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Berlin-Pankow, 24.06.2012/cw – Die BVV von Pankow hat in ihrer Sitzung am 13.06. fraktionsübergreifend einstimmig beschlossen, die eindrückliche Ausstellung „Der dunkle Ort“  in dem Bezirk zu zeigen. Die von der Heinrich-Böll-Stiftung zum gleichnamigen Buch*  konzipierte Ausstellung zeigt 25 Schicksale aus dem einzigen DDR-Frauengefängnis Hoheneck.

In der von der SPD und B90/GRÜNE initiierten und angenommenen Beschlussvorlage heißt es:

„Das Bezirksamt wird ersucht, die Ausstellung „Der dunkle Ort“ über die Schicksale von 25 Frauen aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck vorzugsweise im bezirklichen Museum oder in vergleichbaren, geeigneten bezirklichen Räumlichkeiten zu zeigen. Zur Eröffnung sollten die Autoren und Zeitzeuginnen eingeladen werden.“

Und zur Begründung wird ausgeführt:

Grundlage der Ausstellung: Das Buch von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl

„Bautzen kennt jeder, in der dortigen Justizvollzugsanstalt saßen die Männer ein. Die wenigsten aber wissen, dass es in der DDR auch ein Frauengefängnis mit ähnlich brutalen Zuständen gab: die Strafvollzugsanstalt Hoheneck im sächsischen Stollberg. Eine Burg mit hohen Mauern, Stacheldraht und Elektrozäunen. Aus allen Teilen des Landes wurden Frauen und Mädchen zur Verbüßung ihrer Haftzeit hierher gebracht. 40 Jahre lang war Hoheneck das zentrale und größte Frauengefängnis der Deutschen Demokratischen Republik.

Die Bedingungen in Hoheneck waren menschenunwürdig, das Gefängnis oft überfüllt. In den Zellen wurden bis zu 30 Frauen gepfercht. Aus Platzmangel musste auch auf dem Boden geschlafen werden. In drei Schichten – rund um die Uhr – mussten die Inhaftierten in den hauseigenen Betrieben arbeiten. Die Strafen waren drakonisch, Arrest in der Dunkelzelle mit Wasser und Brot waren keine Ausnahme.

Zwanzig Jahre nach der Schließung von Hoheneck haben sich 25 Frauen, die zwischen 1949 und 1989 dort als politische Gefangene inhaftiert waren, von dem Fotografen Dirk von Nayhauß und der Autorin Maggie Riepl porträtieren lassen.“ * (Der dunkle Ort, be-bra Wissenschaft Verlag 2012, ISBN 978-3-937233-99-4, 19,95 €).

Bemerkenswert ist nicht nur die Zustimmung durch DIE LINKE. Die Fraktion hatte sich bereits im Vorfeld der Abstimmung der Initiative zum Antrag angeschlossen, die CDU hingegen nicht. Tatjana Sterneberg, selbst ehemalige Hoheneckerin und Vorsitzende des im September vergangenen Jahres gegründeten Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck sieht in der „Bewegung in Sachen Aufarbeitung“ bei der LINKE-Fraktion ein „durchaus positives Signal, das allerdings noch den Härtetest bestehen  müsse“, nachdem sich diese Partei bisher hartnäckig einer offenen und ehrlichen Aufarbeitung versagt hätte.

Ein Novum? Mitteilung der Pankower LINKE im Internet

„Dabei waren in der Vergangenheit Postulate wie die nach der Wegsuche zum Kommunismus durch die einstige Bundesvorsitzende sicher nicht hilfreich. Wir beobachten diese Entwicklung zur Realität aufmerksam und ohne Schaum vor dem Mund,“ sagte Sterneberg, die selbst vor ihrer Verbringung nach Hoheneck in der Stasi-Untersuchungshaft in Pankow (Kissingstraße) bis zu ihrer Verurteilung im Sommer 1974 fast ein Jahr zubringen  mußte. Die Vereinsvorsitzende hat darum in gleichlautenden Schreiben an alle Fraktionen der BVV den Beschluss begrüßt und auch der LINKE-Fraktion angeboten, in einen „offenen und ehrlichen Dialog“ einzutreten. Sterneberg ist sich klar darüber, dass dies „Neuland ist und auch von den ehemaligen Opfern der zweiten deutschen Diktatur viel Überwindung benötigt. Ein Ende der Debatte, wie sie jüngst der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck gefordert habe, ist aber nicht  v o r  der Aufnahme der Debatte, einer wirklichen  Auseinandersetzung mit der Vergangenheit unter Einbeziehung der Täter-Generation möglich,“ so Sterneberg. „Das Eingeständnis von Verantwortung und vorhandener Schuld ist Voraussetzung für jedweden konstruktiven Abschluss.“ Gleich, wie dieser auch aussehe, könne dieser Abschluss aber niemals eine permanente Aufarbeitung und Befassung mit historisch belegbaren Geschehnissen unter den Teppich der allgemeinen Verdrängung und des kollektiven Vergessens bedeuten. Dem Willen der DDR-Verteidiger und –Fürsprecher zur Barrierefreien Aufklärung komme dabei eine nicht überbrückbare Verantwortung zu. „Die Abgeordneten der LINKE-Partei in der Pankower BVV haben dafür ein hoffentlich in ihrer Partei zur Wirkung kommendes Signal gesetzt,“ hofft die ehemalige Hoheneckerin.

Siehe auch: http://www.kultur-in-pankow.de/dies-a-das.html und                      http://www.berlin.de/ba-pankow/bvv-online/vo020.asp?VOLFDNR=3253&options=4

V.i.S.d.P.: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V., Tel.: 030-30207778                  (Hinweis: Der Förderverein ist Gast auf dieser Homepage, bis eine eigene zur Verfügung steht.)
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