ Sachsenhausen und Bautzen. 1.119 Frauen wurden statt in die ersehnte Freiheit in das Zuchthaus Hoheneck überführt, obwohl das frühere „Weiberzuchthaus“ nur für rund 600 Gefangene vorgesehen war. Mit der Verlegung wurde in Hoheneck durch die ein Jahr zuvor von  der Sowjetischen Besatzungsmacht gegründete DDR eine im  Dritten Reich der NS-Diktatur auch an diesem Ort begründete Tradition politischer Verfolgung extrem pervertiert. Geschätzte acht- bis zehntausend aus einzig politischen Gründen verfolgte Frauen saßen hier bis zum Ende der DDR-Diktatur Ende 1989 ein. Eine nachgewiesene Wasserzelle, wie mehrere Dunkelzellen dienten der zusätzlichen Folter der weiblichen Gefangenen, die es wagten, sich gegen die unmenschlichen Bedingungen aufzulehnen. Nach einem Hungerstreik im Sommer 1953, also vor sechzig Jahren, wurden die meisten durch SMT verurteilte Frauen bis 1956 entlassen, soweit diese die Hölle von Hoheneck überlebt hatten. Denn mehrere Gefangene starben noch während der Haft. Ihre Leichname wurden verbrannt, die Urnen auf dem Boden der Haftanstalt würdelos gelagert. Erst nach dem Ende der Diktatur wurden diese entdeckt und die sterblichen Überreste in einem Ehrengrab auf dem Friedhof der benachbarten Stadt Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) beigesetzt.

Bundespräsident Christian Wulff ehrte 2011 die Toten von Hoheneck - Foto LyrAg

Bundespräsident Christian Wulff ehrte 2011 die Toten von Hoheneck – Foto LyrAg

Am 16. Februar 2013 hat der (zweite) „Förderverein Gedenkstätte Stollberg, Frauenhaftanstalt Hoheneck e.V.“ ehemalige SMT-Verurteilte und spätere, durch die DDR-Justiz verurteilte ehemalige politische Gefangene zu einer Gedenkveranstaltung nach Stollberg eingeladen. Die Erinnerung beginnt um 15:00 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein vor der einstigen Haftanstalt. Um  16.00 Uhr findet im Bürgergarten Stollberg (Hohensteiner Str. 16) eine Veranstaltung statt, auf der u.a. eine Zeitzeugin (Name lag bei Redaktionsschluss  noch nicht vor), ein wissenschaftlicher Vortrag und ein Video an das Geschehen erinnern.

 In der Einladung des veranstaltenden Fördervereins schreibt der Vorsitzende Dietrich Hamann dazu:: Die stetige Erinnerung an begangenes Unrecht in Sowjetischer Besatzungszone und DDR und die damit verbundene Mahnung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sehen wir als unseren Auftrag, zu dem uns auch gerade die Geschichte der Frauenhaftanstalt Hoheneck und ihrer ehemaligen politischen Häftlinge verpflichtet.“

Die Veranstaltung wird von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stadt Stollberg dankenswerterweise gefördert. Der Vorstand des (ersten) Fördervereins „Begegnungs- und Gedenkstätte – BuG – Hoheneck e.V.“ begrüßt die Initiative zum Gedenken ausdrücklich und wird an der Veranstaltung teilnehmen.

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Letzte Meldung (vor Redaktionsschluss): Das Ehepaar Deuling hat die Klage gegen Prof. Dr. Müller-Enbergs zurückgezogen.  > Siehe unseren Bericht auf Seite 3 „Klage ehem. IMs“

Hohenecker Bote Nr.013                                         – 2 –                                                 15. Februar 2013

Heftige Diskussionen um Wasserzelle in Hoheneck

Berlin/Hoheneck, 15.02.2013/cw – Um die Wasserzelle in Hoheneck ist ein  heftiger Diskurs entstanden. Unbestritten ist deren Existenz, die Zelle kann  auch heute noch besichtigt werden. Ungeklärt ist der Zeitpunkt, zu dem die Gefängnis-Knechte der SED-Diktatur auf dieses Instrument der Folter verzichtete haben. Alte Kader bezeichnen diese Zelle eh als Erfindung einstiger Staatsfeinde, da diese Zelle ausnahmslos für einen Film über die Verbrechen im Dritten Reich (National-Sozialismus) hergestellt worden sei, also niemals Verwendung im Roten Sozialismus gefunden haben soll.

Christian Wulff 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck - Foto LyrAg

Christian Wulff 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck – Foto LyrAg

Neuerlich entzündet hat sich die Debatte wegen eines Zeitzeugenberichtes in dem vom be-bra-Verlag im März 2012 aufgelegten Buches „Der dunkle Ort“ (19,95 €). Dort berichtet eine ehemalige Hoheneckerin, sie sei während der Untersuchungshaft in  Leipzig und später im Strafvollzug in Hoheneck in eine Wasserzelle verbracht worden. Die gleiche Zeugin hatte aber an anderen Stellen einen Aufenthalt in der Hohenecker Wasserzelle in Abrede gestellt, so u.a. ggüb. dem Bundespräsidenten Christian Wulff, der als erstes Staatsoberhaupt die einstige Frauenhaftanstalt im Mai 2011 besucht hatte.

Ellen Thiemann, ehemalige Hoheneckerin, hatte bereits 1984 in ihrem Buch „Stell dich mit den Schergen gut“ (Herbig) einen  eklatanten Fall über die Folter in der Wasserzelle geschildert. Nach diesem Bericht hatte eine „Biggi“ insgesamt 42 Tage in dieser Zelle zubringen müssen.

Zumindest elf Frauen von fünfundzwanzig in dem Buch „Der dunkle Ort“ dargestellten ehemaligen Gefangenen in  Hoheneck fühlen sich durch diese Form der Selbstdarstellung diskreditiert und haben den Verlag in einem gemeinsamen Schreiben  aufgefordert, diese offensichtliche Falschdarstellung in einer Neuauflage zu entfernen. Nach Recherchen von Ellen Thiemann für ihr im  März auf der Leipziger Buchmesse vorgestelltes neues Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck? – Neue Enthüllungen über das berüchtigte Frauenzuchthaus der DDR“ (Herbig, München) gibt es für die Existenz einer Wasserzelle in  der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Leipzig hingegen (bisher) keine Nachweise.

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Sonstige Meldungen:

Ehemalige Hoheneckerinnen beauftragen Rechtsanwalt 

Hoheneck/Berlin, 15.02.2013/cw – Mehrere ehemalige Hoheneckerinnen haben jetzt gemeinsam einen Rechtsanwalt mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt. Zuvor waren alle Bemühungen zur Klärung strittiger Positionen zwischen einem Teil der Mitglieder und dem Vorstand des Vereins „Frauenkreis der ehem. Hoheneckerinnen e.V.“ gescheitert. Die Auseinandersetzungen hatten sich an der Kritik um die im  vergangenen Mai durchgeführten Vorstandswahlen entzündet. Die Kritiker hatten dem Verein unter Anführung des Vorsitzenden der seinerzeitigen Wahlkommission massive Verstöße gegen die Wahlordnung und Satzung vorgeworfen und schließlich mit einer qualifizierten Minderheit die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit dem Ziel von Neuwahlen beantragt. Die Satzung sieht dafür ein Begehren durch mindestens zehn Prozent der Mitglieder vor, zwanzig Prozent hatten diesen Antrag unterschrieben.

Nachdem der Bescheid des Amtsgerichtes Darmstadt auf „Wahl des kompletten Vorstandes“ auf einer außerordentlichen Versammlung im  Oktober 2012 durch die amtierende Vorsitzende ignoriert worden war, hatten die Petenten neben der Beschwerde vorsorglich einen neuen Antrag eingereicht. Dieser war weder beantwortet noch entsprechend beschieden worden.

Hohenecker Bote Nr.013                                                    – 3 –                                      15. Februar 2013

Klage ehemaliger IMs:

Das Landgericht Hamburg (Sievekingplatz 1) hat sich i.S. Klage des Ehepaares Deuling gegen den wissenschaftlichen Mitarbeiter der BStU, Prof. Dr. Hellmut  Müller-Enbergs für unzuständig erklärt und die Kläger an das Verwaltungsgericht Berlin verwiesen. Das Ehepaar wollte Müller-Enbergs gerichtlich untersagen lassen, die Kläger in seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen als „IM Bob und IM Petra“ des einstigen Ministeriums für Staatssicherheit bezeichnen zu dürfen.

Die BStU erklärte nun, daß man die Form einer weiteren Verwendung der Forschungsergebnisse prüfen werde. Das Landgericht hatte in seiner Entscheidung die „hoheitliche Aufgabe“ des wissenschaftlichen  BStU-Mitarbeiters hervorgehoben, der einzig im Auftrag seiner Behörde tätig geworden sei und damit den Verweis an das Verwaltungsgericht begründet.

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Wagner stellt veröffentlichte E-Mail in Rechnung

Neustadt a.d. Weinstraße, 15.02.2013/cw – Der wegen seiner umstrittenen Äußerungen („Juden – Knechte Satans“, siehe auch WIKIPEDIA – Rainer Wagner) in die Kritik geratene alttestamentarische Prediger und Leiter der Stadtmission in Neustadt an der Weinstraße hat nunmehr dem Administrator der Web-Seite www.17juni1953.de für die

1.000 Euro für zwei Mail-Sätze

1.000 Euro für zwei Mail-Sätze

Veröffentlichung eines per Mail übermittelten Kommentars zu Berichten über die Wagner-Äußerungen eine Rechnung über 1.000 Euro übersandt. Wagner begründet seine Forderung mit der „Aufwertung Ihrer Homepage durch meinen Text“.

Die veröffentlichte, 2 Sätze umfassende Mail war an die Vereinigung 17. Juni gerichtet, mit keinem Sperrvermerk versehen oder als vertraulich gekennzeichnet worden und die Reaktion auf eine Veröffentlichung auf der Homepage. Wagner hatte zuvor die Veröffentlichung als „Raubdruck“ bezeichnet, der kostenpflichtig wäre.

Rainer Wagner ist ehrenamtlicher Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), stv. Vorsitzender einer CDU-Gliederung in der Pfalz und u.a. Mitglied in den Gremien der Stiftungen  Hohenschönhausen und Berliner Mauer.

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Verwirrung um Ermittlungsverfahren gegen VOS-Vorsitzenden Hugo D.

Berlin, 15.02.2013/cw – Ein Ermittlungsverfahren gegen den derzeitigen Bundesvorsitzenden der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) Hugo D. u.a. nach § 266 a StGB (Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt) wird weitergeführt (281 Js 1847/12 u.a.).

VOS-Berichte in  Hessen

VOS-Berichte in Hessen

Nach einem Bericht in der Gießener Zeitung vom 9.02.2013 soll nun allerdings auch gegen den gesamten Vorstand ermittelt werden. Daraus erklärt sich wohl auch die verwirrende Anzahl von Geschäftszeichen in dieser Sache.

Der Redaktion liegen mittlerweile drei Az. der Justiz vor; ein  viertes Az. hat sich zwztl. nach Auskunft der Justizpressestelle durch Einstellung des Verfahrens erledigt. Hugo D. wurde noch in der Dezember-Ausgabe des Vereinsblattes „Freiheitsglocke“  mit der Aussage ggüb. Vereinskameraden in Nordrhein-Westfalen zitiert, gegenwärtig gebe es „keine gerichtlichen Auseinandersetzungen oder Verfahren“.

VOS-Vorsitzender Hugo D. war auf Nachfrage unter Hinweis auf Zeitprobleme zu keiner Stellungnahme bereit (Stand: 13.02., 14:00 Uhr).

Hohenecker Bote Nr.013                                                 – 4 –                                            15. Februar 2013

Verdacht auf Prozessbetrug

Möglicherweise ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der prozessualen Auseinandersetzung des VOS-Vorstandes gegen den einstigen  stv. Bundesvorsitzenden Ronald Lässig gegen beide Seiten wegen des Verdachtes auf Prozessbetrug. Das Landesarbeitsgericht Berlin hatte in seiner Entscheidung zu dem Verfahren am 16.08.2012 (Az. 10 Ta 1062/12), die der Redaktion erst jetzt inhaltlich zur Kenntnis gelangte, u.a. postuliert: „ … Unabhängig von der Rechtswegfrage dürfte die Akte nach Abschluss des Verfahrens voraussichtlich in  jedem Fall der Staatsanwaltschaft zuzuleiten sein, da nach dem Vortrag beider Parteien zumindest eine der Parteien im  Zusammenhang mit den behaupteten Weisungen per E-Mail einen (bislang versuchten) Prozessbetrug begangen  haben dürfte. Dieses gilt unabhängig von dem Akteneinsichtgesuch der Staatsanwaltschaft Berlin in dem Verfahren 242 Js 2415/11 gegen Hugo Diederich u.a., welche seit dem 13.Juli 2012 hier vorliegt. …“                                                 

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„Licht ins Dunkel“ – Aktionsplanung der VOS

Berlin, 13.02.2013/cw – Unter dem Motto „Licht ins Dunkel“ will die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) zum Frühlingsbeginn vor dem Gebäude der BStU in  Berlin gegen die Weigerung einstiger Stasi-Mitarbeiter demonstrieren, sich in  eine andere Behörde umsetzen zu lassen. Der seit einem Jahr in diesem Amt tätige einstige Bürgerrechtler Roland Jahn hatte mit die Öffentlichkeit überraschender Emsigkeit entsprechende Gesetzesänderungen durchsetzen können. Trotzdem weigerte sich die Mehrheit der nach Angaben der BStU rund 40 noch tätigen durch einstige Stasi-Mitarbeit belasteten Mitarbeiter, eine Umsetzung zu beantragen. Dagegen will nun  die VOS demonstrieren und damit dem Behörden-Chef den Rücken stärken.

Bei einem am Mittwoch, 13.02., durchgeführten Treffen am Sitz der VOS in Berlin berieten Mitglieder und Vertreter anderer Verbände über die Ausgestaltung und Terminierung der geplanten  Dauer-Demonstration ab 21.03.2013. „Es ist den Verfolgten  der Stasi-SED-Diktatur nicht länger zuzumuten, sich mit einstigen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit konfrontiert zu sehen, denen Verfolgung, Haft und oftmals Folter zu verdanken gewesen seien,“ sagte ein Teilnehmer. „Bereits die Eingangskontrolle der BStU-Besucher durch mögliche einstige Stasis stellt eine auszuschließende Provokation dar.“

Die VOS will in den nächsten Tagen möglichst viele Verbände, u.a. den Dachverband UOKG einladen, sich an der Demonstration zu beteiligen. Ein weiteres vorbereitendes Treffen ist für den 28. Februar ab 11:00 Uhr in den Räumen der VOS, Am Zoobogen, Hardenbergplatz 2, 6. Stock in Berlin geplant.

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente nur im Internet / nicht im Druckformat.

Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen:               

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