Start für die Unterschriftensammlung am Todestag von Peter Fechter: Fotos erinnern an das schreckliche Geschehen vor 50 Jahren – Foto: LyrAg

Berlin, 18.08.2012/cw – Und alle, alle kamen sie, aus Costa Rica und aus Napoli. So hätten die Aktivisten der Vereinigung 17. Juni texten können, nachdem sie gestern über acht Stunden am Todestag von Peter Fechter Unterschriften für eine teilweise Umbenennung der jetzigen  Zimmerstraße zwischen Friedrich- und Axel-Springer-Straße gesammelt hatten. In der Tat beteiligten sich neben vielen Deutschen überraschend  viele ausländische Besucher an der Aktion, nicht ohne sich vorher ausführlich über die Hintergründe zu informieren.

Die „Berliner Unterwelten“ erinnerten eindrucksvoll mit einer Skulptur an den Abtransport von Peter Fechter – Foto: LyrAg

Die Vereinigung fühlte sich auch durch die vielfachen Diskussionen vor Ort in ihrem begründeten  Vorschlag bestätigt. So wurde mehrfach die Besorgnis geäußert, mit einer Umbenennung der gesamten Zimmerstraße ginge ein wichtiger Teil der Historie nicht nur im Hinblick auf die dortige Zimmerei, sondern auch über den sogen. „Grenzübergang (GüSt) Zimmerstraße“, wie der Checkpoint von Seiten der DDR amtlich bezeichnet wurde, verloren.

Daher wurde der Vorschlag der Vereinigung, die Zimmerstraße unter Berücksichtigung dieser Vergangenheit erst ab der Friedrichstraße umzubenennen, ausdrücklich begrüßt.

 Wie der Verein mitteilte, können nach wie vor Unterschriften geleistet werden. Dies kann durch eine entsprechende Mail (verein17juni1953@aol.com), per Post (Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Kaiserdamm 9, 14057 Berlin, per Fax: 030-30207786 oder durch Herunterladen der Unterschriftenliste auf der Homepage (www.17juni1953.de > Link: Peter Fechter) geschehen. Gegenwärtig bemüht sich der Verein um die technischen  Voraussetzungen, die Unterschriften (über einen Dritt-Anbieter) auch elektronisch übermitteln zu können, da auf der eigenen Homepage ggw. die Voraussetzungen nicht gegeben sind. „Wir arbeiten idealistisch ohne öffentliche Mittel auf der Basis der Vereinsbeiträge und Spenden und können uns daher keinen unbezahlbaren technischen  Aufwand leisten,“ sagte dazu der Sprecher des Vorstandes.

Uwe Müller, Redakteur (links) mit Tatjana Sterneberg, stellte sich hinter die Forderung nach einer Peter-Fechter-Straße – Foto: Ralf Gründer (Berliner-Mauer.de)

Über die Aussichten einer Umsetzung äußerte er sich vorsichtig optimistisch. Sicherlich müssten da noch einige Bezirkspolitiker über ihre Schatten und selbstverfasste Barrieren zum Beispiel im entsprechenden Straßenbenennungsgesetz springen, das eine Bevorzugung weiblicher Namensgeber vorsehe (Der Bezirk Mitte ist formal für eine Umbenennung der Zimmerstraße zuständig). Allerdings sei auch hier ausdrücklich eine Ausnahmemöglichkeit in  dem Gesetz verankert. Und außerdem hätten sich zwischenzeitlich so viele namhafte Persönlichkeiten für eine  Straßenbenennung nach Peter Fechter ausgesprochen, dass „hier die Politik wohl kaum  über die eigenen Postulate zurückrudern kann.“

Zimmerstraße: Der Name wird auf einen Zimmererplatz zurückgeführt, der sich hier während des Baus der Friedrichstadt befand. Die Straße war zu dieser Zeit entstanden und ist in ihrer jetzigen Länge seit 1734 vorhanden.

Peter Fechter: Der seinerzeit achtzehnjährige Maurer wollte in den Mittagsstunden des 17. August 1962, also ein  Jahr nach Errichtung der Mauer, diese zusammen mit seinem Freund Helmut Kulbeik in  der Zimmerstraße nahe der Ecke Charlottenstraße in Richtung Westen überwinden. Während dem Freund die Flucht gelang, brach Fechter im  Kugelhagel von DDR-Grenzposten unmittelbar vor der Mauer zusammen und verblutete elend unter den Augen der Weltöffentlichkeit und immer schwächer werdenden Hilferufen. Die erschütternden Bilder seines Sterbens und des Abtransportes seines zu diesem Zeitpunkt noch schwach lebenden Körpers wurden zum Synonym des Leidens und Sterbens wegen und an der Berliner Mauer.

Blick in die Geschichte: C.W. Holzapfel (Mitte) legte am 14.11.1964 vor seiner Demonstration für die Freilassung der politischen Gefangenen am Mahnmal für Peter Fechter einen Kranz nieder. – Foto: Archiv CWH

Weiterführende LINKS:

http://www.dw.de/dw/9800/0,,3055,00.html

Aktuell Fernsehen Deutsche Welle: Beginn des Beitrages bei 19:45 Minute (Dritter Beitrag), Ende 25:38 Minute (ca. 6 Minuten).

http://www.bild.de/news/inland/berliner-mauer/peter-fechter-das-symbol-fuer-den-mord-an-der-mauer-25692486.bild.html#

http://www.welt.de/kultur/history/article108507461/Wie-Peter-Fechter-an-der-Berliner-Mauer-verblutete.html

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article108603726/Wowereit-unterstuetzt-Idee-einer-Strasse-fuer-Peter-Fechter.html

http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2012-08/peter-fechter-mauer-flucht-opfer

http://www.tagesspiegel.de/berlin/tod-an-der-berliner-mauer-peter-fechter-im-sterben-ein-foto-und-seine-geschichte/7010110.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/zum-gedenken-an-peter-fechter-cdu-politiker-fordert-strasse-fuer-mauer-opfer/6978140.html

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=3543015&pg=1

Auch der einstige Fluchthelfer und Buchautor Dr. Burkhart Veigel (rechts) trug sich in die              ausliegende Liste ein – Foto: Ralf Gründer               (Berliner-Mauer.de)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785