Berlin, 3.12.2012/cw – IKEA, Quelle, Neckermann – Einzelbeispiele für ausufernden Kapitalismus, denen die Herkunft ihrer Gewinne egal waren, Hauptsache, die Kasse stimmte?
Die aktuell diskutierte Ausbeutung von einstigen Häftlingen, vor allem politisch Verfolgter in der DDR-Diktatur zum Zweck der Gewinn-Maximierung, jüngst durch die IKEA-Studie zu diesem Thema befeuert, schien nur ein kleiner Teil kapitalistischer Exzesse unter Ausnutzung der traurigen Auswirkungen des Kalten Krieges zu sein.
Jetzt berichtet die ARD über die Beteiligung des damaligen Schweizer Pharmakonzerns Sandoz und anderer Firmen an Patienten-Versuchen in der DDR. Nach einem Bericht des DDR-Gesundheitsmininisteriums wurden für diese Tests pro Person bis zu 3.800 DM vom Westen kassiert. Nach den Unterlagen verdiente die DDR bis 1988 6,78 Millionen DM an diesen Versuchen.

Die Filmemacher Stefan Hoge (46) und Carsten Opitz (44) aus Leipzig haben für ihre Dokumentation u.a. in alten Akten recherchiert. Danach beteiligten sich mehr als 150 DDR-Krankenhäuser an den Tests. Neben  West-Pharmazie-Unternehmen hatten auch DDR-Krankenhaus-Ärzte  keine Bedenken, bei diesen Versuchen, die 1981 begannen, mitzumachen. Es gab in diesem Zeitraum 165 klinische Studien! Auch der Chemie-Gigant HOECHST war offenbar an diesen lukrativen und für Patienten oft tödlichen Studien beteiligt.

War der Einsatz von Psycho-Pharmaka in Hoheneck bezahlte Studie?

Tatjana Sterneberg, die den Missbrauch von Psychopharmaka im einstigen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aufdeckte und selbst dessen Opfer wurde, ist entsetzt. Sie stellt die berechtigte Frage, ob der Einsatz dieser Medikamente in Hoheneck möglicherweise ebenfalls die Folge lukrativer Verträge zwischen West-Firmen und der diktatorisch regierten DDR war? Sterneberg: „Man sollte den einstigen medizinischen Leiter von Hoheneck auffordern, die tatsächlichen Hintergründe für diesen von ihm angeordneten Medikamenten-Missbrauch schonungslos aufzudecken.“ Peter J. betreibt seit dem Ende der DDR unangefochten eine Arzt-Praxis in Ahrensfelde bei Berlin.

Stefan Hoge und Carsten Opitz gehen in  ihrem Beitrag auf diese denkbare, weitere Brisanz nicht ein und beschränken sich auf die Schilderung von Fakten. Sie schildern auch (tödliche) Schicksale von Menschen, die im Sinne der Profitmaximierung offenbar gemeinschaftlich vom sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat und westlichen Pharma-Riesen ausgenutzt und gnadenlos geopfert wurden.

TV-Tipp: Unbedingt ansehen, diskutieren und mögliche Konsequenzen fordern.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953