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Stollberg/Hoheneck, 22.07.2012/cw – Nachdem durch den Besuch des vormaligen  Bundespräsidenten Christian Wulff im ehemaligen Frauenzuchthaus Hoheneck Bewegung in die von den ehemaligen politischen Gefangenen lang ersehnte Gedenkstätte gekommen war, nehmen erste Vorstellungen Gestalt an. Wie die FREIE PRESSE am 18.07.2012 berichtete, beabsichtigt der Betreiber der in  Glauchau-Gesau  beheimateten „Phänomenia“, die IWS Integrationswerk gemeinnützigeT GmbH Westsachsen, das dort ursprünglich geplante Wissenschaftsprojekt „Techno-Rema“ aus Kostengründen nunmehr in das Areal der ehemaligen  DDR-Strafanstalt zu integrieren.  Nach dem Zeitungs-Bericht hat der Stadtrat dieser neuen Konzeption bereits zugestimmt.

Förderverein BuG begrüßt Stollberger Beschluß

Tatjana Sterneberg, die amtierende Vorsitzende des Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck, begrüßte in einer ersten Stellungnahme „die Fortschreibung der bereits  im  November letzten Jahres vom Verein vorgelegten ersten Konzeption“, wenn es auch aus Sicht des Fördervereins „bedauerlich sei, dass sich der Frauenkreis in dieser wichtigen  konzeptionellen Phase durch selbst verursachte Turbulenzen  in der Vereinsführung aus der aktuellen Diskussion ausgeklinkt“ habe oder, was noch bedenklicher wäre, in die gegenwärtige Projektplanung gar nicht erst einbezogen werde. „Da scheint eine Menge Gespräch an dem derzeit führungslosen Frauenkreis vorbei zu gehen,“ sagte Sterneberg; „so habe man sich die Einbeziehung der Frauen von Hoheneck nicht vorgestellt.“

Gespräche am Frauenkreis vorbei?

Grundsätzlich begrüßt der erstgegründete von zwischenzeitlich zwei Fördervereinen in Stollberg die konzeptionelle Ergänzung einer Begegnungs- und Gedenkstätte durch die Ansiedlung zukunftsträchtiger und publikumswirksamer Institutionen auf dem fraglichen Gelände, da „nur so eine Umsetzung des Gedenkens finanziell tragbar werde.“ Die faszinierende Verbindung zwischen dem einstigen  „dunklen Ort“ und einer „interaktiven Ausstellung zum Anfassen und Experimentieren an den Phänomenen der Natur und Technik sei die Konzeption, die eine aussichtsreiche Zukunft der Anlage im Sinne aller Beteiligten“ fördere. Allerdings sei die Stadt mit ihrem Beschluss schon über die Wirklichkeit hinaus geeilt, denn bisher sei die Aufnahme von Hoheneck in das Sächsische Gedenkstättengesetz nur eine Empfehlung, aber noch nicht verabschiedet. Die Vorlage konstruktiver Vorstellungen für die künftige Gestaltung sei aber sicher hilfreich, um die Annahme des Gesetzes durch den Sächsischen Landtag mit breiter Mehrheit zu befördern.

V.i.S.d.P.: Förderverein BuG Hoheneck e.V., Stollberg – Vorstand: 030-30207777     /   Redaktion: Hohenecker Bote, Tel.: 030-30207785

Berlin; 19. Juli 2012/cw – Wir haben am Vortag des 20. Juli, der Erinnerung an das Hitler-Attentat von 1944, die Gelegenheit genutzt, im  Internet zu surfen und zum hier angesprochenen Thema „DEUTSCHLAND VERRECKE“ Beiträge zu suchen. Die Hoffnung, keine nennenswerten LINKS und Beiträge zu finden, wurde bitter enttäuscht. Gleich dutzendweise wurden wir fündig, dafür nur drei Beispiele:

1. http://www.youtube.com/watch?v=YcmXKCb8CN8

Deutschland verrecke – und dann ?

2. http://www.youtube.com/watch?v=8nBzrjswHHM

Slime – deutschland muss sterben

3. http://www.youtube.com/watch?v=x9jPSLaz5Vk

    Kaltwetterfront – Deutschland verrecke

Natürlich fanden wir auch Widerspruch. So schrieb ein Leser drelux am 24.11.2010 im Leserforum von ZEIT ONLINE unter der Überschrift:

„Deutschland verrecke!!!“

„Er ist nicht zu übersehen, der Schriftzug „Deutschland verrecke!!!“, wenn man in Berlin (wo sonst?) die S-Bahn an der Warschauer Straße verlässt und sich umsieht: Mit weißer Farbe auf die Dächer einer Häuserzeile gesprüht.

Die erste Reaktion des damit erstmalig konfrontierten Berlinbesuchers ist eine ungläubige Verwunderung über diese Parole, dann eine gewisse Hochachtung über die artistisch-handwerkliche Leistung des Sprayers, gefolgt von einer – zumindest bei mir – abgrundtiefen Verachtung für einen Menschen, der sich zu einer solchen Tat hinreißen lässt.

Wie tief muss der Hass gegen Deutschland sein, das Land, dem er wahrscheinlich Erziehung, Ausbildung und den Lebensunterhalt verdankt, in welcher Form auch immer. Darüber hinaus genießt er den Schutz durch unser Gesundheits- und Sozialsystem. Millionen von Menschen wären froh und dankbar, wenn sie diese Privilegien hätten, mache riskieren dafür, z.B. als Bootflüchtling, ihr Leben, um in diesen Genuss zu kommen. …

… Ein anderer Aspekt, der mich nachdenklich gemacht hat, ist der Umstand, dass weder die Presse, schon gar nicht die Weltpresse und auch nicht unsere Gutmenschen sich mit der Forderung „Deutschland verrecke!!!“ kritisch auseinandergesetzt haben. Dies wäre sicherlich ganz anders, wenn das Wort „Deutschland“ durch „Juda“ ersetzt würde. Ein Aufschrei der Empörung wäre gewiss, weltweit, deutschlandweit und hier genau von jenen Gutmenschen, die zu der im Titel genannten Parole nachhaltig geschwiegen haben. Erinnerungen an unselige Zeiten würden beschworen und nach dem Eingreifen der Justiz gerufen. Hier aber, wo es „nur“ um Deutschland geht, wird geschwiegen und „Toleranz“ geübt.

Traurig auch, dass die Polit-Darsteller im Berliner Senat bislang untätig geblieben sind oder in ihren Bemühungen erfolglos waren, diese Schmiererei zu beseitigen. Und damit meine ich nicht nur diejenigen in Regierungsverantwortung, sondern auch die CDU-Opposition, die sich offensichtlich an dieser, von moralisch und sittlich verkommenen Menschen formulierten Parole nicht sonderlich stört.

Die Bundesrepublik Deutschland ist das freieste Deutschland, das es je gab. Niemand hindert die, die für diesen Staat nur Hass empfinden, ihr Glück woanders zu versuchen. Damit blieben den zurückgebliebenen Menschen solche unsäglichen Parolen erspart.“

Siehe: http://community.zeit.de/user/drelux/beitrag/2010/11/24/%E2%80%9Edeutschland-verrecke%E2%80%9C

Es bedurfte dieses Nachweises nicht, um aufzuzeigen, dass das von Klaus Hoffmann und uns aufgegriffene Thema tatsächlich schon einige Jahre alt ist. Mindert das die Brisanz?

Wir sind neugierig, mit welcher Gründlichkeit die Staatsanwaltschaft unsere Anzeige bearbeiten wird. Denn auch das haben wir im Internet gefunden: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (BVG) vom 3.11.2000 (- 1 BvR 581/00 -). In dieser Entscheidung wird „Deutschland verrecke“ als „künstlerisches Werk“ bewertet, das nach dem GG, Art. 5 Abs. 3 Satz 1, der Kunstfreiheit unterliege (http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20001103_1bvr058100.html).

Nun ja, im weitesten Sinn könnte man also die Akrobatik, mit der auf einem Schrägdach in luftiger Höhe die verunglimpfende Parole DEUTSCHLAND VERRECKE  aufgebracht wird, als KUNST einstufen, man muß sich nur verbal genügend verrenken.

Wir haben einen anderen Vorschlag: Schafft Gedenktage, wie den 20. Juli ab. Wir fordern: HEUCHELEI VERRECKE!!! Das wäre ehrlicher als die verlogen wirkende Ausstreuung salbungsvoller Worte in teuren, staatlich organisierten  Gedenkstunden, vielleicht sogar mit dem Zitat Stauffenbergs: „Es lebe das heilige Deutschland!“

Schafft den 17. Juni mit der Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 ab, denn die damalige Forderung nach „Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland“ passt nicht in  die Realität des 21. Jahrhunderts mit seiner widerwärtigen  Duldung von Vernichtungsparolen gegen  das eigene Land. „Deutschland – Einig Vaterland?“ Nein, auch der 9. November gehört als Erinnerungstag an den Fall der Mauer, den Freiheits-Demos in  Leipzig und anderswo abgeschafft. Zumindest sollten wir ihn wieder  beschränken auf die Erinnerung an die berüchtigte „Reichskristallnacht“.

Allmählich fange ich an zu begreifen, warum wir den 3. Oktober zum Nationalen Gedenktag bestimmt haben: Dieses Gedenken nach Aktenlage erspart uns jedwede Heuchelei und lässt sich beliebig für jedermanns Volksbelustigung verwenden.

Und noch etwas beginne ich zu verstehen, wenn  ich auch fast fünfzig Jahre dafür gebraucht habe: Als ich 1964 Heinrich Albertz an eine „flammende Rede“ vier Wochen  zuvor in Plötzensee zum 20. Juli erinnert habe und deren Umsetzung forderte, antwortete mir der einstige Pfarrer und nunmehrige Bürgermeister von Berlin regelrecht verstört ob dieser naiven Forderung: „Aber Herr Holzapfel, an so einem Tag wird doch manches gesagt!“ Eben.

Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.008                            Förderverein – Info                   15. Juli 2012

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Unruhe zur Unzeit:  Turbulenzen lähmen den Hoheneck-Frauenkreis

Berlin/Hoheneck, 15.Juli 2012/wl – Die Beurteilung von  Karl-Heinz Labahn kommt schnörkellos und klar rüber: „Eine Unruhe völlig zur Unzeit. Die augenblicklichen Turbulenzen im Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen lähmen den Verein und verhindern eine notwendige und aktive Beteiligung an der endlichen  Diskussion um  eine Gedenkstätte.“ Karl-Heinz Labahn war Vorsitzender der Wahlkommission auf der letzten Mitgliederversammlung im Mai diesen Jahres. Er äußert sich erstmals in einem Interview mit dem Hohenecker Boten zu den andauernden Auseinandersetzungen im Verein. Das Interview führte Wolf Landeck.

HB: Herr Labahn, warum gibt es überhaupt so anhaltende Auseinandersetzungen um die Wahlen zum  Vorstand?                                                                                                                                                                                                        KHL: Das kann man so fragen. Die Wahlkommission hat das Wahlprotokoll trotz schwerer Bedenken „unter Vorbehalt“ unterschrieben.

HB: Warum haben Sie denn „unter Vorbehalt“ unterschrieben?

KHL: Bei uns bestanden schwerwiegende Bedenken gegen das Prozedere. So konnten zum Beispiel die nach der Satzung möglichen  Stimmübertragungen nicht ordnungsgemäß überprüft werden. Alles sehr unerfreulich.

HB: Warum haben Sie nicht gleich Einspruch eingelegt und dem Wahlergebnis die Anerkennung verweigert?    

KHL: Wir haben das Protokoll unter Vorbehalt unterzeichnet, um vor einer endgültigen Unterschrift gründlich zu hinterfragen und ohne Druck aufgekommene Kritik auf Berechtigung zu überprüfen. Im Verein selbst ist das Ergebnis umstritten, wird die Wahl rege diskutiert.

HB: Die bisherige Vorsitzende Inge Naumann wurde nicht wieder, die bisherige Stellvertreterin Anita Goßler zur neuen Vorsitzenden gewählt…     

KHL: Im  Grundsatz wäre das ja durchaus normal. Nur hier haben Überprüfungen unsererseits nach  der Wahl ergeben, das offenbar nicht alles mit rechten Dingen zuging. Da wurden Stimmübertragungen von Mitgliedern gemeldet, die davon gar keine Ahnung hatten. Außerdem ging es auf der Versammlung so turbulent zu, wie sollten wir da noch auf Klärungen  drängen, bei der aufgeheizten Stimmung? Wir wollten das in Ruhe klären, und das haben wir inzwischen gemacht.

                                                                                                                                                                                                    HB: Mit welchem Ergebnis?  

KHL: Eigentlich traurig, aber das will ich hier nicht öffentlich verbreiten, es gibt schon genug Auseinandersetzungen im  Verein. Das wollen und das werden wir auf einer Mitgliederver-sammlung intern vorgetragen.

HB: Die wohl erst im nächsten Jahr stattfindet?

KHL: Nein, Anita Goßler hat bereits zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Oktober eingeladen. Der Oktober ist wohl etwas spät, aber die Anberaumung der Versammlung ist notwendig und geht voll in  Ordnung. Wir haben vorgeschlagen, statt der angesetzten Nachwahl zu zwei nicht besetzten Vorstandsposten den gesamten Vorstand neu zu wählen. Damit könnten wir die Auseinander-setzungen beenden, wieder klare Verhältnisse schaffen und uns den wirklich wichtigen  Aufgaben zuwenden.                                                                                                                                                                                                                                          HB: Ist der Vorstand damit einverstanden?

KHL: Hoffentlich, wir haben bisher (15.07.) noch keine Antwort erhalten. Aber das ist ja auch nur eines der Probleme: Wir haben auch vorgeschlagen, Anita Goßler von keiner Seite bestritten als „kommissarische Vorsitzende“ anzuerkennen. Das wäre ein gangbarer Weg nach dem Austritt von Inge Naumann aus dem Verein, den man, die Nichtigkeit der kritisierten  Wahl unterstellt, auch als Rücktritt interpretieren könnte. Damit wäre der Weg frei, Neuwahlen durchzusetzen und den Verein  wieder zu befrieden.                                                                                                                                                                                                                  HB: Inzwischen eskaliert wohl die Auseinandersetzung. Es wurden wohl hässliche Mails und Briefe versandt…

KHL: Das ist äußerst schmerzlich und bedauerlich. Wir sollten uns alle erinnern, woher wir kommen und wohin wir wollen. Da sind derartige Schreiben, die sich weit über eine sachliche Kritik hinaus bewegen, völlig daneben. Wenn  dann so etwas auch von einer Seite geschieht oder das eine Kameradin schreibt, die selbst in einer Stiftung arbeitet und eigentlich mit den Schwierigkeiten von Haftfolgen  und daraus erwachsener Emotionen vertraut sein sollte, tut das richtig weh. Wir brauchen kein Öl ins Feuer, wir brauchen besonnene und zielgerichtete Beiträge, um aus dieser schweren Krise wieder herauszukommen. Beschimpfungen und zusätzliche Verletzungen helfen da nicht weiter.

HB: Gibt es denn Erkenntnisse, wer da Sand ins Getriebe streut? Der Frauenkreis ist ja wohl nicht alleine von dieser Krise erfasst. Von anderen Vereinen hört man Ähnliches…

KHL: Wie bereits gesagt, zusätzliche Verletzungen helfen da nicht weiter. Darum wollen wir von uns aus, schon gar nicht über die Öffentlichkeit, die Kritik verschärfen. Unser Einspruch liegt vor, über den sollte diskutiert und muß entschieden werden. Wenn das einvernehmlich über eine Mitglieder-versammlung und die vorgeschlagenen Neuwahlen läuft, um so besser. Dass der Frauenkreis und auch die von Ihnen angesprochenen Verbände sicherlich Entscheidungen  treffen müssen, um die Spreu vom Weizen zu trennen, sprich sich von berufsmäßigen Zersetzern und Intriganten trennen müssen, bleibt wohl eine aktuelle Notwendigkeit. Sonst können wir unsere Vereine schon jetzt schließen, da brauchen wir keine biologische Lösung abzuwarten. Das wäre in der Tat dann ein später Sieg der Stasi, das brauchen wir nicht.

HB: Herr Labahn, wir bedanken  uns für das Gespräch.

Besuch bei Erika Riemann

Große Freude: Tatjana Sterneberg bei Erika Riemann – Foto: LyrAg

Tatjana Sterneberg, Berlin, besuchte unlängst Erika Riemann in Hamburg. Die Hoheneckerin und Buchautorin („Die Schleife an Stalins Bart“ und „Der Bart ist ab“) hatte vor einem  Jahr einen Schlaganfall erlitten. Seit wenigen  Wochen kann sie wieder sprechen und auch das Lesen geht voran. Erika Riemann freute sich herzlich über den unerwarteten Besuch. Sie bat Tatjana Sterneberg,  die Weggefährten aus dem ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck zu grüßen.

Letzte Meldung:

Das Aufsicht-führende Ministerium hat auf die Diensaufsichtsbeschwerde des Fördervereins gegen den Direktor der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (wir berichteten) reagiert und dem Verein mitgeteilt, dass Herr Reiprich darauf hingewiesen wurde, „insbesondere … mit Tatsachenbehauptungen, wie im E-Mail an die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, sorgsam umzugehen“.

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Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen:

Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00

Erzgebirgssparkasse

Fordern Sie einen  Aufnahmeantrag an – Wir bedanken uns herzlich im Voraus!

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 © 2012 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Vereinigung 17. Juni: Strafanzeige gegen Unbekannt

Berlin, 16.07.2012/cw – Sie haben richtig gelesen: Extremisten  haben die Dachpfannen zweier Wohnhäuser mitten in Berlin mit unerträglichen Parolen beschmiert. Wer die Warschauer Brücke passiert oder auch mit der S- oder Fernbahn durch den dortigen Bahnhof fährt, kann die Schrift überdeutlich lesen. Erstaunlich, dass sich dieser Schriftzug nach Auskunft von Bewohnern seit Jahren auf dem Dach befindet, ohne dass sich ein Politiker, ein ansonsten  kritisches Medium oder gar die Polizei darum  kümmert. Es scheint, als würden Extremisten  hin  und wieder durch den Rost der sonst gewidmeten Aufmerksamkeit und Empörung fallen.

Verwunderlich hingegen scheint das nicht. Denn real stehen nicht, wie provokativ getitelt, meterhohe rechtsextreme oder gar neo-nationalsozialistische Parolen über nahezu hundert Metern Dachziegel gezogen zur Diskussion, sondern eine eher in linksextremen Kreisen beliebte Parole: „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“ Und das scheint in der Tat wirklich Niemanden auf die Barrikaden echter Empörung zu treiben.

„Deutschland verrecke“

Revaler Str.11-13: Auf den Dächern extreme Parolen – Foto: LyrAg

Bis auf den Berliner Klaus Hoffmann, Jahrgang 1942, politischer Widerständler in der einstigen  DDR und eloquenter Fluchthelfer für viele mittels Mauer eingesperrte Bürger des „Ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“, als den sich die DDR gerne im Zusatz bezeichnete. Hoffmann, Mitglied der Vereinigung 17. Juni, entdeckte den Schriftzug unlängst bei einer Autofahrt über die Warschauer Brücke und war empört. Umgehend verfasste er einen „Offenen Brief an die Bürger Berlins“  und forderte diese auf, gegen diese strafwürdige Herabsetzung ihres Staates zu protestieren und deren schnellste Beseitigung zu verlangen. Ein entsprechendes Schreiben wurde heute an die Medien mit der Bitte um Veröffentlichung gesandt.

Anzeige gegen Unbekannt

Die Vereinigung 17. Juni teilt die Empörung ihres Mitgliedes und hat heute Anzeige „gegen Unbekannt“ wegen Verunglimpfung des Staates und ihrer Bürger erstattet (§ 90a StGB). Nach dieser Strafvorschrift wird derjenige zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft, der „die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht“.

Als beschämend und „krachenden Skandal“ bezeichnet der Vereins-Vorstand in einer Stellungnahme die Tatsache, dass derartige Parolen unwidersprochen öffentlich und in meterhohen Buchstaben zur Schau gestellt werden, ohne entsprechende Reaktionen der Bürger und dafür zuständiger Stellen auszulösen.

Wilde Plakate auf der Warschauer     Brücke: Geistige Brandstifter? –        Foto: LyrAg

„Es lebe das heilige Deutschland“

Überdies müsse am Vorabend des Gedenkens an das Hitler-Attentat vom 20.Juli 1944 die Frage gestellt werden, ob die hehren Bekundungen aus diesem Anlass nur den Rang von Lippenbekenntnissen haben. Immerhin sei der Attentäter, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, mit dem Bekenntnis auf den Lippen gestorben: „Es lebe das heilige Deutschland!“ Im Gegensatz zu den Verzerrungen der Nachkriegszeit habe dieses Bekenntnis dem rückhaltlosen Einsatz für das Vaterland gegolten, selbst um den Preis des Verrates gegenüber einem Oberkommandierenden, der selbst den größten Verrat an seinem Land und Volk durch die Anhäufung unermesslicher Verbrechen zu verantworten  hatte. Das „heilige Deutschland“ bezog sich eben auf den selbstlosen Einsatz, der alle anderen persönlichen Egoismen hinter den Opfertod zur Rettung des Vaterlandes zurückstellte.

Die perfide Vereinnahmung der Deutschland-Hymne durch die Nationalsozialisten, die das Bekenntnis „Deutschland, Deutschland über Alles“ für ihre Weltmachtsallüren missbrauchten und so in den  bis heute andauernden Misskredit brachten, haben auch das Stauffenbergsche Bekenntnis „Es lebe das heilige Deutschland“ in den Minuten seines Todes durch die standrechtliche Erschießung im Bendler-Block (ehemaliges Oberkommando der Wehrmacht) in  ein bedauerliches und historisch nicht haltbares Zwielicht gebracht.

Beseitigung vor dem 20. Juli

Szene vor Ort: Zwei Sprayer im Juli 2012 an der Revaler Str. – Foto: LyrAg

 „Wir verkennen nicht,“ so der in Berlin ansässige Verein in seiner Stellungnahme, „dass die Wegfindung zu einer vorurteilsfreien Beurteilung dieser Bekenntnisse aufgrund historischer Geschehnisse ein schwieriger Prozess ist und offensichtlich seine Zeit braucht. Das darf aber die Verantwortlichen in unserem Staat und auch die Bürger nicht daran hindern, sich gegen Diffamierungen des Staates mit allen gebotenen Mitteln und mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein zur Wehr zu setzen.“

Die Vereinigung fordert, durch ein entsprechendes Vorgehen und die sofortige Einleitung von Beseitigungsmaßnahmen  vor dem 20. Juli ein deutliches Signal zu setzen. Eine solche Handlungsweise sei „richtungsweisender und bedeutender, als die ansonsten leer wirkende Ehrung durch einen Berg von Kränzen an den Gedenkstätten des Deutschen Widerstandes“. Diese würden durch ein Nichthandeln „zu einem puren Kranzabwurf degenerieren, der dem Andenken an den Nationalhelden Stauffenberg und seinen  Weggefährten diametral widersprechen  würde“, sagte der Vorstandssprecher heute in Berlin.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 16.07.2012/cw – Der Berliner Klaus Hoffmann hat sich in einem offenen Brief an die „Bürger meiner Stadt“ gewandt und um  Hilfe gegen einen  Skandal gebeten. Wir drucken das Schreiben folgend ungekürzt ab und verweisen auf die Stellungnahme unseres Vereins auf dieser Seite zu dem von unserem Mitglied angesprochene Thema.

Artikel 1 des Grundgesetzes gilt hier für alle  –  auch für uns Deutsche!

Es war ein sonniger Nachmittag im Juli 2012, als ich mit dem Wagen von der Oberbaumbrücke in Richtung Frankfurter Allee über die Warschauer Brücke gefahren bin. Hunderte Menschen strömten in beide Richtungen des U- + S- Bahnknotenpunktes….

Zwischen Menschenlücken hindurch, für jeden sichtbar, las ich auf dem Giebeldach der ersten Häuserfront, entlang der parallel laufenden Schienen, „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“

In meterhohen Buchstaben auf fast hundert Meter Länge steht dieser Schmähung in weißer Farbe auf den Dachziegeln. Vom S-Bahnsteig über die Fußgängerbrücke kommend, laufen die Menschen frontal auf diese Hassparole zu und aus den Fenstern der S-und Fernbahnzüge liest sich die Hetze wie eine Laufbandschrift.

Inzwischen habe ich erfahren müssen, dass diese Hassparole schon jahrelang so in die Gegend prangt!

Die Tatsache der gemeinen Hetze ist fast niedlich gegenüber ihrer jahrelangen, täglich neu wahrnehmbaren Duldung.

Ich sah die Sowjet-Russen die Kellertreppe herunter kommen, meine Mutter erlebte die „Befreiung“ hautnah, so wie hunderttausende Frauen in dieser Stadt. Die Geldentwertung nach dem Krieg, der Hunger, die Trümmerbeseitigung und das Steineklopfen, Berlinblockade/Luftbrücke, die Niederschlagung des Arbeiteraufstandes in Ostberlin, der Mauerbau und seine Folgen für die Familie sowie die jahrelangen Verkehrsbehinderungen durch die Baustellen einer sich erneuernden Bundeshauptstadt, so durchlebte ich die Jahrzehnte in Berlin.

Appell an die Öffentlichkeit: Brief von Klaus Hoffmann

Soll ich jetzt den Aufruf „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“, der sich liest wie eine Aufforderung zum Bürgerkrieg erdulden, tolerieren oder akzeptieren?

Ich zahlte/zahle Steuern, ohne den geringsten Einfluß auf den Irrsinn zu haben, dass deutsche Soldaten mit ihrem Blut und wir alle zusammen Milliarden von Euro für den globalen Demokratie- Export aufbringen. Bei allen, im wahrsten Sinne des Wortes verpulverten Milliarden für Stabilität und Demokratie, bringen wir hier in Deutschlands Hauptstadt nicht den Mumm auf, damit eine menschen- und staatsfeindliche Schmiererei „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“  aus dem Straßenbild innerhalb von Stunden verschwindet!

Man stelle sich einmal den politisch-medialen Aufschrei vor, anstelle DEUTSCHLAND stünde eine andere Nation oder eine Ethnie vor dem Wort  VERRECKE !!!….

Für das Hin- und Herschieben von Zuständigkeiten und Verantwortung bei der Polizei, den Medien, Entscheidungsträgern in den Verwaltungen, Politikern und den Staatsanwaltschaften habe ich nicht den Hauch von Verständnis. Ich appelliere an die oder den kuragierten Entscheidungsträger, die Beseitigung der Hassformel „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“ aktiv umzusetzen.

Art.1 des GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Die Würde des einzelnen Menschen und die Würde des Staates sind unantastbar. Das ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Ohne Rücksicht auf anfallende Kosten – der geschmierte Extremismus muß sofort weg!

John F. Kennedy am 20.Januar 1961:

“… Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

In diesem Sinne,

Klaus Hoffmann“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin (Redaktion), Klaus Hoffmann (Offener Brief),         Tel.: 030-30207785

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