Berlin, 31.10.2012/cw – Am Reformationstag keine Reform in Berlin: Der Senat lehnte es jetzt erneut ab, dem Antrag des Bezirkes Berlin-Pankow zu entsprechen und das Grab Peter Fechters in ein Ehrengrab der Stadt Berlin umzuwidmen. Peter Fechter war am 17. August 1962 nach dem Beschuss durch Grenzposten unter den Augen einer entsetzten Weltöffentlichkeit direkt hinter der Mauer nahe dem Checkpoint Charlie verblutet und war damit zum Synonym für die Grausamkeit des „Friedenswalles“ der DDR und den Mord an der Mauer geworden.

Der Senat begründet seine Ablehnung damit, daß die Ehrengrabstätten des Landes Berlin verstorbenen Persönlichkeiten vorbehalten sind, „die hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin vollbracht oder die sich durch ihr überragendes Lebenswerk um Berlin verdient gemacht haben“. Zur Erinnerung: Vor Jahren mußte der Berliner Senat nach heftigen  Protesten der Vereinigung 17. Juni das Ehrengrab für William Borm aufheben, nachdem dieser über Jahrzehnte für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit Informationen geliefert hatte. Überragende Leistungen?

13.August 2012: Unterschriftensammlung für „Peter-Fechter-Straße“ am Checkpoint Charlie – Foto: LyrAg

Peter Fechter wird seit nun mehr fünf Jahrzehnten am eigenen Mahnmal mit Kranzniederlegungen und ehrenden Worten bedacht, die Tragödie seines dramatischen Todes und dessen Bedeutung für die Sichtbarmachung der verbrecherischen Folgen der Teilung Berlins beteuert. Man fühlt sich an Goethes Faust erinnert: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Dabei zeigen sich die Berliner Institutionen an anderer Stelle durchaus flexibel. Während seit Jahren die Benennung des Platzes vor dem Bundesfinanzministerium in „Platz des 17. Juni“ unter Hinweis auf das Straßenbenennungsgesetz, das Doppelbenennungen von Straßen und Plätzen untersagt, bedauernd abgelehnt wird, war es ziemlich schnell möglich, die bekannte Kochstraße in Kreuzberg zum Teil in „Rudi-Dutschke-Straße“ umzubenennen. Dass es in Dahlem bereits einen „Rudi-Dutschke-Weg“ gab, wurde großzügig übersehen.

Auch der Fluchthelfer Dr. Burkhart Veigel votierte für die „Peter-Fechter-Straße“ – Foto: LyrAg

Wenigstens der Umbenennung eines Teiles der Zimmerstraße in „Peter-Fechter-Straße“ steht der Berliner Senat nicht im Wege, wenn  man seinen Beteuerungen glauben will. „Bei einer Umsetzung unseres Vorschlages nehmen wir gerne inkauf, daß sich der Generalsekretär der Berliner CDU als Ideengeber vermarktet,“ sagte dazu ein Sprecher der Vereinigung 17. Juni  in Berlin. Wichtig sei die Erinnerung an eine Zeit, an die Peter Fechter immerwährend erinnern wird. Da die Straßenwidmung eine Entscheidung des Bezirkes Mitte sei, ist der Senat jedoch in seiner Verantwortung für die ganze Stadt gefordert. Die Vereinigung fordert die Stadtregierung auf, die Entscheidung gegen ein Ehrengrab für den Mauer-Toten Fechter „spätestens bis zu dessen 51. Todestag“ zu überdenken. Auch die in der Ehrengrabanlage der Stadt bestatteten Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni erfüllen im  Einzelfall die beschriebenen Kriterien für Ehrengräber nicht. Sie sind dennoch zu Recht in dieser Form geehrt worden, weil „sie untrennbarer Teil eines historischen Geschehens wurden, der weit über Berlin hinaus seine unauslöschliche Bedeutung gehabt hat,“ so der Verein.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953