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Strausberg, 27.07.2012/cw – Das Foto ging um  die Welt: Der – späte – Bundeskanzler Adenauer erst Tage nach dem Mauerbau in Berlin, und Willy Brandt, der Regierende Bürgermeister, blickt bei der Begrüßung zur Seite. „Eine Stadt blickt an ihm vorbei.“ Mag es so oder eher ein Zufallsfoto gewesen sein, die darin zum  Ausdruck gekommene Enttäuschung einer Stadt blieb zeitlebens an Adenauer hängen.

Detlef Grabert und Ulrike Poppe vor der Urne – Foto: LyrAg

Die wenigen Trauergäste, die heute in Strausberg einen der letzten Streikführer des 17. Juni von 1953 auf seinem  letzen Weg begleiteten, fühlten sich ungewollt an diese Parabel erinnert. Kein einziger offizieller Vertreter der Stadt war zum Heimgang des Strausberger Streikführers Heinz Grünhagen (79) erschienen, nicht einmal zu einem  Blumengruß hatte es gereicht. Kaum  zu glauben, wie kaltschnäuzig hier eine Kommune ein Jahr vor dem 60. Jahrestag des Volksaufstandes mit dem Tod des letzten  Streikführers aus der eigenen Stadt umgeht. Eine Stadt zieht den Vorhang zu. Pietät sieht anders aus. Ehrung und Anerkennung einer Lebensleistung ohnehin.

So vermerkt die Bundesrepublik Deutschland am 27. Juli anno 2012 die Beisetzung eines der letzten, vielleicht auch des letzten Streikführers von 1953 in einem anonymen Grab. In wenigen Jahren optisch auch auf dem Friedhof vergessen, wenn die Stelen mit den unzähligen Namen durch neue ersetzt sein werden.

Die Stadt entzieht sich der Frage nach einem möglichen Ehrengrab, so wie sie sich dem hartnäckigen Wunsch von Grünhagen entzogen hat, noch zu seinen Lebzeiten einen  Kilometer der Hennickendorfer Chaussee in „Straße des 17. Juni 1953“ umzubenennen. Das es auch anders geht, zeigt die nahe gelegene Hauptstadt. Zu Zeiten einer ebenfalls linken Koalition beschloss der Berliner Senat die Beisetzung von Teilnehmern am Volksaufstand in einer Ehrengrabanlage seitlich der Gedenkstätte vom 17. Juni auf dem Friedhof Seestraße.

Anders Strausberg. Mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit verteidigt die Stadtverordnetenversammlung die kilometerlange Ernst-Thälmann-Straße durch die Stadt ebenso vehement wie die einzige Straße in einer deutschen Kommune, die an einen ehemaligen Mauerschützen erinnert.

Klage, meine Seele, weine – Foto: LyrAg

So blieb es der Landesbeauftragten für die Bewältigung der Diktatur-Folgen, Ulrike Poppe, vorbehalten, durch ihre Anwesenheit und ihren letzten Blumengruß ein  Zeichen gegen diese Wand des Verdrängens zu setzen. Begleitet wurde sie von Detlef Grabert, einst Landtagsabgeordneter, später Stadtverordneter von Bündnis 90/Die Grünen und Wegbegleiter des Verstorbenen in  den letzten Jahren und zwei ehemaligen  Stadträten der CDU. Am Urnengrab betonte der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953 noch einmal das „unglaubliche Engagement von Heinz Grünhagen, der beispielhaft wie kaum  ein anderer der seinerzeitigen  Teilnehmer am Volksaufstand um die Erinnerung an diesen großen Tag in der Deutschen Geschichte gekämpft“ habe. Ohne die lebenslange und mutige Begleitung durch seine Ehefrau besonders in den schweren letzten Jahren wäre dieses Engagement allerdings nicht möglich gewesen. Holzapfel, der in Begleitung des Vorstandsmitgliedes Tatjana Sterneberg an der Trauerfeier teilnahm, versicherte, Heinz Grünhagen „niemals zu vergessen und sein Anliegen der Erinnerung auch in  Strausberg zu bewahren.“

Vereinigung 17. Juni: Das Fahrzeug mit Grünhagens letzter              Forderung beklebt    Foto: Lyrag

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Suse, wie sie liebevoll genannt wurde, ist nicht mehr – Ein Nachruf

Berlin, 25.07.2012/ts – Susanne Lothar (* 15. November 1960 in Hamburg; † 21. Juli 2012) war eine deutsche Schauspielerin und Tochter der unvergessenen Schauspieler Ingrid Andree und Hanns Lothar.

Letzte Woche sah ich sie im Cafe Manstein sitzen, zierlich, zerbrechlich, wie ich sie kennen gelernt hatte. Kurz zögerte ich, wollte sie ansprechen. Aber sie war in einem Gespräch, ich wollte sie nicht stören. Hätte ich doch…

Heute kam die erschütternde Nachricht von ihrem plötzlichen Tod. Susanne Lothar starb 51jährig, kein  Alter.

Ich lernte Susanne nach dem Tod ihres letzten Mannes Ulrich Mühe kennen. Wir hatten  unsere Hilfe angeboten, um für die gemeinsamen Kinder eine Versorgung zu sichern. Ulrich Mühe war an Magenkrebs gestorben, die Folge einer Magenoperation während seiner Dienstzeit bei den Grenztruppen der NVA. Da man versäumt hatte, ihn über eine regelmäßige Kontrolle des Magens zu unterrichten, sahen wir ein Verschulden des seinerzeitigen  Militärs und einen daraus erwachsenen Anspruch auf eine Entschädigungsrente.

Der lapidare Bescheid vom zuständigen Amt nach einem unzähligen Briefwechsel: Eine Magenerkrankung sei nicht als Folgeschaden bei den Grenztruppen der DDR eingestuft, da dieser selbst keine Belastungen verursachen konnte. Wirklichkeit im wiedervereinigten, den Folgen der Vergangenheit entrückten Deutschland.

Mühe hatte nach den Worten Susannes den Grenzdienst gewählt, weil er sich davon das ersehnte Theaterstudium versprach. Aber er litt unter der permanenten Gefahr, von seiner Waffe Gebrauch machen, auf Flüchtlinge schießen zu müssen. Keine Belastung?

Als ich Susanne begegnete, noch in der großen, einst gemeinsamen Wohnung in der Schlüterstraße, wirkte sie sehr zerbrechlich. Und dennoch war ihr unbeugsam wirkender Mut beieindruckend. Sie wollte, sie mußte  die geliebte Wohnung aufgeben, wollte umziehen. Und war dankbar für die Hilfestellung, nicht für sich, für die Kinder. Wir schrieben die Texte in der großen Küche auf dem Laptop, so konnte sie gleich unterschreiben. Immer fragte sie nach den realen Aussichten, wir versuchten, ihr Mut zu machen…

Susanne Lothar ist nicht mehr unter uns. Die Film- und Theaterwelt verliert erneut eine beeindruckende und überzeugende Schauspielerin. Ich verliere einen Menschen, der mit seiner spürbaren Sensibilität wohl an den realen Härten des Lebens zerbrochen  ist. Ihre Trauer um Ulrich Mühe war still, aber diese Trauer ging tief. Die Tränen weinte sie wohl zu sehr nach innen. Sie ertrank wohl in diesem unaufhörlichen Tränenstrom…

Tatjana Sterneberg

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote, Tel. 030-30207785

Dresden, 25.07.2012/cw – Das halbjährlich erscheinende „Sächsische Archivblatt“ geht in seiner jüngsten  Ausgabe (Heft 1 / 2012) ausführlich auf den Besuch des Bundespräsidenten Dr. Christian Wulff am 13. Mai 2011 im ehemaligen  Frauenzuchthaus Hoheneck ein (Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe: 12. März 2012).

Raymond Plache, Autor des Beitrages (Seite 25) und Leiter der Außenstelle Chemnitz des Sächsischen Staatsarchivs, verhehlt nur mühsam seine Begeisterung über den hohen Besuch, mit dem der Bundespräsident „ein deutliches Zeichen  seiner Anteilnahme am Schicksal der politisch Inhaftierten“ setzte. Plache betonte, dass „auch das Staatsarchiv Chemnitz an der Ausgestaltung eines Programmpunktes beteiligt“ war. Plache: „Seit einigen  Jahren bestehen regelmäßige Kontakte zu Tatjana Sterneberg, der Organisatorin der Veranstaltung, und zu Carl-Wolfgang Holzapfel, der sich für den Frauenkreis stark engagiert.“ Bei einem Besuch im Staatsarchiv sei die Idee entstanden, „dem Bundespräsidenten anhand von Originalunter-lagen aus dem Frauengefängnis Hoheneck die dortigen Zustände zu erläutern.“

Nachdem Plache den Beginn der Veranstaltung mit der feierlichen Kranzniederlegung anführte, schildert er eindrucksvoll den Part des Staatsarchivs im Programm: „In einem Zellentrakt war der Pressepoint aufgebaut, an dem Bundespräsident Wulff und seinen Begleitern durch den Leiter des Staatsarchivs Chemnitz drei Akten aus dem Archivbestand der ehemaligen Strafvollzugsanstalt Hoheneck präsentiert wurden. Am Beispiel ausgewählter Seiten eines Rapportbuches des medizinischen Dienstes aus den Jahren 1982 und 1983, in denen Namen Betroffener mittels aufgelegter Folien anonymisiert waren, konnte der physische und psychische Zustand der Gefangenen dargestellt werden. Allein für den Zeitraum vom Mai 1982 bis Dezember 1983 sind über das Rapportbuch u. a. 11 Suizid- und Suizidgefährdungsfälle, ein Tbc- und ein weiterer Tbc-Verdachtsfall sowie zahlreiche Fälle von Nahrungsverweigerungen nachweisbar.“

Der Bundespräsident und die begleitende Wissenschaftsministerin, Frau Prof. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer brachten Plaches Ausführungen großes Interesse entgegen und waren „vor allem von der Aussagekraft der archivalischen Überlieferung beeindruckt.“ Wulff erkundigte sich abschließend „nach der Situation des Archivwesens und dessen Organisation in Sachsen. In dem anregenden Gespräch reflektierte er auch seine Erfahrungen aus Niedersachsen und hob dabei vor allem die dortige Ressortierung bei der Staatskanzlei hervor.“

Der Autor gibt abschließend einen Einblick in  das beachtliche Archivmaterial zum  Thema Hoheneck: „Der Bestand 30461 Strafvollzugsanstalt Stollberg/Hoheneck, aus dem die ausgestellten Unterlagen stammen, umfasst derzeit 4,75 Meter Archivgut aus dem Zeitraum 1954 bis 1996. Dabei handelt es sich unter anderem um Lageberichte, Protokolle von Dienstbesprechungen, Statistiken, Planungsunterlagen, Anweisungen der Anstaltsleitung, Tätigkeitsbücher der Wachdienste und des medizinischen Dienstes sowie Unterlagen der SED-Parteigruppe.“ Zwar sei der Bestand „vorläufig erschlossen“, er bedürfe allerdings noch „einer archivarischen Ordnung und Verzeichnung“, so Raymond Plache. Weitere Ergänzungen des Bestandes seien „aus künftigen  Übergaben der Justizvollzugsanstalt Waldheim zu erwarten.“ Das Staatsarchiv verwahre auch „(Lese)Filme von Gefangenenakten der Entlassungsjahre 1961 bis 1970.“

http://www.archiv.sachsen.de/download/Archivblatt_1_2012.pdf

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote, C.W.Holzapfel, Tel.: 030-30207785

Wolfgang Welsch liest aus dem Buch von Jens Söring

Sinsheim/Berlin, 25.07.2012/ww – Wolfgang Welsch, Autor des verfilmten Bestsellers »Ich war Staatsfeind Nr.1« liest am

Mittwoch, 8. August 2012, 19.00-21.00 Uhr im Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23

aus dem Buch von Jens Söring „Nicht schuldig! – Wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde“,  erschienen in 2012 bei Droemer, München (ISBN 978-3-426-27579-5).

Jens Söring ist Autor von neun Büchern, die er aus dem US-Strafvollzug heraus veröffentlicht hat. Für eines seiner Bücher erhielt er einen US-Buchpreis (vgl. www.jenssoering.de). Die Vorstellung und anschließende Diskussion wird von der Lektorin Petra Hermanns von der Medienagentur ´Script for sale´, geleitet.

Dramatischer Apell im Titel: Das neue Buch von Jens Söring

Der Verlag schreibt zu dem Buch: „Seit einem Vierteljahrhundert sitzt der Deutsche Jens Söring in den USA im Gefängnis – für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Als junger Student legte er aus blinder Liebe ein falsches Geständnis ab, um seine damalige Freundin vor der Todesstrafe zu bewahren. Am Ende lautete das Urteil: zweimal lebenslänglich. Sörings Fall sorgte für internationale Schlagzeilen. Nun berichtet er von dem fatalen Fehler, der sein Leben zerstörte, von der Hoffnungslosigkeit des amerikanischen Haftalltags und von seinem bis heute andauernden Kampf um die Freiheit. Authentisch, packend und eindringlich erzählt: Jens Sörings Lebensgeschichte geht unter die Haut“ (http://www.droemer-knaur.de/buecher/NICHT+SCHULDIG!.7773910.html).

 Zahlreiche Medien haben seit Jahren über den Fall berichtet. Dazu gehören detaillierte Presseartikel aus Deutschland (u.a. Süddeutsche Zeitung, FAZ) und den USA (u.a. Washington Post) sowie zahlreiche TV-Berichte (u.a. Tagesthemen, Auslandsjournal, Focus-TV, Johannes B.Kerner).

Für die Freilassung von Söring bzw. seine Überstellung nach Deutschland setzen sich mittlerweile eine Vielzahl von Bundestagsabgeordneten quer durch alle Parteien, darunter viele prominente Politiker ebenso ein, wie der Präsident des europäischen Parlaments, Martin Schulz. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, wurde in die Bemühungen eingeschaltet.

Das Buch kann vor Ort erworben werden.

Dr. Wolfgang Welsch

V.i.S.d.P.: Dr. Wolfgang Welsch, Salierstr. 6  74889 Sinsheim Tel. 07261 64354  Mail: wwelsch@arcor.de

Strausberg/Berlin, 24.07.2012/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 teilte heute in  Berlin den Tod des Strausberger Streikführers vom 17. Juni, Heinz Grünhagen, mit. Grünhagen verstarb nach langer schwerer Krankheit am 11.07.2012 im Alter von 79 Jahren in den Armen seiner Frau.

Mit Heinz Grünhagen betrauert die Vereinigung 17. Juni den Heimgang eines der letzten noch lebenden Streikführer des Volksaufstandes von 1953: „Die Einschläge kommen immer dichter,“ stellte der Vorsitzende Holzapfel in Berlin fest. „Wir werden zum 60. Jahrestag in 2013 kaum noch einen der herausragenden Streikführer, zu denen auch Heinz Grünhagen gehörte, erleben.“

Heinz Grünhagen,  der zwanzigjährige Bauarbeiter, hört  am Abend im Berliner Sender RIAS den Aufruf zum Streik: „Morgen am Strausberger Platz.“ Der Brigadier, der für zahlreiche Kollegen die Stunden erfasst und die Abrechnungen  erstellt, weiß um den Druck, der durch die vom Staat verordnete Normenerhöhung entstanden ist. Obwohl jung verheiratet, seine Frau ist schwanger, trifft er sich am Morgen  des 17. Juni auf der Baustelle. Schnell ist man sich einig und beteiligt sich am Streik. Eine Streikführung wird gewählt, Heinz Grünhagen gehört dazu.

Blumen für einen 17er: Heinz Grünhagen mit C.W.Holzapfel von der Vereinigung 17. Juni

Man bemächtigt sich mehrerer LKW der Bau-Union und fährt enthusiastisch von einem  Betrieb zum anderen in Strausberg, um  zum Streik aufzurufen. Im Zementwerk Rüdersdorf fordern die Streikenden die Freilassung der politischen Gefangenen. Angesichts der vor Ort schwer bewaffneten  Polizei ziehen sich die Arbeiter nach Strausberg zurück.

Nach dem Mittagessen beschließen die Streikenden: Wir fahren nach Berlin. Doch Kasernierte Volkspolizei und sowjetische Militärs sichern die Stadtgrenze. In der heutigen Hennickendorfer Chaussee stadtauswärts sichten Grünhagen und seine Freunde Panzerspähwagen der Roten  Armee. Als die Arbeiter vorrücken, werden Warnschüsse abgefeuert. Die Strausberger Streikenden ziehen sich zurück.

Fünf Jahre Zuchthaus für Streik-Beteiligung

Noch in der Nacht wird Grünhagen von der Stasi aus dem Bett geholt. Am 25. Juni 1953 findet bereits der Prozess gegen die „Aufrührer“ statt. Grünhagen ist der jüngste Angeklagte, wird zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht wirft ihm vor, Wortführer der Streikenden gewesen zu sein und begründet damit seine besondere Schuld an dem „Aufruhr“.

Bis 1956 verbüßt Heinz Grünhagen seine Haft im  Zuchthaus Luckau. Als er entlassen wird, bleibt er seiner Frau zuliebe in der DDR. Von den Arbeiten im Steinbruch ist er gesundheitlich schwer gezeichnet, später wird eine Staublunge diagnostiziert. Trotzdem arbeitet er notgedrungen  im Straßenbau, jeglicher Aufstieg wird dem einstigen  Streikführer  verwehrt.

Nach dem Fall der Mauer lebt Grünhagen wieder auf. Mit einer seine vielen Freunde erstaunenden Energie setzt er sich nunmehr für das Gedenken an die Vorgänge im Juni 1953 ein. In der nach wie vor rot regierten  Stadt hat er keinen  leichten  Stand, findet aber immer wieder Verbündete, so in dem Landtagsabgeordneten  und späteren Mitglied des Stadtrates der Partei Bündnis90/DIE GRÜNEN, Detlef Grabert. Nach langem Ringen erkämpft Grünhagen die Errichtung eines Gedenksteines, allerdings außerhalb der Stadt, vor dem Kasernentor an der Hennickendorfer Chaussee. Wieder nach Jahren erreicht Grünhagen mit seiner Beharrlichkeit die Anbringung einer Gedenktafel mit den Namen der seinerzeit Streikenden auf dem Gedenkstein.

Sein  innigster Wunsch, noch zu Lebzeiten einen Kilometer der Hennickendorfer Chaussee in „Straße des 17. Juni“ umzubenennen, scheiterte bisher am hartnäckigen Widerstand der roten Mehrheit aus SPD und LINKE im Strausberger Rathaus. Im letzten Jahr erfolgte auf sein maßgebliches Drängen eine symbolische Umbenennung durch das zeitweise Überkleben von drei Straßenschildern am Bahnhof Strausberg in Anwesenheit der Brandenburgischen  Landesbeauftragten  für die Unterlagen der Staatssicherheit, Ulrike Poppe, die damit ihre Sympathie und Unterstützung des Anliegens unterstreichen wollte. Die Stadt antwortete mit einer Geldstrafe von über 300 €, eine Strafanzeige wurde jedoch eingestellt. Heinz Grünhagen, der sich an der Begleichung der Geldstrafe maßgeblich beteiligte, gab sich auch nach dieser „Niederlage“ kämpferisch. So lange er lebe, werde er für diese angemessenen Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 kämpfen.

Am 11. Juli hörte dieses Kämpferherz auf zu schlagen. In einem Nachruf würdigt die Vereinigung 17. Juni ihr Mitglied: Heinz Grünhagen habe „beispielgebend und unvergessen buchstäblich bis zum Tod für die Erinnerung an einen großen Tag in der deutschen Geschichte gekämpft. Der 17. Juni prägte sein  Leben. Seiner Familie und besonders seiner Frau gehört unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme. Seine Frau habe die volle Last der schweren Erkrankung in den letzten Jahren mit großer Liebe und an die Grenzen der Kraft gehendem Einsatz getragen.“

„Straße des 17. Juni“ in Strausberg?

 „Die Stadt Strausberg hätte nun die Gelegenheit, sich vor dem großen Sohn  der Stadt zu verneigen und zum  bevorstehenden 60. Jahrestag des Aufstandes die Hennickendorfer Chaussee stadtauswärts umzubenennen. Es wäre ein später Dank an Heinz Grünhagen und die Frauen und Männer vom 17. Juni 1953, die auch in  Strausberg Kampfesmut für einen  besseren Staat zeigten“, sagte heute der Vorstandssprecher in Berlin.

Die Beisetzung findet am Freitag, 27.07.2012, um  10:00 Uhr auf dem Waldfriedhof Strausberg statt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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