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Berlin, 31.08.2012/cw – Nach dem brutalen Überfall auf einen  Rabbiner in  Berlin wollen mehrere Organisationen am Sonntag um 12 Uhr in Friedenau ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.  Mit einer Kundgebung nahe des Tatortes solle  für ein friedliches Miteinander geworben werden.

Unter anderem soll bei der Veranstaltung ein großes Banner aufgestellt werden, auf dem die Teilnehmer unterschreiben und damit ihre Solidarität mit den Opfern antijüdischer Ausschreitungen bekunden können.

Organisiert wird die Kundgebung auf dem Grazer Platz von der SPD Friedenau und der Evangelischen Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde. Auch Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) hat nach einer Mitteilung der Veranstalter ihr Kommen zugesagt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin

Berlin, 31.08.2012/cw – Die Vereinigung 17. Juni in Berlin zeigte sich in einer Erklärung „bestürzt über die offen praktizierte Gewalt“, wie sich dies in dem „scharf zu verurteilenden“ Angriff auf einen Rabbi zeigte. Besonders alarmierend sei dies in unserem Land, „wenn sich diese Gewalt erneut gegen Juden“ richtet. Medien hatten über den Überfall auf einen Rabbi am vergangenen Dienstag in Berlin  berichtet.

Der Sprecher sagte, man sei „ auch sehr besorgt über die schleichende, also verdeckte Juden-Feindlichkeit durch religiöse Fanatiker, die oft im staatsbürgerlichen Gewand auftreten und daher schwerer auszumachen  sind, als offen operierende neonazistische Gruppierungen.“

Die Vereinigung stützt sich in ihrer Besorgnis auf Recherchen der Redaktion eines Vereinsblattes, das in seiner nächsten  Ausgabe (September 2012) über einen führenden Funktionär eines SED-Opferverbandes berichtet. Dieser Funktionär „übe sich neben seinem bundesweiten Ehrenamt in beruflicher Funktion offenbar als religiöser Fanatiker und veröffentlicht neben Angriffen auf Homosexuelle („Wenn unsere Kirche homosexuelle Lebensweise akzeptiert, macht sie sich an ihrem Auftrag, Sünder zur Umkehr zu rufen, schuldig.“) ungeschminkt Parolen wie „…Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans und niemals heilig…“.

Die Vereinigung dazu: „Schlimmer als greifbarer Extremismus sind aus dieser Sicht die unerkannten Scharfmacher, die Biedermänner. Sie schlüpfen in zwei Rollen und verbreiten unter missbräuchlicher Zitierung von Bibelstellen  in der einen Rolle schlimmste antisemitische und volksverhetzende Parolen, in der anderen Rolle geben sie sich staatstragend und lassen sich auch mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen.“

 In dem vorab bekannt gewordenen Beitrag betone zwar die Redaktion das grundgesetzlich garantierte Recht auf Religionsfreiheit.

Allerdings werde die Berufung auf dieses Recht missbraucht, „wenn unter diesem Mantel in unserem Land erneut Hetze gegen Juden und andere Religionen oder Glaubensrichtungen verbreitet wird,“ stellt dazu die Vereinigung fest. Noch unerträglicher seien diese über Kirchenblätter offiziell verbreiteten Thesen, wenn deren Schöpfer neben seinem  evangelikalen Amt eine herausragende Position in einem bundesweit bekannten Dachverband von Diktatur-Geschädigten wahrnehme. Hier sei dringend „nicht nur eine verbale Trennung zwischen beiden Ämtern geboten“, fordert die Berliner Vereinigung in  Kenntnis der nach ihrer Ansicht „schwerwiegenden Vorwürfe und deren bevorstehenden Veröffentlichung.“

Ein Vorabdruck ist erhältlich unter hohenecker.bote@gmail.com (nur für Redaktionen).

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 26.08.2012/cw – „Das Gruselkabinett der Antifa“ hatte wieder den Auftritt ihrer Vormänner. Wie gewohnt im Reste-Domizil der Unentwegten, im Verlag  jungeWelt  in der Torstraße. Stasi-Offizier Herbert Kierstein (74), seines Zeichens über drei Jahrzehnte Vernehmer im berüchtigten zentralen Untersuchungsgefängnis der Stasi in Hohenschön-hausen, stellte umrahmt von seinen ins Alter gekommenen Genossen seine neueste Märchensammlung über die menschliche Praxis im ersten Arbeiter- und Bauernstaat der deutschen  Geschichte vor (Herbert Kierstein: Drachentöter – die Stasi-Gedenkstätten rüsten auf. Spotless-Verlag, Berlin 2012, 255 Seiten, 13,40 Euro).

Natürlich protestierten die einst Malträtierten, pardon, von den Segnungen des Sozialismus erfassten Verfolgten gegen den Auftritt der Ewig-Gestrigen, unter ihnen couragiert die Schauspielerin Katrin Sass (55). Eingerahmt von engagierten Mitgliedern der VOS brachte Sass lautstark zum Ausdruck, was man  den gestrigen Geisterbeschwörern nicht oft genug vorhalten kann: Deren Auftritt sei nur Dank der errungenen Demokratie möglich; andersherum „würden wir bei Ihnen im Knast landen.“ Natürlich grinsten da die einst mächtigen und nun zahnlosen, ihrer Machtdominanten Uniformen beraubten Offiziere zustimmend.

Auch Vera Lengsfeld, die unentwegte Bürgerrechtlerin und seit einigen  Wochen Berliner Landesvorsitzende der VOS, meldete sich zu Wort, bedankte sich „für meine Dunkelhaft, für die Mauertoten, für die marode DDR-Wirtschaft.“

In geübter Manier unterjustiziert

So weit, so gut. Wäre da nicht das ungute Gefühl, auch auf der anderen Seite der Stasi-Riege zunehmend Geschichten-Erfinder denn (Zeit-)Geschichten-Erzähler anzutreffen. Jüngstes Beispiel ist die Bürgerrechtlerin und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete selbst. Die hatte unlängst einen Beitrag auf ihrer Seite veröffentlicht („Das Gruselkabinette der Antifa“) und vermutlich überschäumend von antikommunistischem Tatendrang behauptet, der ehemalige stellvertretende Generalstaatsanwalt der DDR, Hans Bauer, habe „seinen jungen Genossen sicher nicht offenbart, wie viele Todesurteile er gefordert hat…“

Nun mußte Lengsfeld eine gerichtlich durchgesetzte Gegendarstellung Bauers veröffentlichen, der „nicht in einem einzigen  Fall die Todesstrafe beantragt oder die Beantragung der Todesstrafe von einem mir unterstellten Staatsanwalt gefordert“ habe. Dass Bauer nicht nur Systemträger sondern Mitwirker im Getriebe der permanenten Unrechtsjustiz war (was Lengsfeld wahrscheinlich ursprünglich ausdrücken wollte), ist nicht Bestandteil einer Gegendarstellung und konnte so in geübter Manier unterjustiziert werden.

Die vermeidbare Ungenauigkeit Lengsfelds erscheint nicht als Einzelfall. Beunruhigt stellen Vertreter der Verfolgten zunehmende Abweichungen in geschilderten Lebensläufen von Zeitzeugen fest. Da werden schon mal Teile aus anderen Erlebnissen übernommen und so verinnerlicht, das die Erzähler schließlich von der Wahrhaftigkeit eigener Schilderungen überzeugt sind. Haben wir, die einst Betroffenen, das nötig?

Waren nicht die eigenen Erlebnisse grausam genug? Braucht es da noch Ausweitungen und Ergänzungen, die im  Einzelfall einer Überprüfung nicht standhalten? Liefern wir nicht den Drachentöter-Autoren dadurch Argumente frei Haus? Beschädigen wir nicht letztlich dadurch die Glaubwürdigkeit der nicht zu leugnenden Verfolgungs- und Foltermaßnahmen durch die zweite sozialistische Diktatur?

Ersparnisse an Zeitzeugen in deren Betreuung investieren

Die Zeitzeugen  sollten in sich gehen und die Vermittler ihrer notwendigen  Auftritte sollten diese kritischer begleiten und die Ersparnisse durch die magere Bezahlung von Zeitzeugen in deren Betreuung investieren. Denn möglicherweise sind die „Ausweitungen“ in den Darstellungen (auch) Folgen des Vereinigungs-Traumas. Jene, die sich nach dem Zusammenbruch der DDR am Ziel ihrer Befreiungswünsche und der Anerkennung ihrer Leiden wähnten, empfanden sich vielfach auf das Abstellgleis geschoben, mit sozialen Zuwendungen abgespeist, während die Täter von einst vielfache Verwendung im neuen Deutschland fanden. Das impliziert vermutlich das Bedürfnis, den eigenen Leiden permanent neue Varianten zuzufügen, um endlich die Aufmerksamkeit zu finden, die als längst verloren empfunden wird.

Warum  Vera Lengsfeld als ehemalige Politikerin nun  gar falsche Fakten veröffentlichte, ist allerdings kaum  nachvollziehbar. Denn ihre Kontakte zur Stasi waren zunächst rein familiär, ehe diese dann  für sie selbst bedrohlich wurden. Im Gegensatz zu anderen Leidensgefährten mußte sie „nur“ drei Monate in Hohenschönhausen zubringen und konnte sogar ins Exil nach London ausreisen. Auch drei Monate, jeder Tag des Gewahrsams wegen der Verfolgung unliebsamer Meinungen waren zuviel. Kann man das nicht vermitteln?

Die permanenten Untertreibungen, die Schönrederei der Stasi-Obristen sind wahrlich widerlich, erinnern an die Nazi-Argumente der Notwendigkeit von KZ-Einrichtungen für die „Feinde des Volkes“.

Andererseits verkehren sich die Übertreibungen eigener Erlebnisse  in das ungewollte Gegenteil, liefern Wasser auf die Propagandamühlen der Peiniger von einst. Erschütternde Zeugnisse der Zeitgeschichte werden so zu bitteren Märchenstunden  herabgewürdigt und liefern so Kirstein und Co. die Vorlagen  für ihre Drachentöter-Mythologie.

V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 23.08.2012/cw – „Denn die einen stehn im Dunkeln und die andern stehn im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ [Bertold Brecht]

Auch unter der Brücke (ehem. Westseite) findet sich keine Erinnerung an den ermordeten Hans-Dieter Wesa – Foto: LyrAg

Peter Fechter stand mit seinem grauenhaften Tod im Licht der Weltöffentlichkeit. Dank des Kameramannes Herbert Ernst und des Fotografen Wolfgang Bera. Ernst hielt den Transport des sterbenden Peter Fechter unvergesslich fest, Bera fotografierte den sterbenden jungen Deutschen unmittelbar hinter der Mauer liegend; sein  Foto von der Hebung Fechters über den Stacheldraht wurde zur fast heiligen  Ikone der Erinnerung an die Mord-Mauer.

Kein  Wunder, dass seither seiner Ermordung gedacht wurde. Zum 50.Todestag holte man gar einen Vorschlag von 1962 hervor und forderte lautstark und medienwirksam eine Peter-Fechter-Straße. Immerhin.

Anders erging es Dieter Wohlfahrt, der bereits am 9. Dezember 1961 an der Zonengrenze in  Staaken im  Scheinwerferlicht britischer Militärpolizisten verblutete. Die MP sah teilnahmslos zu, wie DDR-Grenzsoldaten nach Wohlfahrts Tod den Stacheldraht aufschnitten, um  den Ermordeten in das „Staatsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik“ zu ziehen. Im  Dezember letzten Jahres war das Geschehen im  Spandauer Winter ebenfalls 50 Jahre her. Sebastian Haffner nahm Wohlfahrts Sterben zum Anlass, eine Woche später in „Christ und Welt“ die dramatischste Anklage zu schreiben, die je zu diesem Thema geschrieben wurde („Der Mord an der Mauer“). Wenigstens der Bezirk Spandau ehrte den einstigen Fluchthelfer durch die Anwesenheit des Bezirksbürgermeisters. Der österreichische Botschafter und der Regierende Bürgermeister ließen Kränze niederlegen.

Die Vereinigung 17. Juni erinnerte in den Abendstunden am ursprünglichen Standort des Mahnkreuzes an das Geschehen vor 50 Jahren – Foto: LyrAg

Hans-Dieter Wesa starb nur sechs Tage nach Peter Fechter. Der achtzehnjährige Transportpolizist (DDR-Bahnpolizei) war am Bahnhof Bornholmer Straße mit einem  Kollegen  zur Grenzsicherung eingesetzt. Warum Wesa, der bereits wegen  der Vereitelung einer Flucht belobigt worden war, nun  selbst zum Flüchtling wurde, wird sich nie mehr klären lassen. Jedenfalls hatte er Glück, war bereits im  Französischen  Sektor angelangt, als ihn  die Kugeln seines Kameraden tödlich trafen.

Bereits einen  Tag später, am 24.8.1962, wurde gegen 12.00 Uhr auf der Mittelpromenade der Bornholmer Str. – ca. 150 Meter von der Sektorengrenze entfernt – ein Mahnkreuz errichtet. Dieses stand zumindest bis 1990 als anklagende Mahnung und Erinnerung an den jungen  Flüchtling vor jener Brücke, die am Abend des 9. November 1989 durch die erste dokumentierte Öffnung der Mauer Weltruhm erlangte.

Blumen am Sterbeort 1962. Nur mühsam findet man das Foto und einen unscheinbaren Text-Hinweis auf den pompösen Erinnerungs-Tafeln – Foto: LyrAg

Irgendwann wurde dann  das Kreuz beseitigt, es stand den Ausbauplänen in der wiedervereinigten  Stadt im  Wege. Offenbar bis heute. Denn 2010 hatte die Vereinigung 17. Juni anlässlich der Errichtung und Einweihung von Gedenktafeln an den November 1989 die fehlende Erinnerung an den Tod Wesas vor Ort kritisiert http://www.berliner-mauer.de/sed-mordopfer-hans-dieter-wesa.html). Sowohl von der Stiftung Berliner Mauer wie durch den Mitarbeiter der für das Gedenken zuständigen Senatsverwaltung wurde noch am selben Tag zugesichert, auch an Hans-Dieter Wesa werde in  angemessener Form „in Kürze“ an der Bornholmer (Böse-)Brücke gedacht.

 Heute, am 50. Jahrestag seines Todes, steht an der Stelle des Gedenkkreuzes eine Erinnerungstafel an die Geschichte vor Ort, ohne den Tod von Wesa auch nur zu erwähnen.

Auf den bereits angeführten Tafeln findet sich nach längerem Suchen ein  kleiner Text, der den brutalen Mord vor 50 Jahren erwähnt. Keine Stele, kein  Kreuz, kein Kranz des Bezirkes erinnert an diesem Sommertag an den jungen Mann. Hans-Dieter Wesa wurde offensichtlich dem Vergessen überantwortet. Gewollt oder aus Nachlässigkeit – ist das noch wichtig?

Günter Litfin wurde ein Jahr zuvor das erste Opfer mörderischer Kugeln, am 24.08. vor 51 Jahren. Auf dem Foto das Gedenkkreuz am Reichstag. Foto: LyrAg

Wie textete Berthold Brecht einst treffend: „Denn die einen stehn im Dunkeln und die andern stehn im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Hamburg/Berlin, 22.08.2012/cw – So hatten sich die Diktatur-Opfer des SED-Regimes ein Aufklärungs-Engagement nicht vorgestellt: IKEA, das schwedische Möbelhaus, will nach einer Agenturmeldung von AFP in Hamburg einen ganzen  Stadtteil (5 Hektar) bauen. Die Pläne seinen bereits in Arbeit. Auch andere Städte würden in diese Überlegungen einbezogen.

Einen Tag zuvor hatte der Direktor der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, dem Möbelhauskonzern vorgeworfen, mit seiner zugesicherten  Aufklärungsarbeit über die Verstrickungen von IKEA in das Zwangsarbeitersystem der DDR „auf Zeit zu spielen“. Überdies, so Knabe weiter, sei es „problematisch, wenn der Angeschuldigte selbst und unkontrolliert die Vergangenheit prüft.“ Nach seiner Überzeugung sei es Aufgabe der Politik, „die Vorwürfe durch eine neutrale Stelle prüfen zu lassen,“ so Knabe gegenüber dem Hamburger Wochenmagazin DIE ZEIT.

IKEA brüskiert UOKG

Bereits vor einem  Jahr hatte die Vereinigung 17. Juni in Berlin einen Bericht über das Wirken von IKEA in der DDR aufgegriffen und den Möbelhauskonzern zu einer Stellungnahme aufgefordert. Dieser hatte schließlich eigene Ermittlungen  zugesagt, wobei der vielbeachtete Bericht eines schwedischen Fernsehsenders im April diesen Jahres diese Bereitschaft wesentlich beflügelt haben dürfte.

Unlängst hatte das schwedische Möbelhaus erneut unglücklich agiert, als es ein Schreiben der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zunächst brüsk abgewiesen  hatte, und sich später aufgrund der Kritik zur Kurskorrektur veranlasst sah. Die UOKG hatte sich der 17.Juni-Initiative angeschlossen und IKEA ein gemeinsames Forschungsprojekt vorgeschlagen. Zuvor hatte die Vereinigung 17. Juni bei der BStU angeregt, zum Thema IKEA eigene, von den Untersuchungen des Möbelhauses unabhängige Forschungen anzustellen, um ein „historisch belastbares Ergebnis“ vorstellen zu können.

Zukunftsgestaltung ohne Vergangenheitsbewältigung nicht machbar

Überraschend und offensichtlich von den Vorwürfen und Forderungen der Opferverbände ungetrübt geht IKEA nun mit großen Plänen zu metropolen Gestaltungen in deutschen Großstädten an die Öffentlichkeit. Das wiederum trifft auf wenig Verständnis, wenn nicht auf Empörung der einstigen von Zwangsarbeit betroffenen Diktatur-Opfer. „Wenn IKEA offensichtlich über derartige Reserven verfüge, um  ganze Städte mit Aufbauplänen zu beglücken, ist es unverständlich, daß man sich seiner Verantwortung gegenüber der eigenen dunklen Vergangenheit entzieht und jeden Vorschlag auf eine angemessene Entschädigung unter vager Verweisung auf die angeblich „ungeklärte Rechtslage“ abweist,“ erklärte heute Vorstandssprecher Carl-Wolfgang Holzapfel. „Eine Zukunftsgestaltung ohne Vergangenheitsbewältigung“ sei nicht machbar. Es gäbe genügend Projekte im wiedervereinigten  Deutschland, die sich der Aufarbeitung der Vergangenheit widmeten und an denen sich IKEA angemessen beteiligen könnte, „um seiner Mitverantwortung an der Ausbeutung politisch Andersdenkender in den Zuchthäusern der DDR“ nachzukommen. Ein Beispiel sei die sicher kostspielige Umwandlung des einstigen DDR-Frauenzuchthauses in  Hoheneck/Stollberg in eine Begegnungs- und Gedenkstätte. Eine solche Beteiligung würde eine „langfristige und vorzeigbare Dokumentation des Willens zur Rehabilitierung darstellen und dem Möbelhaus überdies mögliche und langwierige Prozesse von Betroffenen ersparen, die jedem Wirtschaftsunternehmen als PR-Gau erscheinen müssten.“

Natürlich schließt auch die Vereinigung 17. Juni einen  Entschädigungsfonds, zum Beispiel über eine IKEA-Stiftung nicht aus, über den einst von der Zwangsarbeit für IKEA Betroffene individuell entschädigt werden könnten.

„Bewegung in die eine oder andere Richtung wäre in jedem Fall zielführender, als die großprotzige Ankündigung der Schaffung von Stadtteilen,“ heißt es abschließend in der Erklärung des Opferverbandes.

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung(AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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