Berlin, 24.10.2012/cw

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

So dichtete einst Bert Brecht. Lange, zu lange standen hunderttausende Mordopfer der Hakenkreuz-Barbarei im  Schatten der in Zahlen nicht vorstellbaren, weil nicht fassbaren ermordeten Juden in Deutschland und Europa.

Gegenüber dem Reichstag: Überfällige endliche Erinnerung

Sie hatten es nicht gewollt, die Überlebenden des Holocaust: Eine gleichwertige Erinnerung an die weiteren Mordopfer der braunen Verbrecher würde die Einmaligkeit des Völkermordes an ihren Vorfahren relativieren, so fürchteten und fürchten  sie. So mussten die Opfer des „kleinen Holocaust“ (falls nicht das auch schon eine Relativierung ist) weitere Jahrzehnte warten, bis auch ihnen, den Sinti und Roma, unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt, der Freiheit beraubt und (ebenfalls) systematisch ermordet, ein würdiges und angemessenes Denkmal gewidmet wurde. Im Schatten des Reichstages, der „Dem deutschen Volke“ gewidmet ist. Eine sinnfällige, eine überfällige Geste gegenüber einer weiteren Volksgruppe, der ebenfalls wegen ihrer Rassen- und Gruppenzugehörigkeit die Menschenrechte abgesprochen wurde, deren Ermordung durch eine finstere Politik legalisiert werden sollte.

Überwältigung in der Erinnerung – Überlebender am Mahnmal

Heute, nahezu siebzig Jahre nach dem Ende eines  der grauenhaftesten Mordsysteme der Menschheit, wurde in Anwesenheit des Staatsoberhauptes, der Regierungschefin und nahezu des gesamten  Führungspersonals der im  Bundestag vertretenen Parteien das beeindruckende  Mahnmal eingeweiht. Eine späte Referenz an die auch aus der Erinnerung nahezu eliminierten  Opfer der Sinti und Roma. Rund einhundert Überlebende und Nachkommen waren mit einer Einladung bedacht worden. Die bewegten, erschrockenen Gesichter wiesen die Pflicht-Gäste auf die Rückkehr grauenhafter Erinnerungen hin, die nicht weichen  wollen und nicht weichen können.

Aber auch ein mutig in die Höhe gehaltenes Schild (siehe Foto) wies im  Schatten schöner Reden und kaskadenartiger wohlmeinender Beteuerungen auf die andauernde, sehr aktuelle Problematik im Umgang mit dieser Volksgruppe hin. Systemgerecht wurde denn auch der Schilderhalter erst  auf das für das gemeine Volk abgesperrte Gelände gelassen, nachdem der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin samt parlamentarischem  Hofstaat enteilt waren. Niemand sollte den selbstbeweihräuchernden Glücksmoment einer endlichen und von vielen Versäumnissen befreienden Erinnerungsstätte stören. Das hinderte die Nachhut freilich nicht daran, dem  kleinen und unscheinbaren, zaghaft erscheinenden Protest Aufmerksamkeit zu widmen.

Zaghaftes Erinnern an Grundrechte

Gedenken am Teich der Tränen

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953- Fotos: © 2012 LyrAg

Offizielle Erinnerung braucht Verwurzelung in den Herzen

Ich darf leben, die Vielen nicht…

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