Hans-Joachim Kögel, Heidelberg

Berlin/Heidelberg, 17. Juni 2012/cw – Der rüstige 91jährige Hans-Jochim Kögel stand mit totalitären Regimes schon immer auf dem Kriegsfuß. 1933 wurde ihm eine Freistelle in der Landesschule Schulpforta verweigert, weil er nicht in die Hitler-Jugend (HJ) eintreten wollte. 1934 – 1941 wirkte er gar mit seine Eltern in einem ev.-kath. Widerstandskreis mit.

Trotzdem trat er 1937 doch, wenn auch widerwillig in  die HJ ein, um eine Ausbildung in der Sparkasse Naumburg absolvieren zu können.

Im März 1941 wurde der mittlerweile Zwanzigjährige zum Gebirgsjägerregiment in Villach eingezogen; Einsätze  vor Murmansk, bis zum Weißen Meer und Nördl. Eismeer folgten. 1942-1945 zahlreiche Verwundungen und Erfrierungen. Aus der englischen Kriegsgefangenschaft in Nordnorwegen kehrte der gezeichnete junge Mann im Oktober 1945 in die zerstörte Heimat zurück, wo er rasch zum Abteilungsleiter in der heimischen  Sparkasse aufstieg.

Im Mai 1948 folgte die Heirat, er konnte 2008 die diamantene Hochzeit feiern. Um sich dem Eintritt in die SED zu entziehen, trat er buchstäblich zwangsweise in die NDPD ein, einer Gliederung der Nationalen Front, in der alle SED-hörigen Parteien zusammengefasst und kontrolliert wurden. Bereits 1949 erfolgte die erste Verwarnung wegen unliebsamer politischer Äußerungen; 1950 nahm Kögel erstmals Kontakt zum Sender RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) in West-Berlin auf. Die zweite Verwarnung folgte 1951 auf dem Fuße, Kögel verlor seine  Posten  als Abteilungsleiter und wurde in die Sparkasse Weißenfels versetzt.

Am 17.Juni 1953 beteiligte sich Kögel aktiv am Volksaufstand in der Weißenfelder Innenstadt und der Befreiung von politischen Gefangenen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes durch sowjetische Truppen entging er nur knapp einer Verhaftung. Im Gefolge nahm er den nicht ungefährliche Kontakt zum Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen und dem Ostbüro der SPD auf und wurde schließlich am 20.09.1955 auf dem Weg zur Arbeit verhaftet („Roter Ochse“ in Halle).

Am 17. Januar 1956 holte den einstigen  Siebzehner, wie sich die Aufständischen noch heute bezeichnen, die Vergangenheit ein.  Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, wobei eine Teilnahme am Aufstand nur vermutet wurde, aber glücklicherweise nicht nachgewiesen werden konnte. Kögel empfindet das Urteil im Vergleich zu dem Schicksal seiner Kameraden vom 17. Juni noch heute als „glimpflich“ infolge der Tauwetterperiode nach dem Besuch Adenauers in Moskau. Während des Volksaufstandes in Ungarn rebellierte er mit anderen Haftkameraden und wurde als „potentieller Aufrührer“ zurück in die Haftanstalt Volkstedt verlegt.

Am 15.11.1957 wurde er wegen einer schweren Lebererkrankung vorzeitig entlassen und konnte zu seiner Familie mit zwei Töchtern zurückkehren. Wenige Monate zuvor war seine Frau aus der Tannenfelder Nervenheilanstalt entlassen worden. Sie hatte durch die Verhöre der Stasi eine Nervenzusammenbruch erlitten.

Der gelernte Bankkaufmann mußte sich als Bauhilfsarbeiter verdingen und flüchtete schließlich im  April 1958 nach West-Berlin. Nach der Übersiedlung nach Heidelberg war er bis zu seiner Pensionierung in der dortigen  Sparkasse tätig.

Seither studiert der rüstige Greis an der legendären Universität Heidelberg, seine jungen Kommilitonen begegnen ihm ehrfurchtsvoll. Sein Studium hat sich inzwischen bis nach Japan herumgesprochen, auch als Zeitzeuge ist Hans-Joachim Kögel nach wie vor ein gefragter Mann.

Ob seines eindrucksvollen Lebenslaufes und angesichts des bevorstehenden 60. Jahrestages des Volksaufstandes hat  ihn  die Vereinigung für die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Heidelberg vorschlagen.

 V.i.S. d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel..:030-30207785

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