Glosse von Susanne Baumstark

Antirassismus ist harte Arbeit

Also, vorneweg muss den gut dotierten Posteninhabern und ehrenamtlichen Helfern der Antirassismusarbeit zugutegehalten werden: Es ist wirklich sehr viel Arbeit, die zu bewältigen ist. Sämtliche Märchenbücher, Schulbücher, literarische Klassiker, ja wenn man die Sache ernst nimmt eigentlich sämtliche Schriftstücke müssen geprüft und politisch korrekt geändert werden. Da kann es schon mal vorkommen, aber einmal muss es auch deutlich ausgesprochen werden: Es wurde hie und da schlampig gearbeitet. Ein besonders augenscheinlicher Fauxpas ist der Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ unterlaufen. „Rassisten werden hier nicht bedient!“, prangt dort an etlichen Lokalen. Es ist ausschließlich feministischer Gutmütigkeit zu verdanken, dass hieraus kein Skandal entstand. Denn selbstverständlich muss es heißen: „Rassistinnen und Rassisten werden hier nicht bedient!“ Ganz korrekt ist auch das nicht. Intersexuelle Menschen gehören ebenso berücksichtigt. Mangels Wortwahl – auch hier hinkt die Arbeit hinterher – könnte man vorerst schreiben: „Allgeschlechtliche Rassisten werden hier nicht bedient!“ Ansonsten muss ja das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in diesem Fall nicht berücksichtigt werden. Obwohl es schon ein Geschmäckle hat, einem Rollstuhl fahrenden oder blinden Rassisten die Bedienung zu verweigern. Jedenfalls ist das Diskriminierungsmerkmal „Weltanschauung“ nicht relevant. Rassisten stehen außerhalb der Gesellschaft. Man orientiert sich hier am 15. Jahrhundert, als die vom städtischen Adel initiierte Hexenverfolgung so richtig in die Gänge kam. Resozialisierung war weder gewünscht noch beabsichtigt, lediglich fingiert. Was wäre auch der Sinn des Lebens ohne Feindbild?

Die Praxis betreffend hat die Initiative, die immerhin den Lutherpreis einheimste, ganz ordentlich vorgearbeitet. In ihrem Ratgeber für Gastronomen beschreibt sie das Problem der Identifizierung, wenn jemand einen Veranstaltungsraum anmieten will: „‚Neonazis in Nadelstreifen‘ gibt es ebenso wie solche, die sich mit ihrem Auftreten an subkulturellen und alternativen Jugendszenen orientieren oder einfach ganz normal aussehen.“ Die Initiative fordert die Gastwirte auf, „genau und besser zweimal hinzusehen. Laden Sie den Anrufenden in Ihre Gaststätte oder Ihr Hotel ein, um die Räumlichkeiten vorzustellen. Dabei bekommen Sie einen persönlichen Eindruck. Sorgen Sie dafür, dass Sie dabei im besten Falle zu zweit sind. Fällt dem Angestellten, meinem Mann, meiner Frau etwas auf, was mir vielleicht entgangen ist?“ Bei einem unguten Gefühl sollen sich die Gastwirte „szenekundige Unterstützung“ suchen. Derer gibt es einige, zum Beispiel den Naziradar in Hessen. Dort kann jeder anonym anrufen und naziverdächtige Personen melden; inklusive Name, Kleidung, Körperbau, Adresse, falls bekannt. Ob die Paralleljustiz bisher gut genutzt wird, ist nicht bekannt.

Allgeschlechtliche Rassisten können also schick, alternativ oder normal aussehen und treten oft seriös auf. Wenn sie sagen, sie möchten den Raum für eine Geburtstagsparty mieten, dann kann sich genauso gut eine NPD-Schulung dahinter verbergen. Alles kann Tarnung und gelogen sein. Orientieren Sie sich also am unguten Gefühl. Um etwas mehr Sicherheit im Urteil zu bekommen, probieren Sie doch mal folgende Strategie aus: Bieten Sie dem potentiellen Mieter ein Glas Wasser an und geben ihm in dem Moment, in dem er schluckt, einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken. Hüstelt er dann besonders laut, kann das ein Zeichen für unterdrückte Zwiespältigkeit sein. Fragen Sie später Ihre Frau, ob sie dieses Hüsteln nicht auch sonderbar fand. Sollte er gar nicht hüsteln, können Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt. Sagen Sie ihm in diesem Fall, dass Sie bis zur nächsten Bundestagswahl ausgebucht sind. Um etwas über sein Umfeld zu erfahren, machen Sie ihm doch einfach ein Kompliment für seinen Haarschnitt und fragen ihn beim Hinausbegleiten nach seinem Friseur. Nennt er Ihnen das Geschäft, können Sie dort einen Termin machen und die Klientel unter die Lupe nehmen. Sagt zufällig ein Kunde neben Ihnen: „Ich möchte eine möglichst unauffällige Frisur“ oder gar: „Ich möchte einen Seitenscheitel“, dann haben Sie vielleicht einen ganz großen Coup gelandet und dürfen mit einem Preis für Zivilcourage rechnen. Denn es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei diesem Laden um einen getarnten Umschlagplatz für braunen Terror handelt. Informieren Sie umgehend Antinaziinitiativen sowie die seriösen Medien im Land. Diese kümmern sich um alles Weitere. Und machen Sie sich keine Sorgen: Sie sind kein Denunziant mit Geheimauftrag. Niemand hat vor, Inoffizielle Mitarbeiter zu rekrutieren.

Wir bedanken uns bei der Autorin und der Redaktion von eigentümlich frei für dass Einverständnis zur Wiedergabe. cw

Quelle:                                                                                                                                           http://ef-magazin.de/2013/01/11/3957-erkennungsproblem-tipp-klapps-auf-den-ruecken