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Berlin, 9.07.2012/cw – Die ARD zeigt heute unter dem Titel „Westware aus dem Ostknast“ (23:30 bis 0:15 Uhr) eine Dokumentation über die Produktion von Waren in den Zuchthäusern der DDR, die dann im  Westen  verhökert wurden. In einer Vorankündigung zur Sendung heißt es in der „Sächsischen  Zeitung“:

Wäre es rausgekommen, so hätte es alle schlimm getroffen, urteilt die Autorin (Anne Worst) über jene Kassiber, die Frauen aus dem Gefängnis Hoheneck bei Chemnitz zwischen die Bettwäsche schmuggelten, die sie für das Versandhaus Quelle genäht hatten: Den Gefangenen wäre eine hohe Strafe sicher gewesen. Quelle hätte einen Skandal ausgelöst, wäre bekannt geworden, unter welch katastrophalen Arbeitsbedingungen ihre Produkte im Ost-Knast entstanden.“

Der MDR zeigt den Film im Rahmen der ARD-Sendereihe: „Geschichte im Ersten“. In der Doku wird aufgezeigt, „welche beträchtlichen Umfänge diese zweifelhafte Form der deutsch-deutschen Geschäftemacherei erreicht hatte. Zweifelhaft deshalb, weil es um die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten der DDR-Gefängnisse schlimm stand und weil Häftlinge im Osten ganz anders bestraft wurden als im Westen, wenn sie die Arbeit verweigerten.“ (SZ)

Die ARD weist darauf hin, dass „in einer Statistik von 1987 die DDR 19.382 >Häftlinge in Arbeit<“ zählte. „Konsumgüter, wie Möbel, Schuhe, Radios, Fotoapparate, Anzüge, Hemden, selbst große Maschinenteile wurden hier für den Westmarkt produziert  – zum Nutzen des sozialistischen Devisenbedarfs und zum Gewinn westdeutscher Unternehmen und Verbraucher.“

Erst jüngst war eine Diskussion um die „Auftragsarbeiten“ entstanden, die der schwedische Möbelhaus-Konzern IKEA an die DDR vergeben hatte und die zum größten Teil im Rahmen der verordneten Zwangsarbeit in den Zuchthäuser der zweiten Diktatur gefertigt wurden. Im  Gegensatz zu in diesem Zusammenhang genannten Konzernen der (alten) Bundesrepublik hatte IKEA unlängst eine HOTLINE eingerichtet, und damit  ehemaligen  betroffenen Zwangsarbeitern die Möglichkeit eingeräumt, sich als Zeitzeugen zu offenbaren (wir berichteten, siehe LINK „IKEA“ auf dieser Seite).

In  einer aktuellen Stellungnahme zur bevorstehenden Sendung spricht die Vereinigung 17. Juni von einem andauernden Skandal, den sie in der Ignoranz des wiedervereinigten  Deutschland gegenüber diesem weiteren Unrechtstatbestand sieht. „Während locker Milliarden Euro für marode Banken und deren meist selbstverschuldeten wirtschaftlichen Tiefgang auf Kosten der Steuerzahler locker gemacht würden, werde der Staat seiner Verantwortung und Fürsorge für die einst ausgebeuteten und durch die erlittene politische Haft ohnehin gestraften Menschen nicht gerecht und verstecke sich hinter >mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten< des staatlichen Haushaltes,“ sagte heute der Vorstandssprecher in Berlin. Der Verein kritisierte bei dieser Gelegenheit auch den „sehr späten“ Sendetermin. Dadurch werde die Vermittlung der vorhandenen Problematik in der Bevölkerung „nicht gerade gefördert“.

Quelle: http://www.sz-online.de/freizeit/fernsehen/artikel.asp?id=3102528

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785