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Berlin, 16.06.2012/cw – Die Mitgliederversammlung der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat am Vorabend des Gedenktages an den Volksaufstand Wahlen zum Vorstand durchgeführt. Der bisherige, seit 2002 im Amt befindliche Vorsitzende Carl-Wolfgang Holzapfel (68) wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt. Zum neuen Geschäftsführer wurde Joachim Fritsch (75) gewählt (einstimmig), im Amt der Schatzmeisterin wurde Tatjana Sterneberg (60) ebenso einstimmig bestätigt. Sterneberg hatte nach dem aus familiären Gründen erfolgten Rücktritt des langjährigen Geschäftsführers André Rühring seit zwei Jahren das Amt des Geschäftsführers kommissarisch in Personalunion geführt.

Der neue Vorstand (von links): C.W. Holzapfel, Tatjana Sterneberg, Joachim Fritsch
– Foto: LyrAg

 Holzapfel gehört dem Verein seit 1963 an und wurde bereits 1965 Hauptgeschäftsführer. Er wurde durch seine Widerstandsaktionen gegen  die Berliner Mauer bekannt und nach mehreren Demonstrationen für die Freilassung politischer Gefangener 1965 am Checkpoint Charlie verhaftet und 1966 in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

Joachim Fritsch war Zeitzeuge vom 17. Juni 1953, wurde wegen angeblicher aktiver Teilnahme verhaftet und durch die Stasi gefoltert. Erst dadurch wurde er zum überzeugten Gegner des DDR-Systems.

Tatjana Sterneberg wurde 1972 wegen ihrer Liebe zu einem in West-Berlin lebenden Italiener verhaftet, nachdem ihr Antrag auf Ausreise abgelehnt worden war und sie sich um  eine Fluchtmöglichkeit bemüht hatte. Sie verbüßte ihre fast vierjährige Haft im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck. Seit Jahren arbeitet Sterneberg in der Beratung von SED-Opfern und der Aufklärung der Diktatur-Verbrechen. Sterneberg ist seit September 2011 auch Vorsitzende des Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck.

Goldene Ehrennadel für Hardy Firl (rechts). Zu den Gratulanten gehörte auch Klaus Wowereit auf dem Empfang zum 20jährigen Bestehen der UOKG. – Foto: LyrAg

Hardy Firl, für seine aktive Teilnahme am Volksaufstand von 1953 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, wurde auf der Mitgliederversammlung für seine Verdienste um die Freiheit und Einheit Deutschlands mit der Goldenen Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet.

Die Vereinigung 17. Juni 1953 ging aus dem nach dem Aufstand gegründeten Komitee 17. Juni hervor und wurde unter ihrem jetzigen Namen am 3. Oktober 1957 in das Vereinsregister eingetragen. 2009 vereinigte sich der Verein wieder mit dem Arbeitskreis gleichen Namens, der sich nach internen Auseinandersetzungen um die Ausrichtung und Umsetzung der Ziele von 1953 im Jahr 1964 von der Vereinigung getrennt und dem Kuratorium Unteilbares Deutschland angeschlossen hatte.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Hans-Joachim Kögel, Heidelberg

Berlin/Heidelberg, 17. Juni 2012/cw – Der rüstige 91jährige Hans-Jochim Kögel stand mit totalitären Regimes schon immer auf dem Kriegsfuß. 1933 wurde ihm eine Freistelle in der Landesschule Schulpforta verweigert, weil er nicht in die Hitler-Jugend (HJ) eintreten wollte. 1934 – 1941 wirkte er gar mit seine Eltern in einem ev.-kath. Widerstandskreis mit.

Trotzdem trat er 1937 doch, wenn auch widerwillig in  die HJ ein, um eine Ausbildung in der Sparkasse Naumburg absolvieren zu können.

Im März 1941 wurde der mittlerweile Zwanzigjährige zum Gebirgsjägerregiment in Villach eingezogen; Einsätze  vor Murmansk, bis zum Weißen Meer und Nördl. Eismeer folgten. 1942-1945 zahlreiche Verwundungen und Erfrierungen. Aus der englischen Kriegsgefangenschaft in Nordnorwegen kehrte der gezeichnete junge Mann im Oktober 1945 in die zerstörte Heimat zurück, wo er rasch zum Abteilungsleiter in der heimischen  Sparkasse aufstieg.

Im Mai 1948 folgte die Heirat, er konnte 2008 die diamantene Hochzeit feiern. Um sich dem Eintritt in die SED zu entziehen, trat er buchstäblich zwangsweise in die NDPD ein, einer Gliederung der Nationalen Front, in der alle SED-hörigen Parteien zusammengefasst und kontrolliert wurden. Bereits 1949 erfolgte die erste Verwarnung wegen unliebsamer politischer Äußerungen; 1950 nahm Kögel erstmals Kontakt zum Sender RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) in West-Berlin auf. Die zweite Verwarnung folgte 1951 auf dem Fuße, Kögel verlor seine  Posten  als Abteilungsleiter und wurde in die Sparkasse Weißenfels versetzt.

Am 17.Juni 1953 beteiligte sich Kögel aktiv am Volksaufstand in der Weißenfelder Innenstadt und der Befreiung von politischen Gefangenen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes durch sowjetische Truppen entging er nur knapp einer Verhaftung. Im Gefolge nahm er den nicht ungefährliche Kontakt zum Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen und dem Ostbüro der SPD auf und wurde schließlich am 20.09.1955 auf dem Weg zur Arbeit verhaftet („Roter Ochse“ in Halle).

Am 17. Januar 1956 holte den einstigen  Siebzehner, wie sich die Aufständischen noch heute bezeichnen, die Vergangenheit ein.  Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, wobei eine Teilnahme am Aufstand nur vermutet wurde, aber glücklicherweise nicht nachgewiesen werden konnte. Kögel empfindet das Urteil im Vergleich zu dem Schicksal seiner Kameraden vom 17. Juni noch heute als „glimpflich“ infolge der Tauwetterperiode nach dem Besuch Adenauers in Moskau. Während des Volksaufstandes in Ungarn rebellierte er mit anderen Haftkameraden und wurde als „potentieller Aufrührer“ zurück in die Haftanstalt Volkstedt verlegt.

Am 15.11.1957 wurde er wegen einer schweren Lebererkrankung vorzeitig entlassen und konnte zu seiner Familie mit zwei Töchtern zurückkehren. Wenige Monate zuvor war seine Frau aus der Tannenfelder Nervenheilanstalt entlassen worden. Sie hatte durch die Verhöre der Stasi eine Nervenzusammenbruch erlitten.

Der gelernte Bankkaufmann mußte sich als Bauhilfsarbeiter verdingen und flüchtete schließlich im  April 1958 nach West-Berlin. Nach der Übersiedlung nach Heidelberg war er bis zu seiner Pensionierung in der dortigen  Sparkasse tätig.

Seither studiert der rüstige Greis an der legendären Universität Heidelberg, seine jungen Kommilitonen begegnen ihm ehrfurchtsvoll. Sein Studium hat sich inzwischen bis nach Japan herumgesprochen, auch als Zeitzeuge ist Hans-Joachim Kögel nach wie vor ein gefragter Mann.

Ob seines eindrucksvollen Lebenslaufes und angesichts des bevorstehenden 60. Jahrestages des Volksaufstandes hat  ihn  die Vereinigung für die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Heidelberg vorschlagen.

 V.i.S. d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel..:030-30207785

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