Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

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Nr.007                                        Förderverein – Info                   15. Juni 2012

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Siegfried Reiprich mit Umsetzung überfordert?

Berlin/Hoheneck, 12.Juni 2012/cw –  Im Jahr Eins nach dem vielbeachteten Besuch des damaligen Staatsoberhauptes im einstige  Frauengefängnis Hoheneck gerät das Projekt einer Begegnungs- und Gedenkstätte in heftige Turbulenzen, die zumindest eine von allen Beteiligten angestrebte Umsetzung zumindest entscheidend verzögern könnten. Verantwortlich scheint ausgerechnet die Institution zu sein, die sich satzungsmäßig der Unterstützung von Initiativen und Vereinen verpflichtet weiß, die sich der Erinnerung an die zwei deutschen Diktaturen und dem Gedenken an deren Opfer widmen.

Siegfried Reiprich, Direktor der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, ist sicherlich ein ehrenwerter Mann. Der einstige FDJ-Sekretär für Agitation und Propaganda, was Reiprich in seiner Vita übrigens nie verschwiegen hat, glaubte seinerzeit an die Reformierbarkeit des Sozialismus und schloss sich schließlich entsprechenden Oppositionsgruppen in der auslaufenden DDR an. In  dieser Rolle befanden sich in der unaufhaltsamen Agonie des „ersten sozialistischen  Arbeiter- und Bauernstaates“ auf deutschem Boden viele Träumer, Phantasten und Utopisten wieder, die im  Verein mit Künstlern, Lyrikern,  Literaten und Theologen einer ebenso utopischen „Kirche im  Sozialismus“ an die friedliche Umwandlung in  einen  Sozialismus mit menschlichem Antlitz glaubten. Und da vielfach der Glaube für das Werk gilt, zogen diese vielfach realitätsfernen Polit-Akrobaten als Reformer und Antreiber der Friedlichen Revolution in die vielfach geschaffenen neuen oder bestehenden  alten Gremien des eigentlich so nicht gedachten vereinigten  Deutschland ein.

An dieser Stelle kann und soll nicht untersucht werden, welchen tatsächlichen Einfluss die Utopisten auf die Geschehnisse des Jahres 1989 hatten. Dass der Mut zum freien Geist und damit zur Entwicklung undenkbarer Vorstellungen derartige Entwicklungen wesentlich beeinflusst, steht hingegen  Außerfrage. Im Sog der ausgelösten  Umwälzungen konnte sich so auch Siegfried Reiprich seinen  Platz erobern, wobei seine in der späten DDR aufgebauten Bindungen zu führenden Oppositionellen besonders in Jena, wie Jürgen Fuchs, sicherlich hilfreich waren.

Reiprich wurde schließlich stellvertretender Direktor der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen und kümmerte sich dort um die Organisation eines umfangreichen Programms für die hunderttausende einströmenden Besucher des einstigen zentralen Stasi-Untersuchungsgefängnisses, während sich der Direktor Hubertus Knabe um die geistige Vermittlung des Erinnerungs-Auftrages kümmerte und kümmert.

2009 bewarb sich Reiprich als Direktor der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Aus den Reihen der Opferverbände kam Kritik, leider versteckt, nicht offen. Reiprich wandte sich an den Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni, der zu diesem Zeitpunkt auch stv. Bundesvorsitzender der VOS war. Holzapfel und der VOS-Bundesvorstand befürworteten schließlich in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten die Berufung, wofür sich Reiprich wärmstens bedankte.

Heute zweifelt der am Wochenende in seiner Vorstandsfunktion erneut bestätigte einstige Widerständler gegen  die Mauer an seinem Votum. Er wirft dem Stiftungs-Direktor vor, seine erworbenen Kenntnisse in der Agitation zur Durchsetzung eigener Ziele zu missbrauchen: „Diese Machtinstrumente dürften heute besonders im Umgang mit Diktatur-Opfern keine Rolle mehr spielen“, mahnt der 17.Juni-Vorsitzende.

Ausgangspunkt seiner harschen  Kritik ist Reiprichs Umgang mit dem im September in Stollberg gegründeten Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck. Zunächst hatte Reiprich am Rande einer missglückten Besprechung am 2.09. in Stollberg einer Gründung zugestimmt, nach der Etablierung allerdings einiges unternommen, um den Verein zu torpedieren.

Diffamierende Schreiben an die UOKG und den Frauenkreis: Auszug aus einer Reiprich-Mail vom 27.03.2012

In einer von Reiprich Ende März 2012 verbreiteten Mail bestätigt der Stiftungs-Direktor die kritische Bewertung seiner Aktivitäten durch den Förderverein-Vorstand (Auszug siehe Fenster). Darin verbreitet sich Reiprich ungewohnt offen abfällig über die Akteure, deren Engagement wohl nicht in das Reiprich-Raster passt, wonach sich Vereine zuförderst nach seinen Wünschen zu richten oder vorher um Genehmigung zu bitten haben. So verbreitete er wider besseren Wissens Unwahrheiten gegen die Vorsitzende des Fördervereins und den Schatzmeister. Jedenfalls erreichte Reiprich mit seinen  Aktivitäten eine aktuelle Lähmung der Bemühungen um eine Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck, verhinderte die bereits mit der Stadt und den örtlichen Mitgliedern abgestimmte Übergabe (8.02.2012) des Vereins an einen Stollberger Vorstand und wirkte aktiv an der Gründung eines weiteren Fördervereins mit, um diesen augenscheinlich nach seinen Vorstellungen ausrichten zu können. Letztlich verhinderte Reiprich durch seine massive schriftliche Intervention die Aufnahme des Fördervereins in die UOKG, womit der Gründungsvorstand die Arbeit in  Sachen  Hoheneck auf eine breite Basis stellen wollte. Die obskure Vorgehensweise Reiprichs spiegelt sich auch in der Untersagung an den UOKG-Vorsitzenden Rainer Wagner, dem Förderverein das diffamierende, denunziatorische und vor der Mitgliederversammlung der UOKG verlesene Schreiben auszuhändigen.

Inzwischen  haben die von Reiprich kräftig geschürten Auseinandersetzungen den Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen erreicht. Statt sich konstruktiv um die Errichtung einer Gedenkstätte kümmern zu können, streiten derweil zwei Vorstände um die Legitimation, den Verein zu führen.

Tatjana Sterneberg, entgegen der Planungen nun noch immer Vorsitzende des mit Sitz in Stollberg angemeldeten Vereins, ist über die Entwicklung bestürzt. Sie sieht die mit dem Bundespräsidenten-Besuch in Fahrt gekommenen Bemühungen gefährdet und kann nicht verstehen, dass ausgerechnet die Stiftung Sächsische Gedenkstätten in  Gestalt ihres Direktors „die Bremsklötze auf die Schienen“ legt. Der Förderverein hat inzwischen in Dresden eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht und Herrn Reiprich eine Unterlassungs-Aufforderung hinsichtlich der verbreiteten Lügen zukommen lassen. Sterneberg: „Wir schlagen die Tür nicht zu. Wenn  Herr Reiprich sich verpflichtet, seine massiven Unwahrheiten nicht mehr zu verbreiten und sich bei uns entschuldigt, werden wir im Gegenzug unsere Dienstaufsichtsbeschwerde zurückziehen und wieder den Weg einer notwendigen  Zusammenarbeit fortsetzen, den wir von Anfang an gesucht haben.“

Allerdings stehen die Chancen schlecht. Statt die Schreiben des Fördervereins zu beantworten, schaltete Reiprich eine Anwaltskanzlei in  Berlin  ein. Als Stiftungsdirektor kann er auf die Übernahme der anfallenden Kosten durch die Stiftung rechnen. Der Förderverein muss jeden gespendeten Euro dreimal umdrehen und die Kosten  für einen Ggeenanwalt zunächst selbst aufbringen. Man nennt das gemeinhin „ungleiche Waffen“.

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