Dresden, 25.07.2012/cw – Das halbjährlich erscheinende „Sächsische Archivblatt“ geht in seiner jüngsten  Ausgabe (Heft 1 / 2012) ausführlich auf den Besuch des Bundespräsidenten Dr. Christian Wulff am 13. Mai 2011 im ehemaligen  Frauenzuchthaus Hoheneck ein (Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe: 12. März 2012).

Raymond Plache, Autor des Beitrages (Seite 25) und Leiter der Außenstelle Chemnitz des Sächsischen Staatsarchivs, verhehlt nur mühsam seine Begeisterung über den hohen Besuch, mit dem der Bundespräsident „ein deutliches Zeichen  seiner Anteilnahme am Schicksal der politisch Inhaftierten“ setzte. Plache betonte, dass „auch das Staatsarchiv Chemnitz an der Ausgestaltung eines Programmpunktes beteiligt“ war. Plache: „Seit einigen  Jahren bestehen regelmäßige Kontakte zu Tatjana Sterneberg, der Organisatorin der Veranstaltung, und zu Carl-Wolfgang Holzapfel, der sich für den Frauenkreis stark engagiert.“ Bei einem Besuch im Staatsarchiv sei die Idee entstanden, „dem Bundespräsidenten anhand von Originalunter-lagen aus dem Frauengefängnis Hoheneck die dortigen Zustände zu erläutern.“

Nachdem Plache den Beginn der Veranstaltung mit der feierlichen Kranzniederlegung anführte, schildert er eindrucksvoll den Part des Staatsarchivs im Programm: „In einem Zellentrakt war der Pressepoint aufgebaut, an dem Bundespräsident Wulff und seinen Begleitern durch den Leiter des Staatsarchivs Chemnitz drei Akten aus dem Archivbestand der ehemaligen Strafvollzugsanstalt Hoheneck präsentiert wurden. Am Beispiel ausgewählter Seiten eines Rapportbuches des medizinischen Dienstes aus den Jahren 1982 und 1983, in denen Namen Betroffener mittels aufgelegter Folien anonymisiert waren, konnte der physische und psychische Zustand der Gefangenen dargestellt werden. Allein für den Zeitraum vom Mai 1982 bis Dezember 1983 sind über das Rapportbuch u. a. 11 Suizid- und Suizidgefährdungsfälle, ein Tbc- und ein weiterer Tbc-Verdachtsfall sowie zahlreiche Fälle von Nahrungsverweigerungen nachweisbar.“

Der Bundespräsident und die begleitende Wissenschaftsministerin, Frau Prof. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer brachten Plaches Ausführungen großes Interesse entgegen und waren „vor allem von der Aussagekraft der archivalischen Überlieferung beeindruckt.“ Wulff erkundigte sich abschließend „nach der Situation des Archivwesens und dessen Organisation in Sachsen. In dem anregenden Gespräch reflektierte er auch seine Erfahrungen aus Niedersachsen und hob dabei vor allem die dortige Ressortierung bei der Staatskanzlei hervor.“

Der Autor gibt abschließend einen Einblick in  das beachtliche Archivmaterial zum  Thema Hoheneck: „Der Bestand 30461 Strafvollzugsanstalt Stollberg/Hoheneck, aus dem die ausgestellten Unterlagen stammen, umfasst derzeit 4,75 Meter Archivgut aus dem Zeitraum 1954 bis 1996. Dabei handelt es sich unter anderem um Lageberichte, Protokolle von Dienstbesprechungen, Statistiken, Planungsunterlagen, Anweisungen der Anstaltsleitung, Tätigkeitsbücher der Wachdienste und des medizinischen Dienstes sowie Unterlagen der SED-Parteigruppe.“ Zwar sei der Bestand „vorläufig erschlossen“, er bedürfe allerdings noch „einer archivarischen Ordnung und Verzeichnung“, so Raymond Plache. Weitere Ergänzungen des Bestandes seien „aus künftigen  Übergaben der Justizvollzugsanstalt Waldheim zu erwarten.“ Das Staatsarchiv verwahre auch „(Lese)Filme von Gefangenenakten der Entlassungsjahre 1961 bis 1970.“

http://www.archiv.sachsen.de/download/Archivblatt_1_2012.pdf

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote, C.W.Holzapfel, Tel.: 030-30207785
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