Berlin/Hofheim-Wallau, 01.05.2012/cw – Bereits Anfang September 2011 wandte sich die Vereinigung 17. Juni in Berlin an IKEA-Deutschland und forderte den Möbelhaus-Konzern auf, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und die Mitwirkung an der Ausbeutung von Zwangsarbeitern in den Zuchthäusern der einstigen DDR aufzuarbeiten (Siehe unseren Bericht vom 3.04.2012).

„Bisher ist die Ausbeutung politisch Verfolgter in der DDR insbesondere auch durch Firmen aus dem kapitalistischen Westen leider weder thematisiert noch angemessen durch entsprechende Wiedergutmachungsleistungen anerkannt worden“, hieß es in dem Schreiben der Vereinigung vom 6.09.2011. Und weiter: „Wir halten die Auswirkungen der jüngsten  Berichte über die Beteiligung Ihres Hauses an dieser Ausbeutung für verheerend“.

Klare Antwort von IKEA Deutschland

Am 10. Oktober letzten Jahres lag der Verfolgtenorganisation eine Antwort des Geschäftsführers von IKEA-Deutschland, Peter Betzel, vor. Klar und unmissverständlich formulierte Betzel: „IKEA verurteilt die Beschäftigung von politischen Gefangenen in der Produktion aufs Schärfste … Wir nehmen die Behauptungen sehr ernst, dass politische Gefangene für die IKEA-Produktion eingesetzt wurden“, um dann allerdings relativierend anzufügen: „Es gab keine Anzeichen dafür, dass politische Gefangene für die Produktion (in der DDR) herangezogen wurden“. Betzel sagte dann zu „diesen Sachverhalt lückenlos aufzuklären“. Allerdings habe man nur eine zehnjährige Archivierungspflicht für Dokumente, daher „wird dies voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen“.

Im Zusammenhang von Recherchen durch den schwedischen  TV-Sender SVT, der am morgigen Mittwoch, 2.05.,  im Rahmen seiner Sendung „“Uppdrag Granskning“ über das Engagement von  IKEA in der DDR berichten wird, bestätigte die BStU dem Sender, dass IKEA zwischenzeitlich Dokumente angefordert bzw. Akteneinsicht beantragt und getätigt habe.

In  einer ersten Stellungnahme begrüßte die Vereinigung 17. Juni diese „Sachstandsmeldungen“, die „die seinerzeitigen Opfer dieser Ausbeutung hoffen lassen, wenigstens ein Eingeständnis der Mitverantwortung für die seinerzeitige Ausbeutung“ zu erhalten. Wieweit sich der Möbel-Konzern einer Wiedergutmachung stellt oder sich an einem Projekt der Aufarbeitung „angemessen beteiligen“ wird, wie es die Vereinigung in ihrem Schreiben gefordert hatte, bleibe abzuwarten. „Im Gegensatz zu Beteiligungen deutscher Unternehmen, wie KARSTADT, QUELLE oder NECKERMANN zeige der schwedische Möbel-Gigant aber eine begrüßenswerte Aktivität, seinen  erwachsenen historischen Verpflichtungen wenigstens im Bereich der Aufklärung nachzukommen“, sagte der Vorstandssprecher der Vereinigung heute in Berlin.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48051953

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